Diemelsee

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt den Stausee. Zu anderen Bedeutungen siehe Diemelsee (Begriffsklärung).
Diemelsee, Diemelstausee
(Diemeltalsperre)
Diemeltalsperre: Staumauer mit Stausee, Ausgleichsweiher und Kraftwerk; vorne das Dorf Helminghausen, links der Eisenberg
Diemeltalsperre: Staumauer mit Stausee, Ausgleichsweiher und Kraftwerk; vorne das Dorf Helminghausen, links der Eisenberg
Lage: Landkreis Waldeck-Frankenberg (HE), Hochsauerlandkreis (NW)
Zuflüsse: Diemel, Itter
Abflüsse: Diemel
Größere Orte am Ufer: Helminghausen, Heringhausen
Größere Orte in der Nähe: Willingen
Diemelsee, Diemelstausee (Hessen)
Diemelsee, Diemelstausee
Koordinaten 51° 22′ 20″ N, 8° 43′ 26″ O51.3722222222228.7238888888889Koordinaten: 51° 22′ 20″ N, 8° 43′ 26″ O
Daten zum Bauwerk
Bauzeit: 1912 bis 1914 und 1919 bis 1923[1]
Höhe über Talsohle: 36,2 m[2]
Höhe über Gründungssohle: 42 m[1]
Höhe der Bauwerkskrone: 378,2 m[2]
Bauwerksvolumen: 72.000 m³[2]
Kronenlänge: 194 m[1]
Kronenbreite: 7 m[1]
Basisbreite: 31 m[2]
Kraftwerksleistung: 1,04 MW
Daten zum Stausee
Höhenlage (bei Stauziel) 376,2 m ü. NHN
Wasseroberfläche 1,65 km²[1]dep1
Stauseelänge 4 km (Diemelarm), 3,1 km (Itterarm)dep1
Stauseebreite 300 mdep1
Speicherraum 19,9 Mio m³[1]
Gesamtstauraum: 21,75 Mio m³
Einzugsgebiet 103 km²
Bemessungshochwasser: 113 m³/s
Überlaufende Staumauer mit Kraftwerksgebäude (von Norden)

Der Diemelsee, auch Diemelstausee genannt, ist eine Talsperre mit 1,65 km²[1] Wasseroberfläche und etwa 19,9 Mio. m³[1] Speicherraum an der Diemel im Landkreis Waldeck-Frankenberg in Nordhessen und im Hochsauerlandkreis in Westfalen (Deutschland).

Er ist Teil der aus Stausee, Staumauer, Wasserkraftwerk und Ausgleichsbecken bestehenden Stauanlage Diemeltalsperre (DiT)[3] im Eigentum der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, wobei das Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden zuständig ist. Der Diemelstausee gehört neben der Edertalsperre zu den wasserregulierenden Bauwerken im Einzugsgebiet der Weser.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Diemelsee befindet sich wenige Kilometer nordöstlich des Uplands in den Nordostausläufern des Rothaargebirges, das im Nordosten des Rheinischen Schiefergebirges liegt. Er erstreckt sich überwiegend im Landkreis Waldeck-Frankenberg, sein kleiner Nordteil und auch seine Staumauer gehören zum Hochsauerlandkreis. Im Naturpark Diemelsee zwischen Willingen und Marsberg im Gebiet der Gemeinde Diemelsee und der Stadt Marsberg gelegen befindet er sich an der Diemel und deren Zufluss Itter. Sein Absperrbauwerk steht etwa 500 m südlich des Dorfs Helminghausen (südwestlicher Stadtteil von Marsberg). Einziges Uferdorf ist Heringhausen.

Der Diemelsee liegt in bewaldeter Mittelgebirgslandschaft, deren höchster direkt am Stausee gelegener Berg das Köpfchen (ca. 610 m ü. NHN; westlich des im Westen befindlichen Itterarms) ist. Unmittelbar ostsüdöstlich der Staumauer erhebt sich der Eisenberg (594,6 m) und wenige Kilometer südlich des Stauraums der Koppen (715,1 m).

Stausee[Bearbeiten]

Der Stausee dient mit seiner Staumauer der Wasserstandsregelung der Bundeswasserstraßen Weser und Mittellandkanal, dem Hochwasserschutz, der Wasserkrafterzeugung und der Erholung.

Am 24. November 1923[4] begann der Anstau des Diemelsees. Im Jahr 2003 wurde sein zuvor mit 20,05 Mio. m³ angegebenes Fassungsvermögen per Laser-Scan-Verfahren neu vermessen: Sein Stauraum (bei normalem Vollstau) beträgt etwa 19,9 Mio. m³[1] und sein Gesamtstauraum (bei Bemessungshochwasser) rund 21,75 Mio. m³. Bei Vollstau beträgt seine Wasseroberfläche 1,65 km².[1] Der Stausee ist maximal 34 m tief, und seine Ufer sind insgesamt etwa 16 km lang. Das Stauziel liegt auf 376,2 m Höhe und das Bemessungshochwasser beträgt 113 m³/s. Das Einzugsgebiet der Talsperre ist 103 km² groß. Der direkt vor der Staumauer liegende Talgrund befindet sich auf genau 342 m[2] Höhe.

Der südliche Stauseearm ist der Diemelarm, in den auch die aus Richtung des Dorfs Stormbruch kommende Hagenbicke mündet und an dem das Dorf Heringhausen liegt. Der westliche ist der Itterarm, an dem Kotthausen (Wüstung und Weiler des Dorfs Heringhausen) liegt. Etwas nördlich der Stelle, an der beide Arme aufeinandertreffen, verläuft die Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen zu Hessen.

Rund um den Diemelsee führt unter anderem über den Eisenberg und St. Muffert der Diemelsteig. Bekanntes Ausflugsziel in der Nähe ist das Upland.

Staumauer[Bearbeiten]

Luft- bzw. Nordseite der Staumauer (Blick etwa von West nach Ost)
Wasser- bzw. Südseite der Staumauer (Blick etwa von Südwest)

Daten[Bearbeiten]

Die Staumauer des Diemelsees wurde nach dem Intze-Prinzip als gekrümmte Schwergewichtsstaumauer aus rund 72.000 m³[2] Bruchsteinen konstruiert, die im extra dafür eingerichteten Diabas-Steinbruch am benachbarten Eisenberg abgebaut wurden. Die Mauer ist über der Talsohle maximal 36,2 m[2] und über der Gründungssohle 42 m[2] hoch, woraus sich maximal 5,8 m[2] Bauhöhe über den Talboden ergeben. An der Krone ist sie rund 194 m[1] lang und 7 m[1] breit. Die Basisbreite beträgt etwa 31 m.[2] Die Krone liegt auf 378,2 m[2] Höhe.

Baugeschichte und Modernisierungen[Bearbeiten]

Die Bauarbeiten an der Staumauer fanden in zwei Phasen statt. Die erste Phase dauerte von 1912 bis 1914.[1] Danach pausierte man im Ersten Weltkrieg (1914–1918) und etwas darüber hinaus. Die zweite Phase fand von 1919 bis 1923[1] statt. 1924 wurde die Talsperre in Betrieb genommen.

In den 1990er Jahren wurde die Staumauer grundlegend saniert und zudem der Sicherheitsstandard entsprechend der DIN 19700 (Stauanlagen) angepasst. Dabei wurden ein Dichtungsschleier mit einer Injektionsdichtung im Erdreich hergestellt, ein Kontrollgang installiert und andere Arbeiten durchgeführt. Die Sanierungsarbeiten wurden 1998 abgeschlossen.[1]

Die Staumauer ist als Baudenkmal in die Denkmalliste von Marsberg eingetragen.[5]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Die Staumauer des Diemelsees wurde im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) mehrmals von den Alliierten angegriffen,[6] um sie zu zerstören und durch das auslaufende Wasser die unterhalb der Mauer befindliche Infrastruktur zu beschädigen oder zu zerstören. Beim Angriff in der Nacht vom 16. zum 17. Mai 1943 wurden drei britische Lancaster-Bomber durch eine Flakabteilung in Helminghausen abgeschossen. Die Mauerzerstörung misslang.

Zum Kriegsende kam es nicht zur von der Waffen-SS geplanten Sprengung der Mauer, da US-Truppen Ende März bzw. Anfang April die Stauseeumgebung schon besetzt hatten und daher die deutschen Soldaten bereits abrücken mussten. Noch im April wurden die US-Soldaten durch belgische abgelöst und diese wiederum im Juni durch britische.

Kraftwerk Helminghausen[Bearbeiten]

Kraftwerk Helminghausen aus der Luft

Unterhalb der Staumauer befindet sich das Kraftwerk Helminghausen. Als Wasserkraftwerk nutzt es Wasser des Diemelsees. Es hat zwei Turbinen, eine Nennleistung von 1,04 MW und erzeugt im Mittel jährlich 2,50 GWh Strom.

Ausgleichsweiher[Bearbeiten]

Staumauer mit Diemelsee und Heringhausen am Ufer aus der Luft

Direkt unterhalb von Staumauer und Kraftwerk des Diemelsees erstreckt sich unmittelbar südlich von Helminghausen ein Ausgleichsweiher genanntes Ausgleichsbecken (341,4 m[7]), das im Normalbetrieb rund 65.000 m³[2] Stauraum hat. Es besteht aus einem knapp 8 m über der Gründungssohle hohen Staudamm mit einem Auslassbauwerk, dessen Krone auf 343,2 m[7] liegt.

Pegel[Bearbeiten]

Itter-Pegel Kotthausen III, (Itter zur Diemel, 377,68 m ü. NHN, Kilometer: 3,40)

Das Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden betreibt mehrere Pegel zur Erfassung des Wasserstandes sowie der Zu- und Abflüsse des Diemelstausees. Die Pegelstände sind online zugänglich und werden an folgenden Stellen erfasst:

  • Zufluss der Diemel am Pegel Wilhelmsbrücke,[8]
  • Zufluss der Itter am Pegel Kotthausen,[9]
  • Stauhöhe des Diemelstausees wird am Pegel Diemeltalsperre,[10]
  • Abfluss in die Diemel am Pegel Helminghausen.[11]

Im Unterlauf der Diemel werden keine weiteren offiziell zugänglichen Pegelstände ermittelt; aus der Differenz der Pegelstände von Karlshafen und Wahmbeck können Rückschlüsse über den Beitrag des Diemelstausees zur Wasserführung der Weser ermittelt werden.

Tourismus, Freizeit und Sport[Bearbeiten]

Segelboot auf dem Diemelsee vor dem Eisenberg und der Staumauerkrone

Der Tourismus entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige im Gebiet des Diemelsees. Die Gäste kommen zumeist aus Kassel und dem Ruhrgebiet, vereinzelt auch schon aus den Niederlanden. In den Dörfern am und nahe dem Stausee wurden Verkehrsvereine gegründet, um den Fremdenverkehr zu fördern, der auch heute eine entscheidende Rolle spielt. Um die Region besser anzuschließen, wurde die 1922 gegründete Kraftbuslinie Korbach-Bredelar an den Stausee umgeleitet.[4]

Der Diemelsee dient inzwischen als Freizeit- und Erholungsgebiet. Zu den Aktivitäten und Sportarten gehören:

  • Angelsport
  • Ausflug mit Fahrgastschiff MS Muffert, benannt nach dem Aussichtspunkt St. Muffert[12]
  • Baden (z. B. am Strandbad Heringhausen)[13]
  • Kanu fahren
  • Schwimmen
  • Segeln und Surfen
  • Tauchen (z. B. in Taucherbucht nahe der Staumauer auf nordrhein-westfälischer Seite)
  • Wandern

Verkehr[Bearbeiten]

Unmittelbar östlich am Diemelsee vorbei führt aus Richtung Norden von Helminghausen kommend entlang der Westflanke des Eisenbergs die westfälische Landesstraße 912, die nach Süden – auch entlang des Stausees verlaufend – in die nordhessische Landesstraße 3078 übergeht und dort nach Heringhausen verläuft. Von Letzterer zweigt in Heringhausen die Kreisstraße 65 ab, die entlang des Diemelarms angelegt wurde, diesen überquert und in Richtung Südwesten nach Stormbruch führt. Von der K 65 zweigt südwestlich von Heringhausen die K 71 ab, die entlang des Diemelarm-Südteils und dann weiter in Richtung Südsüdosten nach Giebringhausen verläuft. Entlang des Nordufers vom Itterarm führt von Helminghausen im Nordosten nach Bontkirchen im Südwesten die L 393.

Panorama[Bearbeiten]

Blick von St. Muffert über den Diemelsee

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Franke, Wolfgang Frey: Talsperren in der Bundesrepublik Deutschland. Herausgegeben vom Nationalen Komitee für Grosse Talsperren in der Bundesrepublik Deutschland (DNK) und Deutscher Verband für Wasserwirtschaft und Kulturbau e. V. (DVWK), Systemdruck-GmbH, Berlin 1987, ISBN 3-926520-00-0.
  • Paul Gerecke: Die Diemeltalsperre. In: Zeitschrift für Bauwesen, 75. Jg., 10.–12. Heft (Ingenieurbauteil), 1925, S. 93–104 (siehe im Abschnitt Einzelnachweise).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Diemelsee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden: Diemeltalsperre und andere Talsperren, auf wsv.de.
  2. a b c d e f g h i j k l Paul Gerecke: Die Diemeltalsperre, in Zeitschrift für Bauwesen, auf opus.kobv.de (PDF 4,56 MB)
  3. DIN 4048-1 Wasserbau, Begriffe, Stauanlagen, Januar, 1987
  4. a b Am 24. November 1923 begann der Anstau des Diemelsees, vom 25. November 2013, auf hna.de
  5. Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Marsberg. Ortsteil Helminghausen. Verkehrsverein Marsberg e. V., 30. November 2010, abgerufen am 6. Juni 2011 (PDF; 205 kB).
  6. Hugo Cramer: Der Landkreis Brilon im zweiten Weltkriege 1939–1945, 1955, Abschnitt Helminghausen, S. 97–98
  7. a b Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)
  8. Wasser- und Schifffahrtsamt Hannoversch-Münden, aktueller Pegel Wilhelmsbrücke, auf pegelonline.wsv.de
  9. Wasser- und Schifffahrtsamt Hannoversch-Münden, aktueller Pegel Kotthausen, auf pegelonline.wsv.de
  10. Wasser- und Schifffahrtsamt Hannoversch-Münden, aktueller Pegel Diemeltalsperre, auf pegelonline.wsv.de
  11. Wasser- und Schifffahrtsamt Hannoversch-Münden, aktueller Pegel Helminghausen, auf pegelonline.wsv.de
  12. Fahrplan der MS Muffert mit Angabe des Schiffnamens, auf seerundfahrten-diemelsee.de
  13. Strandbad Heringhausen, auf diemelsee.de