Georgenthal

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Georgenthal in Thüringen, für weitere Bedeutungen siehe Georgenthal (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Georgenthal
Georgenthal
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Georgenthal hervorgehoben
50.82944444444410.657222222222390Koordinaten: 50° 50′ N, 10° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Gotha
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Apfelstädtaue
Höhe: 390 m ü. NHN
Fläche: 28,81 km²
Einwohner: 2597 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 90 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99887
Vorwahl: 036253
Kfz-Kennzeichen: GTH
Gemeindeschlüssel: 16 0 67 025
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Tambacher Str. 2
99887 Georgenthal
Webpräsenz: www.georgenthal.de
Bürgermeister: Peter Schneider
Lage der Gemeinde Georgenthal im Landkreis Gotha
Ballstädt Bienstädt Brüheim Bufleben Crawinkel Dachwig Döllstädt Drei Gleichen Emleben Waltershausen Eschenbergen Friedrichroda Friedrichswerth Friemar Georgenthal Gierstädt Goldbach Gotha Gräfenhain Großfahner Günthersleben-Wechmar Haina Herrenhof Hochheim Hohenkirchen Hörsel (Gemeinde) Leinatal Luisenthal Molschleben Nesse-Apfelstädt Nottleben Ohrdruf Petriroda Pferdingsleben Remstädt Schwabhausen Sonneborn Tabarz Tambach-Dietharz Tonna Tröchtelborn Tüttleben Waltershausen Wangenheim Warza Westhausen Wölfis Zimmernsupra Thüringen Erfurt Ilm-Kreis Landkreis Schmalkalden-Meiningen Wartburgkreis Eisenach Unstrut-Hainich-Kreis Landkreis SömmerdaKarte
Über dieses Bild

Georgenthal ist eine Gemeinde im Süden des thüringischen Landkreises Gotha und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Apfelstädtaue.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Tal der Apfelstädt im Thüringer Wald, unweit des Rennsteigs.

Geschichte[Bearbeiten]

Dorfkirche St. Elisabeth

Die älteste Besiedlung Georgenthals geht wohl auf die Siedlungen Asolveroth und Rekkers (Gut Rathkersdorf) in der frühen Rodeperiode zurück. 1143 wurde dann das Kloster St. Georg, ein Zisterzienserkloster, durch die Grafen von Schwarzburg-Käfernburg gegründet. Auf dieses Kloster nehmen die Namen Vallis St. Georgii und Monte St. Georgii Bezug, unter denen der Ort im 12. Jahrhundert erwähnt wurde. 1347 ist dann von Jurginthal die Rede. Das Kloster St. Georg besaß im Jahr 1335 knapp 11.000 Hektar Land mit zwölf Dörfern und hatte eine bedeutende Pferdezucht. Das Kloster wurde im Bauernkrieg in der Osternacht 1525 von einem aufständischen Bauernheer geplündert. 1531 wurde der Klosterbesitz durch Kurfürst Johann von Sachsen eingezogen. Das ehemalige Kloster und seine zwölf Dörfer bildeten künftig das Amt Georgenthal. Ab 1600 erfolgte der Umbau eines der Klostergebäude zu einer Sommerresidenz, dem „Schloss Georgenthal“. Gestaltet und genutzt wurde sie unter anderem durch Herzog Ernst den Frommen von Gotha. 1792 bis 1794 gründete und betrieb Dr. Samuel Hahnemann hier die erste deutsche homöopathische Anstalt für psychisch Kranke. Der Ort entwickelte sich dann gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum beliebten Ausflugs- und Urlaubsziel.

Von 1646 bis 1711 zählen die Akten des Amtes Georgenthal 71 Hexenverfolgungen auf. Allein 1674 fanden unter Amtmann und Hexenjäger Benedikt Leo 13 Hexenprozesse statt. Bis auf ganz geringe Ausnahmen wurden die Angeklagten dem Verbrennungstod überantwortet. Einige Frauen starben an den Folgen der Tortur. Die sechzigjährige Martha Lanz wurde am 4. Juni 1674 auf dem Scheiterhaufen auf dem Hirzberg verbrannt. Die 35-jährige Witwe des Köhlers Lorenz Ortlepp aus Catterfeld gestand in der Folter nicht und wurde freigesprochen.[2]

Für viele Jahre war Georgenthal, das heute nur noch einen Durchgangsbahnhof besitzt, ein Eisenbahnknotenpunkt. Zunächst erreichte 1876 die Ohrabahn den Ort. 1896 wurde die Eisenbahnstrecke von Friedrichroda nach Georgenthal eröffnet, die jedoch 1947 als Reparationsleistung für die Sowjetunion ab Friedrichroda wieder stillgelegt und abgebaut wurde. 1892 wurde die Bahnstrecke Georgenthal–Tambach-Dietharz eröffnet. Auf dieser Verbindung wurde 1969 der Personenverkehr eingestellt, jedoch die Infrastruktur für den Güterverkehr saniert. Aufgrund des schlechten Streckenzustandes stellte DB Cargo den Güterverkehr Ende 1995 endgültig ein. Die Strecke wurde bis auf ein kurzes Reststück Georgenthal – Georgenthal Ort, das einem Museumsbetrieb dienen soll, im Jahr 2010 demontiert. Am 11. Dezember 2011 wurde wegen der sinkenden Fahrgastzahlen auch auf der Ohratalbahn der Personenverkehr eingestellt.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten über 100 Frauen und Männer im Kurhaus, in Hotels, in Sägewerken und in der Bahnmeisterei Zwangsarbeit leisten. Im April 1945 weigerte sich der Wehrmachtsoffizier Otto Fabian, den Volkssturm zum aussichtslosen Kampf gegen die vorgerückten amerikanischen Truppen zu führen, worauf er von der SS erschossen wurde. Der Platz vor dem Bahnhof Georgenthal Ort wurde in Otto-Fabian-Platz benannt und 1979 mit einem Gedenkstein versehen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. April 1999 wurde Nauendorf eingemeindet.[3]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die vergangenen Kommunalwahlen seit 1994 führten zu folgenden Ergebnissen:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2009
[4]
Sitze
2009
[4]
%
2004
[5]
Sitze
2004
[5]
%
1999
[6]
Sitze
1999
[6]
%
1994
[7]
Sitze
1994
[7]
 %
30
20
10
0
28,0 %
27,2 %
16,3 %
16,3 %
12,2 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-5,0 %p
-8,6 %p
+5,0 %p
+6,3 %p
+2,2 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
e 2004: PDS
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 28,0 4 33,0 5 24,3 4 24,3 3
FDP Freie Demokratische Partei 27,2 4 35,8 5 40,5 6 27,2 4
FWG Freie Wählergemeinschaft Georgenthal e. V. 16,3 2 11,3 2 10,7 2 19,3 3
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 16,3 2 10,0 1 16,5 3 29,1 4
LINKE (bis 2004: PDS) Die Linke (bis 2004: Partei des Demokratischen Sozialismus) 12,2 2 10,0 1 7,9 1
gesamt 100,0 14 100,0 14 100,0 16 100,0 14
Wahlbeteiligung in % 54,6 53,5 69,7 74,8

Wappen[Bearbeiten]

Wappen von Georgenthal

Die Blasonierung für das Georgenthaler Wappen lautet: „In Gold ein auf einen schwarzen Pferd mit silbernem Zaumzeug und Sattel sitzende Ritter in roter Rüstung; mit der Linken die Zügel haltend, mit der Rechten eine rotgestielte Lanze mit silberner Spitze auf einen grünen Drachen zu seinen Füßen stoßend, begleitet rechts oben von einer silbernen, grün bordierten sechsblättrigen Rosette.“

Wappen von Nauendorf

Blasonierung für das Wappen des Ortsteils Nauendorf: „In Rot ein breiter silberner Wappenpfahl, darin auf grünem Hügel ein stehender, nach rechts sehender schwarzer Hahn mit rotem Kamm, roten Halslappen und Füßen.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Eisengussglocken im Kirchhof von St. Elisabeth
  • Kirche St. Elisabeth: 1257 wurde die Kirche in einem Ablassbrief des Bischofs zu Hebron im damaligen Palästina an den Abt Bartholomäus von Georgenthal erstmals erwähnt. Vermutlich wurde die später mehrfach umgestaltete Kirche bereits Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet. Während des Bauernkrieges wurde ein Großteil der Gebäude des Klosters Georgenthal 1525 zerstört. Die romanische Klosterkirche wurde zum Steinbruch und weitgehend abgetragen. Die heutige Kirche, die seinerzeit als Kapelle (Laienkirche) für die Klosterbediensteten und Bauern aus den umliegenden Klosterdörfern diente, entging den Zerstörungen. 1604 wurde die Kirche modernisiert, die Georgenthaler waren allerdings noch über 100 Jahre nach Gräfenhain eingepfarrt. Von 1640 bis 1675 diente St. Elisabeth als Residenzkirche. 1718 erhielt die Kirche mit Tobias Merbach den ersten eigenen Pfarrer, der allerdings in Ermangelung eines Pfarrhauses bis 1725 im Schloss wohnte. Das instandgesetzte Schloss war bis 1675 als Sommerresidenz von Herzog Ernst dem Frommen. Er besuchte die Kirche durch einen nicht mehr sichtbaren überdachten Gang, um in die Fürstenloge zu gelangen, die heute auch nicht mehr zu sehen ist.
    Erst 1767 wurde die erste Orgel beschafft, sie stammte von der Schlosskapelle zu Reinhardsbrunn. 1894 lieferte die Orgelbauerwerkstatt Hugo Böhm aus Gotha eine neue Orgel. 1786/87 erhielt die Kirche den charakteristischen, 15 m hohen Dachreiter zur Aufnahme der Kirchenglocken. Besondere Kostbarkeiten stellen die um die Jahrhundertwende eingebauten farbigen Schlenkschen[8][9] Fenster mit Motiven aus der Georgenthaler Geschichte dar, die nach Entwürfen des Georgenthaler Pfarrers und Forschers der Klosterruine Paul Baethcke (1850–1936) bei Wilhelm Francke in Naumburg entstanden. Die Fenster zeigen Graf Sizzo III. von Käfernburg, den Klosterstifter, den Gründungsabt Graf Eberhard von Berg, Martin Luther und Herzog Ernst den Frommen.
    Vor der Kirche steht ein Gestühl mit drei Eisengussglocken, die 1924 als Nachfolgerinnen der für den Ersten Weltkrieg eingeschmolzenen Bronzeglocken ihrer Bestimmung übergeben wurden. Ihre Stilllegung wegen Materialverschleißes erfolgte 2004, 2008 wurden sie zur Erinnerung in diesem Gestühl aufgestellt, nachdem im Jahre zuvor die Kirche die drei Glocken „Glaube“, „Hoffnung“ und „Liebe“ im Kirchturm ihren Einbau erlebten.[10][8]
    Die Kirchgemeinde gehört zum Kirchspiel Tambach-Dietharz.
  • Klosterhof und Kornhaus mit Steinrosette aus der Klosterzeit
  • ehemalige Sommerresidenz „Schloss Georgenthal
  • Romanische Klosterruine des Klosters Georgenthal
  • Hexenturm, Gefängnis während der Hexenprozesse zwischen 1646 und 1711
  • Naturnah angelegter Kurpark, früher Klostergarten
  • Lohmühle und Lohmühlenmuseum
  • Saurierfundstätte Bromacker, Saurier-Erlebnispfad (Eröffnung im September 2011)[11]
  • Standort des größten Kaminzuggrills der Welt (Maße der Grillfläche zirka 2 x 2 Meter; mit Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde) der Firma THÜROS

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Stiehler: Kloster und Ort Georgenthal. Ein Streifzug durch die einzelnen Zeiten. Zweiter Teil: Der Ort samt seiner Umgebung von seinem ersten Anfang bis zu seinem gegenwärtigen Ausbau. Glaeser, Gotha 1893 (Digitalisat) (Reprint Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2002, ISBN 978-3-936030-78-5)
  • Wolfgang Steguweit: Der Brakteatenfund Georgenthal von 1980. In: Alt-Thüringen 18. 1983, S.176–181.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Quelle für den Ort Georgenthal mit dem Ortsteil Nauendorf: Hier gerieten 1554-1689 17 Frauen und drei Männer in Hexenprozesse. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 236f.
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  4. a b Ergebnis der Kommunalwahl 2009
  5. a b Ergebnis der Kommunalwahl 2004
  6. a b Ergebnis der Kommunalwahl 1999
  7. a b Ergebnis der Kommunalwahl 1994
  8. a b Ellrich/Heinke/Hoerenz: Zwischen Hörsel und Wilder Gera, Wartburg Verlag Weimar, 2005, ISBN 3-86160-167-2
  9. Die Schlenks hatten bis 1892/1893 den aus dem einstigen Klosterhospiz des Zisterzienserklosters entstandenen Gasthof in der Ortsmitte inne. Es war 1528 gegründet worden und galt als das älteste Gasthaus Thüringens
  10. Infotafel an der Kirche
  11. Saurierpfad im Thüringer Wald eröffnet, MDR Thüringen, abgerufen am 21. September 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Georgenthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien