Cressida (Mond)

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Dieser Artikel behandelt den vierten natürlichen Satelliten von Uranus. Für den gleichnamigen Asteroiden siehe (548) Kressida, zu anderen Bedeutungen siehe Cressida
Uranus IX (Cressida)
Uranus-Portia-Cressida-Ophelia-NASA.gif
Voyager 2-Aufnahme von Cressida, Portia und Ophelia
Vorläufige oder systematische Bezeichnung S/1986 U 3
Zentralkörper Uranus
Eigenschaften des Orbits
Große Halbachse (61.766,73 ± 0.05) km
Periapsis 61.744 km
Apoapsis 61.789 km
Exzentrizität (0,00036 ± 0,00011)
Bahnneigung 0,006 ± 0,040 (Äquatorebene)°
Umlaufzeit 0,463569601 ± 13 · 10-9 Tage
Mittlere Orbitalgeschwindigkeit 9,6896 km/s
Physikalische Eigenschaften
Albedo (0,08 ± 0,01)
Scheinbare Helligkeit (21,58 ± 0,11) mag
Mittlerer Durchmesser 79,6 ± 4
(92 × 74 × 74) km
Masse ≈ 3,4320 · 1017 kg
Oberfläche ~ 20.000 km²
Mittlere Dichte ≈ 1,3 g/cm³
Fallbeschleunigung an der Oberfläche ≈ 0,013 m/s²
Fluchtgeschwindigkeit ≈ 34,0 m/s
Oberflächentemperatur ≈ -184° bis -209°C / 64 - 89 K
Entdeckung
Entdecker

Voyager 2
Stephen P. Synnott

Datum der Entdeckung 9. Januar 1986
Anmerkungen Physikalische Daten relativ ungenau.

Cressida (auch Uranus IX) ist der vierte und einer der kleineren der 27 bekannten Monde des Planeten Uranus.

Entdeckung und Benennung[Bearbeiten]

Cressida wurde am 9. Januar 1986 von dem Astronomen Stephen P. Synnott auf fotografischen Aufnahmen der Raumsonde Voyager 2 entdeckt. Die Entdeckung wurde am 16. Januar 1986 von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) bekanntgegeben; der Mond erhielt zunächst die vorläufige Bezeichnung S/1986 U 3.

Cressida ist eine tragische Heldin aus William Shakespeares Tragödie Troilus und Cressida. Sie ist eine Tochter des trojanischen Priesters Kalchas, der auf die Seite der Griechen gewechselt ist, weil er den Untergang Trojas vorhergesehen hat. Cressida muss durch Kalchas im Austausch für den trojanische Heerführer Antenor zu den Griechen wechseln, und ist entgegen ihren vorherigen Liebesbezeugungen Troilus untreu, was diesen zutiefst verletzt zurückläßt.

Cressida taucht ebenfalls auch in Erzählungen von Geoffrey Chaucer und anderen auf.

Alle Monde des Uranus sind nach Figuren von Shakespeare oder Alexander Pope benannt. Die ersten vier entdeckten Uranusmonde (Oberon, Titania, Ariel, Umbriel) wurden nach Vorschlägen von John Herschel benannt, dem Sohn des Uranus-Entdeckers Wilhelm Herschel. Später wurde die Tradition der Namensgebung beibehalten.

Bahneigenschaften[Bearbeiten]

Umlaufbahn[Bearbeiten]

Hubble-Bild der Portia-Gruppe sowie Puck

Cressida umkreist Uranus auf einer prograden, fast perfekt kreisförmigen Umlaufbahn in einem mittleren Abstand von rund 61.767  km (ca. 2,417 Uranusradien) von dessen Zentrum, also 36.208 km über dessen Wolkenobergrenze. Die Bahnexzentrizität beträgt 0,00036, die Bahn ist 0,006° gegenüber dem Äquator von Uranus geneigt.

Cressida ist der zweitinnerste Mond der Portia-Gruppe, zu der auch Bianca, Desdemona, Juliet, Portia, Rosalind, Cupid, Belinda und Perdita gehören. Diese Monde haben ähnliche Umlaufbahnen und ähnliche spektrale Eigenschaften.

Die Umlaufbahn des nächstinneren Mondes Bianca ist im Mittel 2.601 km von Cressidas Orbit entfernt, die des nächstäußeren Mondes Desdemona lediglich 892 km.

Cressida befindet sich inmitten zweier Uranusringe, des innen laufenden ε (Epsilon)-Ringes, der im Mittel rund 10.618 km vom Cressida-Orbit entfernt ist, und der Innenkante des äußeren ν (Ny)-Staubringes in 4.333 km Entfernung.

Cressida umläuft Uranus in 11 Stunden, 7 Minuten und 32,41 Sekunden. Da dies schneller ist als die Rotation des Uranus, geht Cressida vom Uranus aus gesehen im Westen auf und im Osten unter.

Sie bewegt sich innerhalb eines kritischen Abstandes, nahe der Roche-Grenze, in einer absinkenden Bahn um den Planeten und wird irgendwann infolge von Gezeitenkräften zu einem Ring auseinandergerissen werden oder in Uranus' Atmosphäre stürzen beziehungsweise verglühen.

Rotation[Bearbeiten]

Es wird vermutet, dass Cressida synchron rotiert und ihre Achse eine Neigung von 0° aufweist.

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten]

Hubble-Bild von 2003 mit Cressida, Portia, Belinda und Perdita

Cressida hat einen mittleren Durchmesser von 79,6 km. Auf den Aufnahmen der Voyager 2-Sonde erschien Cressida als längliches Objekt mit Abmessungen von 92 × 74 × 74 km, wobei die Längsachse auf Uranus ausgerichtet ist.

Ihre mittlere Dichte ist mit 1,3 g/cm3 deutlich geringer als die Dichte der Erde und weist darauf hin, dass der Mond überwiegend aus Wassereis zusammengesetzt ist.
Sie weist eine sehr geringe Albedo von 0,08 auf, d. h., 8 % des eingestrahlten Sonnenlichts werden von der Oberfläche reflektiert. Sie ist damit ein sehr dunkler Himmelskörper.
An ihrer Oberfläche beträgt die Schwerebeschleunigung 0,013 m/s2, dies entspricht etwa 1 ‰ der irdischen.
Die mittlere Oberflächentemperatur von Cressida wird auf zwischen -184° und −209 °C (89 - 64 K) geschätzt.
Im Spektrum erscheint die Oberfläche von Cressida grau gefärbt.

Ansonsten ist nicht viel über diesen Mond bekannt, da Aufnahmen der Sonde in großer Entfernung entstanden und daher eine geringe Auflösung haben.

Es ist möglich, dass Cressida innerhalb der nächsten 100 Millionen Jahre mit der knapp 900 km entfernten Desdemona kollidiert.

Erforschung[Bearbeiten]

Seit dem Vorbeiflug der Raumsonde Voyager 2 wurde das Uranussystem von erdbasierten Beobachtungen wie auch dem Hubble-Weltraumteleskop intensiv studiert. Dabei konnten die Bahnparameter von Cressida präzisiert werden.

Weblinks[Bearbeiten]