Geschichte Sardiniens

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Karte Sardiniens (um 1700)

Die dokumentierte Geschichte Sardiniens beginnt in der Antike, auf Sardinien finden sich aber umfangreiche Spuren älterer Kulturen.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Fauna im Paläolithikum[Bearbeiten]

Der Wasserspiegel des Mittelmeeres schwankte seit dem Miozän stark, so dass die Insellage Sardiniens temporär aufgehoben war und Einflüsse des Festlandes bemerkbar sind. Zuletzt lag er etwa 11000 v. Chr. 100 m unter dem heutigen Niveau. Kennzeichnend für Inselfaunen sind Artenarmut und das Fehlen großer Fleischfresser. Das bewirkt bei ungefährdeten Großsäugern eine Entwicklung zur Langsamkeit und zur Verzwergung. Inselfaunen erfahren kaum Veränderung, solange das Gleichgewicht nicht gestört wird. Sardiniens ältere Tierwelt wurde im mittleren Pleistozän (vor ca. 900.000 Jahren) durch eine neue ersetzt. Aber auch die jüngere zeigt die inseltypische Artenarmut. An Säugern finden sich lediglich

Der Prolagus sardus, ein ausgestorbener kaninchengroßer Nager, sah aus wie eine schwanzlose Ratte. Einem Bericht aus dem Jahre 1774 kann man entnehmen, dass er auf der Insel Tavolara bis ins 18. Jahrhundert überlebte.

Der einzige Großsäuger hatte jedoch im Gegensatz zu den verzwergten Hirschen, Elefanten und Flusspferden auf den bis zum Neolithikum menschenleeren Inseln Kreta und Zypern eine normale Größe. Um dieses Phänomen zu untersuchen, begann im Jahre 1982 eine Grabung in der Grotta Corbeddu bei Oliena. Die Ausgrabungen ergaben drei Ablagerungsschichten:

  • unterste Schicht: Knochen des ausgestorbenen Hirsches Megaceros cazioti, darunter ein gut erhaltener Kopf samt Geweih (C14-Datum: 11610 ± 140 v. Chr.). Den Hirschschädeln fehlten die Unterkiefer, die an anderer Stelle lagen. Auf die Anwesenheit von Menschen, die in Vertretung der Raubsäuger die Jagd betrieben und einer insularen Verzwergung entgegenstanden, deuten Bearbeitungsspuren an den Knochen.
  • mittlere Schicht: Holzkohle (Radiokarbondatum: 7130 ± 380 v. Chr.), Knochen von Prolagus sardus mit Brand- und Kauspuren, die auf menschliche Einwirkung deuten.
  • obere Schicht: Asche und Holzkohle von Feuerstellen (Radiokarbondatum: 4280 ± 180 v. Chr.) vermischt mit den Resten von Meeres- und Landschnecken, Krustentieren, Fischen, Haustieren, Wild und Prolagus sardus, ferner Werkzeug aus Obsidian und jungsteinzeitliche Tonscherben (Bono-Ighinu-Keramik und Cardium-Keramik)

Die Besiedlung Sardiniens reicht also bis ins Paläolithikum zurück. Im Jahre 1979 wurden 150.000 Jahre alte menschliche Überreste gefunden. 2011 fand man bei Marina di Arbus die Knochen mesolithischer Bewohner der Insel, die etwa von 9000 v. Chr. stammen.

Vom Neolithikum bis zur Eisenzeit[Bearbeiten]

Kulturenfolge
Sardisch-korsische Typenreihe

Die prähistorischen Sarden benutzten Obsidian, ein Lavagestein, das am erloschenen Vulkan Monte Arci gewonnen und für einfache Werkzeuge benutzt wurde. Dieser Obsidian gelangte auch nach Korsika, in die Toskana, die Emilia, nach Ligurien und Südfrankreich.

Vom Neolithikum an, das auf Sardinien um 6000 v. Chr. mit der Einwanderung von Angehörigen der Cardial- oder Impressokultur einsetzte, bis zur römischen Besetzung 238 v. Chr. prägten unter anderem die Kulturen von Su-Carroppu und Filiestru, die Bono Ighinu-Kultur, die Ozieri-Kultur, die Kulturen von Abealzu-Filigosa, bzw. die bronzezeitliche Monte-Claro-Kultur die Bonnanaro-Kultur sowie besonders die Nuraghenkultur das Bild der Insel. Die neolithische Periode brachte Landwirtschaft und Viehhaltung auf die Insel. Belege sind Mörser und Handmühlen, Getreidekörner und Knochenreste von Haustieren. Kult- und Grabhöhlen (Grotta Pirosu), sowie die Backofengräber des Sinis (Cuccuru S'Arriu), und die Domus de Janas (Häuser der Feen) wurden in Felsformationen gekratzt.

Etwa 2000 v. Chr. erfolgte die nächste Zuwanderung. Die Glockenbecherleute veränderten die Architektur auf der Insel. Ab etwa 1600 v. Chr. herrschen die Nuragher. Heute existieren noch über 3.000 von einst etwa 7.000 bis 10.000 turmartigen Nuraghen, nach denen die Kultur benannt ist. Hinzu kommen als Zeugnisse der Vorgängerkulturen Dolmen und Galerien wie Corte Noa, Gigantengräber, Menhire, Statuenmenhire, Steinkreise (Ortakis) und heilige Brunnen, von denen es etwa 35 gibt. Unikate sind die Steinkisten von Li Muri, der Nuraghentempel von Malchittu, das megalithische runde Galeriegrab Masone Perdu bei Laconi und die Figuren vom Monte Prama.

Kontakte ins östliche Mittelmeer[Bearbeiten]

Im Jahre 1979 wurde auf Sardinien erstmals mykenische Keramik entdeckt.[1] Im Laufe der 1980er Jahre verbreitete sich das Wissen um Kontakte zwischen Sardinien, dem mykenischen Griechenland und den Inseln im östlichen Mittelmeer. Die Grabungsergebnisse am Nuraghen Antigori erhöhten das Interesse der Forschung an der Verbindung Sardiniens mit dem ägäischen Raum während der Bronzezeit.

Die Nuraghenkultur erhielt einen neuen Stellenwert in der kulturellen Dynamik des 2. Jahrtausends v. Chr. Die Entdeckung gut stratifizierten ägäischen Materials auf Sardinien verfeinerte die Chronologie der Nuraghenkultur. Der ägäischen Archäologie eröffnete sich ein Fenster zur Erforschung der Aktivitäten der mykenischen Kultur im westmediterranen Raum. Die mykenische Ware erweckte auch neues Interesse an den ägäisch-zyprischen Ochsenhautbarren, die bereits zuvor von verschiedenen Orten Sardiniens bekannt waren. In der Folge wurden Analysen der Keramik und der Kupferbarren vorgenommen.

Die Themen berühren auch Fragen zur Kolonisierung oder Vorkolonisierung, die im Kontext mit dem Austausch von Objekten bzw. der Nutzung der Bodenschätze der Insel stehen. Weit vor der phönizischen gab es eine Phase mykenischen und zypriotischen bzw. kykladisch-minoischen Handels im Mittelmeerraum, der die nuraghische Kultur und vielleicht auch andere westmediterrane Kulturen erreichte (Korsika, Malta, Sizilien). Die mykenische Herkunft der Materialien stützt zwar ältere kulturtheoretische Modelle (Diffusionismus), die im vergangenen Jahrhundert den Bau der Nuraghen aufgrund ihrer Architektur (Tholos) unter ägäischem Einfluss gesehen haben, jedoch ergaben neue Studien, dass die kulturellen Formen im bronzezeitlichen Sardinien nicht unter dem Aspekt des „Ex Oriente Lux“ verstanden werden können. Insbesondere die Skulpturen vom Monte Prama gehen der ägäischen Großskulpturgentwicklung voraus.

Manche Forscher vermuten, dass sich die Schardana, ein aus dem östlichen Mittelmeer kommendes und aus ägyptischen Quellen bekanntes „Seevolk“, hier angesiedelt haben. Andere nehmen an, daß die Schardana ursprünglich aus Sardinien stammten und sich nach den Seevölker-Unruhen (um 1200 v. Chr.) im libanesischen oder nord-kanaanitischen Raum ansiedelten. Belege für diese Einwanderung fehlen.[2] Über die Schardana (Šrdn in der ägyptischen Schreibweise, die keine Vokale ausdrückt) ist wenig bekannt, außer dass sie lange vor dem Seevölker-Angriffen als ägyptische Hilfstruppe bekannt sind, die u.a. unter Ramses II. auf ägyptischer Seite an der Schlacht von Kadesch teilnahm. Vorher wurden die Schardana in den Amarnabriefen während der 18. Dynastie erwähnt (um die Mitte des 14. Jahrhunderts v. Chr. In einem Brief des Königs von Byblos an den Pharao werden Šardanu (Schardana) als Leibwache erwähnt). Die älteren Hypothesen entstanden nach linguistischen Studien, wonach die Stadt Sardis in Lydien ihr Ausgangspunkt sei, von der sie das Tyrrhenische Meer erreicht hätten; danach hätten sie sich aufgeteilt in Sarden und Etrusker. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass eine sehr lange ungestörte einheimische Entwicklung über die Bonnanaro-Kultur mit ihren Protonuraghen zur Nuraghenkultur führte. Eine Gleichsetzung der Schardana mit einer frühen Bevölkerung Sardiniens ist in der modernen Forschung nach wie vor sehr umstritten.

Punier, Römer, Byzantiner und Araber[Bearbeiten]

Die phönizisch-punische Phase[Bearbeiten]

Karthagos Kolonien
Unbefriedeteter Bereich (Barbaria) und frühe Stadtgründungen - phönizisch (grün); punisch (rot)

Die phönizisch-punische Zeit auf Sardinien begann im 9. Jahrhundert v. Chr. Die von Tyros ausgehende phönizische Phase dauerte etwa 300 Jahre bis etwa 550 v. Chr. Die nachfolgende punische Phase endete nach ebenfalls etwa 300 Jahren im 3. Jahrhundert v. Chr.

Seit dem 14. Jahrhundert v. Chr. wurde Sardinien von Seefahrern aus dem östlichen Mittelmeer aufgesucht. Mykener und Zyprer, vermutlich zuvor auch Minoer, trieben zu dieser Zeit bereits Handel mit der Insel. Auch der etruskisch-phönizische Handel wurde ab dem 7. Jahrhundert auf Sardinien abgewickelt, da die Etrusker in ihrem Bereich keine Niederlassungen zuließen.

In die Fußstapfen der levantinischen Händler traten die Punier, die sich besonders für die Erzvorkommen des Iglesiente interessierten. Sie gründeten aber nicht nur Handelsniederlassungen an Orten wie Karali (röm. Carales; heute Cagliari), und Othoca (die älteste), Nora, Sulki (röm. Sulcis) Su Fraigu (punischer Name unbekannt) und Tharros sondern auch Kolonien. Ob die Nuraghen-Kultur der wenig später erfolgten Landnahme Widerstand leistete, ist umstritten, da sich die Kultur bereits in ihrer Endphase befand. Eine Inschrift auf der Stele von Nora aus dem 9. Jahrhundert spricht allerdings von Kampfhandlungen. Belegt ist auch die Einäscherung des Monte Sirai, ohne dass man den Verursacher ermitteln könnte. Dies geschah etwa zu jener Zeit, als die Punier die Herrschaft über die Kolonien übernahmen.

Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. hatten die Punier den Süden und Westen Sardiniens unter Kontrolle gebracht und die Versuche einer griechischen Besiedlung auf Korsika (540 v. Chr. in der Seeschlacht von Alalia) unterbunden. Danach begannen sie, ihren Teil der Insel zur Kornkammer umzugestalten. Pseudo-Aristoteles und andere Quellen berichten von großflächigen Rodungen. Gleichzeitig kam es nach Cicero (in Pro Scauro) zur Ansiedlung punisch-libyscher Siedler, die als Landarbeiter auf die Insel gebracht wurden. Sardinien diente auch zur Truppenrekrutierung. So nahmen Sarden bereits um 480 v. Chr. an der von Hamilkar verlorenen Schlacht bei Himera auf Sizilien teil.

Die besetzten sardischen Gebiete erhielten entlang der heutigen Staatsstraße SS131 ein möglicherweise mit Meilensteinen versehenes Straßennetz. Die Hauptverbindungen gingen jedoch über das Meer an den Küsten entlang, wo Stützpunkte errichtet wurden. Einige Ortsnamen gehen auf die punische Zeit zurück, so etwa Sirai und Sirri bei Carbonia (von punisch SR = Felsen), Magomadas bei Bosa (von MQMHDSH = neuer Ort). Siddi in der Marmilla und Tani bei Iglesias sind offenbar nach den Gottheiten Sid und Tanit benannte Orte. Die lückenlose Erschließung der fruchtbaren Gebiete zeigte eine im Gebiet der Gemeinde Sanluri (Campidano) gemachte Analyse. Innerhalb eines Kreises von sechs Kilometern Durchmesser wurden ein Dutzend punischer Weiler gezählt.

Punisches und Sardisches verband sich im besetzten Gebiet ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. zu einer Kultur. Das religiöse Leben spiegelt die Assimilation am deutlichsten wider. Die punische Variante des Fruchtbarkeitskultes verbreitete sich (belegt in den Nuraghen von Genna Maria und Lugherras). Andererseits zeigen Ipogeo di San Salvatore und der Kult des „Jagdgottes“ Sid Addir Babay im Tempel von Antas, dass nuraghische Gottheiten in der sardisch-punischen Götterwelt aufgingen und ihre Heiligtümer in veränderter Form fortbestanden.

Das Dreieck Ibiza, Korsika (inklusive Sardinien) und Sizilien stellte nach heutiger Kenntnis die überseeische Fortsetzung des karthagischen Mutterlandes dar, während das festländische Spanien militärisch, verwaltungstechnisch, ethnisch und kulturell weit weniger eng mit Nordafrika verbunden war. Die punischen Städte Sardiniens wurden als einzige nach dem Vorbild Karthagos regiert. Sie besaßen eine Volksversammlung unter dem Vorsitz zweier Sufeten, die nur für ein jeweils nach ihnen benanntes Jahr im Amt waren. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass die militärische Übernahme der Insel durch die Römer im Jahr 238 v. Chr. primär ein politisches Datum darstellt. In neuerer Zeit konnte die Archäologie zeigen, dass Sardinien noch lange, nachdem Scipio im Jahr 146 v. Chr. Karthago zerstört hatte, von der punischen Kultur geprägt blieb.

Den antiken Schriftstellern war die Zweiteilung der Insel in einheimische und punische Gebiete bekannt. Bei den Bergbewohnern unterschieden sie unter anderem die Balari und Iliensi in der Barbagia und die Corsi in der Gallura. Diese fassten sie unter Namen wie Fellsarden (die Sardi Pelliti des Livius) zusammen. Die punischen Gebiete gaben sie als Siedlungsraum der Punier und Sarden an. Während des Ersten Punischen Krieges hatte Rom die strategische Bedeutung Sardiniens zu spüren bekommen. Nach vergeblichen Versuchen, die Insel in ihre Gewalt zu bringen, musste Rom im Friedensvertrag von 241 v. Chr. die Hoheitsrechte Karthagos über Sardinien anerkennen.

Aufstände in Nordafrika, in deren Folge auch die auf Sardinien stationierten Truppen meuterten und unter der Bevölkerung fürchterliche Massaker anrichteten, führten dazu, dass die Römer im Jahre 238 v. Chr. die Herrschaft über Sardinien erlangten.

Die Römer und deren Nachfolger[Bearbeiten]

Bis zum Ersten Punischen Krieg waren die punischen Bewohner Karthagos nominell die Herren der Insel, obwohl sie nie ins Landesinnere vorstießen, das noch weit bis in die römische Zeit (ab 238 v. Chr.) weitgehend autonom war. Nach der römischen folgte die achtzigjährige Besetzung durch die Vandalen ab 455 n. Chr. Die byzantinische bzw. oströmische Besetzung begann dann 534, als der kaiserliche Feldherr Belisar die Inseln im westlichen Mittelmeer eroberte. Die Insel verarmte materiell und kulturell. Trotzdem nahm die sardische Folklore byzantinische Einflüsse auf, wie die S´ardia, ein Reiterfest zu Ehren Kaiser Konstantins, in Sedilo zeigt. Kurz erschienen die Ostgoten auf der Insel, die 552 unter Totila Cagliari eroberten. Die Langobarden versuchten ab 568 mehrmals, aber ohne Erfolg, die Insel zu erobern. 599 ließ Papst Gregor der Große die zahlreichen Heiden Sardiniens gewaltsam zum Übertritt zum Christentum zwingen.

Die vier sardischen Judikate

Mit der Eroberung von Sulcis im Jahre 704 brach eine mehr als zweihundertjährige Phase an, in der die Araber immer wieder die Küsten der Insel überfielen. Ein Großteil der Küstenbevölkerung flüchtete ins Innere der Insel.[3] Der Handel ging stark zurück, die Bewohner betrieben im Inneren der Insel Subsistenzwirtschaft und jede Stadt, jedes Dorf versuchte autark zu werden.[4] Im Jahre 753 besetzte ein arabisches Heer den Süden der Insel. Im Jahre 815 ersuchte die Insel Ludwig den Frommen (778-840) vergeblich um Hilfe. Die byzantinische Herrschaft endete offiziell um 832 mit der Sezession des byzantinischen Statthalters.

Die nun isolierte Insel war vom 9. Jahrhundert an in vier Giudicati (Judikate) Arborea, Cagliari, Gallura und Torres mit einheimischen Feudalherrschern („Richtern“) geteilt. Die arabischen Flotten beherrschten die Küsten. Eine dauerhafte arabische Eroberung konnte bis 1014/15 verhindert werden, als Mudschahid von Dénia mit Hilfe von 120 Galeeren große Teile der Küstengebiete eroberte. Die italienischen Küstenstädte waren durch die arabische Operationsbasis auf Sardinien militärisch bedroht. Durch Vermittlung von Papst Benedikt VIII. schlugen 1016 die Flotten der Seemächte Genua und Pisa die Araber und verdrängten Mudschahid wieder von der Insel.[5] Pisa erhielt Sardinien offiziell als päpstliches Lehen, Genua beherrschte den Norden (siehe auch Islam in Italien).

Pisaner, Schwaben und Spanier[Bearbeiten]

Der Staufer und König von Sizilien, Friedrich II. (1198–1250), ernannte 1239 seinen illegitimen Sohn Enzio zum König von Sardinien (1239–1249, † 1272), woher der Status der Insel als Königreich herrührt, der bis zum Aufgehen im Königreich Italien 1861 erhalten blieb. Sardinien fiel später, ebenso wie Sizilien, zunächst dem Königreich von Aragon (1323–1409) zu, das den sardischen Reichsstatus erneuerte, und gehörte seit dem frühen 16. Jahrhundert in Personalunion zum Königreich Spanien: das Judikat von Arborea zerfiel zuletzt.

Die autochthone Bevölkerung der Stadt Alghero (sardisch S’Alighera, katalanisch L’Alguer) wurde vertrieben bzw. durch katalanische Siedler ersetzt; ihre Nachkommen sprechen bis heute Katalanisch.

Siehe auch: Liste der Vizekönige von Sardinien

Österreicher, Piemontesen und Italiener[Bearbeiten]

Historische Karte von Sardinien, aus Meyers Konversationslexikon von 1888

Nach dem Aussterben der spanischen Habsburger fiel Sardinien nach dem Spanischen Erbfolgekrieg 1714 an die österreichische Linie des Hauses Habsburg, wurde jedoch schon 1720 von Österreich – im Tausch gegen Sizilien – an das Herrscherhaus von Savoyen abgetreten, das 1714 mit dem Besitz von Sizilien einen Königstitel erworben hatte und denselben nunmehr auf den Besitz Sardiniens gründete. Das neu entstandene Königreich Sardinien mit seiner Hauptstadt Turin und seinen Provinzen Savoyen und Piemont hatte seinen geographischen Schwerpunkt jedoch auf dem italienischen Festland. Lediglich während der französischen Okkupation des norditalienischen Reichsteils zwischen 1799/1800 und 1814 regierten die sardischen Könige Karl Emanuel IV. (1796–1802) und sein Bruder Viktor Emanuel I. (1802–1821) – ähnlich wie wenig später der aus Neapel vertriebene bourbonische König von Sizilien, Ferdinand IV. – unter dem Schutz der britischen Flotte direkt von ihrer Insel Sardinien aus, die sonst eher vernachlässigt wurde. Im Zuge der italienischen Einigung wurde der Herrscher Sardiniens Viktor Emanuel II. (1849–1878) im Jahre 1861 König von Italien.

Autonomie[Bearbeiten]

Im Zuge dieser Einigung und der erneuten Rückverlagerung des Schwerpunkts der Macht in Italien nach Turin, Florenz bzw. Rom wurde Sardinien endgültig an den provinziellen Rand gedrängt. Erst 1946 erhielt die Insel Autonomie, doch bis 1982 gab es vereinzelte, z. T. bewaffnete Rebellionen, die häufig auch mit Entführungen verbunden waren.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Maria Luisa Ferrarese Ceruti: Ceramica micenea in Sardegna (notizia preliminare). In: Rivista di Scienze Preistoriche 34, 1979, S. 242-252.
  2. Adam Zertal, einer der Ausgräber der 1993 - 2000 ausgegrabenen Siedlung el-Ahwat im Norden Israels, vermutet, dass „Tholos-artige“ Bauten möglicherweise mit Sardinien in Verbindung zu bringen sind. Publikation der Grabung: Adam Zertal (Hrsg.): El-Ahwat, A Fortified Site from the Early Iron Age Near Nahal 'Iron, Israel. Excavations 1993 - 2000, Leiden 2012.
  3. Alex Metcalfe: The Muslims of medieval Italy. Edinburgh University Press, Edinburgh 2009, ISBN 978-0-7486-2008-1, S. 6f.
  4. Christopher Kleinhenz (Hrsg.): Medieval Italy. An encyclopedia. Band 2: L–Z (=The Routledge encyclopedias of the Middle Ages Medieval Italy. Band 9), Routledge, New York 2004 ISBN 0-415-93931-3, S. 1014.
  5. Alfred Schlicht: Die Araber und Europa. 2000 Jahre gemeinsamer Geschichte. Kohlhammer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-17-019906-4, S. 40; und Michael Mitterauer: Warum Europa? Mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs. 4. Auflage. C. H. Beck, München 2004, ISBN 3-40650-893-6, S. 224 (Seitenansicht in der Google-Buchsuche).

Literatur[Bearbeiten]

  • Albert Hirmer; Jürgen Thimme: Kunst der Sarden bis zum Ende der Nuraghenzeit. München: Hirmer 1983. ISBN 3-7774-3640-2
  • Ferruccio Barreca: La civiltà fenicio-punica in Sardegna, Sassari 1986, (online: civiltà fenicio-punica (PDF; 8,9 MB)).
  • Rainer Pauli: Sardinien – Geschichte, Kultur, Landschaft. 7. Auflage Ostfildern: DuMont 1990.
  • Papoff Guisi: La preistoria della Sardegna. Cagliari 1999
  • P. Bernardini: Precolonizzazione e colonizzazione, in: Argyròphles nesos. L'isola dalle vene d'argento. Esploratori, mercanti e coloni in Sardegna tra il XIV e il VI sec. a. C. 2001, S. 27-30.
  • Martin Kremp: Die Araber im westlichen Mittelmeer. Sardinien, Korsika, Malta. Frankfurt am Main: Mediterranea 2004.
  • Laura Soro: Sardinien und die mykenische Welt: Die Forschungen der letzten 30 Jahre, in: Fritz Blakolmer u.a. (Hrsg.): Österreichische Forschungen zur Ägäischen Bronzezeit 2009. Akten der Tagung vom 6. bis 7. März 2009 am Fachbereich Altertumswissenschaften der Universität Salzburg, Wien 2011, S. 283-294.
  • F. Lo Schiavo et al: Archaeometallurgy in Sardinia. From the origin to the Early Iron Age. Consiglio Nazionale delle ricerche, Istituto per gli Studi delle Civiltà dell'Egeo e del Vicino Oriente, Universita’ degli studi di Cagliari, Dipartimento di geoingegneria e tecnologie ambientali Dipartimento di ingegneria chimica e materiali (2005).
  • Cinzia Vismara, Philippe Pergola, Daniel Istria, Rossana Martorelli: Sardinien und Korsika in römischer Zeit. (= Zaberns Bildbände zur Archäologie) Zabern, Mainz 2011, ISBN 978-3-8053-3564-5

Weblinks[Bearbeiten]