Neumünster

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Stadt Neumünster in Schleswig-Holstein. Für weitere Bedeutungen, siehe Neumünster (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Neumünster
Neumünster
Deutschlandkarte, Position der Stadt Neumünster hervorgehoben
54.0713888888899.9922Koordinaten: 54° 4′ N, 9° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Höhe: 22 m ü. NHN
Fläche: 71,63 km²
Einwohner: 77.058 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 1076 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 24534–24539
Vorwahl: 04321
Kfz-Kennzeichen: NMS
Gemeindeschlüssel: 01 0 04 000
Stadtgliederung: 9 Stadtteile/Stadtbezirke
Adresse der
Stadtverwaltung:
Großflecken 59
24534 Neumünster
Webpräsenz: www.neumuenster.de
Oberbürgermeister: Olaf Tauras (parteilos)
Lage der Stadt Neumünster in Schleswig-Holstein
Bremerhaven (zu Freie Hansestadt Bremen) Niedersachsen Freie und Hansestadt Hamburg Freie und Hansestadt Hamburg Mecklenburg-Vorpommern Helgoland (zu Kreis Pinneberg) Königreich Dänemark Kreis Nordfriesland Flensburg Kiel Neumünster Lübeck Kreis Herzogtum Lauenburg Kreis Stormarn Kreis Segeberg Kreis Ostholstein Kreis Pinneberg Kreis Steinburg Kreis Dithmarschen Kreis Schleswig-Flensburg Kreis Plön Kreis Rendsburg-EckernfördeKarte
Über dieses Bild

Neumünster (niederdeutsch: Niemünster und Neemünster) ist eine kreisfreie Stadt in der Mitte Schleswig-Holsteins und mit knapp 77.000 Einwohnern nach Kiel, Lübeck und Flensburg die viertgrößte Stadt des nördlichsten Bundeslandes.

Urkundlich zum ersten Mal 1127 als Augustiner-Stift Wippenthorp im Gau Faldera erwähnt, war Neumünster lange ein Zentrum der deutschen Tuch- und Lederindustrie und ist seit alters her ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Ab 1870 im Besitz der Stadtrechte, gehört die Große Mittelstadt an der Schwale seit Mai 2012 zur Metropolregion Hamburg. Hinter Lübeck, Fehmarn und Kiel steht Neumünster von der Fläche her ebenfalls auf Platz vier der Städte in Schleswig-Holstein.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Neumünster liegt am Rande einer weiten Sanderebene des holsteinischen Geestrückens. Dieser Teil der Holsteinischen Vorgeest, die sogenannte Neumünstersche Schmelzwasserebene, wurde durch Schmelzwässer und die darin befindlichen Sande aus drei Gletschertoren bei Timmaspe, Einfeld und Bornhöved aufgeschüttet. Im Bereich des heutigen Einfelder Sees befand sich während der Weichseleiszeit ein Gletschertor, so dass die dort befindliche Sanderwurzel als die wichtigste für die Aufschüttung des Raumes Neumünsters gilt. Im äußersten Norden erreicht im Bereich des Einfelder Sees und des Dosenmoores das ostholsteinische Hügelland das Stadtgebiet. Neumünster wird von der Schwale durchflossen, die im Süden der Stadt in die Stör mündet.

Kiel liegt etwa 30 Kilometer nördlich von Neumünster, während es in südlicher Richtung etwa 70 Kilometer bis Hamburg sind. Die seit 1901 kreisfreie Stadt grenzt im Uhrzeigersinn an die Kreise Plön, Segeberg und Rendsburg-Eckernförde.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Neumünster ist in folgende Stadtteile gegliedert: Böcklersiedlung-Bugenhagen, Brachenfeld-Ruthenberg, Einfeld, Faldera, Gadeland, Gartenstadt, Stadtmitte, Tungendorf und Wittorf.

Böcklersiedlung-Bugenhagen

Mit Mitteln aus dem European Recovery Program wurde am 5. März 1950 von Hans Böckler der Grundstein für die Böcklersiedlung gelegt. Auf einem Teil des Flugplatzes wurden auf 70 von der Bundesvermögensverwaltung zur Verfügung gestellten Hektar Grund 800 Wohnungen gebaut. Zahlreiche Bewohner kamen aus den Nissenhütten am Ehndorfer Platz. Der Kantplatz wurde als Kommunikationszentrum und Ladenzeile errichtet. Bald wurden Banken, Geschäfte, Kirche, Kindergarten und Schule errichtet. Die Straßennamen wurden in Anlehnung an die deutschen Ostgebiete gewählt, aus denen viele der Bewohner stammten. Nach 50 Jahren wurden die eher einfachen Wohnungen saniert, es wurden unter anderem kleine Wohnungen zu größeren zusammengelegt und Balkone angebaut.[2] 2007 lebten in dem Stadtteil 6626 Menschen.[3]

Brachenfeld-Ruthenberg

Das ehemalige Bauerndorf Brachenfeld östlich des Stadtzentrums wurde 1938 nach Neumünster eingemeindet. Dort befinden sich einige Villen, die im Zusammenhang mit der Tuchindustrie erbaut wurden, siehe Liste der Kulturdenkmale in Neumünster#Brachenfeld. Der Brachenfelder Bürgerverein existiert seit 1904. 1966 begann die Planung für die Siedlung Ruthenberg, die Anfang der 80er-Jahre mit dem B-Plan 88 erschlossen und bebaut wurde.[4] 2007 lebten im Stadtteil Brachenfeld-Ruthenberg 10.573 Einwohner.

Einfeld

Hauptartikel: Einfeld

Einfeld ist der nördlichste Stadtteil Neumünsters. Im Stadtteil liegt der Einfelder See. Im 9. Jahrhundert entstand dort eine Wallburg. 1970 wurde Einfeld eingemeindet. 2007 hatte Einfeld 6117 Einwohner.

Faldera

Faldera war eine der ersten Bezeichnungen für die Siedlung Neumünster. Zeitweise war die Bezeichnung Exer von Exerzierplatz für das Gebiet des heutigen Faldera gebräuchlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestanden hier Nissenhütten für Flüchtlinge. In Eigenhilfe und Zusammenarbeit mit Wohnungsbaugesellschaften wurden ganze Straßenzüge bebaut. Der Stadtteil Faldera wurde für vorbildliche Kleinsiedlungen ausgezeichnet.[5] 8734 Menschen bewohnten im Jahr 2007 Faldera.

Gadeland

Hauptartikel: Gadeland

Gadeland liegt im Südosten Neumünsters. Die Stör fließt durch Gadeland. 1141 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt, 1938 und 1970 wurde er nach Neumünster eingemeindet. 2007 hatte Gadeland 5718 Einwohner.

Gartenstadt

Zum Stadtteil gehören unter anderem das Industriegebiet am Stover und die Holstenhallen. Die Geschichte der Gartenstadtsiedlung begann am 4. Juli 1910 mit der Gründung der Gartenstadtgesellschaft. Stadtbaurat Wilhelm Junglöw und Regierungsrat Ludwig Rintelen waren auf die garden cities in den Vororten von London aufmerksam geworden und übernahmen die Gartenstadtidee. Außerhalb der Industriestadt Neumünster wurden auf großen Grundstücken 46 Häuser errichtet. Im Zuge des Ersten Weltkriegs und der Inflation endete das Bauvorhaben und die Gartenstadtidee wurde in Neumünster nicht weiter angewendet.

1968 entstanden unter dem Titel Neue Gartenstadt zum Teil mit Eigenleistung 37 Einfamilienhäuser. Zudem wurden Hochhäuser errichtet.[6] 2007 betrug die Einwohnerzahl des Stadtteils Gartenstadt 5321.

Stadtmitte

Heute wird das Gebiet zwischen Sedanstraße im Nordwesten, Dithmarscher Straße im Süden, Hebbelstraße im Osten und Ascheberger Bahn im Norden als Stadtmitte bezeichnet. Hierzu gehört unter anderem das Alte Rathaus. In der Stadtmitte finden sich viele Geschäfte und kulturelle Einrichtungen. Der historische Stadtkern Neumünsters gehört ebenfalls zu diesem Stadtteil. Im Zuge der Industrialisierung verlor dieser Bereich seinen dörflichen Charakter. Zwischen Kieler Straße und Christianstraße befindet sich in diesem Stadtteil ein Vicelinviertel genanntes Gebiet, das häufig als sozialer Brennpunkt betrachtet wird. Dort besteht ein Quartiersmanagement. Der Austausch von Menschen mit Migrationshintergrund und Deutschstämmigen soll gefördert werden. In der Stadtmitte lebten 2003 19.849 Einwohner, davon 3.029 Ausländer.[7] Vier Jahre später lebten dort 18.875 Menschen.

Tungendorf

Hauptartikel: Tungendorf

Tungendorf liegt im Nordosten Neumünsters, südlich des Stadtteils Einfeld. Es besteht aus den Teilen Tungendorf-Dorf und Tungendorf Siedlung, die 1970 bzw. 1938 nach Neumünster eingemeindet wurden. 2007 hatte der Stadtteil 9882 Einwohner.

Wittorf

Hauptartikel: Wittorf (Neumünster)

Wittorf liegt im Südwesten Neumünsters. Die Schwale mündet hier in die Stör. 1938 wurde Wittorf eingemeindet. 2007 lebten dort 5809 Menschen.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Das Augustiner-Stift Neumünster wurde im Jahre 1127 von dem Missionar und späteren Bischof von Oldenburg und Heiligen Vizelin (auch Vicelin) gegründet, urkundlich erwähnt unter dem Namen Wippenthorp im Gau Faldera. Der heutige Name ist auf das von Vizelin erbaute Kloster Novum Monasterium (das „Neue Münster“) zurückzuführen, dessen Name erstmals 1136 urkundlich erwähnt ist.[8] Das Kloster wurde um 1330 nach Bordesholm verlegt.

Neumünster lag am östlichen Ast des Ochsenwegs, der die Kimbrische Halbinsel in Nord-Süd-Richtung durchzog. Ferner durchquerte der Handelsweg Lübsche Trade in Ost-West-Richtung das Gebiet Neumünsters.

1498 gründeten Augustiner-Nonnen ein Kloster auf der so genannten Klosterinsel, einer ehemaligen Flussinsel der Schwale, die heute im Stadtzentrum liegt. Dieses wurde 1566 nach der Reformation aufgelöst.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Für die Fischzucht und den Betrieb von Mühlen wurde etwa 1503 durch Mönche erstmals die Schwale angestaut. Dabei entstand der Mühlenteich in der heutigen Innenstadt. Ein Jahr darauf brannte der Flecken, heute Kleinflecken, ab.

1637 kam es in Neumünster zu einem Großbrand unbekannter Ursache, bei dem der Großteil der Häuser vernichtet wurde. Die große Zeit Neumünsters als Tuchmacherstadt wurde 1760 mit Gründung der „Privilegierten Wollzeugfabrique“ auf der Klosterinsel eingeleitet. Es war die erste Fabrik, die in Neumünster entstand.

Der Großflecken löste 1769 den Kleinflecken gänzlich als Marktplatz ab. Bis 1948 fanden hier nun alle Märkte statt. Darunter war ein seit 1764 einmal in der Woche genehmigter Markt, der zuvor nur einmal jährlich am Todestag Johannes des Täufers stattfand.

1780 kam es zu einem weiteren Großbrand, der alle Häuser an der Plöner Straße und einen Teil der Häuser am Großflecken (insgesamt 46 Häuser) vernichtete.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Stadtbild Ende des 19. Jahrhunderts
Park in Neumünster um 1895

Im Jahre 1808 nahmen spanisch-französische Truppen Napoleons Quartier in Neumünster. Durch ihre hohen Ansprüche belasteten sie die Stadt stark.

Die Schulpflicht gibt es in Neumünster seit 1813. Zunächst wurden zwei „Vorbereitungsschulen“ eingerichtet.

Die Post, die ein großer Wirtschaftsfaktor der Stadt war, beschloss 1816, in Neumünster eine „Extrapoststation“ und Anschlussstellen an die schnellen Postkutschen unter anderem nach Kiel und Altona einzurichten. Kurz darauf wurde ein täglicher Postverkehr eingeführt. Reiter und Kutscher lieferten jeden Tag bis zu fünf Zustellungen.

Der Tuchmacher Hans Lorenz Renck (1840–1893) baute im gleichen Jahr die erste vollstufige Tuchfabrik auf und vereinigte damit alle Produktionsschritte in einem Haus.

1817 fielen einem weiteren Brand, der am Großflecken entstand, einige Häuser zwischen Teich und Lütjenstraße zum Opfer.

In Neumünster begann das Industriezeitalter 1824, als die Tuchfabrik Renck eine Dampfmaschine aus England importierte. Drei Jahre später wurde die Fabrik jedoch von einem Feuer vernichtet, woraufhin 150 Menschen ihre Arbeit verloren. Die Fabrik wurde aber wieder aufgebaut und war bis 1884 in Betrieb.

Der Grundstein für die Vicelinkirche am Kleinflecken wurde 1828 gelegt. Der Baumeister war Christian Frederik Hansen. Gleichzeitig wurde eine Armenschule für Kinder sozial schwacher Eltern eingerichtet. Es gab auch eine „Fabrikschule“ für Kinder, die Kinderarbeit verrichten mussten, diese wurde jedoch 1893 geschlossen, da die Arbeit von schulpflichtigen Kindern verboten wurde.

Durch den Ort führte ab 1832 die Altona-Kieler Chaussee. Diese rund 94 Kilometer lange Landstraße ließ der damalige Landesherr, König Friedrich VI. von Dänemark, zwischen 1830 und 1832 erbauen. Die offizielle Einweihung erfolgte 1834 (siehe Gedenkstein). Die alte Bundesstraße 4 folgte im Neumünsteraner Gebiet der Chaussee. Meilensteine sind in Einfeld, an der Altonaer Str. (sic!) vor der Holstenschule und zwischen Wittorf und Brokenlande vorhanden.[9]

Gedenkstein an der Kieler Brücke

Am 11. Mai 1834 wurde die Vicelinkirche eingeweiht.

Der Industrielle Renck setzte sich sehr für eine Eisenbahnverbindung zwischen Neumünster und Rendsburg ein. Nach fünfjährigen Bemühungen ging 1845 die Strecke in Betrieb, nachdem 1844 die erste Neumünsteraner Bahnanbindung überhaupt, die Strecke Kiel–Neumünster–Altona, eröffnet worden war.

Nachdem am 20. Juli 1846 einige Kieler Professoren auf dem Großflecken die Bevölkerung dazu aufgerufen hatten, sich gegen die dänische Obrigkeit aufzulehnen, entstand bis 1848 nach und nach das sogenannte vaterländische Aufbegehren gegen die dänische Herrschaft. Preußen gewährte Holstein und Schleswig jedoch nicht die erbetene Hilfe gegen Dänemark. Die Truppen der beiden Fürstentümer unterlagen 1850 dem dänischen Heer.

1852 beendete die erste Wasserleitung wenigstens teilweise den Zustand, dass Wasser aus Brunnen oder Flüssen geholt werden musste.

1857 wurde der Rencks Park am südöstlichen Rand der Klosterinsel angelegt.[10]

1860 wurden in Neumünster Hausnummern eingeführt. Ein Jahr darauf wurde ein Eisenbahnausbesserungswerk angesiedelt, das sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem der größten Arbeitgeber in der Stadt entwickelte.

Im Jahre 1870 erhielt Neumünster das Stadtrecht. Die Entwicklung der Stadt im zweiten Teil des 19. Jahrhunderts wurde wesentlich geprägt durch die weiter aufstrebende Textilindustrie und den Ausbau zu einem Eisenbahnknotenpunkt im Zentrum Holsteins. Durch die gute Eisenbahnanbindung an den Hamburger Hafen, über den sowohl Rohhäute wie auch Gerbstoffe in großen Mengen importiert wurden, sowie durch das Fehlen einer restriktiven Wassergesetzgebung in Schleswig-Holstein bis 1913 konnte sich eine bedeutende Lederindustrie entwickeln.[11]

Zur Silhouette Neumünsters gehörten bis in die 1970er Jahre zahlreiche Fabrikschornsteine. Das Stadtwappen zeigt dies bis heute.

Kaserne des Regiments (sog. Neue Kaserne) in Neumünster 1906

1871 wurde die Holstenschule als Privatschule für Jungen aus dem höheren Bürgerstand gegründet. Auch die Gründung der Privaten Höheren Mädchenschule, die heute Klaus-Groth-Schule Neumünster heißt und seit 1925 staatlich ist, fiel in diese Zeit.

1872 wurde die erste ständige Garnison nach Neumünster verlegt. Nach dem Abzug im Jahre 1897 wurde schließlich das Infanterie-Regiment Nr. 163, es bildete zusammen mit seinem Schwesterregiment Lübeck die 81. Infanterie-Brigade der 17. Division des IX. Armee-Korps – während des Ersten Weltkriegs 17. Reserve-Division der Nordarmee – in einer eigens hierfür errichteten Kaserne (die spätere Sick-Kaserne) stationiert, wo es bis zur Auflösung nach dem Ersten Weltkrieg verblieb.

Das erste große Warenhaus, eine Filiale der heutigen Karstadt AG., wurde um 1891 eröffnet, jedoch 1944 komplett zerstört und erst 1964 an anderer Stelle wieder gebaut.

Anfang des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten]

1901 wurde Neumünster kreisfreie Stadt. 1903 wurden die Volksbank eG Neumünster und 1910 die Badeanstalt in der Klosterstraße eröffnet.

Im Ersten Weltkrieg war Neumünster wegen seiner Tuch-, Leder- und auch Metallindustrie von strategischer Bedeutung. Im Steckrübenwinter 1917 verhungerten dennoch viele Menschen.

Zwischen 1913 und Mitte der 1920er Jahre stieg die Zahl der Arbeitskräfte von knapp 5.200 auf über 10.100. Der Anteil der Arbeitskräfte in der Tuchindustrie fiel gleichzeitig von 45,8 auf 35,4 Prozent, der Anteil der Beschäftigten in der Lederindustrie stieg von 32,7 auf 45,3 Prozent.[12]

Nachdem Tuchfabrikant Hans Lorenz Renck Rencks Park 1870 der Stadt Neumünster gestiftet hatte, wurde dieser 1921 allen Bürgern geöffnet.[13]

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

In Neumünster wurde am 1. März 1925 die schleswig-holsteinische NSDAP unter dem späteren Gauleiter Hinrich Lohse gegründet. Die Partei hatte in der überwiegend nationalkonservativ ausgerichteten Bevölkerung Schleswig-Holsteins und Neumünsters viel Erfolg. Auch in Neumünster kamen die Nationalsozialisten an die Macht. Die mächtigste Person in Neumünster war der NSDAP-Kreisleiter Hans Christian Hingst, der 1941 von seinem NSDAP-Gauleiter Lohse ins Reichskommissariat Ostland berufen wurde. Hingst zur Seite stand der SS-Hauptsturmführer Hinrich Möller als Polizeidirektor. Mit der Übernahme der Polizei durch einen SS-Funktionär war der Rechtsstaat in Neumünster vollständig beseitigt worden. Alle demokratisch oder auch nur rechtsstaatlich gesinnten Beamten und Funktionäre der Stadt wurden abgesetzt. Kommunisten und andere als Staatsfeinde angesehene Personen kamen zur angeblichen Schutzhaft in ein Konzentrationslager, in Neumünster diente dazu das Polizeigefängnis. Schon bald verübten einige der neuen Machthaber die ersten Morde. Unter Beteiligung Möllers wurden Anfang 1934 im Polizeigefängnis die beiden im Gefängnis einsitzenden Kommunisten Christian Heuck und Rudolf Timm ermordet.

Auch in Neumünster verfolgten NS-Funktionäre und -Aktivisten Juden. 1930 hatten etwa 30 Einwohner jüdischen Glauben; gemäß den Rassegesetzen (erlassen September 1935) galten für das Jahr 1933 etwa 70 Menschen als Juden.[14] Am 1. April 1933 kam es zu gewalttätigen Boykottaktionen gegen jüdische Geschäfte, gleichzeitig wurden jüdische Beamte entlassen oder in den Ruhestand versetzt (siehe Arierparagraf). Die meisten jüdischen Rechtsanwälte mussten ihren Beruf aufgeben. Schon 1933 kam es unter der zunehmenden Gewalt gegen Juden zu Übernahmen von Geschäften, die Juden gehörten (siehe auch Arisierung).[15] 1935 kam es wieder zu größeren anti-jüdischen Gewaltaktionen.[16]

Auch in Neumünster wurden während der Reichspogromnacht in der Nacht zwischen dem 9. und 10. November 1938 die jüdischen Einwohner durch SA- und SS-Leute in ihrem Schlaf überfallen. Ihre Geschäfte wurden zerstört. Die SA- und SS-Leute drangen mit Gewalt und Gebrüll in die Wohnungen der Juden – Kinder, Frauen und Männer – ein und schlugen das Inventar kurz und klein und/oder warfen es auf die Straße. Zusätzlich wurden die Betten aufgeschnitten und die Federn ausgeschüttet. Fensterscheiben wurden zerschlagen. Häufig kam es zu Misshandlungen der Opfer. Alle jüdischen Männer wurden bei dieser Aktion festgenommen. Die SA führte die verhafteten „Aktionsjuden“ tagsüber in einem Prangerumzug durch die Stadt. Die Frau des 1942 im KZ Wewelsburg ermordeten Heinz Baronowitz berichtete, dass ihr Mann dabei ein um den Hals gehängtes Plakat mit dem Text tragen musste: Ich habe von [sic] Rath ermordet.[17] Die Männer wurden einige Monate im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Zum Ende 1939 hatten bis auf ein knappes Dutzend alle jüdischen Einwohner Neumünster verlassen müssen.[14]

Ein bedeutendes Unternehmen der deutschen Lederindustrie, die in jüdischem Besitz befindliche Adler & Oppenheimer AG, wurde 1940/41 „arisiert“ und in Norddeutsche Lederwerke AG umbenannt. Die in Neumünster und anderen Orten Schleswig-Holsteins verbliebenen jüdischen Einwohner wurden im Spätherbst 1941 nach Riga in das Hinrich Lohse unterstehende Reichskommissariat Ostland deportiert, das als deutsches Herrschaftsgebiet eingerichtet worden war, nachdem Deutschland am 22. Juni 1941 die Sowjetunion überfallen hatte. Dort wurden diese Menschen unter widrigen Lebensumständen im Ghetto Riga oder im KZ Jungfernhof untergebracht und später ermordet.[18]

Das NS-Regime begann bald nach der Machtübernahme die Aufrüstung der Wehrmacht. 1934 wurde Neumünster erneut Garnisonsstadt. Das Infanterie-Regiment Nr. 46 und ein Teil des Artillerie-Regiments Nr. 66 bezogen die alte Sick- und die neue Hindenburg-Kaserne (die später die 6. Panzergrenadierdivision der Bundeswehr aufnahm) sowie die ebenfalls neu errichtete Scholtz-Kaserne (benannt nach dem Artilleriegeneral Friedrich von Scholtz).

Zwischen 1935 und 1938 wurde im Westen der Stadt der 240 Hektar große Flugplatz Neumünster gebaut. Die Holstenhallen (heute eine moderne Mehrzweckhalle, in der unter anderem die jährliche Baumesse NordBau stattfindet) wurde 1939 als Viehversteigerungshalle gebaut und dann ab August 1939 als Flugzeugmontagehalle genutzt.[19] Am 1. September 1939 löste Hitler mit dem Angriff auf Polen den Zweiten Weltkrieg aus.

Einen ersten Flugzeugangriff der Alliierten gab es in Neumünster 1941. Bis zum 25. April 1945 folgten sieben weitere Luftangriffe, der Schwerste davon am 13. April 1945.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Nachdem Deutschland den Krieg verloren hatte und am 8. Mai bedingungslos kapitulieren musste, wurde die Stadt kampflos britischen Truppen übergeben. Anschließend gehörte sie zur britischen Besatzungszone.

Da „die Alliierten bei Kriegsende nicht wussten, ob die deutsche Bevölkerung auch total kapitulieren“[20] würde, errichteten die britischen Besatzer für ihre Zone 1945 in Neumünster-Gadeland in der Lederfabrik Emil Köster KG das Civil Internment Camp No.1. Interniert wurden dort alle Personen, bei denen man vermutete, dass sie wichtige Funktionäre der NSDAP gewesen waren.[20] Im Herbst 1945 saßen dort 11.000 Menschen ein. Unter ihnen „befand sich ein vergleichsweiser hoher Anteil mutmaßlicher Kriegsverbrecher, nach denen der britische Geheimdienst – meist erfolgreich – suchte“.[21] Von den anderen wurden viele schon bald wieder freigelassen, da den Briten nicht genug Unterlagen über die vielen Belasteten zur Verfügung standen. Das Lager wurde im Herbst 1946 aufgelöst, die restlichen 6.000 Insassen wurden in das Internierungslager Eselheide bei Paderborn verlegt.

Zur gleichen Zeit erlebte Neumünster eine Flüchtlingswelle. 1947 hatte Neumünster 66.945 Einwohner; davon waren 16.375 Vertriebene oder Flüchtlinge, also fast jeder Vierte. Um dem daraus resultierenden Wohnraummangel zu begegnen, wurde ab 1950 ein Großteil des Militärflugplatzgeländes in eine Neubausiedlung, den neuen Stadtteil Böcklersiedlung, umgewandelt. Diese wurde nach Hans Böckler benannt, dem ersten DGB-Vorsitzenden, der zum Baubeginn persönlich den Grundstein setzte.

Im Mai 1962 begannen die Arbeiter der vier großen Neumünsteraner Betriebe der Lederindustrie Streiks für die erstmalige Einführung der 40-Stunden-Woche. Nach dem erfolgreichen Streik setzte sich in der Branche die 40-Stunden-Woche in der Bundesrepublik Deutschland durch.[22] Der industrielle Strukturwandel in der Tuch- und Lederindustrie erreichte Neumünster indes ebenfalls bereits in den 1960er Jahren. Die Lederproduktion geriet in wirtschaftliche Schwierigkeiten und in der allgemeinen Wirtschaftskrise von 1966 stellte die Norddeutsche Lederwerke AG die Produktion ein.

Nach den Eingemeindungen von 1970 erreichte die Einwohnerzahl mit rund 87.000 ihren bisherigen Höchststand. Die Stadtfläche verdoppelte sich auf 71,57 km².

Der wirtschaftliche Strukturwandel nach dem Zweiten Weltkrieg äußerte sich im Niedergang der Leder- und Tuchindustrie, die bis Ende der 1960er Jahre (Leder) bzw. 1992 (Tuch) vollständig aus dem städtischen Wirtschaftsleben verschwanden.

Mit der Räumung der drei im Stadtgebiet befindlichen Kasernen zwischen 1994 und 2003 endete die Geschichte Neumünsters als Garnisonsstadt.

Um die Folgen des Wandels kompensieren zu können, bemüht sich die Stadt Neumünster seit Jahren um eine Anbindung an eine der Hochschulen des Landes. Dieses Ansinnen findet allerdings bislang von Seiten des Landes Schleswig-Holstein noch keine Unterstützung.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

  • 1. April 1938: Brachenfeld, Wittorf, Teile von Gadeland und Tungendorf (Tungendorf-Stadt)
  • 26. April 1970: Einfeld, Gadeland und Tungendorf (Tungendorf-Dorf)

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts hatte Neumünster nur wenige hundert Einwohner. Die Bevölkerung wuchs nur langsam und ging durch die zahlreichen Kriege, Seuchen und Hungersnöte auch immer wieder zurück. Erst mit dem Beginn der Industrialisierung wuchs die Bevölkerung der Stadt sehr schnell. Lebten 1803 erst 2.600 Menschen in der Stadt, so waren es 1900 bereits 27.000. Bis 1939 verdoppelte sich diese Zahl – auch durch die Eingemeindung mehrerer Orte am 1. April 1938 – auf 54.000.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg führten die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten innerhalb eines Jahres zu einem Anstieg der Einwohnerzahl um rund 10.000 Personen auf 66.000 im Oktober 1946. Auch danach wuchs die Bevölkerung der Stadt weiter. Im Jahre 1972 erreichte die Bevölkerungszahl auf Grund der 1970 erfolgten Eingliederung von Einfeld, Gadeland und Tungendorf mit 86.745 ihren historischen Höchststand. Am 30. Juni 2005 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ für Neumünster nach Fortschreibung des Statistischen Amtes für Hamburg und Schleswig-Holstein 78.333 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern). Die Einwohnerzahl per 31. Dezember 2012 betrug laut Angaben des Statistischen Amtes für Hamburg und Schleswig-Holstein 76.951. Eine aktuelle Übersicht der einzelnen Stadtteile per 2012 ist zurzeit nicht möglich.

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Dabei handelt es sich um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

Jahr Einwohner
13. Februar 1803 ¹ 2.588
1. Februar 1835 ¹ 3.732
1. Dezember 1871 ¹ 8.628
1. Dezember 1875 ¹ 10.100
1. Dezember 1880 ¹ 11.600
1. Dezember 1885 ¹ 13.659
1. Dezember 1890 ¹ 17.539
2. Dezember 1895 ¹ 22.489
1. Dezember 1900 ¹ 27.335
1. Dezember 1905 ¹ 31.439
1. Dezember 1910 ¹ 34.555
Jahr Einwohner
1. Dezember 1916 ¹ 31.658
5. Dezember 1917 ¹ 31.034
8. Oktober 1919 ¹ 36.173
16. Juni 1925 ¹ 39.844
16. Juni 1933 ¹ 40.332
17. Mai 1939 ¹ 54.094
31. Dezember 1945 57.473
29. Oktober 1946 ¹ 66.185
13. September 1950 ¹ 73.481
25. September 1956 ¹ 72.134
6. Juni 1961 ¹ 75.045
Jahr Einwohner
31. Dezember 1965 74.542
27. Mai 1970 ¹ 86.013
31. Dezember 1975 84.777
31. Dezember 1980 80.145
31. Dezember 1985 78.280
25. Mai 1987 ¹ 79.771
31. Dezember 1990 80.743
31. Dezember 1995 82.028
31. Dezember 2000 79.831
30. Juni 2005 78.333
31. Dezember 2010 76.830
Jahr Einwohner
1. Februar 2011 ¹ 78.786
31. Dezember 2011 76.939
31. Dezember 2012 76.951

¹ Volkszählungsergebnis

Politik[Bearbeiten]

Ratsversammlung[Bearbeiten]

Wahl zur Ratsversammlung 2013
Wahlbeteiligung: 39,8 %
 %
40
30
20
10
0
36,5
34,0
12,5
6,1
4,2
3,0
2,1
1,6
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2008
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
+2,2
+0,1
+3,6
+6,1
-5,4
-10,2
+2,1
+1,6
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d Bündnis für Bürger
Sitzverteilung in der Ratsversammlung
        
Von 43 Sitzen entfallen auf:

Die Ratsversammlung ist die kommunale Volksvertretung der Stadt Neumünster. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre. Die letzte Wahl fand am 26. Mai 2013 statt.

Partei Prozent 2003 Prozent 2008 Mandate 2008 Prozent 2013 Mandate 2013
CDU 45,3 % 34,3 % 15 36,5 % 16
SPD 41,4 % 33,9 % 15 34,0 % 14
Grüne 8,1 % 8,9 % 4 12,5 % 5
FDP 5,2 % 9,6 % 4 4,2 % 2
Linke - 13,2 % 5 3,0 % 1
Bündnis für Bürger Neumünster (BFB) - - - 6,1 % 3
Piraten - - - 2,1 % 1
NPD - - - 1,6 % 1
Gesamt 100 100 43 100 43
Wahlbeteiligung in Prozent k.A. 41,9 39,8

[23] [24]


Bürgermeister[Bearbeiten]

Die Bürgermeister und Oberbürgermeister[Bearbeiten]

1870 wurden Neumünster die Stadtrechte verliehen. Der erste Bürgermeister war 1870 Eduard Schlichting, gefolgt von Max Röer. Ihm wurde im Jahre 1904 der Titel Oberbürgermeister und am 27. Juni 1913 die goldene Amtskette überreicht. Die Bürgermeister und Oberbürgermeister seit 1870:[25]

  • 1870–1894: Eduard Schlichting
  • 1894–1919: Max Röer
  • 1919–1933: Detlef Schmidt
  • 1933–1945: Max Stahmer (NSDAP)
  • 1945–1946: Gustav Bärwald (Oberstadtdirektor)
  • 1946–1948: Ludolf Behnke (CDU)
  • 1948–1950: Hugo Voß (SPD)
  • 1950–1970: Walther Lehmkuhl (SPD)
  • 1970–1988: Uwe Harder (SPD)
  • 1988–1991: Franz-Josef Pröpper (SPD)
  • 1991–2009: Hartmut Unterlehberg (SPD)
  • seit 1. September 2009: Olaf Tauras (parteilos)

Die Stadtpräsidenten[Bearbeiten]

Seit dem 4. Mai 1950 gibt es in Neumünster einen Stadtpräsidenten. Er wird von der Mehrheitspartei in der Ratsversammlung vorgeschlagen, führt den Vorsitz in der Ratsversammlung und ist deren Repräsentant. Die Stadtpräsidenten seit 1950:[26]

  • 12. Mai 1950 – 11. Juli 1952: Paul Lohmann (SPD)
  • 11. Juli 1952 – 25. Mai 1955: Max Johannsen (SPD)
  • 25. Mai 1955 – 24. Mai 1956: Karl Rahe (CDU)
  • 24. Mai 1956 – 24. Mai 1957: Max Johannsen (SPD)
  • 24. Mai 1957 – 5. November 1957: Karl Rahe (CDU)
  • 5. November 1957 – 18. Februar 1969: Max Johannsen (SPD)
  • 18. Februar 1969 – 23. April 1974: Walter Jansen (SPD)
  • 23. April 1974 – 14. April 1978: Alexandrine von dem Hagen (CDU)
  • 14. April 1978 – 1. April 1982: Herbert Winkler (SPD)
  • 1. April 1982 – 22. April 1986: Christian-Friedrich Peter (CDU)
  • 22. April 1986 – 10. Mai 2002: Helmut Loose (SPD)
  • 10. Mai 2002 – 15. April 2003: Helga Hein (SPD)
  • 15. April 2003 – 17. Juni 2008: Hatto Klamt (CDU)
  • seit 17. Juni 2008: Friedrich-Wilhelm Strohdiek (CDU)

Flagge[Bearbeiten]

Blasonierung: „Die Stadtflagge zeigt die Farben weiß-rot mit dem Stadtwappen.“[27]

Die Stadtflagge Neumünsters ist nicht in der Kommunalen Wappenrolle Schleswig-Holstein eingetragen.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot eine silberne Fabrikanlage mit fünf Schloten, darunter ein silberner Schwan mit goldener Halskrone; über ihm schwebend ein silbernes Nesselblatt.“[28]

Verwaltungsgemeinschaften[Bearbeiten]

Neumünster führt im Rahmen einer Verwaltungsgemeinschaft seit dem 15. Juni 2008 die Verwaltungsgeschäfte von Wasbek und seit dem 5. August 2009 auch die von Bönebüttel.

Patenkreis[Bearbeiten]

Stadtwappen am Ortseingang mit Hinweis auf Kreisgemeinschaft Lötzen

Patenkreis der kreisfreien Stadt Neumünster ist:

  • Kreisgemeinschaft Lötzen (Polen, heute Giżycko, früher Ostpreußen) seit 1954[29]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Partnerstädte Neumünsters sind[30]:

Neonazitreffpunkt[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Denkmäler und Skulpturen[Bearbeiten]

In Neumünster gibt es zahlreiche Denkmäler und Kunstwerke im öffentlichen Raum. Am Zugang zur Klosterinsel steht die Skulptur Hirtengott Pan, geschaffen im Jahr 1902 von Hans Bauer (1888–1925). Einige Schritte weiter liegt ein Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus. Im Rencks Park befindet sich ein Gedenkstein für die 25-jährige Partnerschaft mit Gravesham. Die Plastik Wellen von Ernst Reiter liegt in der Mitte der Klosterinsel, der zugehörige Springbrunnen wurde wegen Vandalismus zugeschüttet. Im Designer Outlet Center befindet sich eine Skulptur, die einen überdimensionalen Pferdekopf darstellt. Neumünster ist durch zahlreiche Veranstaltungen rund das Pferd auch als Pferdestadt bekannt.[31]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Rathaus von 1900, neugotisch
  • Vicelinkirche von 1834 (Architekt Christian Frederik Hansen, siehe auch Marienkirche (Husum)), evangelisch, klassizistisch
  • Anscharkirche von 1912, evangelisch, mit Jugendstilornamenten
  • St. Maria-St. Vicelin-Kirche, erbaut 1893, katholisch, mit bemalter Holzkassettendecke im Jugendstil. Am Haupteingang befindet sich eine Gedenkplatte an Eduard Müller.
  • Villa Köster, denkmalgeschütztes Wohnhaus am Rencks Park
  • Das Caspar von Saldern Haus ist das älteste Baudenkmal in Neumünster; hier finden kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen statt.
  • Die Papierfabrik und die Alte Holsten-Brauerei sind heute Dienstleistungs- und Kulturzentren.
  • Wasserturm von 1900
  • Das Kösterhaus gegenüber dem Rathaus wurde 1894 erbaut und steht unter Denkmalschutz. Von 2009 bis 2011 ließ die VR-Bank das Gebäude umbauen und renovieren. Die Backsteinfassade blieb erhalten. Die Kosten des Umbaues wurden 10,7 Millionen Euro angegeben. Die offizielle Einweihung nach dem Umbau fand am 3. Mai 2012 statt.
  • Haus Westphalen ist ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert, aufgestockt 1814 und 2004 renoviert.[32]
  • Das Hinselmannhaus wurde 1788 erstmals erwähnt und 1896 von dem Brauereibesitzer Detlev Hinselmann erweitert. Im Jahr 1901 erfolgte eine Umgestaltung durch den Architekten Hans Roß im Jugendstil an der Fassade und im Innenbereich. Im Zuge eines Neubaus der Volks- und Raiffeisenbank wurde das Haus komplett abgetragen und an anderer Stelle wieder original aufgebaut.[32]
  • Das Café Oldehus wurde 1781 nach dem Großbrand am Großflecken aus den Trümmern der verbrannten Häuser errichtet. Um 1900 zog eine Bäckerei in das Gebäude, das sich seither im Familienbesitz befindet.[32]

Museen und Künstlerhaus[Bearbeiten]

Das Museum Tuch + Technik wurde im Oktober 2007 mit neuer Ausstellung in einem neuen Gebäude eröffnet. Es zeigt die Geschichte der Textilindustrie in Neumünster im Kontext der Stadtgeschichte.

Im Stadtteil Brachenfeld befindet sich die Villa Wachholtz mit einem Museum mit wechselnden Kunstausstellungen und dem Gerisch-Skulpturenpark.

Seit 1987 erhalten junge, internationale Keramikkünstler im Künstlerhaus Stadttöpferei Neumünster Wohn- und Arbeitsstipendien. Dort finden regelmäßige Ausstellungen statt. Für die zehn Stipendienplätze des Artist in Residence-Programms bewerben sich jedes Jahr Künstler aus der ganzen Welt. Das Atelier der wechselnden Gastkünstler steht für Besucher offen.

Nach langen Auseinandersetzungen zwischen dem Trägerverein und der Deutschen Bahn (DB), in welcher die Stadt erfolglos zu vermitteln versuchte, ist das bislang in Neumünster befindliche Eisenbahnmuseum, eine frühere Außenstelle des DB-Museums, inzwischen nach dem Abzug des der DB gehörenden Fahrzeugmaterials faktisch aufgelöst worden.[33]

Theater und Musik[Bearbeiten]

Das Theater in der Stadthalle bietet 570 Besuchern Platz. Das Programm umfasst neben Schauspiel, Musiktheater, Konzerten und Ballett Kabarettveranstaltungen und Kinovorführungen. Es ist Spielstätte des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters.[34] Schulklassen erhalten kostenfrei Führungen hinter die Kulissen, und im Rahmen der Schulkooperation „Theaterstürmer“ können Schüler aus Neumünster das Theater zu einem vergünstigten Preis besuchen. Außerdem veranstaltet das Kulturbüro Neumünster im Theater in der Stadthalle Workshops für Jugendliche und jährlich ein großes Schultheaterfestival. Bekannt geworden sind die 1923 gegründete Niederdeutsche Bühne Neumünster (NBN)[35] und das statt-theater neumünster, gegründet 1961, in dem 25 Kinder, Jugendliche und Erwachsenen ihre Stücke selbst schreiben und aufführen.[36] Des Weiteren treten in der Stadthalle Künstler und Gruppen aus Neumünster und anderen Orten auf.

Erwähnenswert ist auch der Mädchen-Musikzug Neumünster, das bisher einzige deutsche Mädchen-Blasorchester mit internationalen Auftritten.[37]

Kulturfestival[Bearbeiten]

Das städtische Kulturfestival Kunstflecken findet jährlich im September statt. Das Festival dauert drei Wochen und findet in der Innenstadt statt, unter anderem in historischen Industrieräumen, Geschäftsräumen, Ateliers und der Künstlerhaus Stadttöpferei Neumünster. Das Festival besteht aus Konzerten, Lesungen, Kabarett- und Filmvorführungen, Ausstellungen sowie Poetry Slam.

Stolpersteine[Bearbeiten]

Stolperstein für Ernst Stichert in der Bahnhofstraße

In Neumünster gibt es 27 Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus.[38]

Hans-Fallada-Preis[Bearbeiten]

Seit 1981 vergibt die Stadt alle zwei Jahre den Hans-Fallada-Preis. Er ist nach dem Schriftsteller Hans Fallada benannt, der einige Jahre in Neumünster – zeitweise als Strafgefangener – lebte. Fallada war von 1928 bis 1929 als Lokaljournalist für den General-Anzeiger tätig.[39] Auf seinen Erfahrungen in Neumünster beruhen seine Romane Bauern, Bonzen und Bomben, der 1973 in Neumünster verfilmt wurde, und Wer einmal aus dem Blechnapf frißt, der durch seinen Gefängnisaufenthalt in Neumünster inspiriert wurde.

Rencks Park

Parks[Bearbeiten]

Alte Obstwiese an der Kieler Straße 515

Zentral in der Stadt liegen der Rencks Park mit der Klosterinsel, der Selcks Park und der Simons’sche Park. Im Westen liegt der Neumünster Stadtwald in dem sich auch der Tierpark Neumünster befindet. Etwas außerhalb am östlichen Stadtrand befindet sich das Brachenfelder Gehölz. An der Kieler Straße 515 befindet sich eine frei zugängliche, fast 100 Jahre alte Obstwiese mit etwa 200 alten Obstbäumen. Die Wiese ist im Besitz der Stadt und Teil der städtischen Biotopverbundachse.[40] Weitere öffentliche Grünanlagen befinden sich am Ufer der Schwale und der Stör sowie am Einfelder See.

Naturschutzgebiete[Bearbeiten]

Archäologische Denkmäler[Bearbeiten]

Zoologischer Garten[Bearbeiten]

Hauptartikel: Tierpark Neumünster

Der westlich der Stadt gelegene Tierpark Neumünster wurde 1951 als Heimattiergarten Neumünster gegründet. Er hat sich durch eine konsequente Beschränkung auf Tierarten, die in Mitteleuropa heimisch sind oder waren, ein eigenständiges Profil erarbeitet.

Sport[Bearbeiten]

Der erste „Männerturnverein“ wurde 1859 gegründet. Nach der Zusammenlegung mit dem SC Olympia von 1909 entstand 1936 der heutige MTV Olympia. Sport spielt in Neumünster eine große Rolle. Dies zeigt sich nicht nur bei den vielen Veranstaltungen, Wettkämpfen und Turnieren, sondern auch beim jährlichen Ball des Sports, der im Januar stets über 2500 Besucher in die Holstenhallen lockt.[41] 58 Sportvereine und -verbände gibt es in der Stadt. Die größten und bekanntesten Sportvereine sind der VfR Neumünster, der SV Tungendorf, THC Neumünster, MTV Olympia Neumünster, PSV Union Neumünster, Gut-Heil Neumünster, Turn- und Sportverein Einfeld und Blau-Weiß Wittorf, dessen Handballabteilung zusammen mit den Handballern der Freien Turnerschaft Neumünster (FTN) die Spielgemeinschaft (SG) WiFT Neumünster bilden. Der Volleyball Club Neumünster (VCN) ist eine Spielgemeinschaft von fünf Neumünsteraner Sportvereinen und dem SV Wasbek. Einer der mitgliederstärksten Vereine Neumünsters ist die Behinderten-Sportgemeinschaft (BSG Neumünster). Des Weiteren findet jedes Jahr in den Holstenhallen das Reitturnier CSI Neumünster und die VR-Classics[42] als internationales Reitturnier statt. Außerdem wird die Wrestling Legends Tour 2012 hier ausgetragen.

Eine Liste aller Sportvereine findet sich auf der Website der Stadt Neumünster:[43]

Stadtfeste[Bearbeiten]

Holstenköste 2009
Advensmarkt auf dem Großflecken und Heiligabend Turmkonzert aus den Gebäuden an der Holstenstraße

Seit 1974 wird an den vier Tagen, die dem ersten Donnerstag im Juni folgen, in Neumünster die Holstenköste gefeiert. Dieses Stadtfest, das zwei Wochen vor der Kieler Woche stattfindet, lockt jährlich über 200.000 Besucher in die Innenstadt. Neben Jahrmarktatmosphäre gibt es Musikdarbietungen unterschiedlicher Stilrichtungen rund um den Großflecken und den Kuhberg. Während des Open-Air-Festivals und des „Koeste-Rocks“ auf der Klosterinsel traten bis 2011 einheimische und internationale Bands auf. Am jeweiligen Samstag der Holstenköste findet eine Kindermeile im Rencks Park und am jeweiligen Sonntag findet neben dem stets gut besuchten Gottesdienst am Riesenrad auf dem Großflecken auch ein Flohmarkt in der gesamten Innenstadt statt.

Seit 1999 findet im September das Kulturfestival Kunstflecken mit vielen Konzerten und Ausstellungen statt.

Anfang September wird die Weinköste am Teichufer gefeiert.

Vom 11. bis 13. Juli 2008 fand in Neumünster der Schleswig-Holstein Tag statt. Er wurde vom Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein, Peter Harry Carstensen, eröffnet und stand unter dem Motto „So bunt wie das Land“. Der Schleswig-Holstein-Tag steht im Zeichen der Vereine und des Ehrenamtes und über 220 Organisationen, Vereine, Verbände und Initiativen präsentieren sich der breiten Öffentlichkeit.

Seit 2009 findet jährlich das „BaDaBoom“-Straßenmusikfest mit rund 350 Bands und 1000 Musikern statt, das über 10.000 Besucher anlockt.

Am 24. August 2012 wurde erstmals die „Naschköste“ auf dem Kleinflecken eröffnet. Hier werden den Besuchern während eines Wochenendes nationale und internationale Spezialitäten angeboten; dazu gibt es Musikvorführungen und umfangreiche Aktionen.[44]

In der Adventszeit befindet sich ein Adventsmarkt auf dem Großflecken. Während dieser Zeit wird dort zentral auch eine portable Schlittschuhbahn aufgebaut. Traditionell wird Heiligabend um 12:00 Uhr ein Open-Air Turmkonzert aus den beiden Häusern an der Holstenstraße gegeben, zu dem sich jährlich etwa 4000 Besucher einfinden.[45]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Hauptbranchen sind Maschinen- und Apparatebau, Kommunikationselektronik, Elektrotechnik, EDV und Softwareentwicklung, Chemiefaser- und Druckindustrie, Stahl- und Leichtmetallbau, Feuerverzinkerei und Metallveredelung, Eisenguss, Kunststoff- und Teppichindustrie, Recycling, Transportwesen und Logistik, Groß- und Versandhandel sowie großflächiger (Fach-)Einzelhandel.

Darüber hinaus gibt es das Frachtpostzentrum im Industriegebiet Süd, wo die Deutsche Post AG eines ihrer bundesweit 22 Frachtpostzentren unterhält. Das Eisenbahnausbesserungswerk Neumünster der Deutsche Bahn AG (DBAG) ist mit 800 Mitarbeitern und 60 Ausbildungsplätzen der größte DBAG-Standort in Schleswig-Holstein. Mit einer Investition von vier Millionen Euro wurde für die Instandhaltung und Überholung der 830 IC-Reisewagen eine neue Halle erbaut und 2012 eröffnet.[46] Am 25. und 26. April 2012 findet in Neumünster erstmals die wirtschaftNORDGATE statt,[47] eine Messe für kleine und mittlere Unternehmen in Schleswig-Holstein.

Seit dem 1. Mai 2012 ist Neumünster Mitglied der Metropolregion Hamburg.[48] Nach dem Sommersemester 2012 wird von der Northern Business School (NBS) erstmals die Möglichkeit geboten, ein Betriebswirtschafts-Studium zu absolvieren.

Beschäftigungsstruktur/Arbeitsplatzzahlen:

  • Versicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer 33.131 (Stand 31. Dezember 2011)
    davon im Wirtschaftsabschnitt:
    • Land- und Forstwirtschaft, Fischerei: 321
    • Produzierendes Gewerbe: 7.045
    • Verarbeitendes Gewerbe: 4.453
    • Baugewerbe: 1.907
    • Dienstleistungsgewerbe: 25.749
    • Handel, Verkehr und Gastgewerbe: 11.007

(alle Zahlen lt. Statist. Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein)[49]

Verkehr[Bearbeiten]

Als einzige der vier kreisfreien Städte Schleswig-Holsteins hat Neumünster keinen Zugang zum Meer. Dafür ist die Stadt ein wichtiger Verkehrsknoten: Sie liegt an der Bundesautobahn 7 am Kreuzungspunkt der Bundesstraßen 205 und 430. Auch die Bundesstraße 4 führte früher – in Nachfolge der Altona-Kieler Chaussee, der ersten Kunststraße Schleswig-Holsteins – durch Neumünster, sie wurde aber von Bad Bramstedt nach Norden – ebenso wie die Fortführung der B 205 nach Rendsburg – zur Landesstraße zurückgestuft. Ebenfalls liegt Neumünster an den Eisenbahnstrecken von Hamburg nach Kiel und Flensburg, die von hier abzweigen, und damit an zwei der Hauptverkehrsadern nach Skandinavien. Neumünster ist neben Lübeck die Stadt in Schleswig-Holstein mit den meisten, nämlich sechs, Bahnstrecken.

Neumünster hat vier Bahnhöfe im Stadtgebiet:

  • Neumünster (ICE, EC, IC und CNL sowie Halt regionaler Züge)
  • Neumünster Süd (Betrieb durch AKN und Nordbahn)
  • Neumünster Stadtwald (Betrieb durch Nordbahn)
  • Neumünster-Einfeld (Betrieb durch DB Regio AG)

Die Regionalbahn Schleswig Holstein fährt Neumünster aus Kiel oder Hamburg mit Regionalexpress- und Regionalbahnzügen halbstündlich, stündlich oder zweistündlich an.

Die AKN Eisenbahn AG fährt Montags bis Samstags stündlich und am Sonntag zweistündlich (einige Zusatzzüge) mit ihren Triebwagen von Neumünster aus über Bad Bramstedt, Kaltenkirchen und Henstedt-Ulzburg nach Hamburg-Eidelstedt und zeitweise weiter nach Hamburg Hbf mit der Linienbezeichnung A1.

Seit dem 15. Dezember 2002 fährt die Nordbahn zwischen Neumünster, Bad Segeberg und Bad Oldesloe im Stundentakt. Die Bahnstrecke Neumünster–Bad Segeberg war nach 18 Jahren Betriebsruhe im Dezember 2002 wiedereröffnet worden. Die Nordbahn ist eine Tochtergesellschaft der AKN. Seit dem 11. Dezember 2011 bedient die Nordbahn im Zwei-Stunden-Takt auf einer weiteren Bahnstrecke von Neumünster über Hohenwestedt, Albersdorf und Heide (Holstein) nach Büsum.

Bis Dezember 2005 betrieb die NOB auch den Flensburg-Express (FLEX) von Padborg (DK) nach Hamburg Hbf mit Halten in Flensburg, Tarp, Schleswig, Rendsburg, Nortorf, Neumünster und Elmshorn. Seit Dezember 2005 wird der Regionalverkehr auf dieser Strecke von der Regionalbahn Schleswig-Holstein als Schleswig-Holstein-Express bedient.

Seit September 1985 liegt die Bahnstrecke von Neumünster nach Ascheberg bei Plön für den Personenverkehr still. Ein Abzweig der Strecke diente zur Versorgung der drei größten Betriebe in Tungendorf (Nordfaser GmbH., Neumag GmbH. und NWBM). Im November 1995 wurde auch der Güterverkehr auf dieser Strecke offiziell eingestellt. Über das Schicksal dieser Linie ist noch nicht abschließend befunden worden. Bis Ende 2007 war die Bahnstrecke zunächst einmal in ein Sicherungsprogramm des Landes aufgenommen worden, um eine eventuelle Wiederinbetriebnahme in der Zukunft zu ermöglichen. Aktuell wird durch private Initiative an der Einrichtung eines touristischen Draisinenverkehrs auf dieser Strecke gearbeitet.

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) wird mit Omnibussen von der VHH PVG Unternehmensgruppe betrieben. 1956 übernahmen die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) den Omnibusbetrieb in Neumünster von der Firma Glau und Habild. 1981 gingen die Konzessionen für den Stadtbusverkehr auf die Stadtwerke Neumünster (SWN) über, die VHH fuhr seitdem im Auftrag der SWN. Auch die neu angeschafften Busse gehörten nun den Stadtwerken; seitdem sind sie helltürkis/weiß. Im Jahr 2007 wurde der Stadtlinienverkehr europaweit ausgeschrieben. Im Mai 2007 wurde mit der VHH als Gewinner der Ausschreibung ein Vertrag geschlossenen, der bis Ende 2015 gilt. Diese führt ab 1. Januar 2008 den Stadtbusverkehr wieder in eigener Regie durch, die vorhandenen Busse, überwiegend Erdgasbusse des Typs MAN Lion’s City CNG, gingen in das Eigentum der VHH über.

Die Bahn-Tochter Autokraft bietet mit dem Kielius eine stündliche Bus-Direktverbindung zum Flughafen Hamburg bzw. Kiel an.

Am westlichen Stadtrand liegt der Flugplatz Neumünster.

Medien[Bearbeiten]

Holsteinischer Courier-Haus am Gänsemarkt

In Neumünster erscheint die Tageszeitung Holsteinischer Courier in einer Auflage von etwa 16.000 Stück. Diese Zeitung wurde 1872 gegründet und blieb bis 2001 selbstständig. Danach wurde sie vom sh:z-Verlag übernommen. Die Kieler Nachrichten bieten mit der täglichen Beilage Holsteiner Zeitung ebenfalls eine Regionalausgabe für Neumünster und das Umland. Darüber hinaus erscheinen verschiedene wöchentliche Anzeigenblätter wie der Wochenanzeiger, die Prima Sonntag, hallo Neumünster und monatliche Veranstaltungsmagazine wie After Dark und Treffpunkt. Der Wachholtz Verlag, in dem vor allem Sachbücher erschienen, wurde 1925 gegründet. Im August 2012 wurde er an den Murmann Verlag Hamburg verkauft.

In der Nähe von Neumünster, in Ehndorf, betreibt die Deutsche Telekom AG einen Mittelwellensender für den Deutschlandfunk. Obwohl die Anlage sich auf dem Gebiet der Gemeinde Ehndorf befindet, wird dieser Sender oft als „Sender Neumünster“ bezeichnet.

Gerichte[Bearbeiten]

Amtsgericht Neumünster an der Boostedter Straße

In Neumünster befinden sich zwei Gerichte, das Amtsgericht Neumünster und das Arbeitsgericht Neumünster.

Gefahrenabwehrzentrum Neumünster[Bearbeiten]

Seit Mai 2009 befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Hindenburgkaserne das Gefahrenabwehrzentrum Neumünster. Hier werden die Kräfte des Katastrophenschutz an einem Ort der Stadt gebündelt.

Religionen[Bearbeiten]

Wichernkirche

Zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland gehören in Neumünster die Andreaskirche im Norden von Tungendorf, die Anscharkirche, die Bugenhagenkirche in der Böcklersiedlung, die Christuskirche in Einfeld, die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, die Erlöserkirche in Gadeland, die Johanneskirche in Wittorf, die Lutherkirche im Süden von Tungendorf, die Versöhnungskirche im Stattteil Gartenstadt, die Vicelinkirche und die Wichernkirche in Faldera.

Neumünster ist Sitz eines gleichnamigen römisch-katholischen Dekanates und gehört zum Erzbistum Hamburg. Ferner ist Neumünster Sitz der Pfarrei St. Maria – St. Vicelin, die zum Pastoralen Raum Bad Bramstedt – Bad Segeberg – Neumünster gehört. Zu ihr gehören in Neumünster die 1893 erbaute St. Maria-St. Vicelin-Kirche, sowie die katholischen Kirchen in Bordesholm, Flintbek und Nortorf. Die beiden Filialkirchen in Neumünster, St. Bartholomäus in Faldera und Heilig Kreuz in Tungendorf, wurden profaniert. Die St.-Bartholomäus-Kirche soll zu einer Kindertagesstätte umgebaut werden.[50]

In der Jonakapelle des Friedrich-Ebert-Krankenhauses finden ökumenische Gottesdienste statt.

Weitere, in Neumünster vertretene Religionsgemeinschaften, sind die Baptisten mit der Kreuzkirche,[51], die Neuapostolische Kirche,[52] die Pfingstbewegung mit dem Christus Centrum Neumünster,[53] die Siebenten-Tags-Adventisten,[54] die Zeugen Jehovas und der Islam.

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Stadt Neumünster gewann für ihre besonderen Leistungen im umweltorientierten Städte- und Wohnungsbau den Landeswettbewerb 1986/87 der Stadterneuerung „Bürger, es geht um Deine Gemeinde“.[55]

Öffentlicher Trinkbrunnen

Am 14. Mai 2013 wurde der erste öffentliche Trinkbrunnen der Stadt durch die Stadtwerke Neumünster in Betrieb genommen. Er ist direkt an die Trinkwasserversorgung angeschlossen.[56]

Die Bewohner Neumünsters werden „Neumünsteraner“ genannt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Vizelin (* um 1090–1154), Bischof von Oldenburg, Missionar der Slawen, gründete das namengebende Augustiner-Chorherrenstift und starb dort
  • Joachim Beccau (1690–1754), deutscher Dichter und Opernlibrettist, Rektor in Neumünster
  • Caspar von Saldern (1711–1786), deutscher Politiker aus Holstein, lebte und starb in Neumünster
  • Hans Fallada (1893–1947), Reporter und Schriftsteller, lebte um 1930 in Neumünster
  • Georg Fuhg (1898–1976), Bildhauer und Töpfer, lebte und starb in Neumünster
  • Jürgen Oldenburg (1926–1991), Politiker (SPD), Mitglied des Stadtrats und Landtagsabgeordneter
  • Klaus Murmann (1932-2014), Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (1986–1996), Unternehmer in Neumünster
  • Rudolf Johna (1933–2014), SPD-Landtagsabgeordneter, Ratsmitglied in Neumünster und stellvertretender Stadtpräsident (1975–1979)
  • Ludwig Haas (* 1933), deutscher Schauspieler, lebt in Neumünster
  • Gerd Helbig (* 1939), ehemaliger ZDF-Journalist, langjähriger Moderator des auslandjournals und Leiter der ZDF-Studios in Washington und Brüssel, besuchte die Holstenschule
  • Kajo Schommer (1940–2007), deutscher Politiker (CDU), ehemaliger Dezernent für Wirtschaft, Verkehr und Liegenschaften der Stadt Neumünster, später sächsischer Wirtschaftsminister (1990–2002)
  • Dirk Sager (1940–2014), Fernsehjournalist, besuchte die Holstenschule
  • Uwe Döring (* 1946), deutscher Politiker (SPD), ehemaliger Minister für Justiz, Arbeit und Europa des Landes Schleswig-Holstein (2005–2009), lebt in Neumünster
  • Jörg Ziercke (* 1947), Präsident des Bundeskriminalamtes, 1979–1981 Leiter der Kripo Neumünster
  • Kurt Schulzke (* 1950), Maler und Musiker, lebt in Neumünster
  • Angelika Beer (* 1957), deutsche Politikerin (ehemals Bündnis 90/Die Grünen, seit 2012 Piratenpartei), lebt in Neumünster
  • Kirsten Eickhoff-Weber (* 1960), deutsche Politikerin (SPD), Landtagsabgeordnete, lebt in Neumünster
  • Eike Duckwitz (* 1980), deutscher Hockeyspieler, Hockey-Weltmeister 2006, begann seine Karriere beim THC Neumünster
  • Mona Barthel (* 1990), deutsche WTA-Tennisspielerin, lebt in Neumünster

Amtmänner zu Neumünster[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Marianne Dwars, Alfred Heggen: Stadtgeschichte Neumünster. Neumünster 2012, ISBN 3-529-01716-7
  • Antje Erdmann-Degenhardt, Reinhold Möller (Hrsg.): Neumünster – ein Lesebuch. Husum-Verlag, Husum 1988, ISBN 3880424330.
  • Alfred Heggen, Hartmut Kunkel (Bearb.): Neumünster im Zeichen des Hakenkreuzes - Eine Dokumentation der Jahre 1933/1934. Hrsg. Arbeitskreis „Machtergreifung“ an der Volkshochschule Neumünster, Neumünster 1983.
  •  Reinhold Möller: Neumünster. Die 50er und 60er Jahre. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-956-6..
  • Helmut Müller (Text), Walter Erben (Bilddoku): Als unser Leben Kleinholz war, Verlag der Buchhandlung C. Rathje, Neumünster 1987, ISBN 3-926 465-02-6.
  • Neumünster zwischen den zwei Meeren. Bilder und Geschichte Neumünsters. EPM-Verlag Euro-Print-Medienservice, Wilhelmsdorf, Druckerei Liebel, Bad Waldsee 1996.
  • Neumünster im Holsteiner Land. Chronik und Stadtbilder. Kurt Leuschner, Neumünster 1996.
  •  Carsten Obst: Flüchtlinge in Neumünster. Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-121-9..
  • Carsten Obst: Jüdische Bürger in Neumünster – Von der Judenemanzipation bis zum Holocaust. In: Steinburger Jahrbuch 2002, Hrsg. Heimatverband für den Kreis Steinburg, S. 202–224.
  • Rudolf Ullemeyer: Neumünster. Die Geschichte von 1127–2000. Fakten – Zahlen – Dokumente – Fotos. 1. Auflage 1963, Überarbeitet und ergänzt von Alfred Heggen, Peter Schuster und Klaus Tidow, Neumünster 2000.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neumünster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Neumünster – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2013 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Marianne Dwars, Klaus Fahrner, Bärbel Nagar (Hrsg.): Neumünster Lexikon. Wachholtz, Neumünster 2003, ISBN 3-529-01711-6, S. 21.
  3. Einwohnerzahlen auf neumünster.de, 21. April 2007. Die Zahlen wurden zwischenzeitlich entfernt.
  4. Marianne Dwars, Klaus Fahrner, Bärbel Nagar (Hrsg.): Neumünster Lexikon. Wachholtz, Neumünster 2003, ISBN 3-529-01711-6, S. 22.
  5. Marianne Dwars, Klaus Fahrner, Bärbel Nagar (Hrsg.): Neumünster Lexikon. Wachholtz, Neumünster 2003, ISBN 3-529-01711-6, S. 37.
  6. Marianne Dwars, Klaus Fahrner, Bärbel Nagar (Hrsg.): Neumünster Lexikon. Wachholtz, Neumünster 2003, ISBN 3-529-01711-6, S. 49–50.
  7. Marianne Dwars, Klaus Fahrner, Bärbel Nagar (Hrsg.): Neumünster Lexikon. Wachholtz, Neumünster 2003, ISBN 3-529-01711-6, S. 115.
  8. Wolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein. 2. Aufl., Neumünster 1992, S. 478.
  9. Übersicht über die Meilensteine auf schleswig-holstein.de, abgerufen 22. April 2012.
  10. Rencks Park auf neumuenster.de
  11. Klaus Schottau: Die Geschichte der Lederindustrie in Neumünster. Ein Beitrag zur Industrialisierung Schleswig-Holsteins. Veröffentlichungen des Fördervereins Textil- und Industriemuseum. Neumünster 1991, Heft 11, S. 24.
  12. Klaus Schottau: Die Geschichte der Lederindustrie in Neumünster. Ein Beitrag zur Industrialisierung Schleswig-Holsteins. Veröffentlichungen des Fördervereins Textil- und Industriemuseum. Neumünster 1991, Heft 11, S. 145.
  13. http://www.neumuenster.de/cms/index.php?article_id=430
  14. a b Friedrich Gleiss: Jüdisches Leben in Segeberg vom 18. bis 20. Jahrhundert: gesammelte Aufsätze aus zwei Jahrzehnten mit über 100 Fotos und Dokumenten. BoD – Books on Demand, 2002, S. 162.
  15. Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus. Neumünster 2005. S. 105.
  16. Friedrich Gleiss: Jüdisches Leben in Segeberg vom 18. bis 20. Jahrhundert: gesammelte Aufsätze aus zwei Jahrzehnten mit über 100 Fotos und Dokumenten. BoD – Books on Demand, 2002, S. 163.
  17. Bettina Goldberg: Abseits der Metropolen: die jüdische Minderheit in Schleswig-Holstein. Wachholtz, Neumünster 2011, ISBN 978-3-529-06111-0, S. 445.
  18. Liste von einigen Ermordeten auf der Internetseite der Stadt Neumünster über das Projekt Stolpersteine in Neumünster Stolpersteine in Neumünster
  19. http://www.luftfahrtspuren.de/nms.htm
  20. a b Uwe Danker: Internieren, entnazifizieren und umerziehen – Erste Vergangenheitsbewältigung nach 1945. In: Gerhard Paul, Uwe Danker, Peter Wulf: Geschichtsumschlungen: sozial- und kulturgeschichtliches Lesebuch: Schleswig Holstein, 1848-1948. Berlin 1996; ISBN 3-8012-0237-2, S. 286.
  21. Robert Bohn: „Schleswig- Holstein stellt fest, dass es in Deutschland nie einen Nationalsozialismus gegeben hat.“ Zum mustergültigen Scheitern der Entnazifizierung im ehemaligen Mustergau. In: Jahrbuch Demokratische Geschichte, Bd 17, S. 177.
  22. Stichworte zur Geschichte Gewerkschaft LEDER 1872–1997, zusammengestellt von Birgit Hormann, IG BCE (Dokumentation & Archiv), Archivversion von 2011, PDF-Datei, abgerufen am 2. Oktober 2012
  23. [1]
  24. [2]
  25. Bürgermeister auf neumünster.de
  26. Stadtpräsidenten auf neumünster.de
  27. Hauptsatzung der Stadt Neumünster (PDF-Datei; 65 kB), abgerufen am 2. Oktober 2012
  28. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  29. Patenkreis Lötzen auf neumuenster.de
  30. Städtepartnerschaften auf neumuenster.de
  31. Pferdestadt Neumünster
  32. a b c Stadt Neumünster-Stadtpunkte
  33. Eisenbahnmuseum geräumt auf eurailpress.de
  34. Website des Landestheaters, abgerufen am 18. Juni 2012.
  35. Geschichte der NBN, abgerufen am 16. Juni 2012
  36. Website des statt-theaters, abgerufen am 18. Juni 2012
  37. Mädchen-Musikzug Homepage
  38. Stolpersteine in Neumünster
  39. Website der Stadt Neumünster, abgerufen am 25. Juni 2012
  40. Alte Obstwiese in Neumünster
  41. Holstenhallen.com
  42. Reitturniere
  43. Sportvereine auf neumünster.de
  44. Holsteinischer Courier Nr. 199 vom 24./26. August 2012
  45. Heiligabend Turmkonzert mit Ave Maria
  46. Holsteinischer Courier vom 19. April 2012, S. 1 und S. 15
  47. wirtschaft-nordgate.de
  48. Neumünster auf metropolregion.hamburg.de
  49. [3] auf statistik-nord.de (PDF-Datei; 599 kB)
  50. http://www.st-vicelin.de/
  51. http://www.kreuzkirche-nms.de/
  52. http://www.nak-norddeutschland.de/index/bezirke-gemeinden/bereich-hamburg/neumuenster/gemeinden/neumuenster/gemeinde/
  53. http://www.christuscentrum.de/
  54. http://neumuenster.adventist.eu/
  55. Stadterneuerung Neumünster „Bürger, es geht um Deine Stadt“, Landeswettbewerb 1986/87, Herausgeber: Stadt Neumünster, Druck: Carius-Druck Kiel 1988
  56. [4]HC vom 15. Mai 2013 - Seite 15 "Trinkbrunnen eröffnet"