Fedora (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Fedora
Originaltitel Fedora
Produktionsland Frankreich
Deutschland
Originalsprache Englisch
Griechisch
Französisch
Erscheinungsjahr 1978
Länge 116 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Billy Wilder
Drehbuch Billy Wilder
I.A.L. Diamond
Produktion Billy Wilder
Musik Miklós Rózsa
Kamera Gerry Fisher
Schnitt Stefan Arnsten
Fredric Steinkamp
Besetzung

Fedora wurde 1978 von Billy Wilder nach einer Kurzgeschichte von Tom Tryon gedreht.

Handlung[Bearbeiten]

Der weltbekannte Filmstar und Mythos Fedora ist tot. Der unabhängige Filmproduzent Barry Detweiler reist zu dem für die Öffentlichkeit aufgebahrten Leichnam und erinnert sich der vorangegangenen zwei Wochen, die im Folgenden wiedergegeben werden:

Detweiler sucht die völlig zurückgezogen lebende Diva auf einer kleinen Insel bei Korfu in der Villa Kalypso auf, um sie für einen Film zu gewinnen. Obwohl sie eine ältere Dame von 67 Jahren sein müsste, tritt sie ihm jugendfrisch konserviert gegenüber, ebenso schön wie 1947, als sich beide zum ersten Mal bei Dreharbeiten begegnet sind und zusammen eine Liebesnacht am Strand verbracht haben.

Ihr kleiner Kreis von Vertrauten, die im Rollstuhl sitzende Gräfin Sobryansky, die argwöhnische Krankenschwester Miss Balfour und der bizarr auftretende plastische Chirurg Dr. Vando, tun alles, um Fedora vor Fremden abzuschirmen, und kontrollieren dabei jeden ihrer Schritte. Detweiler kann sich nur wundern, dass offenbar auch Fedoras Seelenleben und Liebesbedürfnisse auf dem Stand einer sehr viel jüngeren Frau stehengeblieben sind. Außerdem soll sie drogenabhängig sein.

Detweiler gelingt es jedoch, allein zu ihr vorzudringen und sein Angebot zu unterbreiten. Fedora schöpft daraufhin Hoffnung, ihrem Exil und der Überwachung auf Korfu entfliehen zu können. Als sie von ihrer Entourage aber nach Paris verschleppt wird, endet ihr Leben auf einem Vorortbahnhof, wo sie sich vor einen einfahrenden Zug wirft. Für die Fans und die Presse wird die Beerdigung des Stars von der Gräfin in ihrem Palais in Paris nach allen Regeln der Kunst inszeniert.

Detweiler erfährt in einem letzten Gespräch mit der Gräfin schließlich Fedoras wahre Geschichte. Diese sei zwanzig Jahre lang "wie die Kranken nach Lourdes" in die renommierte Schönheitsklinik von Dr. Vando gepilgert, wo man der Diva immer wieder ihre Jugend konservieren konnte - bis zum Jahr 1962, als Fedora dort durch die Anwendung einer neuartigen Methode entstellt wird; infolge weiterer medizinischer Komplikationen hat sie außerdem einen Schlanganfall erlitten, so dass sie seither an den Rollstuhl gefesselt ist.

Fedoras uneheliche Tochter Antonia, von der die Öffentlichkeit nichts gewusst hat, soll anlässlich der Verleihung eines Ehren-Oscars ihre Rolle übernehmen, ist sie doch der jungen Fedora wie aus dem Gesicht geschnitten. Antonia dreht auch einige Filme als Fedora, bis sie sich in ihren Filmpartner Michael York verliebt. Da will sie endgültig die Rolle der Diva hinter sich lassen und wieder Antonia sein. Aber Fedoras Entourage lässt dies nicht zu; Antonia fügt sich zunächst widerwillig in ihr Schicksal, zerbricht aber daran.

Gräfin Sobryansky, die sich als die echte Fedora zu erkennen gegeben hat, ersucht Detweiler, das Geheimnis um der alten Zeiten willen für sich zu bewahren. Der Mythos soll aufrechterhalten bleibten; wenige Wochen später stirbt sie selbst, von der Öffentlichkeit beinahe unbemerkt.

Kritik[Bearbeiten]

film-dienst 14/1978: Der Film ist ein „Boulevard der Dämmerung“ als Satire, ein Abgesang auf Hollywood, auf das Kino alter Schule, auf Billy Wilders klassische Filme nicht zuletzt. … Ein Alterswerk, das seinen Rang vornehmlich dadurch erreicht, dass es in Kauf nimmt, von allen missverstanden zu werden.

Hintergründe[Bearbeiten]

Die Figur der Fedora in der Original-Kurzgeschichte von Tom Tryon scheint auf Elementen der Biografien und Karrieren von Marlene Dietrich, Greta Garbo, Gloria Swanson und Corinne Griffith zu beruhen. Billy Wilder verlegte den zeitlichen Rahmen der Geschichte um mehrere Jahrzehnte. Tryons Fedora beginnt ihre Karriere in den frühen 1910er Jahren, in Billy Wilders Film ist die jüngere Fedora ein großer Star zur Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Sowohl Buch als auch Film sind mit zahlreichen Anspielungen auf die technische Seite der diversen Verjüngungsprozeduren gespickt: Professor Serge Voronoff und seine Affenhoden-Implantate werden ebenso erwähnt, wie es auch Hinweise auf die Frischzellen-Therapie nach Paul Niehans und seine Klinik La Prairie gibt.

Ursprünglich war Faye Dunaway die Rolle der Fedora angeboten worden. Die Rolle ging schließlich an Marthe Keller, die sowohl die junge als auch die alte Fedora spielen sollte. Da dies nicht möglich war, weil eine Kopfverletzung beim Anbringen von speziellen Make-up-Teilen starke Schmerzen auslöste, beschloss Billy Wilder, die Rolle der alten Fedora getrennt zu besetzen. Hierfür wurde Hildegard Knef engagiert. Auch Marlene Dietrich soll gefragt worden sein, die Gräfin Sobryansky zu spielen.

In der deutschen Synchronfassung wird die junge Fedora nicht von der deutschsprachigen Marthe Keller (sie ist Schweizerin), sondern ebenfalls von Hildegard Knef gesprochen.

Billy Wilder wurde vorgeworfen, er habe über weite Strecken ein Plagiat seines eigenen Films Sunset Boulevard von 1950 gedreht.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1982 Fotogramas de Plata für den besten ausländischen Film an Billy Wilder, gemeinsam mit Atlantic City (1980)

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Tryon: Fedora oder die Vergessenen. Ein Roman in 4 Episoden (OT: Crowned Heads). Deutsch von Hermann Stiehl. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1982, 404 S., ISBN 3-499-14955-9

Weblinks[Bearbeiten]