Berlin-Wilhelmstadt

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Wilhelmstadt
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Kladow Gatow Staaken Falkenhagener Feld Wilhelmstadt Spandau Haselhorst Siemensstadt HakenfeldeWilhelmstadt auf der Karte von Spandau
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 31′ 16″ N, 13° 11′ 48″ O52.52111111111113.196666666667Koordinaten: 52° 31′ 16″ N, 13° 11′ 48″ O
Fläche 10,422 km²
Einwohner 38.279 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte 3673 Einwohner/km²
Postleitzahl 13593, 13595
Ortsteilnummer 0509
Gliederung
Verwaltungsbezirk Spandau
Ortslagen

Die Wilhelmstadt ist ein Berliner Ortsteil im Bezirk Spandau, dessen Namen sich von Kaiser Wilhelm I. ableitet. Anlässlich des 100. Geburtstags des Kaisers erhielt die ehemalige Potsdamer Vorstadt im Jahr 1897 ihren heutigen Namen.

Geografie und Geschichte[Bearbeiten]

Luftaufnahme der Wilhelmstadt mit Blickrichtung nach Süden

Abgegrenzt wird der Ortsteil im Norden in etwa durch den Bullengraben sowie entlang der Ruhlebener Straße/Charlottenburger Chaussee, im Osten durch die Havelchaussee sowie die Stößenseebrücke am Stößensee gegen Westend, im Süden durch eine ost-westlich verlaufende Linie südlich des Jaczo-Turms gegen Gatow und im Westen durch die Sandstraße gegen Staaken. Wichtige Straßen in der Wilhelmstadt sind die Heerstraße (Bundesstraße 5 und östlich bis zur Wilhelmstraße auch Bundesstraße 2), die Wilhelmstraße (südlich ab Heerstraße Bundesstraße 2) sowie Gatower Straße und Pichelsdorfer Straße.

Neben der geschlossenen Mietshausbebauung der historischen Wilhelmstadt (nördlich der Heerstraße) und den überwiegend mit Einfamilienhäusern bebauten Bereichen zwischen Heerstraße und Weinmeisterhornweg gehören auch die Ortslagen Pichelsdorf, Pichelswerder und Tiefwerder (ohne Südhafen und Wohnbereich an der Dorfstraße) zu diesem Spandauer Ortsteil.

Ebenfalls zum Ortsteil Wilhelmstadt gehört der sogenannte „Seeburger Zipfel“. 1945 führten die alliierten Streitkräfte aus der Sowjetunion und Großbritannien einen Interessensgebietsaustausch, unter anderen zwischen Seeburg und dem Berliner Bezirk Spandau durch. Seeburg erstreckte sich damals bis auf wenige Meter an die Havel heran, sodass die südlichen Gebiete von Spandau (Gatow und Kladow) per Straße (Potsdamer Chaussee, Gatower Straße) von der Wilhelmstadt nur über das Gebiet von Seeburg in der sowjetischen Besatzungszone erreicht werden konnte. Die Briten betrieben im Süden von Spandau ihren Militärflugplatz sowie zwei Kasernen und wollten eine ungehinderte Zufahrt erreichen. Daher wurde der Seeburger Zipfel an Spandau abgetreten. Er umfasst das nahe der Havel gelegene Wohngebiet Weinmeisterhöhe, heute die Wohnlage mit den höchsten Bodenpreisen in Spandau, und die Rieselfelder. An die Gemeinde Seeburg wurden dafür im geringeren räumlichen Umfang Spandauer Gebiete westlich der Potsdamer Chaussee (Rieselfelder) abgetreten. Der Seeburger Zipfel bildet heute die Gemarkung Seeburg in der Wilhelmstadt. Mit dem Einigungsvertrag wurde bei der deutschen Wiedervereinigung entschieden, dass die Austauschgebiete Seeburger Zipfel und Groß Glienicke beim Bezirk Spandau verbleiben. Der 1945 im Gegenzug an die sowjetische Besatzungszone übergebene Westteil des Ortsteils Staaken war seit 1961 eine selbstständige Gemeinde Staaken in der DDR und kam 1990 wieder zurück zu Spandau. Eine Verfassungsklage der Gemeinde Groß Glienicke hiergegen blieb erfolglos.

Internationale Bekanntheit erlangte der Ortsteil ab 1947 durch die Inhaftierung der Kriegsverbrecher des Dritten Reichs im Spandauer Kriegsverbrechergefängnis. Das Gefängnis lag am südwestlichen Rand der Wilhelmstadt und war dem Alliierten Kontrollrat unterstellt, wobei die Bewachung der Häftlinge im Monatswechsel durch die ehemaligen Alliierten erfolgte. 1987, nach dem Suizid des letzten und jahrelang einzigen Gefangenen, Rudolf Heß, wurde das Gefängnis umgehend abgerissen, um es nicht zu einer Wallfahrtsstätte für Rechtsradikale werden zu lassen. Das Gelände wurde mit einem 1990 eröffneten Einkaufszentrum, dem ehemaligen Britannia Centre Spandau [1] der NAAFI neu bebaut. 2011 stellte eine Entwicklungsgesellschaft als neue Eigentümerin den Antrag auf Abriss des Kinokomplexes des ehemaligen Britannia Centers. Die Pachtverträge für den Kinokomplex und den Shoppingkomplex wurden gekündigt.[2] 2013 folgte ein umfassender Teilabriss und Neugestaltung in Form eines einzelnen Supermarktgebäudes für den Discounter Kaufland.

In der Wilhelmstadt liegt das Kombibad Spandau-Süd (Uwe-Gaßmann-Bad, Gatower Straße 19) der Berliner Bäder-Betriebe. Zwei ehemalige große Kasernenstandorte an der Wilhelmstraße werden seit dem Abzug der britischen Streitkräfte für gewerbliche Zwecke genutzt.

Die weltweit einzige „nasse“ Tiefenrauschsimulationsanlage liegt an der Scharfen Lanke am südöstlichen Rand der Wilhelmstadt. Die DLRG Berlin kann mit ihrer Tauchturm-Anlage der Bundeslehr- und Forschungsstätte (BLFS) Tiefen bis zu 150 Meter Wassertiefe simulieren. Sporttaucher können hier unter sicheren Bedingungen die Gefahren des Tiefenrausches erfahren und es werden Tauchunfälle behandelt.

Sehenswürdigkeiten und Gedenkorte[Bearbeiten]

Jaczo-Schlucht[Bearbeiten]

Jaxa auf der Flucht vor Albrecht dem Bären, Ausschnitt Relief Jaczo-Turm

Auf Höhe der Gatower Straße 199 beginnt – kurz bevor man Gatow erreicht – ein Weg durch die Jaczo-Schlucht zur Havel. Nach nur wenigen Metern begegnet man einem kleinen, runden, unscheinbaren und verwahrlosten Turm. Er wurde 1914 mit privaten Mitteln eines anonymen Spandauer Bürgers zur Erinnerung an den slawischen Fürsten Jaxa von Köpenick errichtet, der auch der Schlucht den Namen gab. Jaxa oder auch Jaczo ging in die Geschichte ein als Gegenspieler von Albrecht dem Bären bei der Gründung der Mark Brandenburg im Jahr 1157. Ein schon weit zerfallenes Relief am Turm zeigt Jaxa auf der Flucht vor Albrecht dem Bären und zwei seiner Reiter. Der Legende und der lateinischen Inschrift nach soll Albrecht den Slawenfürsten am Ende der Schlucht in die Havel getrieben haben. Das rettende gegenüber liegende Ufer bei Schildhorn erreichte er nur mit Hilfe des – in letzter Not angerufenen und bislang verhassten – Christengottes, dem er zum Dank die Treue schwor. Bei Schildhorn ließ König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen 1845 zur Erinnerung an Jaxas wundersame Bekehrung ein Denkmal errichten.

Siehe auch: Schildhornsage

Landschaftsschutz und Denkmale[Bearbeiten]

Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten zählt das Landschaftsschutzgebiet Tiefwerder Wiesen an der Havel, das letzte natürliche Überschwemmungs- und Hecht-Laichgebiet in Berlin.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Wilhelmstadt – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berlin Bulletin, Bd. 41 – Nr. 9, 2. März 1990.
  2. Einkaufszentrum im neuen Gewand. In: Spandauer Volksblatt, 10. August 2011, S. 4 (PDF; 9,9 MB)