Gronau (Westf.)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gronau (Westf.)
Gronau (Westf.)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gronau (Westf.) hervorgehoben
52.21257.041666666666727Koordinaten: 52° 13′ N, 7° 3′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Münster
Kreis: Borken
Höhe: 27 m ü. NHN
Fläche: 78,82 km²
Einwohner: 45.590 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 578 Einwohner je km²
Postleitzahl: 48599
Vorwahlen: 02562 (Gronau), 02565 (Epe)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: BOR, AH, BOH
Gemeindeschlüssel: 05 5 54 020
Stadtgliederung: 2 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Konrad-Adenauer-Str. 1
48599 Gronau
Webpräsenz: www.gronau.de
Bürgermeisterin: Sonja Jürgens (SPD)
Lage der Stadt Gronau (Westf.) im Kreis Borken
Kreis Borken Nordrhein-Westfalen Kreis Kleve Kreis Wesel Kreis Coesfeld Kreis Coesfeld Niedersachsen Kreis Steinfurt Niederlande Raesfeld Heiden Rhede Bocholt Borken Reken Velen Stadtlohn Heek Ahaus Gescher Legden Schöppingen Gronau Vreden Südlohn IsselburgKarte
Über dieses Bild

Die Stadt Gronau (Westf.) liegt im westlichen Münsterland im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen. Sie ist eine mittlere kreisangehörige Stadt und zweitgrößte des Kreises Borken im Regierungsbezirk Münster.

Geographie[Bearbeiten]

Gronau liegt in der Dinkel-Niederung. Die Dinkel fließt von Süd nach Nord durch das gesamte Stadtgebiet. Nordöstlich von Gronau liegt das Gildehauser Venn, ein Moor- und Heidegebiet. Das Kerngebiet des Gildehauser Venns ist heute Naturschutzgebiet. Der Südteil des Gildehauser Venns (Gronauer Stadtgebiet) wird Rüenberger Venn genannt.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

  • Stadtteil Gronau
  • Stadtteil Epe

Historische Gliederung Gronau

  • Innenstadt
  • Tiekerhook (Nordost)
  • Schöttelkotterhook (Ost)
  • Eßseite (Südost)
  • Buterland (Südwest)
  • Beckerhook (Südwest)
  • Brook (West)
  • Spechtholtshook (Nordwest)

Diese Bezeichnungen sind die Namen der Bauerschaften, die die Stadt Gronau umgeben haben. Sie werden in der amtlichen Statistik nicht mehr verwendet, sind aber im Alltag weiter gebräuchlich.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

In Gronau gibt es vier ehemalige Grenzübergänge in die Niederlande: Grenzübergang Gronau an der Schnellstraße B 54, Glanerbrücke an der ehemaligen B 54 (über Glanerbrug nach Enschede), Losserstraße (über Glane nach Losser) und Tiekerhook (über Overdinkel nach Losser).

Gronau besitzt sowohl eine reine Gemeindegrenze (Süden: Ahaus und Heek) als auch eine Kreisgrenze (Osten: Kreis Steinfurt), eine Landesgrenze (Norden: Niedersachsen) und eine Staatsgrenze (Westen: Niederlande).

Geschichte[Bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten]

Der Name Gronau stammt von Gronauwe (Grüne Aue) und bezieht sich auf den Ursprung als Siedlung am Fluss Dinkel.

Im Jahr 1188 wurde der heutige Gronauer Ortsteil Epe erstmals urkundlich erwähnt, Gronau selbst erst im Jahr 1365.

Evangelische Stadtkirche

Gronau war ursprünglich eine eigenständige Herrschaft. Die Burg Gronau war ein sogenanntes Offenhaus der Fürstbischöfe zu Münster. Im Jahr 1365 belehnte Bischof Florenz von Münster die Edelherren von Steinfurt mit dieser Burg. Im 15. Jahrhundert kam Gronau an einen Zweig des Hauses Bentheim.

Unter Graf Arnold II. von Bentheim-Steinfurt wurde 1544 die Augsburger Konfession eingeführt, Graf Arnold VI. wechselte 1591 die Konfession zum Reformierten Glauben.

Mit dem Erbabfall Gronaus an die Linie Bentheim-Tecklenburg-Rheda 1638 wechselte der Besitzer des Ortes erstmals. In einem 1699 geschlossenen Vergleich zwischen dem Hochstift Münster und den Grafen von Bentheim-Tecklenburg-Steinfurt kam Gronau unter münsterische Landeshoheit. Gut einhundert Jahre später wurde das münsterische Amt Horstmar mit Gronau und Epe im Reichsdeputationshauptschluss (1803) an die Grafen von Salm übereignet, die aus dem Gebiet die Grafschaft Salm-Horstmar errichteten. Im Zusammenhang mit der Gründung des Rheinbundes kam das Gebiet 1806 zum Großherzogtum Berg. Nach der dort im Jahr 1808 eingeführten französischen Verwaltungsstruktur gehörte Gronau zum Departement der Ems und war dem Kanton Ochtrup zugeordnet. Von 1811 bis 1813 gehörte Gronau schließlich direkt zu Frankreich, der Kanton Ochtrup und damit Gronau und Epe gehörten nun zum Département de la Lippe und zum Arrondissement Steinfurt. Nach dem Zusammenbruch des napoleonischen Frankreich wurden Gronau und Epe 1815 preußisch. 1816 wurden Gronau und Epe dem neu gebildeten Kreis Ahaus im Regierungsbezirk Münster der Provinz Westfalen angegliedert.

Die Industrialisierung hielt in Gronau Einzug mit der Gründung des ersten Textilwerks 1854. 21 Jahre später (1875) wurden die Eisenbahnlinien von Gronau nach Münster, Dortmund und Enschede eröffnet.

Mit dem Wachstum der Textilindustrie und der Gründung des Gronauer Bauvereins im Osten der Stadt (1893) begann eine Expansion der Siedlungsfläche. Bis zum Ersten Weltkrieg entstanden in Gronau unter anderem ein neues Rathaus, das Amtsgericht, die Pfarrkirche St. Antonius, Schulen, Krankenhäuser, ein Hallenbad, ein Wasserwerk, ein Elektrizitätswerk und der Stadtpark.

Am 27. Dezember 1897 erhielt Gronau die Stadtrechte.[2]

50-Pf-Notmünze der Stadt Gronau 1919

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden in den Jahren 1918 und 1919 von der Stadt Gronau drei Notmünzen im Wert von 10, 25 und 50 Pfennig herausgegeben.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, auch (Reichs-)Kristallnacht oder Reichspogromnacht genannt, wurde die Synagoge in der Wallstraße geschändet, verbunden mit der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Schließlich wurden allen Juden aus Gronau (Familien Eichberg, Poppert, van Engel, Kauffmann, Lion) in die Vernichtungslager deportiert. Gronau war „judenfrei“.

Mit dem Konkurs des 1854 gegründeten van-Delden-Konzerns 1980/1981 endete die Ära der Textilindustrie in Gronau.[3]

Erdgeschichte[Bearbeiten]

1910 fand man in der damaligen Ziegeleigrube Gerdemann das Skelett eines Plesiosauriers aus der Kreidezeit. Es befindet sich heute im Geologisch-Paläontologischen Museum in Münster.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. April 1898 wurde der Nordteil des Kirchspiels Epe (die Eilermark) nach Gronau eingemeindet.[2]

Am 1. April 1934 wurden die Gemeinden Dorf Epe und Kirchspiel Epe (der verbliebene Südteil) zur Gemeinde „Epe“ zusammengeschlossen.[2]

Am 1. Januar 1975 wurden die Stadt Gronau und die Gemeinde Epe (Westfalen) zusammengeschlossen.[4]

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 42,3 %
 %
50
40
30
20
10
0
43,8 %
30,7 %
6,4 %
4,6 %
4,0 %
4,0 %
3,7 %
2,9 %
Neues Rathaus (Nordostseite)

Stadtrat[Bearbeiten]

Für die Wahlperiode 2014–2020 setzt sich der Stadtrat wie folgt zusammen:[5]

  • CDU 17 Sitze
  • SPD 12 Sitze
  • UWG 3 Sitze
  • FDP 2 Sitze
  • Grün Alternative Liste Gronau 2 Sitze
  • LINKE 2 Sitze
  • Pro! Bürgerschaft 1 Sitz
  • Piratenpartei 1 Sitz

Der neu gewählte Rat der Stadt Gronau trat am 18. Juni 2014 zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Die Zahl der Ratssitze wurde von 42 auf 40 Sitze reduziert, die weg gefallenen Sitze wären entsprechend dem Wahlergebnis zu je einem an die CDU und die SPD gegangen.


Für die Wahlperiode 2009–2014 setzte sich der Stadtrat wie folgt zusammen:

  • CDU 17 Sitze
  • SPD 12* Sitze
  • UWG 4 Sitze
  • FDP 4 Sitze
  • Pro! Bürgerschaft 2 Sitze
  • LINKE 1* Sitz
  • Grün Alternative Liste Gronau 2 Sitze

Der neu gewählte Rat der Stadt Gronau trat am 4. November 2009 zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.

* Zum 26. Januar 2010 verließ ein Ratsmitglied die Fraktion Die Linke und wechselte zur SPD-Fraktion.

[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Im Rahmen der kommunalen Neugliederung wurden die Stadt Gronau und die Gemeinde Epe zum 1. Januar 1975 zu einer neuen Stadt mit dem Namen „Gronau (Westf.)“ zusammengeschlossen.

Nach einer Übergangszeit, in der das Wappen der ehemaligen Stadt Gronau seine Gültigkeit behielt, wurde vom Rat das abgebildete Wappen beschlossen. Es beinhaltet die Symbole der beiden früheren Gemeinden (Schwan, Spule, Ähre) sowie die Farben grün-gelb der ehemaligen Stadt Gronau und eine Farbe (blau) der ehemaligen Gemeinde Epe. Der Schwan deutet auf die frühere territoriale Zugehörigkeit Gronaus zur Herrschaft der Edelherren von Steinfurt hin; der grüne Untergrund soll redender Hinweis auf die Bezeichnung des alten Gronau als „Grüne Aue“ sein. Aus dem ehemaligen Wappen der Gemeinde Epe wurden die Symbole „Ähre“ und „Spule“ übernommen. Während die Spule die enge Verbundenheit beider Gemeinden mit der Textilindustrie andeutet, steht die Ähre symbolisch für die Bedeutung der Landwirtschaft.

Das neue Wappen der Stadt wurde am 8. Januar 1981 durch den Regierungspräsidenten in Münster genehmigt und am 1. Februar 1981 formalrechtlich offiziell eingeführt. Es soll zum Ausdruck bringen, dass die neue Stadt Gronau aus zwei früher selbstständigen Gemeinden entstanden ist.

Heraldische Beschreibung des Wappens (Blasonierung):

„Das Stadtwappen zeigt in Grün einen breiten gelben mit einem schwarz bewehrten blauen Schwan belegten Wellenpfahl, begleitet vorn von einer gelben Spule, hinten von einer gelben Ähre.“

[Bearbeiten]

Der Stadt Gronau ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten Münster vom 8. Oktober 1981 das Recht zur Führung einer Flagge und eines Banners verliehen worden.

Beschreibung des Banners: „Das Banner zeigt die Stadtfarben in zwei Bahnen von Grün und Gelb im Verhältnis 1 : 1 längsgestreift und in der Mitte der oberen Hälfte den Wappenschild.“ Beschreibung der Flagge: „Die Stadtflagge hat die Farben Grün und Gelb im Verhältnis 1 : 1 längsgestreift (gemeint ist quergestreift) und in der Mitte der beiden Bahnen den Wappenschild.“ Es können Stadtfahnen ohne Wappen sowie Wimpel in den Stadtfarben verwendet werden.“[6][7]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

Rock’n’Popmuseum

Gronau kann auf eine respektable Musikgeschichte zurückblicken, die in den 1950er Jahren auch den dort geborenen Udo Lindenberg prägte und letztlich zum Gronauer Rock’n’Popmuseum führte. Charakteristisch an dieser Musikkultur ist die deutsch-niederländische Verbindung. In der Umbruchszeit nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich in Gronau und Enschede eine enge und erfolgreiche deutsch-niederländische Kultur-Kooperation, die sich über Musikvereine, Streichquartette, Salonorchester und Hot-Dance-Kapellen bis hin zu Sinfonieorchestern und einer Operettengesellschaft (Enschedesch Opera en Operette Gezelschap) mit eigenen Uraufführungen steigerte (u. a. Hans-Martin Majewski: Insel der Träume, 1938). Zugleich fand der Jazz ab 1920 begeisterte Anhänger. Die lokale Jazzgeschichte der 1940er und 50er Jahre schrieb sich ab 1988 durch das Jazzfest Gronau auf internationaler Ebene fort. In der Tanzmusikszene der Nachkriegszeit lernte auch Udo Lindenberg sein musikalisches Handwerkszeug. Noch heute bietet Gronau ein breites kulturelles Spektrum und ist wegen der ungewöhnlich dichten Laienmusikvereinslandschaft sogar für wissenschaftliche Untersuchungen interessant.

Die Gronauer Wall ist eine „Hall of Fame“ und erinnert an die lokale deutsch-niederländische Musikszene und die internationalen Musiker, die in Gronau aufgetreten sind.

Festivals[Bearbeiten]

Einmal im Jahr (Ende April) bietet das Jazzfest Gronau internationalen Größen des Jazz eine Plattform.

Zudem findet jedes Jahr im Sommer das Rockfestival „Auf die Ohren“ statt. Zu diesem Anlass kommen jedes Jahr bekannte Musiker nach Gronau.

Bauwerke[Bearbeiten]

Gronauer Wasserturm am Stadtpark
Altmetall Wasserturm

Wahrzeichen der Stadt Gronau ist der alte Wasserturm am Stadtpark. Der Trinkwasserspeicher hat ein Fassungsvermögen von 250 m³. Der Wasserturm wurde nach dem Bau eines neuen Erdspeichers mit 2800 m³ Inhalt (heute 4800 m³) 1965 vom Netz genommen.

Die eindrucksvollen Bauten der Textilindustrie nördlich der Innenstadt sind teilweise als technische Denkmäler restauriert worden.

Vom alten Rathaus ist noch der Rathausturm erhalten geblieben. Im Zuge der Kommunalen Neugliederung entstand ein neues Rathaus (1969–75) in moderner Gestalt nach Plänen des Architekten Harald Deilmann. Als experimentelles "Haus der Bürger" konzipiert, markiert es bis heute einen neuen Mittelpunkt im Stadtbild.[8]

Das Apollo-Theater (Gronau) war ein beliebter Kino-, Theater- und Konzertsaal. In den Jahren 1934–1940 entwickelte er sich zu einer wichtigen deutsch-niederländischen Kulturinstitution. Nach Umbauten und Modernisierungen ist der verkleinerte Saal heute Teil eines Kinocenters in der Mühlenmathe 37.

Sehenswert ist die Morgensternsiedlung im Osten der Stadt, eine gut erhaltene, geschlossene Arbeitersiedlung. Ebenfalls sehenswert sind die alten Arbeitersiedlungen „Klein Marokko“ (Spechtholtshook) und „Klein Russland“ (Brook).

Neuestes Wahrzeichen der Stadt ist die 2003 durch die Landesgartenschau entstandene Bogenbrücke über die Spinnereistraße.

Sehenswert sind auch die denkmalgeschützte Pfarrkirche St. Antonius und die evangelische Stadtkirche.

Museen[Bearbeiten]

rock’n’popmuseum[Bearbeiten]

Rock’n’Popmuseum

Am 21. Juli 2004 wurde das rock’n’popmuseum eröffnet. Es ist bundesweit einzigartig für dieses Genre der Musikgeschichte. Das Museum befindet sich in der ehemaligen Kesselhalle der Firma Mathieu van Delden.

Die Dauerausstellung beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Musikgeschichte des vergangenen Jahrhunderts. Die Chronologie dieser Geschichte ist eingebettet in eine thematische Klammer, die die Black Music und die Elektronische Musik darstellt. Eine Wissensdatenbank erhellt die Hintergründe der Ausstellungsstücke. Hier zeigt sich die jugendkulturelle, musik- und zeitgeschichtliche Dimension und Vernetzung der Exponate unter anderem von Marlene Dietrich, Elvis Presley, den Rolling Stones oder auch Rammstein.

Neben der ständigen Ausstellung präsentiert das Museum Sonderausstellungen, die sich speziellen Themen aus dem vielfältigen Repertoire hundertjähriger Popmusik-Historie widmen. Zur Philosophie des Hauses zählen auch Musikveranstaltungen, museumspädagogische Programme und eine intensive Zusammenarbeit mit Schulen.

Driland-Museum[Bearbeiten]

Alter Rathausturm

Der verbliebene Gebäudeteil des im letzten Krieg zerstörten Rathauses beherbergt das Driland-Museum der Stadt Gronau. Es informiert über lokale und regionale Kultur, textile Vergangenheit, sowie die historische Entwicklung der Stadt. Der Eingang befindet sich in einem Innenhof hinter dem Gronauer Rathausturm in der Bahnhofstraße.

Der Name des Museums beinhaltet den prägenden Faktor dieser Stadt und ihres Umlandes, die historischen und gegenwärtigen grenzüberschreitenden Einflüsse. Gronau war ursprünglich eine von Steinfurter und Bentheimer Grafen regierte, später kulturell und religiös stark von den Niederlanden geprägte Enklave im münsterisch/katholisch verwalteten Kirchspiel Epe. Das 1898 erweiterte Stadtgebiet bildet im Nordwesten den Schnittpunkt zwischen den Niederlanden sowie den Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Das Drilandmuseum bietet den Gronauern und Besuchern dieser Stadt die Gelegenheit, sich mit den Besonderheiten dieser Stadt- und Regionalgeschichte zu beschäftigen.

Zunächst wird die Erdgeschichte des hiesigen Raumes, angefangen von der Kohle- und Salzentstehung bis hin zur paläontologischen Fundstücken vorgestellt. Mittelpunkt dieser Abteilung ist eine Nachbildung des 1910 in Gronau entdeckten Schlangenhalssauriers. Über die frühesten menschlichen Besiedlungsspuren werden die Besucher/innen zu den ersten Anfängen der Entstehung dieser Stadt geleitet. Das Stadtmodell Gronau 1600 veranschaulicht die Entwicklung der Wasserfeste zu einem Zufluchtsort für niederländische Protestanten vor dem Hintergrund der europäischen Religionskriege im 17. Jahrhundert.

Die damals verwurzelten niederländischen Einflüsse auf die Kultur, die Religion und die Wirtschaft dieser Stadt bilden auch den „roten Faden“ durch die weitere Ausstellung. Die industrielle Revolution, deren Anfänge in der Ausstellung dokumentiert sind, wurde unter preußischer Verwaltung durch niederländische Unternehmer geprägt. Die jüngere Geschichte Gronaus wird durch historische Fotografien im ersten Obergeschoss des Museums dargestellt.

Naherholungsgebiete[Bearbeiten]

Stadtpark und Tierpark[Bearbeiten]

Stadtpark (Ententeich, Blick von Norden)

Der Gronauer Stadtpark (mit Tierpark) am Dinkelufer wurde noch vor dem Ersten Weltkrieg angelegt.[9] Außerdem gibt es im Stadtteil Epe einen Park. Dieser wurde 1926 im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen errichtet. In ihm sind ein großer Ententeich, zwei Spielplätze (einer davon mit Skateboardbahn und Schlittenhügel) und ein Rosengarten zu finden.[10]

Drilandsee[Bearbeiten]

Blick auf den Badestrand des Drilandsees

Am „Dreiländereck“ Nordrhein-Westfalen/Niedersachsen/Niederlande, in der Nähe des Ortsteils „Driland“, liegt der in den 1970er Jahren künstlich errichtete Drilandsee. Der See ist als Badesee und für Spaziergänger sowie Jogger interessant. Eine Runde um den See beträgt ca. 3300 Meter. Darüber hinaus gibt es weitere Freizeitangebote, wie z. B. eine Minigolfanlage und einen Tretbootverleih.

Ergänzt wird das Angebot durch einen Campingplatz, der auch ganzjährig Blockhäuser bereithält.[11]

Landesgartenschau[Bearbeiten]

2003 fand in Gronau und in der Nachbargemeinde Losser (Niederlande) eine grenzüberschreitende Landesgartenschau statt. Im Rahmen der Landesgartenschau wurden am Ufer der Dinkel in Epe, Gronau, Glane, Overdinkel und Losser 13 Skulpturen, Dinkelsteine genannt, aufgestellt.[12]

Sport[Bearbeiten]

Gronau beherbergt derzeit vier Fußballvereine. Vorwärts Epe 1923 schaffte in der Saison 2013/14 den fünften Tabellenplatz in der Bezirksliga-Staffel 11. Dem FC Epe 1912 gelang in dieser Saison als Meister der Kreisliga A ebenfalls der Aufstieg in die Bezirksliga. Fortuna Gronau 09/54 stieg hingegen aus dieser Bezirksliga ab und spielt 2014/15 wieder in der Kreisliga A Ahaus. Der zweite Gronauer Verein, die SG Gronau 09/21, spielt in der Kreisliga B. Fortuna Gronau 09/54 entstand Mitte 2011 aus einer Fusion von DJK Arminia Gronau 1954 und der Fußballabteilung des SV Vorwärts 09.

Handball in Gronau wird beim SV Vorwärts Gronau 09 e.V. seit 1928 gespielt. Zwischenzeitlich gab es mit dem HSC Gronau ab 2002 bis zur Auflösung zum Saisonende 2013 einen zweiten Handballverein. Die Handballdamen von Vorwärts Gronau wurden 1936/37 Westfalenmeister sowie Dritte der Deutschen Meisterschaft. Die erste Herrenmannschaft von Vorwärts Gronau blieb als Kreisligist in der Saison 2012/13 des Spielkreises Euregio-Münsterland (früher Spielkreis Steinfurt) ohne jeden Punktverlust und stieg in die Bezirksliga auf.

Seit 1968 besteht bei Vorwärts eine erfolgreiche Badmintonabteilung. U. a. wurde Christina Tampier 1975 Deutsche Meisterin im Mädcheneinzel.

Weiterhin bietet der SV Vorwärts Gronau seit 40 Jahren Basketball als Sportart an. Die Teams spielen seit Jahren im Basketballkreis Münster mit wechselndem Erfolg. In der Saison 2011/2012 treten fünf Jugendmannschaften und eine Herrenseniorenmannschaft an, um Meisterschaftsehren zu erlangen. Nach Jahren der Wanderungen durch die Gronauer Sporthallen hofft man nun in der Sporthalle an der Eilermarkschule eine neue Heimat gefunden zu haben.

Der erfolgreichste Sportverein der jüngeren Vergangenheit ist jedoch der Schwimmverein Gronau von 1910. Die Damen-Wasserball-Mannschaft spielte seit 1998 in der ersten Bundesliga und wurde zweimal Meister, zog sich aber zur Saison 2007/08 aus der Bundesliga zurück[13] und spielt nun in der Oberliga[14].

In Gronau wird auch seit 1932 Tischtennis beim TTC Gronau 1932 e. V. gespielt. Ein Höhepunkt des Vereinslebens in den letzten Jahren war der Showkampf zwischen Jörg Roßkopf und Timo Boll, der am 30. April 2007 für einen guten Zweck anlässlich des 75–jährigen Bestehens des Vereins ausgetragen wurde.

Gronau ist offizieller Sitz des im niedersächsischen Nordhorn spielenden Eishockey-Vereins ECE Nordhorn/Gronau, um diesem die Teilnahme am Spielbetrieb des Landeseissportverbandes Nordrhein-Westfalen zu ermöglichen. Derzeit spielen die „Bullydogs“ in der Verbandsliga NRW.

Seit 1985 sind auch die Bogenschützen Gronau e. V. erfolgreich aktiv.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Gronau ist der Sitz des deutsch-niederländischen Kommunalverbands EUREGIO.

Verkehr[Bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Gronau ist über die Bundesautobahnen A 30 (Amsterdam–Bad Oeynhausen), A 31 (Bottrop–Leer–Emden) sowie die niederländische A 35 und über die Bundesstraßen B 54 (Gronau–Siegen–Wiesbaden) und B 474 zu erreichen.

Bahn- und Busverkehr[Bearbeiten]

Empfangsgebäude Bahnhof Gronau (Westf)

Der Bahnhof Gronau wird stündlich von den Regionalbahn-Linien RB 64Euregio-Bahn“ Enschede–Münster (DB) und RB 51Westmünsterland-Bahn“ Enschede–Dortmund (DB) bedient.

Der innerstädtische Busverkehr wird von einem Stadtbus-System mit fünf Linien erschlossen. Zwei Linien davon sind Anruflinien („TaxiBus“). Regionalbusse fahren u. a. nach Ahaus, Coesfeld, Rheine, Borken, Bad Bentheim und Nordhorn.

Gronau gehört zur Verkehrsgemeinschaft Münsterland (VGM).

Flugverkehr[Bearbeiten]

Die nächsten Flughäfen sind der Flughafen Münster-Osnabrück in Greven und der Flughafen Enschede in Enschede.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Post: Zur Entwicklung des Postwesens in Gronau, Epe und Bauverein siehe Postgeschichte von Steinfurt.

Im September 1901 wurde die Volksbank Gronau auf Initiative des Handwerkervereins von 40 Gründungsmitgliedern gegründet. Nach dem Zusammenschluss mit der Volksbank Ahaus im Jahre 1998 heißt sie nun Volksbank Gronau-Ahaus.

Seit dem 28. Januar 1950 ist in Gronau die Verwaltung und das Zentrallager der Firma K+K Klaas & Kock beheimatet. Die Firma betreibt unter dem Namen K+K – Klaas und Kock über 210 Supermärkte und Verbrauchermärkte in Westfalen und im westlichen Niedersachsen. Klaas+Kock gehört zu den 100 größten Handelsunternehmen in Deutschland.

Der 1946 gegründete Textileinzelhändler Engbers hat seinen Firmensitz in Gronau und betreibt 280 Filialen in Deutschland und Österreich mit über 1500 Mitarbeitern.

Urananreicherung[Bearbeiten]

Gronau ist seit 1985 Standort der einzigen Urananreicherungsanlage Deutschlands, der Urananreicherungsanlage Gronau. Sie wurde zunächst für eine Kapazität von 1000 Tonnen Urantrennarbeit gebaut, seit 1998 wurde ihre Kapazität auf 1800 Tonnen erweitert (zur Versorgung von 13 großen Kernkraftwerken). Ein weiterer Ausbau auf 4.500 Tonnen wurde 2005 genehmigt. Betreiber ist die Firma Urenco. Die bei der Anreicherung anfallenden abgereicherten Uranreststoffe wurden zwischen 1996 und 2008 mit Güterzügen in das sibirische Sewersk abtransportiert. Künftig soll der Abfall in Frankreich weiterbearbeitet werden. Gegen den Betrieb der Anlage gibt es örtlich, bundesweit und in den Niederlanden Proteste. Am 22. Januar 2010 ereignete sich ein Betriebsunfall mit radioaktiven Abfallstoffen, bei dem ein Arbeiter in geringem Umfang kontaminiert wurde.[15]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Josef Haring, katholischer Bischof des Bistum Limoeiro do Norte, wurde 1940 in Gronau geboren.
  • Winfried Berkemeier, deutscher Fußballspieler, wurde 1953 in Gronau geboren.
  • Hanspeter Dickel, deutscher Autor historisch-landeskundlicher Bücher, wurde 1945 in Gronau geboren.
  • Julia Friedrichs, deutsche Journalistin und Autorin, wurde am 15. Dezember 1979 in Gronau geboren.
  • Tim Hölscher, deutscher Fußballspieler, wurde am 21. Februar 1995 in Gronau geboren.
  • Hans Klaas, Kaufmann und Unternehmer, wurde am 25. Oktober 1927 in Gronau geboren und war seit 2000 Ehrenbürger der Stadt Gronau.
  • Cengiz Koç, ehemaliger deutscher Schwergewichtsboxer türkischer Abstammung, wurde am 9. September 1977 in Gronau geboren.
  • Erich Lindenberg, geboren am 22. September 1938 in Gronau (Westfalen) († 14. September 2006 in Berlin) war ein deutscher Maler und der ältere Bruder von Udo Lindenberg.
  • Udo Lindenberg, Rockmusiker, Schriftsteller und Maler, wurde am 17. Mai 1946 in Gronau geboren.
  • Hermann Mensing, deutscher Schriftsteller, wurde 1949 in Gronau geboren.
  • Erna von Ostau, geb. van Delden (1903–1955), Schauspielerin und Autorin
  • Sebastian Pille (* 1980), Komponist
  • Jan Rohls (* 1949), Theologe und Hochschullehrer
  • Franz Terdenge, Richter am Bundessozialgericht, wurde 1948 in Gronau geboren.
  • Jens Wissing, deutscher Fußballspieler, wurde am 2. Januar 1988 in Gronau geboren.

Andere mit Gronau verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Hubert Behler (1927–2010), langjähriger Stadtdirektor (1975–1991)
  • Blaise Nkufo, ein Schweizer Fußballspieler mit afrikanischen Wurzeln, Ex-Spieler des niederländischen Fußball-Vereins FC Twente lebte in Gronau.
  • Agnieszka Radwańska, eine polnische Tennisspielerin, wuchs in Gronau auf.
  • Klaus Vogelgesang, ein deutscher Künstler, wuchs in Gronau auf.
  • Rania Zeriri, eine niederländische Sängerin, lebt in Gronau.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gronau (Westf.) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 31. Juli 2013. (Hilfe dazu)
  2. a b c  Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 238.
  3. Ralf Keuper: Unternehmensgruppe van Delden – seinerzeit Deutschlands größter Textilkonzern, 22 August 2010
  4.  Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  5. Kommunalwahlen am 25. Mai 2014
  6. Hauptsatzung der Stadt Gronau (Westf.), § 3. Abgerufen am 10. Februar 2013.
  7. Stadt Gronau (Westf.), www.kommunalflaggen.de. Abgerufen am 10. Februar 2013.
  8. Stefan Rethfeld: Rathaus Gronau – die Vernunft des geometrischen Systems, in: Bauwelt 40–41, Berlin 2012, S. 36–41
  9. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Stadtpark und Tierpark in LWL-GeodatenKultur
  10. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Gemeindepark Epe in LWL-GeodatenKultur
  11. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Dreiländersee in LWL-GeodatenKultur
  12. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Inselpark und Dinkelaue in LWL-GeodatenKultur
  13. Personalprobleme: Ex-Meister Gronau verzichtet auf Bundesligastart
  14. Webseite Schwimmverein Gronau
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatUrenco: Reportable incident at the uranium enrichment plant in Gronau. 22. Januar 2010, abgerufen am 23. Januar 2010 (englisch).