Dommitzsch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Dommitzsch
Dommitzsch
Deutschlandkarte, Position der Stadt Dommitzsch hervorgehoben
51.63944444444412.882583Koordinaten: 51° 38′ N, 12° 53′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Nordsachsen
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Dommitzsch
Höhe: 83 m ü. NHN
Fläche: 30,19 km²
Einwohner: 2574 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 85 Einwohner je km²
Postleitzahl: 04880
Vorwahl: 034223
Kfz-Kennzeichen: TDO, DZ, EB, OZ, TG, TO
Gemeindeschlüssel: 14 7 30 090
Stadtgliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
04880 Dommitzsch
Webpräsenz: www.dommitzsch.de
Bürgermeister: Harald Koch (CDU)
Lage der Stadt Dommitzsch im Landkreis Nordsachsen
Arzberg Bad Düben Beilrode Belgern-Schildau Cavertitz Dahlen Delitzsch Doberschütz Dommitzsch Dreiheide Eilenburg Elsnig Großtreben-Zwethau Jesewitz Krostitz Laußig Liebschützberg Löbnitz Mockrehna Mockrehna Mügeln Naundorf Wiedemar Oschatz Rackwitz Belgern-Schildau Schkeuditz Schönwölkau Mügeln Taucha Torgau Trossin Wermsdorf Wiedemar Torgau Zschepplin WiedemarKarte
Über dieses Bild

Dommitzsch ist eine Stadt im Landkreis Nordsachsen in Sachsen (Deutschland). Sie ist erfüllende Gemeinde der Verwaltungsgemeinschaft Dommitzsch.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Dommitzsch, 83 Meter über dem Meeresspiegel und einen Kilometer westlich der Elbe gelegen, ist die nördlichste Stadt des Landkreises Nordsachsen und des Freistaates Sachsen. Dommitzsch liegt im Dreiländereck Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt auf einer kleinen Anhöhe am linken Ufer der Elbe. Aus der westlich liegenden Dübener Heide kommend, fließt hier der Grenzbach in die Elbe.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Stadt besteht neben dem Kernort aus den vier Ortsteilen Mahlitzsch, Greudnitz, Proschwitz und Wörblitz.

Geschichte[Bearbeiten]

Kirche St. Marien
Rathaus

Dommitzsch galt lange Zeit als alter Grenzort der ehemaligen Mark Meißen.

Als ältester Beweis einer Besiedlung gilt ein Werkzeugfund aus der Jungsteinzeit (etwa 3000 bis 2000 v. Chr.). Urnenfunde belegen weiterhin eine frühe Besiedlung im Raum Dommitzsch zur Zeit der Lausitzer Urnenfelderkultur (etwa 1400 v. Chr.). Aus der Eisenzeit liegen ebenfalls Siedlungsspuren vor.

Die Stadt entwickelte sich in den Anfängen (10./11. Jahrhundert) um die Burganlage auf dem Osterberg. Dort wurde auch die erste Kirche (Martinikirche) erbaut. Ein planmäßiger Ausbau der Stadt erfolgte im 12./13. Jahrhundert in westlicher Richtung um den heutigen Stadtkern. Dabei wurden auch die zweite Kirche sowie Stadttore und Wallgraben errichtet.

Während der Völkerwanderung gelangten slawische Stämme auch in den nordsächsischen Raum, so dass ab dem 7. Jahrhundert eine durchgehende slawische Besiedlung gegeben war. Dommitzsch entwickelte sich zu einem slawischen Hauptort, der im Schutz einer Burganlage (Osterberg) lag. Eine weitere slawische Burganlage befand sich auf dem Aueberg bei Dommitzsch.

Infolge der Kriegszüge Heinrich I. kam Dommitzsch um 929 in deutschen Besitz; es wurde ein deutscher Burgwardort. Dommitzsch gehörte zunächst zum „Comitatu Brennensis“ (Grafschaft Brehna), nach 968 zur Markgrafschaft Meißen.

Im Jahr 965 wurde „Dumoz“ in einer Urkunde erwähnt, deren Echtheit jedoch bezweifelt wird. Eine weitere Erwähnung findet sich in einer Urkunde von 981, in der Otto I. Dommitzsch mit Burg und Nachbarorten dem Kloster Memleben schenkte.[2] Elf Jahre später, 992, gelangten Burg und Bezirk Dommitzsch wieder unter kaiserliche Herrschaft. Im Jahre 1004 wurde Dommitzsch bei der Schenkung des „Honigzehenten“ durch Heinrich II. auch „Dumuz“ genannt. In den Jahren 1219 und 1223 wurde die Provinz „Domitz“ (Domuts) genannt. Heinrich III., Markgraf zu Meißen stiftete 1223 die Komturei des Deutschen Ordens in Dommitzsch. Heinrich I. von Brandenburg schenkte seiner Tochter im Jahr 1298 Schloss und Stadt Dommitzsch als Heiratsgut. Damit erfolgte die erste urkundliche Erwähnung von Dommitzsch als Stadt. Nach der Leipziger Teilung kam die Stadt 1485 zur Ernestinischen Linie, etwa sechzig Jahre später im Jahr 1574 nach der Schlacht bei Mühlberg zur Albertinischen Linie.

Bedeutende Zerstörungen der Stadt erfolgten im Hussitenkrieg (1429/30) und im Dreißigjährigen Krieg. Dommitzsch war 1625–1626 von Hexenverfolgung betroffen. Eine Frau geriet in einen Hexenprozess unter dem Vorwurf der Hexerei. [3]

Bis ins 19. Jahrhundert war Dommitzsch von Ackerbau und Handwerk geprägt, es dominierten Töpfer und Leinenweber. Bedeutende industrielle Neuerungen waren die Errichtung eines Tonrohrwerkes 1873, der Bau einer Tonwarenfabrik 1910 und die Eröffnung der Margarinefabrik im Jahr 1925.

Ab 1815 gehörte Dommitzsch zur Provinz Sachsen in Preußen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 gehörte Dommitzsch zunächst zur neuen Provinz Sachsen-Anhalt und ab 1947 zum Land Sachsen-Anhalt in der Sowjetischen Besatzungszone. Nach der Gründung der DDR 1949 erfolgte eine Verwaltungsreform im Land, die Dommitzsch dem Kreis Torgau im Bezirk Leipzig zuschlug.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgte eine beträchtliche Bebauung über die Stadtgrenzen hinaus. Nach 1958 begann die bis dahin größte Entwicklung des Wohnungsbaues. In Dommitzsch waren 1985 acht Betriebe oder Zweigbetriebe, drei Landwirtschaftsbetriebe, zwei PGH, 29 private Handwerksbetriebe, ein Dienstleistungsbetrieb, ein Landambulatorium, 24 Einzelhandelsgeschäfte, acht Gaststätten und ein Waldbad mit Campingplatz ansässig.

Nach Wende und Wiedervereinigung entschied sich die Mehrheit der Bevölkerung 1990 für die Zugehörigkeit zum neugegründeten Freistaat Sachsen. In der sächsischen Kreisreform 1994 wurde der nach 1990 als Landkreis weiter bestehende Kreis Torgau mit dem Landkreis Oschatz und Teilen des Landkreises Eilenburg zum Landkreis Torgau-Oschatz zusammengeschlossen. Dommitzsch war die kleinste der sieben Städte im neuen Landkreis.

Am 1. Januar 1999 wurde die Gemeinde Wörblitz mit den am 1. Juli 1950 eingegliederten Orten Greudnitz und Proschwitz[4] nach Dommitzsch eingemeindet[5].

Die Gemeinden Dommitzsch, Elsnig und Trossin bildeten am 1. Januar 2000 eine Verwaltungsgemeinschaft zum gemeinsamen Erledigen einiger Verwaltungsaufgaben.[6] Zum 1. August 2008 entstand im Zuge der Kreisreform 2008 aus den Nachbarkreisen Torgau-Oschatz und Delitzsch der Landkreis Nordsachsen mit zwölf Städten, von denen Dommitzsch mit 2574 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2013) die kleinste ist.

Politik[Bearbeiten]

Im Stadtrat der Stadt Dommitzsch verteilen sich die zwölf Sitze seit der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 wie folgt auf die Parteien und Wählergruppen:

Liste: CDU Linke SPD FWG* Gesamt
Sitze: 7 1 1 3 12 Sitze

* Freie Wählergemeinschaft Torgau-Oschatz

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Deutsche Tonwarenfabrik
Gänsebrunnen

Einen hohen Bekanntheitsgrad erlangte die Stadt durch das Tonwerk. Zu ihren Erzeugnissen gehörten unter anderem Steinzeugwaren, Steinzeugröhren, Vieh- und Futtertröge, hochfeuerfeste Schamotte-Normal- und Formsteine, Schamottemörtel, Klinker, Viereckrohre, Dränröhren, Kabelsteine sowie Kunstwandplatten. Es wurde ursprünglich 1873 von den Herren Granger & Hyan in Dommitzsch gegründet. Später ging die Firma über auf die AG für Wasserheizung und Wasserleitung, vormals Granger & Hyan.

Am 29. Juli 1882 übernahm die AG Splauer Tonwerke, eine Verblendsteinfabrik in Splau bei Bad Schmiedeberg, das Dommitzscher Unternehmen. Es wurde zunächst als eigenes Werk unter der Firma Dommitzscher Tonrohrwerke AG betrieben, im Juni 1883 aber mit dem Splauer Tonwerk unter der Firma Vereinigte Splauer und Dommitzscher Tonwerke AG zusammengeschlossen. Laut Hauptversammlungsbeschluss vom 29. Juni 1995 erfolgte eine Änderung in Dommitzscher Tonwerke AG.[7] Die Tonwerke wurden 1997 abgerissen und die Fläche als Industriegebiet ausgewiesen. Das Gelände ist bis heute teilweise ungenutzt. Das Modell der Tonwerke ist eine der Attraktionen im Heimatmuseum in der Torgauer Straße in Dommitzsch.

Verkehr[Bearbeiten]

Ehemaliger Bahnhof

Die Stadt Dommitzsch liegt an der Bundesstraße 182 von Wittenberg nach Torgau. Die Bahnstrecke Pretzsch–Torgau hat einen Haltepunkt im Ortsteil Wörblitz sowie einen Bahnhof in der Stadt Dommitzsch. Diese Eisenbahnstrecke ist jedoch zwischen Pretzsch und Torgau stillgelegt, und der Haltepunkt sowie der Bahnhof werden nicht mehr angefahren. Eine Fähre verbindet Dommitzsch mit der Stadt Prettin (auf dem anderen, östlichen Ufer der Elbe), Sachsen-Anhalt, in der sich das KZ Lichtenburg befand.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian Friedrich Roeder: Historische Nachrichten von der alten Meißnischen Grentz-Stadt DommitzschUntertitelNach ihrem Ursprunge, Alter, Lage, Verfassung und Jahres-Geschichten, Wie auch von der Beschaffenheit der dasigen Comthurey und andern Merckwürdigkeiten, Wobey zugleich einige Lebens-Umstände des berühmten Herrn Caspar Schneiders gründlich ertheilet werden. Torgau 1750 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dommitzsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Dommitzsch – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. MGH DD Otto II. 196. Digitalisat: http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000443/images/index.html?id=00000443&no=1&seite=226
  3. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 619
  4. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  6. Regionalregister Sachsen, Verwaltungsgemeinschaft Dommitzsch
  7. Eine Aktie der Dommitzscher Tonwerke AG aus dem Jahr 1928 bei „effektenwelt“; abgerufen am 13. März 2009