Taucha

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Dieser Artikel behandelt die sächsische Stadt Taucha. Den Namen Taucha trägt auch ein Ortsteil der Stadt Hohenmölsen in Sachsen-Anhalt, siehe Taucha (Hohenmölsen).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Taucha
Taucha
Deutschlandkarte, Position der Stadt Taucha hervorgehoben
51.3812.493611111111128Koordinaten: 51° 23′ N, 12° 30′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Nordsachsen
Höhe: 128 m ü. NN
Fläche: 33,13 km²
Einwohner:

14.340 (31. Dez. 2011)[1]

Bevölkerungsdichte: 433 Einwohner je km²
Postleitzahl: 04425
Vorwahl: 034298
Kfz-Kennzeichen: TDO, DZ, EB, OZ, TG, TOVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Kfz enthält Leerzeichen
Gemeindeschlüssel: 14 7 30 300
Stadtgliederung: 9 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Schlossstraße 13
04425 Taucha
Webpräsenz: www.taucha.de
Bürgermeister: Holger Schirmbeck (SPD)
Lage der Stadt Taucha im Landkreis Nordsachsen
Arzberg Bad Düben Beilrode Belgern-Schildau Cavertitz Dahlen Delitzsch Doberschütz Dommitzsch Dreiheide Eilenburg Elsnig Großtreben-Zwethau Jesewitz Krostitz Laußig Liebschützberg Löbnitz Mockrehna Mockrehna Mügeln Naundorf Wiedemar Oschatz Rackwitz Belgern-Schildau Schkeuditz Schönwölkau Sornzig-Ablaß Taucha Torgau Trossin Wermsdorf Wiedemar Torgau Zschepplin WiedemarKarte
Über dieses Bild
Tauchaer Marktplatz

Taucha ist eine Kleinstadt im Nordwesten Sachsens, nordöstlich von Leipzig, an dessen Stadtgebiet es direkt angrenzt.

Inhaltsverzeichnis

Geographie [Bearbeiten]

Geographische Lage [Bearbeiten]

Taucha liegt in der Leipziger Tieflandsbucht. Durch die Stadt fließt die Parthe, deren Flussaue ein ausgedehntes Landschaftsschutzgebiet um die Stadt bildet. Außerhalb der Flussaue ist die Landschaft durch eiszeitliche Endmoränen geprägt (Saaleeiszeit). In der Umgebung befinden sich auch Reste von ehemaligen Vulkanen, die als Steinbrüche genutzt werden.

Stadtgliederung [Bearbeiten]

Taucha besteht aus der Stadt Taucha selbst und den Ortsteilen Cradefeld, Dewitz (mit Döbitz), Graßdorf, Merkwitz, Plösitz, Pönitz, Seegeritz und Sehlis.

Geschichte [Bearbeiten]

Der Ort wurde im Jahre 974 erstmals als urbs Cothung in der Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg erwähnt. 1170 erhielt der Marktflecken Tuch durch den Merseburger Erzbischof Wichmann von Seeburg das Stadtrecht verliehen. Dadurch sollte eine Konkurrenz zum meißnischen Leipzig aufgebaut werden. Erzbischof Albert von Magdeburg ließ als sichtbaren Ausdruck der städtischen Selbständigkeit 1220 Schloss und Stadtmauer errichten.

1282 belagerte Dietrich von Landsberg, Markgraf zu Meißen, die Stadt und ließ nach ihrer Einnahme das Schloss schleifen.

Nachdem der Magdeburger Erzbischof Otto 1355 endgültig auf den Besitz der Stadt verzichtete, gelangte Taucha endgültig in meißnische Lehnsherrschaft.

Im Jahre 1569 kaufte der Leipziger Rat Schloss und Rittergut Taucha. Mehrere große Pestepidemien suchten 1626–1680 den Ort heim, hinzu kamen mehrfache Zerstörungen während des Dreißigjährigen Krieges 1631–1644.

In den Jahren 1819 und 1820 wurde die Stadtmauer abgebrochen. 1832 wurde Taucha wieder eine selbstständige Stadt.

Im Jahr 1935 begannen die Mitteldeutschen Motorenwerke, eine Tochtergesellschaft der Auto Union, mit dem Bau eines Flugzeugmotorenwerkes an der Graßdorfer Straße 75. Das Werk lag zur Tarnung in einem größeren Waldstück, zum Teil auf Fluren der Stadt Leipzig. Daher erfolgte am 1. April 1939 eine zwangsweise Umflurung nach Taucha. Bombenangriffe beschädigten das Werk 1944 schwer. 1946 bis 1947 wurden die Werksanlagen demontiert und die Gebäude gesprengt.

In den Jahren 1944/1945 befand sich in der heutigen Mathias-Erzberger-Straße ein Außenlager des KZ Buchenwald für 440 männliche Häftlinge, die bei der Hugo Schneider AG HASAG Zwangsarbeit verrichten mussten. Ein Außenlager für 1.200 Frauen, auch sie meist Juden, mussten ebenfalls in der Rüstungsproduktion arbeiten. Einen Todesmarsch bei Auflösung der Lager im Frühjahr 1945 überlebten nur wenige. Neben diesen Außenlagern existierten noch weitere zwölf Zwangsarbeitslager und Kriegsgefangenenlager, deren Häftlinge für die Mitteldeutschen Motorenwerke GmbH („Mimo“) arbeiteten und vor dem Ortsteil Pönitz untergebracht waren.[2]

1999 wurde Taucha in den Landkreis Delitzsch eingegliedert. Im Zuge der Kreisreform in Sachsen wurde Taucha 2008 Teil des Landkreises Nordsachsen.

Politik [Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 44,1 %
 %
50
40
30
20
10
0
41,3 %
24,8 %
17,3 %
8,8 %
7,8 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-4,9 %p
+2,0 %p
-4,1 %p
+8,8 %p
-1,9 %p

Stadtrat [Bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 setzt sich der Stadtrat wie folgt zusammen:[3]

Die Stadtratsmitglieder der FDP und von Bündnis 90/Die Grüne bilden eine gemeinsame Fraktion.

Städtepartnerschaften [Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]

Stadtkirche St. Moritz

Museen [Bearbeiten]

  • Heimatmuseum im ehemaligen Brauhaus

Religionsgemeinschaften [Bearbeiten]

In Taucha gibt eine evangelisch-lutherische Kirche (St. Moritz), eine katholische Kirche (St. Anna) sowie eine neuapostolische Kirche. Außerdem existieren in den Ortsteilen Sehlis (St. Katharina) und Dewitz (Martin Luther) ebenfalls evangelisch-lutherische Kirchen.

Bauwerke [Bearbeiten]

  • Stadtkirche St. Moritz
  • Schloss Taucha
  • Aussichtsturm
  • Stadtmauer (Reste)
  • Rathaus
  • Ehemaliges Brauhaus (beherbergt jetzt Heimatmuseum und Gaststätte, Renaissance)
  • Parthebrunnen
  • Backsteinbau des Bahnhofs

Gedenkstätten [Bearbeiten]

Ein FIR-Ehrenmal aus dem Jahre 1963 am Kleinen Schöppenteich erinnert auf zwei Gedenktafeln an 20 sowjetische und polnische Kinder von Zwangsarbeiterinnen sowie an 68 Opfer von Zwangsarbeit aus neun Nationen.[2]

Erholung [Bearbeiten]

  • Parthebad
  • Stadtpark

Regelmäßige Veranstaltungen [Bearbeiten]

  • Tauchscher
  • „Leipzig liest in Taucha“
  • Tauchaer Literaturwettbewerb

Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]

Wirtschaft [Bearbeiten]

Noweda-Filiale
  • In Taucha befindet sich eine der 15 Niederlassungen des Pharmagroßhändlers NOWEDA.
  • Der ehemalige ostdeutsche Börstenstar Lintec, ein PC-Hersteller, musste 2008 Insolvenz anmelden.[4]

Bildung [Bearbeiten]

Taucha verfügt über die Möglichkeit der Bildung vom Kindergarten bis hin zu einem Gymnasium.

Kindergärten [Bearbeiten]

  • Tausendfüssler
  • Flohkiste Taucha
  • Evangelische Kindertagesstätte St. Moritz
  • Sonnenkäfer
  • Koboldkiste
  • Dewitzer Spatzennest

Grundschule [Bearbeiten]

  • Grundschule Am Park
  • Regenbogenschule

Mittelschule [Bearbeiten]

  • Mittelschule Taucha

Gymnasium [Bearbeiten]

  • Geschwister-Scholl-Gymnasium Taucha

Verkehr [Bearbeiten]

Taucha hat durch die Nähe zu Leipzig eine gute Verkehrsanbindung. Durch die Stadt führen die Bundesstraße 87 (Leipzig–Frankfurt (Oder)). Im Südwesten führt die A 14 mit der Anschlussstelle Leipzig-Nordost an Taucha vorbei.

Der Bahnhof Taucha liegt an der Bahnstrecke Leipzig–Eilenburg. Die Stadt Taucha baut derzeit (Stand 2012) den Bahnhofsvorplatz zu einer SPNV-Verknüpfungsstelle um. Für die Zukunft ist eine Modernisierung der nicht mehr zeitgemäßen Anlage geplant. Die Bahnsteige sollen saniert und ein Fußgängertunnel errichtet werden. Taucha ist mit Straßenbahn- (Linie 3 Taucha–Leipzig Hauptbahnhof–Knautkleeberg, 20-min-Takt) und Buslinien an das Leipziger Nahverkehrsnetz angeschlossen.

Am Stadtrand gibt es einen kleinen Flugplatz, welcher von Kleinflugzeugen und Segelfliegern benutzt wird. Der Flughafen Leipzig/Halle ist circa 20 km entfernt.

Persönlichkeiten [Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

  • Sundermann, Peter (2007): Taucha. Sutton Verlag, Erfurt, ISBN 978-3-86680-147-9
  • Cornelius Gurlitt: Taucha. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 16. Heft: Amtshauptmannschaft Leipzig (Leipzig Land). C. C. Meinhold, Dresden 1894, S. 121.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Taucha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen – Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden (Hilfe dazu)
  2. a b Gedenkstätten für die Opfer des NS II, Hrsg. Bundeszentrale für politische Bildung Bonn, S. 752f.
  3. Wahlergebnisee auf der Website des Statistischen Landesamtes Sachen, abgerufen am 8. Mai 2011
  4. IT-BUSINESS vom 23. April 2008