Fidesz – Ungarischer Bürgerbund
| Fidesz – Magyar Polgári Szövetség Fidesz – Ungarischer Bürgerbund |
|
| Parteivorsitzender | Viktor Orbán |
| Stellvertretender Vorsitzender | Lajos Kósa Ildikó Pelczné Gáll Zoltán Pokorni Mihály Varga |
| Gründung | 30. März 1988 |
| Gründungsort | Budapest, Ungarn |
| Hauptsitz | Szentkirályi utca 18 1088 Budapest |
| Ausrichtung | nationalkonservativ konservativ christdemokratisch |
| Farbe(n) | orange |
| Parlamentsmandate |
263/368
|
| Internationale Verbindungen | Christlich Demokratische Internationale (CDI-IDC) Internationale Demokratische Union (IDU) |
| Europaabgeordnete |
14/22
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| Europapartei | Europäische Volkspartei (EVP) |
| EP-Fraktion | Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten) (EVP) |
| Website | www.fidesz.hu |
Fidesz – Ungarischer Bürgerbund, kurz Fidesz oder Fidesz-MPSZ [ˈfidɛs] (ungarisch Fidesz – Magyar Polgári Szövetség) ist eine politische Partei Ungarns mit nationalkonservativer[1] Ausrichtung. Sie war ursprünglich als liberale Protestorganisation junger Intellektueller gegründet worden und hat sich später zur wichtigsten bürgerlichen Partei des Landes entwickelt. Die Partei ist Mitglied der Europäischen Volkspartei (EVP). Parteivorsitzender ist Viktor Orbán.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Unter dem Namen „Bund Junger Demokraten“ (ungarisch Fiatal Demokraták Szövetsége, daraus das Akronym Fidesz) wurde die Partei am 30. März 1988 von 37 jungen Intellektuellen in Budapest im Studentenheim Bibó István gegründet. Der Vorstand bestand am Anfang aus sechs Personen.
Von 1988 bis zu den ersten freien Wahlen nach der Wende konnte man die Partei als radikale Partei der jungen Leute definieren. Sie nahmen aktiv an Demonstrationen teil und wurden nach der feierlichen Umbettung von Imre Nagy durch eine Rede von Viktor Orbán im ganzen Land bekannt, die schließlich auch zum Fall des kommunistischen Regimes beitrug. Die Partei spielte eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen am „Runden Tisch“ vor der Wende, wo sie damals von Viktor Orbán, László Kövér und Gábor Fodor vertreten wurde.
Ab 1990 setzte die Partei ihre politische Tätigkeit im Parlament fort. 1992 wurde Fidesz in die Liberale Internationale aufgenommen (deren Mitglied die Partei bis 2000 blieb). 1993 verließ eine Gruppe (unter ihnen Gábor Fodor) die Partei und trat der liberalen Partei SZDSZ bei. Fidesz benannte sich 1996 in „Fidesz – Ungarische Bürgerliche Partei“ (Fidesz – Magyar Polgári Párt, Fidesz-MPP) um und nahm in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre Positionen der konservativ-wirtschaftsliberalen Partei Ungarischen Demokratischen Forums (Magyar Demokrata Fórum, MDF) auf, die in dieser Zeit an Stimmen verlor.
Nach den Wahlen von 1998 konnte Fidesz gemeinsam mit dem MDF und der Unabhängigen Partei der Kleinlandwirte, der Landarbeiter und des Bürgertums (Független Kisgazdapárt, FKGP) eine Koalitionsregierung bilden. Ministerpräsident wurde Viktor Orbán.
Bei den Wahlen von 2002 reichten die von Fidesz erzielten Stimmen nicht zur Regierungsbildung. Daher wurde der Kandidat der Ungarischen Sozialistischen Partei (Magyar Szocialista Párt, MSZP), Péter Medgyessy, mit der Regierungsbildung beauftragt. Im Frühjahr 2003 nahm Fidesz den heutigen Namen Fidesz-MPSZ an. Nach einem Erfolg bei der Europawahl 2004 bildete Fidesz 2005 eine Allianz mit der Christlich-Demokratischen Volkspartei (Kereszténydemokrata Néppárt, KDNP), musste sich jedoch bei den Parlamentswahlen 2006 dem sozialistisch-liberalen Bündnis von MSZP und SZDSZ geschlagen geben.
Im Sommer 2007 geriet Fidesz in die Kritik, nachdem die Partei die Gründung der rechtsextremen paramilitärischen Organisation Ungarische Garde nicht verurteilt hatte. Die Ungarische Garde strebte – auch mit militärischen Mitteln – die „Beseitigung“ der als korrupt geltenden Regierung Gyurcsány an. Fidesz-Vorstand Viktor Orbán sprach sich gegen die Anwendung von Gewalt aus und wurde dafür von den Rechtsextremen kritisiert.
Bei der Parlamentswahl in Ungarn 2010 siegte Fidesz im ersten Durchgang mit 53 Prozent der Stimmen, gefolgt von der sozialdemokratischen MSZP, der rechtsextremen Jobbik und der linksökologischen LMP. Im zweiten Wahlgang baute Fidesz am 25. April 2010 ihren Vorsprung mit Direktmandaten aus und erreichte damit eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Daraufhin wählte das neue Parlament am 29. Mai 2010 Viktor Orbán zum Ministerpräsidenten und am 29. Juni 2010 Pál Schmitt zum Staatspräsidenten.
Inhaltliches Profil [Bearbeiten]
In gesellschaftlichen Fragen vertritt Fidesz rechtskonservative Positionen. Er betont dabei insbesondere pro-kirchliche und pro-familiäre Werte. Autoritarismus und Nationalismus ist in der Rhetorik und Politik von Fidesz sehr stark verankert; aufgrund der EU-Mitgliedschaft Ungarns wird von Beobachtern jedoch mit einer Mäßigung des Nationalismus der Partei in Regierungsverantwortung gerechnet.[2] Diese Erwartung hat sich seit dem Regierungsantritt der Partei in Mai 2010 nicht bestätigt, zahlreiche Maßnahmen der Regierung lösten heftige europäische Kritik wegen des behaupteten Abbaus der Demokratie aus.
Verglichen mit der wirtschaftsliberalen SZDSZ und ihrer ersten Regierungszeit 1998–2002 befindet sich die Partei – aufgrund der äußerst schlechten wirtschaftlichen Lage in Ungarn – ökonomisch mittlerweile auf einem leicht veränderten Kurs.[3] Im Kontext zahlreicher Deregulierungen in den letzten Jahren, die Ungarn zu einem der europäischen Länder mit der höchsten Privatisierungsquote gemacht haben, forderte Fidesz zum Beispiel im Wahlkampf 2006, den privatisierten Flughafen Budapest wieder zu verstaatlichen.[4] Ebenso trat Fidesz für ein Gesundheitssystem ein, das für alle ohne Zusatzkosten verfügbar sein soll und wandte sich gegen eine Privatisierung des Gesundheitssektors.
Für die Zeit nach der Wahl 2010 kündigte die Partei als wesentliches Ziel Steuersenkungen an. Bisher (seit Regierungsantritt) wurden diese mit Begründung der Staatsverschuldung nicht durchgeführt; ebenso wurde bislang die Rückgängigmachung der Deregulierungen nicht umgesetzt. Schwerpunkt der bisherigen Regierungsarbeit ist die Umgestaltung des Beamtenapparates, einhergehend mit zahlreichen Entlassungen, und eine stärkere Kontrolle über den Mediensektor, die aus der Europäischen Union als Gefährdung für Presse- und Meinungsfreiheit kritisiert wurde.[5]
Vorstand [Bearbeiten]
- 1988–1993 Gremium von 6 Mitgliedern
- 1993–2000 Viktor Orbán
- 2000–2001 László Kövér
- 2001–2002 Zoltán Pokorni
- 2002–2003 (amtsführend) János Áder
- seit 2003 Viktor Orbán
Wahlergebnisse [Bearbeiten]
Parlamentswahlen [Bearbeiten]
| Wahlergebnisse der Parlamentswahlen[6] | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Stimmenanzahl | Stimmenanteil | Sitze | |
| 1990 | 439.481 | 8,95 % | 21 | |
| 1994 | 379.295 | 7,02 % | 20 | |
| 1998 | 1.153.217 | 28,37 % | 148 | |
| Fidesz-MDF | ||||
| 2002 | 2.306.763 | 41,07 % | 188 | |
| Fidesz-KDNP | ||||
| 2006 | 2.272.979 | 42,03 % | 164 | |
| 2010 | 2.706.292 | 52,73 % | 263 | |
Kommunalwahlen [Bearbeiten]
- 1990: 792 Abgeordnete, 33 Bürgermeister
- 1994: selbständig 284, in Koalition 370 Mandate; 30 Bürgermeister
- 1998: 189 Bürgermeister
Europawahlen [Bearbeiten]
- 2004: 47,4 Prozent, 12 Abgeordnete
- 2009: 56,36 Prozent, 14 Abgeordnete
Weblinks [Bearbeiten]
- Fidesz.hu, Offizielle Homepage (ungarisch)
- Regierungspläne von Fidesz unter Orbán, Reuters Factbox (englisch)
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Charles E. Ritterband: Fidesz als Sieger in den ungarischen Gemeindewahlen. In: NZZ.ch, 5. Oktober 2010. Vgl. Fidesz-Partei baut Machtfülle aus. In: ORF.at, 4. Oktober 2010.
- ↑ Viktor Orban, Populist und Alleinherrscher? (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.) → Erläuterung. In: Tagesschau.de, 26. April 2010.
- ↑ Ungarn im Griff der Rechten. In: Uni Kassel AG Friedensforschung, 13. April 2010.
- ↑ Renationalisierung in Ungarn? In: FAZ.net, 16. September 2005.
- ↑ EU-Ratspräsidentschaft. Ungarn deutet Einlenken beim Mediengesetz an. In: Spiegel Online, 7. Januar 2011, abgerufen am 20. Januar 2011.
- ↑ Ergebnisse der ungarischen Parlamentswahlen
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Assoziierte Parteien:
Hrvatska demokratska zajednica (Kroatien) | Hrvatska seljačka stranka (Kroatien) | Høyre (Norwegen) | Christlichdemokratische Volkspartei (Schweiz) | G17 Plus (Serbien)