Garching an der Alz

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Garching an der Alz
Garching an der Alz
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Garching an der Alz hervorgehoben
48.13222222222212.581111111111459Koordinaten: 48° 8′ N, 12° 35′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Altötting
Höhe: 459 m ü. NHN
Fläche: 25,87 km²
Einwohner: 8489 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 328 Einwohner je km²
Postleitzahl: 84518
Vorwahl: 08634
Kfz-Kennzeichen:
Gemeindeschlüssel: 09 1 71 117
Gemeindegliederung: 67 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
84518 Garching an der Alz
Webpräsenz: www.garching-alz.de
Erster Bürgermeister: Christian Mende (SPD/DU)
Lage der Gemeinde Garching an der Alz im Landkreis Altötting
Burghausen Emmerting Burgkirchen an der Alz Kastl (Oberbayern) Haiming (Oberbayern) Mehring (Oberbayern) Marktl Neuötting Altötting Feichten an der Alz Winhöring Tüßling Töging am Inn Teising Pleiskirchen Garching an der Alz Unterneukirchen Tyrlaching Stammham (am Inn) Reischach Perach Kirchweidach Halsbach Erlbach (Oberbayern) Landkreis Rottal-Inn Landkreis Mühldorf am Inn Landkreis Traunstein ÖsterreichKarte
Über dieses Bild
Garching mit Ortsteil Wald (hinten)

Garching an der Alz (amtlich: Garching a.d.Alz) ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Altötting.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im landschaftlich reizvollen Alztal, 30 km nördlich des Chiemsees und 20 km nördlich des Waginger Sees an der Bundesstraße 299. Der Fluss, der der Gemeinde den Namenszusatz Alz verleiht, ist der Abfluss des Chiemsees.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Garching an der Alz hat 67 amtlich benannte Ortsteile[2]:

Geschichte[Bearbeiten]

Streu- und Siedlungsfunde der Jungsteinzeit belegen den Beginn einer nahezu kontinuierlichen Besiedlung des Gebietes an der mittleren Alz seit fast 5000 Jahren. Die älteste Grablege im Gemeindegebiet, ein sog. Hockergrab, stammt aus der Zeit der Glockenbecherkultur, ca. 2300 v. Chr. Das Alztal lag günstig für die Nord-Süd-Handelswege: Salz und Kupfer aus dem Alpenraum, Getreide und Eisen aus Niederbayern und dem Donauraum. Mehrere Funde auf der Mittelterrasse des Alztales, beispielsweise Hügelgräberfelder 1600–1200 v. Chr., die Prunkbestattung eines Stammesführers als Wagengrab in Hart/Alz, das von circa 1250 v. Chr. stammt, Nekropolen der Urnenfelderkultur 1200–800 v. Chr. (Grabung im Jahr 2003, 26 Urnen + Schwertgrab). Hügelgräber aus der Zeit um 500 v. Chr., zeigen, dass das Gebiet in der Bronze- und Eisenzeit dichter besiedelt wurde. Eine kleine Ortschaft mit Gräberfeld (ca. 140 Gräber, Grabung 1972/73) bestand in der Bajuwarenzeit. Dieser Ort, der 747/49 an Salzburg geschenkt wurde, ist etwa 798 im Salzburger Güterverzeichnis Breves Notitiae als Gouvrichingen erstmals urkundlich erwähnt. Die Vor- und Frühgeschichte um Garching an der Alz wird in der ortsgeschichtlichen Sammlung Museum am Rathaus modern präsentiert.

Die Urbarmachung des wasserarmen Landes auf den Hochufern der Alz erfolgte im Laufe des 10. Jahrhunderts. Westlich der Alz haben neben den Salzburgern auch die herzoglichen Urbarsbauern einen größeren Anteil. Östlich der Alz findet sich klösterlicher Streubesitz, allen voran das Zisterzienserkloster Raitenhaslach, auch Baumburg und Ranshofen.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstand die Burg, das spätere Schloss Wald an der Alz, mit dem Gebiet der Walder Herrschaft (Pflegamt), das auch neben dem jenseits der Alz gelegenen Ort Garching, die heutigen Gemeinden Feichten, Kirchweidach, Halsbach und Teile von Burgkirchen umfasste. Es markierte einen Salzburger Grenzposten zu Bayern. Nach den Erhartinger Verträgen und dem Aussterben der Herren von Wald zu Beginn des 14. Jahrhunderts wird Garching mit dem Herrschaftsgebiet Wald bayrisch. Die Herren von Wald gehörten zur führenden salzburg-bayerischen Ministerialenschicht, waren jedoch nicht turnierfähig. Sie hatten hohe Ämter inne als Pfleger in Reichenhall, Richter in Trostberg oder Vicedome von Niederbayern.

Seit 1508 residierten die Herren von der Leiter, Nachkommen der oberitalienischen della Scala, auf Schloss Wald. Zwischen 1602 und 1736 war die Herrschaft im Besitz der Grafen von Wartenberg (Wittelsbacher). Herzog Ferdinand von Bayern, der Onkel des späteren Kurfürst Maximilian I., hatte die junge und überaus hübsche Maria Pettenbeck, Rentschreibertochter aus Haag, geehelicht. Die aus dieser Seitenlinie entsprossenen „Halb-“Wittelsbacher wären als (titl.) Grafen von Wartenberg (bei Erding. Sitz der Wittelsbacher zum Zeitpunkt der Belehnung mit der bayerischen Herzogswürde 1180) nach dem Aussterben der altbayerischen Linie – noch vor den Pfälzern und Zweibrückern – erbberechtigt gewesen. Leider erstickte 1730 der junge Graf von Wartenberg in der Ettaler Ritterakademie schicksalshaft an einem Pfirsichkern. Die Herrschaft Wald wurde daraufhin Kabinettsherrschaft und vom Kurfürsten an verschiedene Adelige, darunter auch die Fugger, verliehen. Die eigenständige Verwaltung der Herrschaft Wald, zeitweise sogar mit Hochgericht (wovon eine erhaltene „Galgensäule“ zeugt), bestand bis 1803.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Josef Keller Schullehrer in Wald. Keller war Klosterorganist in Seeon gewesen, als der junge Mozart erstmals bei einer Durchreise nach München die dortige Klosterorgel spielte. Als Wegbereiter des volkstümlichen Zitherspiels ist der Sänger und Zithervirtuose, Musikalienhändler und Musiklehrer Joseph Wasserburger (1788–1857), der Wirtsepperl z’Garching, zu nennen. Ein Volkslied gleichnamigen Titels hält die Erinnerung an ihn wach, auch wenn manche Liedstrophe keine biographischen Züge erkennen lässt. Sein Verdienst war die Einführung der Zither in Niederbayern und Oberösterreich zwischen 1820 und 1850.

Die Umbenennung der früheren Landgemeinde Engelsberg, Bezirk Altötting, in Gemeinde Garching erfolgte 1858.

Garching (Mitte) und Umgebung in den 1930er-Jahren (Aufnahmeblatt der 3. österreichischen Landesaufnahme)

1905 wurde die Gemeinde Garching von 762 Personen bewohnt. Der Bau der Bahnstrecke Mühldorf am InnFreilassing, sog. Bayerische Tauernbahn 1908, ließ als Alzüberquerung eine der größten Brücken in Senkbrunnentechnik des damaligen Deutschen Kaiserreiches entstehen. Durch den Bau eines Werkes der Bayerischen Kraftwerke AG, später Süddeutschen Kalkstickstoffwerke (SKW) nahm die Bevölkerung rasch zu. Eine Werkssiedlung entstand 1923/24 als Mustersiedlung einer Gartenstadt nach den Plänen des Schweizer Architekten Otto Rudolf Salvisberg (1882–1940).

Die NSDAP verzeichnete in Garching an der Alz ihre bayernweit schlechtesten Ergebnisse, obwohl der Ortsgruppenleiter Ernst Schmidt ein Weltkriegskamerad Adolf Hitlers war. Anders als in anderen Orten gab es keine durch NS-Größen geprägte Straßennamen. Der zentrale Platz, benannt nach dem jüdischen Chemiker und Gemeindeehrenbürger Nikodemus Caro, wurde mit der gemeindlichen Einführung von Straßennamen und Hausnummern 1965 umbenannt nach dem Baurat Karl Janisch. Im Zweiten Weltkrieg wurde am 19. März 1945 der Bahnhof Garchings bombardiert, ein mit Sprengstoff voll beladener Güterzug konnte gerade noch rechtzeitig weggefahren werden. Die im süditalienischen Stornara gestarteten amerikanischen Bomberverbände sollten Mühldorf am Inn und Landshut bombardieren. Aufgrund eines Identifizierungsfehlers wurden über 100 Bomben mit je 250 kg TNT abgeworfen. Der Einmarsch der Amerikaner (86. US Inf.Div., Black Hawks) erfolgte am 4. Mai 1945, morgens 9 Uhr.

Zu Kriegsende und in der Nachkriegszeit kamen viele Heimatvertriebene nach Garching. Seit 1957 führt Garching an der Alz ein Gemeindewappen, das dem Vorschlag von Ehrenbürger Josef Dirscherl folgte.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die Eingemeindung des Nachbarortes Wald an der Alz erfolgte am 1. Mai 1978.[3]

Politik[Bearbeiten]

Rathaus Garching a.d.Alz

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Gemeinde Garching hat einen 20-köpfigen Gemeinderat, Stimmverhältnis seit der letzten Kommunalwahl 2014:

  • Christlich Soziale Union (CSU): 8 Sitze
  • Sozialdemokratische Partei Deutschland (SPD)/Unabhängige: 5 Sitze
  • Freie Wähler (FW): 5 Sitze
  • Freie Ortspartei Wald (FoP): 2 Sitze

Darüber hinaus hat die Gemeinde Garching für wichtige Themenkomplexe Referate gegründet, diese werden ehrenamtlich durch Gemeinderäte vertreten.

Die Pfarrkirche St. Nikolaus

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Freundschaftliche Beziehungen bestehen zu Stolpen in Sachsen / Deutschland.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die neuromanische katholische Pfarrkirche St. Nikolaus wurde 1870 bis 1872 erbaut.
  • Die Werkssiedlung der SKW, 1921 bis 1924 errichtet, gilt als eine der schönsten Gartenstädte Deutschlands.

siehe auch Liste der Baudenkmäler in Garching an der Alz

Geotope[Bearbeiten]

  • Nagelfluh-Aufschluss am Bahneinschnitt Brunntal; leider verwachsen, geowissenschaftliche Bedeutung „wertvoll“.[4]

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Garching (Alz)
Wohnhaus der Janischsiedlung

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Demmel: Geschichte und G’schichten aus der Gemeinde Garching an der Alz. Altötting 1999

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111128/154341&attr=OBJ&val=128
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 567.
  4. [1]
  5. Buslinien (im Kasten gelistet)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Garching an der Alz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien