Tambach-Dietharz

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Tambach-Dietharz
Tambach-Dietharz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Tambach-Dietharz hervorgehoben
50.78972222222210.616666666667450Koordinaten: 50° 47′ N, 10° 37′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Gotha
Höhe: 450 m ü. NHN
Fläche: 41,54 km²
Einwohner: 4220 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 102 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99897
Vorwahl: 036252
Kfz-Kennzeichen: GTH
Gemeindeschlüssel: 16 0 67 065
Adresse der
Stadtverwaltung:
Burgstallstraße 31a
99897 Tambach-Dietharz
Webpräsenz: www.tambach-dietharz.de
Bürgermeister: Marco Schütz (Freie Wähler/CDU)
Lage der Stadt Tambach-Dietharz im Landkreis Gotha
Ballstädt Bienstädt Brüheim Bufleben Crawinkel Dachwig Döllstädt Drei Gleichen Emleben Waltershausen Eschenbergen Friedrichroda Friedrichswerth Friemar Georgenthal Gierstädt Goldbach Gotha Gräfenhain Großfahner Günthersleben-Wechmar Haina Herrenhof Hochheim Hohenkirchen Hörsel (Gemeinde) Leinatal Luisenthal Molschleben Nesse-Apfelstädt Nottleben Ohrdruf Petriroda Pferdingsleben Remstädt Schwabhausen Sonneborn Tabarz Tambach-Dietharz Tonna Tröchtelborn Tüttleben Waltershausen Wangenheim Warza Westhausen Wölfis Zimmernsupra Thüringen Erfurt Ilm-Kreis Landkreis Schmalkalden-Meiningen Wartburgkreis Eisenach Unstrut-Hainich-Kreis Landkreis SömmerdaKarte
Über dieses Bild
Altes Rathaus von 1919
Altes Postamt von 1888
Blick entlang der Hauptstraße zur Lutherkirche
Lutherkirche und Heimatmuseum

Tambach-Dietharz ist eine Landstadt im Landkreis Gotha in Thüringen (Deutschland) mit etwa 4000 Einwohnern. Sie liegt am Nordhang des Thüringer Waldes.

Lage[Bearbeiten]

Tambach-Dietharz liegt an der Nordabdachung des Thüringer Waldes westlich von Ohrdruf. Die Stadt liegt auf einer höheren Rodungsinsel an der Landesstrasse 1628, die hinab in das nördliche Vorland des Thüringer Waldes führt.

Geschichte[Bearbeiten]

Tambach[Bearbeiten]

Das 1. Mal erwähnt wurde der Ort 1039 als Dambahc. Bereits im 10. und 11. Jahrhundert führte vermutlich eine Handels- und Heerstraße durch die Tambacher Mulde über den Kamm des Thüringer Waldes (Frankenstic, der heutige Rennsteig) nach Franken mit Anbindung an das süddeutsche Straßennetz. Die strata magna und die communis strata hatten ihre Blütezeit im 14./15. Jahrhundert.

Tambach ist seit 1251 urkundlich bezeugt. Das Castrum Walinvels (Burg Waldenfels), auf dem Altenfels am Ende des Schmalwassergrundes (heute Talsperre Schmalwasser) gelegen, könnte eine Zoll- und Geleitstelle gewesen sein. Einer der Vögte zu Waldenfels war um 1265 Eckehard, Ritter von Hochheim, der Vater des berühmt gewordenen Philosophen und Theologen Meister Eckhart, der um 1260 geboren wurde, wobei als Geburtsort diese Burg in Betracht kommen kann. 1293 überließen die Herren von Meldingen das Dorf dem Kloster Georgenthal. Nach dessen Auflösung gehörte der Ort ab 1531 zum Amt Georgenthal, welches seit 1640 zum Herzogtum Sachsen-Gotha gehörte.

Tambach war 1673-1676 von Hexenverfolgung betroffen. Vier Frauen gerieten in Hexenprozesse. Die 50-jährige Magdalena Aahl, „Köhlerin“ genannt, wurde 1676 enthauptet.[2]

Dietharz[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Dietharz datiert in das Jahr 1246 als Ditteritz. 1293 wurde er mit Dietharz und der Burg Waldenfels dem Kloster Georgenthal überlassen. Nach dessen Auflösung gehörte der Ort ab 1531 zum Amt Georgenthal, welches seit 1640 zum Herzogtum Sachsen-Gotha gehörte.

Dietharz war 1674 von Hexenverfolgung betroffen. Die 80-jährige Ursula, Witwe von Hans Pfeiffer, geriet wegen Anhexens von Läusen in einen Hexenprozess und wurde verbrannt.[3]

Als Anfang des 17. Jahrhunderts ein großer Teil des Ortes (vermutlich infolge Kriegswirren) verwüstet war, wurde 1691 in Weimar eine Verordnung erlassen, die den Bürgern zusprach, dass jede Spanne Bauholz aus den herrschaftlichen Waldungen für 6 Pf. Waldmiethe abgeliefert werden sollte, damit das Dorf wieder aufgebaut werden könnte.[4]

Zusammenlegung[Bearbeiten]

Tambach schloss sich 1919 mit dem benachbarten Ort Dietharz zu Tambach-Dietharz zusammen. Die Gemeinde erhielt 1925 das Stadtrecht.

Luther und der Ort[Bearbeiten]

Die alte Straße zwischen Schmalkalden und Tambach-Dietharz erlangte auch Berühmtheit durch Martin Luther. Dieser war auf dem Konvent in Schmalkalden, auf dem die Schmalkaldischen Artikel im Februar 1537 unterzeichnet wurden, an einem Blasen- oder Nierenleiden schwer erkrankt. Er trat die Heimreise nach Wittenberg über Tambach-Dietharz an. Hier wurde er, nachdem er vom Wasser des heutigen Lutherbrunnens getrunken hatte, von seinen Leiden erlöst und er schrieb an seinen Freund Melanchthon „… aus Tambach, dem Orte, da ich gesegnet wurde, denn hier ist mein Phanuel, an dem mir Gott erschienen ist.“ Dies war der Anlass, im Jahre 1717 zum Reformationsjubiläum im Tammichgrund einen Brunnen als Lutherbrunnen (aus diesem soll das Wasser entnommen worden sein) zu bezeichnen. Welchen Weg der kleine Reisezug von Schmalkalden über den Rennsteig nach Tambach genommen hat, lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei ermitteln. Der Weg von der „Alten Ausspanne“ in Richtung Nesselhof – als Lutherweg gekennzeichnet – ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der Weg, den Martin Luther und seine Reisebegleiter 1537 vom Nesselhof aus in Richtung Tambach genommen haben. Er ist für Pferdefuhrwerke im Winter viel zu steil und wurde sicher in dieser Zeit selten – wenn überhaupt – zur Überquerung des Rennsteiges benutzt. Die Überlieferung, dass die Reisegruppe am Rennsteigstein R 57 in der Nähe des heutigen Parkplatzes an der „Neuen Ausspanne“ den Rennsteig überquerte, scheint schon eher realistisch zu sein. Am Rennsteigstein R 57 stand zu Luthers Zeiten die mächtige „Diebesbuche“ als Hoheitszeichen zwischen Sachsen und Hessen. Der Überlieferung zufolge wurde dieser Stein auch als „Gerichts-Stein“ bezeichnet, denn hier soll der Austausch von Delinquenten aus Sachsen nach Hessen und umgekehrt stattgefunden haben.

Weitere Geschichte[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs mussten 307 Frauen und Männer vorwiegend aus der Sowjetunion bei der Firma Hopf und der Firma Fritz Braun Zwangsarbeit leisten.[5]

Zu DDR-Zeiten wurde am Hubenstein ein Ferienlager (am Mittelwasser, Spittergrund) errichtet, das später durch Brand zerstört wurde.[6]

Im Rahmen der Energiewende gibt es Planungen der Thüringer Landesregierung, oberhalb von Tambach-Dietharz ein Pumpspeicherkraftwerk, vorrangig zur Speicherung von Strom aus Windkraftanlagen zu errichten. Vor Ort gibt es Widerstand dagegen.[7]

Bahnstrecke[Bearbeiten]

Am 19. Dezember 1892 erhielt Tambach-Dietharz mit der Stichstrecke von Georgenthal den lang ersehnten Bahnanschluss. Am 1. September 1969 wurde der Personenverkehr jedoch wieder eingestellt, die Infrastruktur allerdings für den verbleibenden Güterverkehr, der bis 1995 anhielt, saniert.

Aufgrund des schlechten Streckenzustands verließen die letzten Güterwagen am 27. Dezember 1995 Tambach-Dietharz. Die Strecke wurde seitdem nicht mehr unterhalten und verfiel. Langjährige Bemühungen um den Erhalt der Strecke und ein Aufblühen als Museumsbahn scheiterten aus verschiedenen Gründen. Bis auf ein kurzes Reststück Georgenthal – Georgenthal Ort, wo es noch einen Museumsbetrieb geben soll, ist die ehemals 6,2 Kilometer lange Strecke mittlerweile abgebaut und zu einem Radweg umgebaut worden.

Kommunalwahl 2009[8]
Wahlbeteiligung: 62,3 %
 %
30
20
10
0
28,8 %
21,0 %
18,5 %
12,8 %
7,5 %
7,0 %
4,5 %

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 führte bei einer Wahlbeteiligung von 62,3 % zu folgendem Ergebnis:[9]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
CDU 12,8 % 2
Die Linke 07,5 % 1
SPD 18,5 % 3
BI/SG 04,5 % 1
Freie Wähler T-D 28,8 % 5
Pro T-D 07,0 % 1
FDP 21,0 % 3

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Geteilt von Grün und Silber, oben eine silberne Holzfälleraxt, belegt mit (schräggekreuzten) silbernen Schlägel und Eisen, unten auf grünem Boden drei grüne Tannen.

Der Auftrag für ein neues Stadtwappen erging 1925. Die Holzfälleraxt und die Bergeisen erinnern an Forstwirtschaft und Holzverarbeitung sowie an das Steinbrechergewerbe in Tambach. Die drei Tannen entstammen dem alten Gemeindesiegel von Dietharz.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Antikes Haus, Hauptstraße 88
(2012, als Disco genutzt)
  • Die evangelisch-lutherische Bergkirche in Dietharz: Bereits 1040 existierte eine Kirche. Ein Neubau wurde durch das Wachsen der Kirchgemeinde 1570 nötig. Dieser fiel dem Dreißigjährigen Krieg zum Opfer. Die alte Kirche wurde 1708 durch einen Neubau ersetzt, der im gleichen Jahr vollendet werden konnte, hierbei konnten die erhaltenen Außenmauern des Vorgängerbaues mit einbezogen werden. Die Grundsteinlegung fand am 20. April 1708 statt. Nur der Taufstein von 1560 und der Mittelschrein eines nach 1500 entstandenen Flügelaltars (Beweinung Christi) erinnern an die alte Ausstattung, nachdem auch ein neuer Altar samt Kanzelpult eingebaut wurde. Bei der Grundsteinlegung wurden 36 (!) Steine gesetzt, angefangen vom Pfarrer, dem Herzog und seiner Familie, Bürgermeister, Kirchenältester, Gemeindevormund und anderen. Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche durch Artilleriebeschuss sehr beschädigt. Von der ursprünglichen Doppelempore blieb nur die Orgelempore erhalten, Dach und Turm wurden erneuert und ein beheizbarer Gemeinderaum unter der Empore eingebaut. Am 15. September 1968 konnte das renovierte und restaurierte Gotteshaus wieder seiner Bestimmung übergeben werden.[10]
    Die Kirche trägt auf den vom Vorgängerbau erhaltenen Mauern ein schiefergedecktes Krüppelwalmdach mit einem verschieferten Dachreiter über dem Westgiebel, der von einer Kuppel mit Laterne, Turmkugel und Wetterfahne gekrönt wird. Das Innere wird durch jeweils drei hohe Fenster an der Nord- und Südseite sowie zwei Fenster an der Ostseite beleuchtet. Der verwaiste und vermutlich entwidmete Friedhof birgt nur noch einen Grabstein des Mühlenbesitzers Robert Raab (1855–1941) und seiner Frau Emma (1862–1920). Die Orgel unbekannten Alters stammt aus Niederndorf und wurde 1968 vom Orgelbauer Schmeißer aus Rochlitz eingebaut. Dietharz bildet mit Tambach und Georgenthal das Kirchspiel Tambach-Dietharz.[11]
  • Die evangelisch-lutherische Lutherkirche in Tambach: Diese Kirche von 1350 wurde Ende Februar 1537 von Luther aufgesucht, als er auf dem Rückweg von Schmalkalden eine Rastpause im Ort hatte. Ein medizinische Behandlung im Ort soll ihm Linderung verschafft haben: schmerzhafte Harnsteine, die ihm schon auf der Reise nach Schmalkalden zur Unterzeichnung der Schmalkaldischen Artikel zu schaffen machten, gingen nach einem Fußbad ab. Die Kirche wurde 1684 und 1842 durch Brände beschädigt, einzig die massiven Mauern des Kirchenschiffes und der untere Teil des Turms blieben bis heute erhalten. Das Zimmer im Erdgeschoss des Turms hat ein Kreuzgratgewölbe. Die heutige Kirche wurde 1844 geweiht. Der Turm ist von 1861. Er musste allerdings 1883 wegen der Aufhängung schwererer Glocken erneut umgebaut werden. Nach Beschädigungen Ende 1945 wurde die Kirche vom Schwamm befallen. 1972 bis 1976 entstand im Erdgeschoss ein Gemeindezentrum mit Gemeinderäumen und darüber der neue Kirchensaal (ähnlich wie in Herrenhof). Die 1919 von Karl Barth in den Gemeinderäumen der Tambacher Kirche gehaltene „Tambacher Rede“ war ein Anstoß für die theologische Neubesinnung in der Protestantischen Kirche Thüringens. Einer der Räume im Gemeindezentrum ist nach Barth benannt, andere Räume tragen die Namen von Luther, Bonifatius und Meister Eckhart.[11]

Kultur[Bearbeiten]

Tambach-Dietharz ist die Heimat der Dark-Metal-Band Eisregen sowie des Nebenprojektes des Sängers und des Gitarristen, der Death-Metal-Band Eisblut. Auch die Tochterband Transilvanian Beat Club, mit der ehemaligen Geigerin und dem Schlagzeuger von Eisregen, kommt aus Tambach-Dietharz. Ebenfalls Ewigheim mit Yantit, dem Schlagzeuger von Eisregen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Erich Recknagel, Skispringer, Teilnehmer an den Olympischen Winterspielen 1928, lebte in Tambach-Dietharz
  • Egon Schnabel, Biathlet, Teilnehmer an den Olympischen Winterspielen 1964, mehrfacher DDR-Meister im Biathlon, lebt in Tambach-Dietharz
  • Holger Wick (* 1962), Biathlet

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Ender: Tambach-Dietharz in alten Ansichten. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2003, ISBN 3-937135-11-1.
  • Tambach-Dietharz. Eine Kulturgeschichte über 750 Jahre. Hrsg. Stadt Tambach-Dietharz in Zusammenarbeit mit dem Geschichts- und Heimatverein Meister Eckhart e. V., Tambach-Dietharz 2004.
  • Dieter Schnabel: Dr. Martin Luther – Stationen in Gotha und Umgebung. Gotha 1998.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 236f.
  3. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 236f.
  4. Galetti: Geschichte und Beschreibung des Herzogthums Gotha. Band 3. S. 250/251.
  5. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. (=Heimatgeschichtliche Wegweiser. Band 8). Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 102.
  6. Facebook-Eintrag
  7. Gerlinde Sommer:Viele hier haben einfach Angst. In Tambach-Dietharz rumort es wegen des geplanten Pumpspeicherkraftwerks. Thüringische Landeszeitung, 30. Januar 2013
  8. Thüringer Landesamt für Statistik
  9. Thüringer Landesamt für Statistik
  10. Evangelisch-Lutherischer Kirchenkreis Waltershausen-Ohrdruf
  11. a b Ellrich/Heinze/Hoerenz: Zwischen Hörsel und Wilder Gera, Weimar 2005, ISBN 3-86160-167-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tambach-Dietharz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien