Edersee

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Dieser Artikel behandelt den Stausee in Hessen. Zum gleichnamigen See bei Schönebeck (Elbe) in Sachsen-Anhalt siehe Edersee (Plötzky).
Edertalsperre
Blick von „Schöner Aussicht“ bei Basdorf auf den Edersee mit Liebesinsel, Bringhausen und Kellerwald
Blick von „Schöner Aussicht“ bei Basdorf auf den Edersee mit Liebesinsel, Bringhausen und Kellerwald
Lage: Landkreis Waldeck-Frankenberg
Zuflüsse: Eder (für weitere siehe unten)
Abflüsse: Eder
Größere Orte am Ufer: Waldeck
Größere Orte in der Nähe: Vöhl, Edertal
Edertalsperre (Hessen)
Edertalsperre
Koordinaten 51° 11′ 6″ N, 9° 3′ 18″ O51.1859.055Koordinaten: 51° 11′ 6″ N, 9° 3′ 18″ O
Daten zum Bauwerk
Bauzeit: 1908–1914
Höhe über Gründungssohle: 48 m
Höhe über Gewässersohle: 45 m
Höhe der Bauwerkskrone: 248 m ü. NHN
Bauwerksvolumen: 300.000 m³
Kronenlänge: 400 m
Kronenbreite: 6 m
Basisbreite: 36 m
Krümmungsradius: 305 m
Böschungsneigung luftseitig: ca. 55°
Böschungsneigung wasserseitig: fast 1:0 (senkrecht)
Kraftwerksleistung: 20 MW
Daten zum Stausee
Höhenlage (bei Stauziel) 244,97 m ü. NHN
Wasseroberfläche 11,8 km²dep1
Stauseelänge 28,5 km
Stauseebreite 1,2 km
Speicherraum 199,3 Mio. m³
Gesamtstauraum: 225 Mio. m³
Einzugsgebiet 1443 km²
Bemessungshochwasser: 1744 m³/s
Besonderheiten:

Wassertiefe bei Vollstau: 41,7 m

Blick von Schloss Waldeck auf den Edersee bei Niedrigwasser mit freiliegender Halbinsel an den Hopfenbergen, dahinter Staumauer in Bildmitte

Der Edersee, auch Ederstausee genannt, ist mit 11,8 km² Wasseroberfläche und mit 199,3 Mio. m³ Stauraum der flächenmäßig zweit- und volumenmäßig drittgrößte Stausee in Deutschland (→ Liste) und liegt am Fulda-Zufluss Eder hinter der 48 m hohen Staumauer der Edertalsperre bei der Kernstadt von Waldeck im Landkreis Waldeck-Frankenberg (Nordhessen).

Die Edertalsperre (EdT) (Staumauer und Stausee)[1] ist Eigentum der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, wobei das Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden zuständig ist. Zweck der Talsperre ist in erster Linie die Wasserbereitstellung für die Bundeswasserstraßen Oberweser und Mittellandkanal. Daneben dient sie auch dem Schutz der Unterlieger gegen kleine und mittlere Hochwasserereignisse, der Erzeugung elektrischer Energie und der Erholung.

Gelegen im Naturpark Kellerwald-Edersee und am Nationalpark Kellerwald-Edersee und überragt vom Schloss Waldeck, bildet der Edersee mit seiner Umgebung ein großflächiges Freizeitgebiet.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Lage des Edersees im Verlauf der Eder

Der Edersee, in dem die Eder durch die bei Hemfurth-Edersee (zu Edertal) stehende Staumauer zu einem Stausee aufgestaut wird, befindet sich rund 35 km Luftlinie südwestlich von Kassel und direkt nördlich des Mittelgebirges Kellerwald im Norden des Naturparks Kellerwald-Edersee. Er reicht von der Einmündung der Eder vor Herzhausen (zu Vöhl) im Westen bis zur Staumauer bei Hemfurth-Edersee im Osten und stößt im Süden an die Ederhöhen, einer Bergregion im Norden des Kellerwaldes, die etwa deckungsgleich mit dem Nationalpark Kellerwald-Edersee ist.

Ortschaften[Bearbeiten]

Der Edersee bedeckt ein Gebiet nördlich des Kellerwaldes zwischen den folgenden Gemeinden oder Städten (aufgezählt mit Ortsteilen im Uhrzeigersinn beginnend an der Sperrmauer):

Gemeinde Edertal mit Hemfurth-Edersee (östliches See-Ende), Rehbach und Bringhausen, Gemeinde Vöhl mit Asel-Süd, Harbshausen, Kirchlotheim und Herzhausen (westliches See-Ende), Asel und Basdorf (inkl. Trappenhardt) und Stadt Waldeck (inkl. Waldeck-West) mit Nieder-Werbe und der Halbinsel Scheid.

Geschichte[Bearbeiten]

Bauzeit und Baukosten[Bearbeiten]

Anlass für den Bau der Edertalsperre war die Verabschiedung eines Wasserstraßengesetzes in Berlin am 1. April 1905. Es beinhaltete den Neubau von Talsperren im oberen Quellgebiet der Weser und des Mittellandkanals bis Hannover, um damit den Betrieb des neu- oder auszubauenden Lippe-Seitenkanals, des Rhein-Herne- sowie des Dortmund-Ems-Kanals zu sichern. Welche Bedeutung man diesem Bauvorhaben beimaß, zeigte sich am Besuch Kaiser Wilhelms II. im August 1911 und in der ursprünglich für den 25. August 1914 geplanten offiziellen Bestimmungsübergabe der Staumauer durch den Kaiser, die jedoch durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs nicht zustande kam. Der Bau der Talsperre, der zwischen 1908 und 1914 nach Plänen von Otto Intze stattfand, kostete rund 25 Mio. Goldmark.

Ortsverlegungen[Bearbeiten]

Etwa 900 Menschen im Bereich des Stausees mussten ihre Heimat aufgeben und sich an anderer Stelle niederlassen. Die Dörfer Asel, Berich und Bringhausen, die im Tal der Eder lagen, wurden – nachdem sie abgerissen oder abgetragen waren – an höher gelegenen Orten oberhalb des neu entstehenden Edersees recht aufwändig und liebevoll neu errichtet. Von den Dörfern Nieder-Werbe und Herzhausen wurden Teile überflutet und die Bewohner jeweils in der Nähe in neue Höfe und Häuser umgesiedelt. Der Überflutung fielen ferner zahlreiche Einzelgehöfte oder Anwesen zum Opfer, wie das aus zwei Gebäuden bestehende Gut Vornhagen, das im Tal unterhalb des Schlosses Waldeck stand, oder die Stollmühle, die sich an der breitesten Stelle des Stausees unweit der jetzigen Staumauer an der Hammerbergspitze befand. An dieser Stelle ist bei Niedrigwasser noch immer die Durchfahrt der Schleppbahn zu sehen, die dem Gütertransport beim Mauerbau diente. Ebenso wurden der Bericher Hammer, die Bericher Hütte, die Bericher Mühle und der Werber Hammer überspült.

Starke Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Schematische Darstellung des Abwurfs einer Roll- oder Rotationsbombe zur Zerstörung einer Staumauer
Rotationsbombe vor dem „Sperrmauer-Museum“ in Hemfurth-Edersee
Staumauer des Edersees nach starker Beschädigung, 1943
Gedenktafel für die zum Wiederaufbau verpflichteten Zwangsarbeiter

1943 kam es im Kampf gegen die deutsche Rüstungsindustrie zu mehreren Angriffen auf die Möhnetalsperre, die Sorpetalsperre und andere Stauseen im Ruhrgebiet. Der Angriff auf die Edertalsperre in Hessen war Teil und Nebeneffekt dieser Aktionen.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 wurde die Staumauer während der Operation Chastise unter dem Kommando von Oberstleutnant Guy Gibson um kurz vor 2 Uhr durch einen britischen Fliegerangriff der Royal Air Force (RAF) stark beschädigt.

Dabei wurde, um die Abwehranlagen an der Talsperre zu umgehen, eine speziell für diesen Zweck konstruierte Roll- oder Rotationsbombe eingesetzt, die von einer Avro Lancaster abgeworfen wurde. Durch Eigendrehung konnte sie auf dem Wasser über die Abwehrnetze in Richtung Staumauer springen. An der Mauer sank die Bombe planmäßig im Wasser herab und ihr Sprengsatz detonierte in vordefinierter Tiefe. Durch die Explosion entstand in der Mauer ein halbkreisartiges Loch von 70 m Breite und 22 m Tiefe. Aus diesem strömten schlagartig durchschnittlich 8000  Wasser pro Sekunde aus – insgesamt rund 160 Millionen m³.

In der Folge ergoss sich eine 6 bis 8 m hohe Flutwelle durch das untere Edertal nach Fritzlar, Wabern und Felsberg und über das Fuldatal (Kassel) zum Weserstein (Hann. Münden) und schließlich ins Wesertal. Die Flutwelle, die von den Anwohnern als eine weiß schäumende und laut grollende Gischt beschrieben wurde, führte dazu, dass hunderte Häuser sowie Fabriken, Eisenbahnstrecken, Straßen, Brücken und Bäume stark beschädigt, zerstört oder weggespült wurden. Die Flut verwandelte nicht nur die teils weit ausgedehnten Täler um die Schwalm-Eder- und Eder-Fulda-Mündung in einen teils mehrere Kilometer breiten „See“, sondern überflutete auch die rund 35 km von der Staumauer entfernte Niederung der Fulda im Kasseler Becken, so dass dort zum Beispiel Bettenhausen, die Unterneustadt und die Karlsaue mit der Orangerie vom Wasser heimgesucht wurde.

Angaben über die Anzahl der Menschen, die in der Wasser-, Schlamm- und Schuttwelle unterhalb des Edersees ihr Leben verloren, sind widersprüchlich. Die Zahlen schwanken zwischen 47 und 68 Todesopfern.[2] Einige Beiträge jüngeren Datums, in denen der Tod von 749 ukrainischen kriegsgefangenen Zwangsarbeitern in einem Arbeitslager unterhalb der Edersee-Staumauer erwähnt wird, beruhen wahrscheinlich auf einer Verwechslung mit der Möhnetalsperre, die ebenfalls im Rahmen der Operation Chastise stark beschädigt wurde (siehe Möhnekatastrophe). Es gibt jedoch keine zuverlässige Quelle, aus der hervorgeht, dass sich am Edersee zum Zeitpunkt des Bombardements ein Zwangsarbeiterlager befunden haben soll. Ein solches Lager wurde dort erst nach dem Angriff zur Wiederherstellung der Staumauer eingerichtet.

Ein privat von einem Soldaten gedrehter Film zeigt unter anderem die stark beschädigte Staumauer wenige Stunden nach dem Angriff (siehe Abschnitt Filme und Spiele).

Wiederaufbau[Bearbeiten]

Die stark beschädigte Staumauer wurde noch im selben Jahr durch Zwangsarbeiter der Organisation Todt wiederaufgebaut. Hilfskräfte der Hitler-Jugend und des Reichsarbeitsdienstes bauten auch zahlreiche Häuser und andere wichtige Bauten wieder auf.

Sanierungen[Bearbeiten]

Sanierungen der Staumauer fanden 1946 bis 1947, 1947 bis 1948, 1961 bis 1962 und 1991 bis 1994 statt. Bei der Sanierung in den 1940er Jahren wurde dem vermehrten Wasserdurchfluss, der bei den starken Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg insbesondere im Mauerwerksbereich rund um die Sprenglücke durch die Erschütterungen der Rotationsbombe verursacht wurde, durch Verpressungen (Injektionsdichtung) und bei der Sanierung in den 1960er Jahren durch einen kompletten Verpressschleier mit Zementleim entgegengewirkt. Bei Sanierung in den 1990er Jahren – mit Erhöhung des Sicherheitsstandards entsprechend der DIN 19700 (Stauanlagen) – wurden 104 Felsanker von je 75 m Länge in den Untergrund getrieben. Jeder dieser Anker wurde mit einer Vorspannkraft von 4500 kN angespannt.

Daten von Staumauer und -see[Bearbeiten]

Staumauerblick vom Uhrenkopf
Staumauer mit Schloss Waldeck im Hintergrund
Staumauer von Norden
Staumauer Nordseite ca. 2 m unter Höchstwasserstand

Staumauer: Für den Bau der 1908 bis 1914 direkt nördlich von Hemfurth, einem Ortsteil von Hemfurth-Edersee der heutigen Gemeinde Edertal, errichteten gekrümmten Schwergewichtsmauer, die 400 m Kronen- und 270 m Sohlenlänge sowie 6 m Kronen- und 36 m Sohlenbreite (Basisbreite) aufweist, wurden etwa 300.000 m³ Bruchsteinmauerwerk aus Edersee-Grauwacke verarbeitet.

Stausee: Der Edersee ist der flächenmäßig zweit- und volumenmäßig drittgrößte Stausee Deutschlands und gehört mit seiner Stauraumgröße zu den 10 deutschen Stauseen mit einem Inhalt von mehr als 25 Mio. m³ Wasser. Bei Vollstau hat der Edersee 11,8 km² Wasseroberfläche und 199,3 Mio. m³ Wasserinhalt (im Jahr 2003 per Laser-Scan-Verfahren ermittelter Wert; ehemaliger Wert: 202,4 Mio. m³). Dann beträgt seine Wassertiefe 41,7 m und bei Hochwasser maximal 43,69 m. Der Stausee ist insgesamt 28,5 km lang. Seine Uferlänge misst 69,4 km.

Baugrund und Funktion der Talsperre[Bearbeiten]

Wasserregulierung[Bearbeiten]

Die Edertalsperre wurde errichtet, um aus dem Edersee dem Mittellandkanal genug Wasser zuführen zu können, damit Lastkähne vom Ruhrgebiet nach Berlin fahren können. Bei Minden wurde dazu am Wasserstraßenkreuz ein Pumpwerk eingerichtet, welches das Wasser aus der Weser eine Etage höher in den Kanal befördert. Zudem wird nicht nur in den Sommermonaten der (Hoch-)Wasserstand der Eder, der Fulda und der Weser geregelt. Dazu ist es notwendig, dass der Stausee zum Ende jedes Jahres nur etwa 150 Mio. m³ Wasserinhalt hat, so dass knapp 50 Mio. m³ Hochwasserstauraum zur Verfügung steht, der sich in normalen Jahren bis zum 1. April wieder auffüllt.

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg führt der niedrige Wasserstand zu wirtschaftlichen Beeinträchtigungen vor allem im Tourismus.[3]

Wasserzufluss[Bearbeiten]

Die natürliche Wassermenge, die dem Stausee über die Eder am Messpunkt in Schmittlotheim zugeführt wird, ist sehr unterschiedlich: Bei Trockenheit fließt manchmal nur etwa 1,0 m³ pro Sekunde in den Stausee ein; in regenreichen Zeiten und vor allem während der Schneeschmelze kann sich dies auf bis zu 740 m³/sek. steigern, was pro Jahr im Durchschnitt 650 Mio. m³ (etwa 20 m³/sek.) ergibt.

Stromerzeugung[Bearbeiten]

Am Mauerfuß der Edertalsperre steht das Kraftwerk Hemfurth, das elektrischen Strom mit Hilfe von Wasserkraft erzeugt. Die Turbineneinläufe befinden sich ganz unten am Fuß der Staumauer wasserseitig auf ihrer linken Seite. Durch die Turbinenrohre, die etwa 2,50 m Durchmesser haben, laufen sekündlich bis zu 54 m³ Wasser. Das Kraftwerk verfügt über zwei Maschinensätze mit jeweils zwei Generatoren, die in Abhängigkeit vom Pegelstand zusammen bis zu 20 MW (25 MVA) Leistung zur Verfügung stellen.[4] Betrieben wird die Anlage von der E.ON Wasserkraft GmbH. Eingespeist wird der erzeugte Strom in das 110-kV-Hochspannungsnetz der E.ON Netz GmbH.[5]

Zudem wird am Affolderner See, einem wenige Kilometer flussabwärts des Edersees gelegenen Stausee, mit den Pumpspeicherkraftwerken Waldeck und dem „Laufwasserkraftwerk Affoldern“ Strom erzeugt.

Schema der Kraftwerksgruppe Hemfurth–Waldeck–Affoldern

Hochwasser und Niedrigwasser[Bearbeiten]

Vollstau[Bearbeiten]

Der Stausee mit ungewöhnlich hohem Wasserstand im August, im Hintergrund der Peterskopf (2012)

Der Wasserstand des Edersee variiert im Jahresverlauf. Vollstau hat der See nach den Niederschlägen des Winters zwischen März und Juli. Die Wassertiefe beträgt dann bis zu 42 m.

Wenn der Wasserstand über die Vollstaumarke (245 m ü. NHN) steigt und Hochwasser herrscht, können an der Staumauer pro Sekunde 204 m³ Wasser abgelassen werden. Das erfolgt durch die Turbinenrohre (54 m³) und die sechs Grundablässe (150 m³), die sich am Fuß der Staumauer mit jeweils 1,20 m Durchmesser befinden. Wenn das nicht ausreicht, können über die 39 Überläufe in der Mauerkrone pro Sekunde bis zu 1.100 m³ abgelassen werden. Sollte auch dies nicht ausreichen, stehen in der Mitte der Staumauer zusätzlich acht Notauslässe zur Verfügung, durch die sekundlich insgesamt 440 m³ herausgelassen werden können. Zusammengerechnet ergibt dies mit dem zuvor erwähnten Turbinendurchlass 1.744 m³ pro Sekunde.

Niedrigwasser[Bearbeiten]

Die Eder bei Niedrigwasser des Stausees nahe Asel im September (2008)

Das Wasser des Edersees wird zur Regulierung der Weser und des Mittellandkanals genutzt. Dadurch kann es vorkommen, dass nach einem trockenen Spätsommer mit anschließend regenarmen Herbst, große Teile des Edersees trocken liegen. Auf dem Seeboden entwickelt sich dann durch Sumpfgräser eine grüne Vegetation.

Bei extremem Niedrigwasser werden Überreste der ehemaligen Dörfer und der Bericher Klosterkirche, der Friedhof Bringhausen, die alte, noch gut erhaltene und begehbare Ederbrücke bei Asel und andere Anlagen – wie das Sperrmauermodell (Maßstab 1:40; entsprechend 219,9 m ü. NHN Pegelhöhe) beim ehemaligen Berich – wieder sichtbar. 2002 fiel in der Region um den Ederkopf, vor allem aber in Nordhessen, kaum Regen. Das folgende Winterhalbjahr war recht niederschlagsarm, und im Jahre 2003 während des „Jahrhundertsommers“ gab es dort wenig Niederschlag, so dass die normalerweise vom Stausee überfluteten Dörfer über Monate trockenlagen.[6] Den tiefsten Wasserstand erreichte der Stausee mit 19,9 Mio. m³ (entsprechend 217,82 m ü. NHN Pegelhöhe) im November 2003, ehe er nach einem regenreichen Winter Ende März 2004 wieder komplett aufgefüllt war. Das Rekordniedrigwasser nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Mitte Dezember 1959 gemessen: 9,1 Mio. m³ Wasser oder weniger als die Eiserner Bestand genannte Pegelhöhe von 214 m ü. NHN.

Tourismus[Bearbeiten]

Blick vom Wildpark Edersee nach Norden zur vom Edersee überfluteten „Dorfstelle Berich“ (mittig) und nach Waldeck-West (rechts)
Ausflugsschiff auf dem Edersee
Einsatz eines Schwimmanlegers mit Kabinenseilbahn für Passagiere bei Niedrigwasser am Staumauer-Südende

Nicht erst seit dem Zweiten Weltkrieg hat die touristische Bedeutung in der großen Region rund um den Edersee – zu der auch der Nationalpark Kellerwald-Edersee gehört – ständig zugenommen, so dass sich ein recht großes Naherholungsgebiet mit zahlreichen Urlaubs- und Freizeitmöglichkeiten entwickelt hat.

Insbesondere niederländische Ferienreisende kommen gern, möglicherweise auch wegen der historischen Beziehung ihres Königshauses zu Waldeck: Prinzessin Emma von Waldeck-Pyrmont wurde als zweite Gemahlin von König Willem III 1879 zur Stammmutter aller nachfolgenden niederländischen Königinnen.

Aufgrund der bergigen Landschaft und des Naturparks, in dem der Edersee und die Waldgebiete liegen, fällt die Infrastruktur bezüglich des Straßenbaus recht spärlich aus, so dass es in Spitzenzeiten zu erheblichen Staus kommen kann. Straßen in Ufernähe führen um die östliche Seehälfte herum, es gibt aber auch Straßen entlang des Westteils; sie sind teils als Sackgassen angelegt. Vielerorts gibt es Wandererparkplätze. Fahrrad- und Wanderwege verlaufen um den gesamten Stausee.

Zahlreiche Campingplätze und zwei Jugendherbergen sowie viele Cafés, Gaststätten, Hotels, Pensionen und Restaurants sind an den Ufern zu finden. Im Sommer lädt der Edersee unter anderem an von der DLRG bewachten Badestellen zum Baden ein. Ein Aquapark (Wasserspielplatz mit Miniatur-Edersee im Maßstab 1:200) südlich der Staumauer ermöglicht eine Ergänzung zum Badevergnügen im offenen Stausee. Weitere bevorzugte Sportarten am Edersee sind Tauchen, Segeln, Rudern und Angeln. Westlich unterhalb von Waldeck darf in zwei Zonen getaucht werden; in der „Zone 1“ befinden sich die Reste des Dorfs Berich – die „Dorfstelle Berich“. Für Segler bietet der See ein nicht zu anspruchsloses Revier. Der Motorbootverkehr mit Verbrennungsmotor ist verboten, dagegen ist das Befahren mit Elektro-, Tret- und Ruderbooten erlaubt, für die es Bootsverleiher gibt. Auf Ausflugsschiffen der „Personenschifffahrt Edersee“ kann bei Vollstau der gesamte See zwischen der Staumauer im Osten und dem Ederzufluss im Westen befahren werden. Sie halten an maximal acht Anlegestellen. Zwischen Asel und dessen Ortsteil Asel-Süd sowie zwischen der zu Nieder-Werbe gehörenden Halbinsel Scheid und dem Dorf Rehbach verkehren Personenfähren.

Blick von der Staumauer in Richtung Norden über den vereisten Edersee mit Waldeck-West im Hintergrund
Knorrige Bäume am Urwaldsteig Edersee

Im Winter lockt der zugefrorene Edersee unter dem Stichwort „Singender See“ Besucher an: Durch die starken Diskrepanzen zwischen Nachtfrösten und Tagestemperaturen im positiven Bereich bei Sonneneinstrahlung sowie bedingt durch schwankende Wasserstände reiben sich die Eisschollen aneinander, was ein röhrend-hallendes, weithin hörbares Geräusch verursacht.

Das Terrassenhotel mit Gaststätte am Ostufer der Staumauer war schon eine touristische Einrichtung der Weimarer Republik (Bauzeit 1931/32). Nach seiner Zerstörung durch den britischen Fliegerbombenangriff im Zweiten Weltkrieg erfolgte der Wiederaufbau in den 1950er Jahren.

Seit 2005 existiert der Urwaldsteig Edersee („UE“), der als Wanderweg auf etwa 68 km Länge rund um den Edersee führt, wobei er durch die Trockeneichenwälder am nördlichen Ufer und durch den südlich des Stausees gelegenen Nationalpark Kellerwald-Edersee verläuft. 2006 wurde der Ederseeradweg („ER11“) auf vielerorts asphaltierter und weitgehend autofreier Strecke eingeweiht, der – je nach Routenwahl – als maximal auch etwa 68 km langer Radweg rund um den Edersee führt. Beide Wege verlaufen über die Staumauer und sind mancherorts nicht direkt entlang der Uferlinie (69,4 km lang) des Stausees angelegt, sondern sie führen abkürzend über nahe Anhöhen. Möglich ist es per zuvor genannten Ausflugsschiffen, der „Fähre Asel“ oder der „Fähre Rehbach“, abzukürzen. Anschluss an diese Wege haben unter anderem die teils kreuzenden Fuß- und Radwanderwege Ederauenradweg und der besonderes durch den Kellerwald führende Kellerwaldsteig (ca. 156 km lang). Zudem führt der Südwestabschnitt des Habichtswaldsteigs (198,0 km) über die östlich des Stausees gelegenen Hochlagen und über die Staumauer. Am Stauseeufer bei Nieder-Werbe endet der von Kassel kommende Ederseeweg (49 km).

Fauna[Bearbeiten]

1934 wurden am Edersee zwei Waschbärpärchen ausgesetzt, die sich anfangs in der Mitte Deutschlands vermehrten und später auch in Mitteleuropa ausbreiteten. Am 9. März 2009 wurde im Nationalpark Kellerwald-Edersee eine Wildkatze nachgewiesen,[7] die dort neben üblicherweise in der Gegend vorkommenden Wildtieren lebt.

Aufgrund der hohen Staumauer der Edertalsperre ist die Fischwanderung zum und aus dem Edersee (zum Beispiel für Lachse) flussabwärts nicht möglich. Jedoch hat sich innerhalb des Stausees eine recht vielfältige Fischwelt aus Raub- und Weißfischen entwickelt. Nicht selten kommt es vor, dass wuchtige Hechte gesehen und auch gefangen werden.

Zuflüsse und Abfluss[Bearbeiten]

Abfluss der Eder südöstlich der Staumauer

Zu den Fließgewässern des Edersees − seine Zuflüsse und sein Abfluss − gehören mit Länge in Kilometer (km) und Mündungsgebiet (alphabetisch sortiert):

Zuflüsse:

  • Aselbach (6,55 km); mündet von Norden bei der „Dorfstelle Asel“ bei Vöhl-Asel in einen Stausee-Nordarm
  • Banfebach („Banferbach“; 7,2 km); mündet von Süden südöstlich von Asel-Süd beim „Fischhaus Banfe“ in einen Stausee-Südarm
  • Bärenbach (4,1 km); mündet von Süden südlich von Asel-Süd in eine kleine Bucht des Stausees
  • Bärentalsbach (1,95 km); mündet westlich der nahe Waldeck-West gelegenen „Dorfstelle Berich“ von Norden in einen Stausee-Nordarm
  • Eder (176,1 km); mündet als Hauptzufluss von Süden bei Vöhl-Herzhausen in das Westende des Stausees; ist einziger Abfluss (Osten)
  • Hundsbach (2,1 km); mündet von Süden südwestlich von Asel-Süd beim „DRK-Zentrum Albert Schweitzer“ in den Stausee
  • Itter (11,6 km); mündet von Norden bei Vöhl-Herzhausen in das Westende des Stausees
  • Mellbach (2,1 km); mündet von Süden östlich von Edertal-Bringhausen in den Stausee
  • Mombeck (2,55 km); mündet von Westen bei Herzhausen in das westliche Ende des Stausees
  • Rehbach (0,9 km); mündet von Osten bei Edertal-Rehbach in einen Stausee-Südarm
  • Reiherbach (8,4 km), mündet von Nordosten bei Nieder-Werbe (zu Waldeck) in einem Stausee-Nordarm in ein Stausee-Vorbecken
  • Werbe (13,25 km); mündet von Norden in ein auch bei Nieder-Werbe gelegenes, benachbartes Stausee-Vorbecken

Abfluss:

  • Eder (176,1 km), einziger Abfluss, an der Staumauer am Ostende des Stausees; ist ein Zufluss der Fulda

Ausflugsmöglichkeiten und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Zu den Ausflugsmöglichkeiten und Sehenswürdigkeiten am und im Edersee und in ihn umgebender Region gehören (alphabetisch sortiert):

Am Edersee[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten am, nahe dem beziehungsweise rund um den Edersee:

Im Edersee[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten im Edersee oder nahe der Eder (zu sehen bei jedem Wasserstand):

Sehenswürdigkeiten im Edersee beziehungsweise an/nahe der Eder (zu sehen bei Niedrigwasser):

  • „Alt-Asel“ mit nahem Denkmal „Dorfstelle Asel“, bei Asel
  • „Aseler Brücke“ (verbindet Asel mit Asel-Süd; gut erhalten), bei Asel
  • „Alt-Bringhausen“ mit „Friedhof Bringhausen“ und nahem Denkmal „Dorfstelle Bringhausen“, bei Bringhausen
  • „Alt-Berich“ mit „Friedhof Berich“ und nahem Denkmal „Dorfstelle Berich“, westlich von Waldeck-West
  • „Bericher Brücke“, bei „Alt-Berich“, westlich von Waldeck-West
  • „Bericher Hütte“, nördlich von Waldeck-Scheid, westlich von „Alt-Berich
  • „Brücke Bringhausen“ (verband Bringhausen mit Waldeck-Scheid; Pfeiler und Widerlager sind erhalten), bei Bringhausen
  • „Durchbruchstelle der Schleppbahn“, der für den Staumauerbau benutzten Gütereisenbahnstrecke künstlich angelegte Felsdurchbruch zwischen der Hammerbergspitze (beim Wildpark Edersee) und den normalerweise überfluteten Hopfenbergen (bei einstiger Stollmühle)
  • „Gut Vornhagen“ (einst aus zwei Gebäuden bestehend), unterhalb vom Schloss Waldeck
  • „Sperrmauermodell“ des Absperrbauwerks Edertalsperre (Maßstab 1:40), das zum Testen der Wasserablässe gebaut wurde; nördlich von Waldeck-Scheid, westlich der Bericher Hütte
  • „Stollmühle“, unweit der Staumauer, nahe dem Wildpark Edersee an der Hammerbergspitze
  • „Werbebrücke“ (verbindet die Halbinsel Scheid mit der Bericher Hütte), nördlich von Waldeck-Scheid, südlich der Bericher Hütte

In der Region[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten in der den Edersee umgebenden Region:

  • Bad Arolsen – nördlich des Edersees; mit schönem Residenzschloss
  • Bad Wildungen – südöstlich des Edersees; Kurstadt
  • Diemelsee – nordwestlich des Edersees; Stausee
  • Frankenberg – südwestlich des Edersees; mit Altstadt und dem bekannten Fachwerkrathaus
  • Fritzlar – östlich des Edersees; Dom- und Fachwerkstadt mit größtenteils erhaltener Stadtmauer
  • Korbach – nordnordwestlich des Edersees; Hansestadt mit viel Fachwerk und gut erhaltenen Stadtmauerteilen
  • Twistesee – nördlich des Edersees; Stausee
Lichtkunstwerk unterhalb der Staumauer (2007)

Ehemalige Kunstwerke am Edersee[Bearbeiten]

Vom 7. Juli bis 15. September 2002 war die Edertalsperre luftseitig mit von der Mauerkrone bis zum Mauerfuß abgespannten, magentafarbigen, grüngepunkteten und zugleich transparenten Tüchern auf insgesamt 15.000 m² Fläche verhüllt − ein Werk des Künstlers Gerhard Hesse aus Edertal-Wellen. Abends bis Mitternacht wurde die Luftseite der Mauer angestrahlt, so dass alles kräftig leuchtete.

Vom 4. August bis 19. September 2007 war am Fuß der Staumauer auf dem Gelände von E.ON ein Kunstwerk mit dem Namen „Elektrisierte Wäschespinnen auf Ton“ von den Künstlern Gerhard Hesse aus Edertal-Wellen und Kanae Kato aus dem japanischen Ōsaka installiert. Dabei ging es um den Gegensatz von Natur und Technik. Von Dämmerungsbeginn bis Mitternacht leuchteten die Wäschespinnen rot.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Zu erreichen ist der Edersee auf mehreren Landes- oder Kreisstraßen, die von der westlich in Nord-Süd-Richtung bei Herzhausen den Stausee tangierenden B 252, von der etwas nördlich verlaufenden B 251 und von der etwas nordöstlich am Stausee vorbei führenden B 485 abzweigen:

Beide Bundesstraßen verbindet zwischen Herzhausen im Westen − vorbei an der Staumauer und entlang des Affolderner Sees − sowie Affoldern und Mehlen im Osten eine durchgängige Straße (L 3084 − L 3086), die teilweise entlang dem Nordufer des Stausees führt und sich abschnittsweise die Strecke mit der Ferienstraße Deutschen Fachwerkstraße teilt. Entlang seinem Südufer führt von Westen von Herzhausen über Harbshausen nach Asel-Süd und von Osten von Hemfurth-Edersee über Rehbach nach Bringhausen jeweils eine Sackgasse.

Zudem gibt es in der Ederseeregion − wie im obigen Absatz Tourismus anreißend beschrieben − zahlreiche Rad- und Wanderwege.

Früher verlief mehrere Kilometer entfernt vom Edersee die von Korbach unter anderem durch das unterhalb der Staumauer gelegene Edertal nach Bad Wildungen führende Ederseebahn östlich und nördlich am Stausee vorbei; deren stillgelegter Abschnitt Korbach−Buhlen wurde von 2008 bis 2012 zum Ederseebahn-Radweg umgebaut.

Filme und Spiele[Bearbeiten]

Ein Film eines Soldaten, privat gedreht am 17. Mai 1943, zeigt die stark beschädigte Staumauer (siehe Abschnitt Zerstörung im Zweiten Weltkrieg) und durch das ausströmende Wasser entstandene Auswirkungen entlang der Eder wenige Stunden nach dem Angriff auf die Mauer.[9]

Außerdem wurde der Angriff für den 1954 gedrehten britischen Spielfilm Mai 1943 – Die Zerstörung der Talsperren (The Dam Busters) von Michael Anderson nachgestellt.

Zudem ist der Angriff auf die Talsperre Bestandteil des Computerspiels Call of Duty 1. Die dortige Mission ist allerdings rein fiktional und hat nichts mit dem wahren Angriff gemein.

Staumauer und -see dienen in Matthias Schweighöfers Film Schlussmacher (2013) als Kulisse.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DIN 4048-1 Wasserbau, Begriffe, Stauanlagen, Jan. 1987.
  2. Mike Burkhardt (Hrsg.): Ferne Zeiten, nahe Ziele. Geschichte in und um Kassel erleben. Kassel University Press, Kassel 2010, ISBN 978-3-89958-952-8, S. 87.
  3. Abgelassenes Wasser – Die Welle aus dem Edersee schwappt in die Politik. auf: faz.net, 16. August 2011.
  4. Die Kraftwerke von E.ON am Edersee, auf michael-kranz.de
  5. Kraftwerksliste Bundesnetzagentur (bundesweit; alle Netz- und Umspannebenen). Abgerufen am 21. Juli 2012 (Microsoft-Excel-Datei, 1,6 MiB).
  6. Bilder vom Niedrigwasserstand am 23. August 2003
  7. Erstmals Wildkatze in Kellerwald-Edersee abgelichtet. auf: faz.net, 20. März 2009.
  8. Kletterpark-Edersee (offizielle Homepage)
  9. Hermann Hauschild: Aufnahmen von der Zerstörung der Edertalsperre vom 17. Mai 1943, auf youtube.com

Literatur[Bearbeiten]

  • Roland Gööck: Als die Sperrmauer brach – Ein Bericht über die Zerstörung der Edertalsperre am 17. Mai 1943 und den Wiederaufbau im Edertal. Wilhelm Bing Verlag, Korbach, 1953.
  • Peter Franke, Wolfgang Frey: Talsperren in der Bundesrepublik Deutschland. 1987, ISBN 3-926520-00-0.
  • Ulrich Klein: Die Edertalsperre und der Beginn der Elektrizitätsversorgung in Nordhessen 1914–1922. In: Hessische Heimat. 61 (2011), S. 69–76.
  • Radwanderkarte – Leporello Eder-Radweg, Edersee-Rundweg. Maßstab 1:50.000, ISBN 978-3-89920-509-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Edersee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Edersee – Reiseführer