Cavalese

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Cavalese
Kein Wappen vorhanden.
Cavalese (Italien)
Cavalese
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Trient (TN)
Koordinaten: 46° 17′ N, 11° 28′ O46.28333333333311.4666666666671000Koordinaten: 46° 17′ 0″ N, 11° 28′ 0″ O
Höhe: 1000 m s.l.m.
Fläche: 45 km²
Einwohner: 4046 (31. Dez. 2011)[1]
Bevölkerungsdichte: 90 Einw./km²
Postleitzahl: 38033
Vorwahl: 0462
ISTAT-Nummer: 022050
Volksbezeichnung: Cavalesani
Schutzpatron: San Sebastiano

Cavalese (deutsch veraltet: Gaßlöss) ist ein Ort mit 4046 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2011) in der autonomen Provinz Trient (Trentino), etwa 20 km südlich von Bozen und 30 km von Trient gelegen. Es ist Verwaltungssitz des Fleimstals (Valle di Fiemme).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte [Bearbeiten]

Bis 1919 gehörte Cavalese zur gefürsteten Grafschaft Tirol und somit zu Österreich-Ungarn.

Cavalese war Garnisonsstadt der k.u.k. Armee. 1914 war hier das Böhmische Feldjäger-Bataillon Nr. 12 stationiert.

Infrastruktur [Bearbeiten]

In Cavalese erreichte die Fleimstalbahn nach Überwindung der Anhöhe von San Lugano (deutsch: Tennebach) wieder den Talboden.

Schwere Unglücke [Bearbeiten]

In die internationalen Schlagzeilen geriet der Ort durch zwei schwere Unglücke der zum Monte Cermis führenden Luftseilbahn.

Am 9. März 1976 kurz nach 17:30 Uhr riss das Tragseil, während eine vollbesetzte Kabine auf der unteren Sektion zwischen der Alpe di Cermis und Cavalese langsam talwärts fuhr. Die Kabine stürzte 50 Meter tief auf einen Steilhang und überschlug sich dort mehrmals. Anschließend stürzte das etwa 3 Tonnen schwere Tragwerk auf die Kabine und zertrümmerte sie vollständig. Bis auf eine 14-jährige Italienerin starben alle 43 Insassen, darunter 22 Deutsche.[2] Damit handelt es sich um das folgenschwerste jemals vorgekommene Unglück einer Luftseilbahn.[3][4][5]

Am 3. Februar 1998 um 14:13 Uhr durchtrennte ein US-amerikanisches Kampfflugzeug vom Typ EA-6 Prowler im Tiefflug mit über 800 km/h das Tragseil der Seilbahn 110 Meter über dem Boden. Die daran hängende Gondel stürzte etwa 80 Meter in die Tiefe. Alle 20 Insassen, darunter 8 Deutsche, starben. Das mit vier Personen besetzte Flugzeug wurde zwar beschädigt, konnte aber noch zum Luftwaffenstützpunkt Aviano Air Base zurückkehren.

Ehemaliger Bischofspalast in Cavalese, jetzt Verwaltungssitz der Magnifica Comunità di Fiemme

Aufgrund der NATO-Statuten wurden der Flugzeugpilot Captain Richard J. Ashby und sein Navigator Captain Joseph Schweitzer nur vor einem amerikanischen Militärgericht in North Carolina angeklagt. Obwohl die vorgeschriebene Mindestflughöhe 600 Meter betrug, wurden beide im März 1999 vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. In einem zweiten Prozess im Mai 1999 vor einem Militärgericht wurden sie jedoch wegen der Vernichtung des Videobandes, das den Flug am Unglückstag festgehalten hatte, schuldig gesprochen und unehrenhaft aus der Armee entlassen. Ashby erhielt dafür außerdem eine sechsmonatige Haftstrafe, von der er viereinhalb Monate tatsächlich absitzen musste.

Die geringen Strafen führten zu Empörung in der italienischen Öffentlichkeit und einer Belastung der diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Italien. Dort trägt das Unglück den Beinamen Strage del Cermis (dt. Blutbad oder Massaker von Cermis).

Am 5. Januar 2013 ereignete sich bei Cavalese ein Unglück, bei dem eine Gruppe von acht russischen Wintersportlern, die mit einem Schneemobil samt angehängtem Lastenschlitten unterwegs war, auf der „Olimpia II"-Abfahrt am Monte Cermis von der Piste abkam. Sie stürzten einen etwa 100 Meter tiefen Abhang hinunter. Sechs von ihnen kamen zu Tode, zwei überlebten schwer verletzt.[6]

Sport [Bearbeiten]

Durch Cavalese führt der Skilanglaufmarathon Marcialonga, einer von sechzehn Läufen der Worldloppet-Serie.

Persönlichkeiten [Bearbeiten]

Cavalese ist der Geburtsort von:

Siehe auch [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Cavalese – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2011.
  2. Niemand weiß warum die Tragseiltrosse riss. Hamburger Abendblatt, 11. März 1976, abgerufen am 5. Januar 2013 (PDF; 1,7 MB, Seite 4).
  3. 1976: Scores die in cable car tragedy. BBC on this day, abgerufen am 5. Januar 2013 (englisch).
  4. Die schwersten Berg- und Seilbahnunglücke. Spiegel Online, 10. Juni 2000.
  5. Cable car disasters. Jon Henley im Guardian, 2. Juli 1999.
  6. Sechs Russen bei Schneemobil-Unfall in Italien getötet. Spiegel Online, 5. Januar 2013, abgerufen am 6. Januar 2013.