Deister

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Deister (Begriffsklärung) aufgeführt.

f1

Deister / Großer Deister
Der Deister mit Calenberger Land, Süntel und Kleinem Deistersowie umliegenden Städten und Gemeinden

Der Deister mit Calenberger Land, Süntel und Kleinem Deister
sowie umliegenden Städten und Gemeinden

Höchster Gipfel Bröhn (405 m ü. NHN)
Lage Landkreise Schaumburg und Hameln-Pyrmont sowie Region Hannover; Niedersachsen (Deutschland)
Niedersächsisches Bergland Calenberger Bergland
Koordinaten 52° 15′ N, 9° 31′ O52.2466666666679.5088888888889405Koordinaten: 52° 15′ N, 9° 31′ O
Gestein Kalkstein, Mergel, Sandstein
Der Deister bei Lauenau
Deisterkamm mit Nienstedt
Fichten- und Buchenmischwald längs des Deisterkammweges
Süntelbuchen am Feggendorfer Grillplatz
Nienstedter Pass (276,6 m)
Deister, Jägerallee zwischen Springe und Deisterkamm
Radtourenweg „Deisterkreisel“, Beschilderung

Der Deister, auch Großer Deister genannt, ist ein maximal 405 m ü. NHN[1] hoher Höhenzug im Calenberger Bergland an der Nordgrenze des Niedersächsischen Berglandes nahe Hannover in den Landkreisen Schaumburg, Hameln-Pyrmont und der Region Hannover. Obwohl er oftmals auch als Teil des Weserberglandes gesehen wird, gehört er im engeren Sinne nicht dazu.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Der Deister liegt rund 20 km südwestlich von Hannover. Er erstreckt sich zwischen den Ortschaften Bad Nenndorf im Nordwesten, Barsinghausen im Norden, Wennigsen im Nordosten, Bennigsen im Osten, Springe im Südosten, Bad Münder im Süden, Eimbeckhausen im Südwesten und Lauenau im Westen auf etwa 21 km Länge; seine Breite liegt im Mittel bei vier Kilometer. In südöstlicher Verlängerung schließt sich der Höhenzug des Kleinen Deisters an.

Im Deister entspringen zahlreiche Bäche. Er wird über die Rodenberger Aue, Südaue, Ihme und Haller in die Leine, im Bereich Bad Münder über die Hamel zur Weser entwässert.

Naturräumliche Gliederung[Bearbeiten]

Der Deister besteht in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Weser-Leine-Bergland (Nr. 37), in der Haupteinheit Calenberger Bergland (378) und in der Untereinheit Süd-Hannoversche Berge (378.3) aus den Naturräumen Barsinghausener Deister (378.30; Nordosten) und Nienstedter Deister (378.31; Südwesten).

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Auf den nordöstlich seines Hauptkamms liegenden Bereichen des Deisters befindet sich das Landschaftsschutzgebiet Norddeister (CDDA-Nr. 323262; 1994 ausgewiesen; 55,99 km² groß) und auf den südwestlich gelegenen Bereichen liegt das dreiteilige LSG Süddeister (CDDA-Nr. 324902-4; 1967; 75,6 km²). Südwestlich dieses Kamms erstreckt sich das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Süntel, Wesergebirge, Deister (FFH-Nr. 3720-301; 24,97 km²).[1]

Geologie[Bearbeiten]

Der Deister hat eine hercynisch ausgeprägte Streichrichtung. Er bildet den Nordostflügel einer großen Sattelstruktur. Einem Riegel gleich trennt der dichtbewaldete Höhenzug mit dem südöstlich anschließenden Kleinen Deister und dem Osterwald die flache Calenberger Lössbörde von den Siedlungskammern des Ith, des Süntel und der Bückeberge ab.

Die nach Nordosten abdachende Hälfte des Deisters ist von ausstreichenden Sandsteinen, Schluffsteinen und Tonsteinen, zum Teil mit Einschaltungen von Steinkohle gekennzeichnet. Es sind die sogenannten Obernkirchen-Schichten (Wealden) der Unterkreide. Die nach Südwesten abdachende, morphologisch etwas steilere Hälfte ist von ausstreichenden Mergelsteinen, Tonsteinen und Kalksteinen gekennzeichnet. Es sind die sogenannten Münder Mergel des Oberen Juras. Weiter nach Südwesten schließen sich Kalksteine, der sogenannte „Eimbeckhäuser Plattenkalk“, an.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Der Bergzug ist von einem Buchen-Fichten-, teilweise auch Buchen-Eichen-Forst bzw. -Mischwald bedeckt. An der Cecilienhöhe bei Bad Nenndorf, am Grillplatz Lauenau-Feggendorf und südwestlich vom ehem. Forsthaus Köllnischfeld stehen noch mehrere Exemplare der seltenen, hier heimischen Süntelbuchen.

Zu den seltenen Pflanzen des Deisters gehören unter anderem auch: Hülse (Stechpalme), Seidelbast, Knabenkräuter, Sonnentau, Trollblume, Gelappter Schildfarn und Großes Schneeglöckchen.

Der Deister beherbergt eine für deutsche Mittelgebirge typische Tierwelt. Rot-, Reh- und Schwarzwild kommen zahlreich vor. Weitere vorkommende Haarwildarten sind Baum- und Steinmarder, Hermelin, Iltis und Mauswiesel sowie der Fuchs. Mittlerweile ist er auch Heimat von Bioinvasoren wie Waschbär und Marderhund. Beheimatet sind die Greifvogelarten Mäusebussard, Habicht und Rotmilan. Von den selteneren Kleintieren sind hier die Fledermausarten Mausohr und Kleine Hufeisennase zuhause.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Deister liegt im Grenzbereich alter germanischer Gaue, mittelalterlicher Hoheitsgebiete und neuzeitlicher Landkreise. Daher sind in dem Höhenzug zahlreiche geschichtsträchtige Orte, die oftmals Wanderziele sind, zu finden:

Sport[Bearbeiten]

Radsport[Bearbeiten]

Der Deister ist von zahlreichen Wirtschaftswegen durchzogen, die häufig von Mountainbike-Fahrern genutzt werden. Die Hauptwege sind auch mit Trekkingrädern befahrbar. Bei Rennradfahrern erfreut sich der Nienstedter Pass großer Beliebtheit, da er der einzige Weg über den Deister ist, der für Rennräder geeignet ist. Die steilste rennradtaugliche Auffahrt ist die in Springe beginnende Jägerallee mit einer maximalen Steigung von 15 Prozent. Mit dem Rennrad ist hier eine Deisterüberquerung jedoch nicht möglich.

Wintersport[Bearbeiten]

Im Deister bei Springe gibt es drei Skilifte. Weiterhin werden bei Kölnischfeld bei entsprechendem Wetter Loipen angelegt. Diese Anlagen werden vom Ski-Club Springe e.V. gepflegt.

Segelfliegen[Bearbeiten]

Bei Südsüdwestwind bilden sich am Deister Leewellen aus, in denen Segelflugzeuge bis in große Höhen in laminarem Aufwind steigen können. Höhen von maximal 7000 m sind hier schon ohne Motorkraft erflogen worden.[2]

Berge[Bearbeiten]

Der Deisterkamm ist zwischen 276,6 m[1] (Nienstedter Pass) bis 405 m hoch. Zu den Bergen und Erhebungen des Deisters gehören – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN), wenn nicht anders genannt laut [1]:

  • Bröhn (405 m) – mit Annaturm (AT)
  • Hirschköpfe (ca. 400 m)
  • Höfeler (395 m) – mit Flugsicherungsanlage
  • Reinekensiekskopf (382 m)[3] – mit Nordmannsturm
  • Hohe Warte (379 m)
  • Fahrenbrink (376 m)
  • Großer Hals (361 m)[3] – mit Fernmeldeturm
  • Ebersberg (355)
  • Bielstein (Steilfelsen, 344 m)– mit Schutzhütte
  • Egge (339 m)
  • Kalenberg (309,7 m)
  • Strutzberg (198 m) – mit Belvedereturm (AT)

Türme[Bearbeiten]

Auf dem Deister gibt es mehrere Türme (Auswahl):

  • Annaturm (29 m), Aussichtsturm auf dem Bröhn, mit Waldgaststätte Annaturm
  • Belvedereturm, Aussichtsturm auf dem Strutzberg, 1852 erbaut, 1987 erhöht
  • Fernmeldeturm Barsinghausen (139 m, mit Antenne 150 m), auf dem Großen Hals, 1967–1969 erbaut.
  • Nordmannsturm (19 m), auf dem Reinekensiekskopf, 1862/63 vom hannoverschen Maurer- und Steinhauermeister Constantin Nordmann (1805–1889) errichtet, 1881 durch Blitz zerstört/1882 neu erbaut, 2000 renoviert – Zugang durch die Waldgaststätte Nordmannsturm
  • Radarstation der Deutschen Flugsicherung (DFS) auf dem Höfeler: Eine von bundesweit sechs SRE-M-Anlagen: Plattform 26 m hoch/mit Antenne 38,5 m, 1981/82 als Betonturm gebaut (Ersatz für eine alte Stahlgitterkonstruktion). Die Reichweite beträgt etwa 145 Nautische Meilen (NM), das entspricht 270 km.

Ortschaften[Bearbeiten]

Nienstedt ist die einzige größere Ortschaft im Deister. An seinem Rändern liegen:

Redensart[Bearbeiten]

Die Redensart „über den Deister gegangen“ kann für „verschwunden“, aber auch „verstorben“ stehen: Im norddeutschen Sprachgebrauch wird der Ausdruck „über den Deister gehen“ verwendet wie „den Bach herunter gehen“ oder auch „über den Jordan gehen“.

Einen Menschen, mit dem man nichts mehr zu tun haben will, würde man am liebsten „über den Deister schicken“, damit er endlich verschwindet.

Die Redensart entstand wahrscheinlich durch die Abwanderung vieler junger Leute aus dem südwestlich vom Deister gelegenen Schaumburger Land in die wachsende Stadt Hannover im 19. und frühen 20. Jahrhundert: diese liegt „über'n Deister“ auf der nordöstlichen Seite des Höhenzugs. Eine andere Theorie aus dem Touristikbereich vermutet, dass die Redensart durch Menschenopfer an der Alten Taufe entstand. Es ist jedoch historisch umstritten, ob an dem Stein tatsächlich Menschenopfer stattgefunden haben.

Eine weitere Theorie ist auf die Ortschaft Nienstedt im Deister zurückzuführen. Die Flächen der Gemarkung Nienstedt wurden im Zeitraum zwischen etwa 1200 bis 1700 von Mönchen des Klosters Barsinghausen gerodet. Die Nienstedter sind deshalb kirchlich seit jeher zu Barsinghausen gehörig, besaßen aber viele Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte keinen eigenen Friedhof. Also mussten die Verstorbenen mühsam „über den Deister gehen“, um beerdigt zu werden.

Verkehr und Wandern[Bearbeiten]

Durch die bei Völksen gelegenen Ostausläufer des Deisters führt die Bundesstraße 217 (Springe–Völksen–Steinkrug) und südwestlich und westlich vorbei die Bundesstraße 442 (Bad MünderEimbeckhausenMessenkampLauenauRodenbergBad Nenndorf) mit Anbindung an die westlich verlaufende Bundesautobahn 2 (Anschlussstelle Lauenau). Nördlich vorbei führt die Landesstraße 391 (Bad Nenndorf–HohenbostelBarsinghausenEgestorfEgestorfWennigser MarkWennigsen), an die östlich die zur B 217 verlaufende L 390 (Wennigsen–ArgestorfBredenbeckBennigsen) anschließt. Somit kann man den Deister gänzlich umfahren. Etwa mittig durch den Deister führt von Egestorf im Nordosten über den Nienstedter Pass (276,6 m) und durch Nienstedt nach Eimbeckhausen im Südwesten die L 401 und zwischen Nienstedt und Messenkamp verläuft die Kreisstraße 61 durch die Südwestausläufer des Höhenzugs.

Zum Beispiel an diesen Straßen beginnend kann der Deister auf Waldwegen und -pfaden durchwandert werden. Zu seinen Wanderwegen gehören:

  • Europäischer Fernwanderweg E1, verläuft von Bad Nenndorf weitgehend auf dem Kammweg durch den Deister bis Bad Münder am Deister
  • Calenberger Weg (Bad Nenndorf-Marienburg), verläuft von Bad Nenndorf zunächst auf der Nordseite überquert den Deister am Tarternpfahl und verlässt ihn in Völksen
  • Roswithaweg (Nienburg-Bad Gandersheim), verläuft auf der Südseite
  • Kansteinweg (Hannover-Alfeld), überquert den Deister an der Wöltjebuche
  • Deisterkreisel, Radtourenweg, der um den Großen Deister herum führt

Literatur[Bearbeiten]

  • Udo Mierau: Unterwegs im Deister-Süntel-Tal, Fürsten Mirski-Verlag – Udo Mierau, 2000. ISBN 3-00-006589-X
  • Günther Klapproth: Gedenksteine im Deister, Cadmos Verlag Schwarzenbek 2003, ISBN 3-7842-0664-6
  • Horst Krenzel: Erinnerungen an den Steinkohle-Bergbau im Deistergebirge, Geiger-Verlag Horb 1999, ISBN 3-89570-195-5
  • Ralf Orlowski: Der Deister, Fotobildband, ISBN 978-3-00-022586-4

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Leewellen im norddeutschen Mittelgebirgsraum, auf mittelgebirgsleewelle.de
  3. a b Niedersachsennavigator

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deister – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien