Giarmata

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Giarmata
Jahrmarkt
Temesgyarmat
Giarmata führt kein Wappen
Giarmata (Rumänien)
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Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Banat
Kreis: Timiș
Koordinaten: 45° 50′ N, 21° 19′ O45.83666666666721.31105Koordinaten: 45° 50′ 12″ N, 21° 18′ 36″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 105 m
Fläche: 71,50 km²
Einwohner: 6.205 (20. Oktober 2011[1])
Bevölkerungsdichte: 87 Einwohner je km²
Postleitzahl: 307210
Telefonvorwahl: (+40) 02 56
Kfz-Kennzeichen: TM
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Gemeinde
Gliederung: Giarmata, Cerneteaz
Bürgermeister: Virgil Bunescu (USL)
Postanschrift: Str. Principală, nr. 445
loc. Giarmata, jud. Timiș, RO–307210
Website:
Lage von Giarmata im Kreis Timiș
Typischer Straßenzug in Giarmata

Giarmata (deutsch Jahrmarkt, ungarisch Temesgyarmat) ist eine Gemeinde im westlichen Rumänien, Kreis Timiș im Banat, zehn Kilometer nordöstlich von der Kreishauptstadt Timișoara entfernt. Der Flughafen Timișoara (IATA: TSR) liegt in unmittelbarer Nähe des Ortes.

2007 hatte Giarmata etwa 5900 Einwohner, darunter wenige Angehörige der Volksgruppen der Deutschen, Ungarn und Roma.

Nachbarorte[Bearbeiten]

Sânandrei Pișchia Fibiș
Cerneteaz Nachbargemeinden Ianova
Dumbrăvița Ghiroda Remetea Mare

Geschichte[Bearbeiten]

Giarmata wurde urkundlich erstmals in den päpstlichen Zehentregistern aus den Jahren 1334–1335 erwähnt. 1716, nach der Eroberung Temeswars durch Prinz Eugen von Savoyen, erscheint Giarmata in den Akten des Wiener Hofkammerarchivs unter dem Namen "Jarmatha".

Die Besiedlung von Giarmata durch Deutsche begann 1722 mit circa 20 Familien / 100 Personen aus der Rheingegend um Mainz. In der hochtheresianischen Ansiedlungsperiode wurde der Ort zwischen 1763 und 1765 durch den Sanktandreser Verwalter Josef Franz Knoll erweitert.[2]

Am 4. Juni 1920 wurde das Banat infolge des Vertrags von Trianon dreigeteilt. Der größte, östliche Teil, zu dem auch Jahrmarkt gehörte, fiel an Rumänien.

Infolge des Waffen-SS Abkommens vom 12. Mai 1943 zwischen der Antonescu-Regierung und Hitler-Deutschland wurden alle deutschstämmigen wehrpflichtigen Männer in die deutsche Armee eingezogen. Noch vor Kriegsende, im Januar 1945, fand die Deportation aller volksdeutschen Frauen zwischen 18 und 30 Jahren und Männer im Alter von 16 bis 45 Jahren zur Aufbauarbeit in die Sowjetunion statt. Das Bodenreformgesetz vom 23. März 1945, das die Enteignung der deutschen Bauern in Rumänien vorsah, entzog der ländlichen Bevölkerung die Lebensgrundlage.

1940 erreichte die deutschstämmige Bevölkerung von Giarmata mit 5046 Personen ihre größte Stärke. Durch Deportation und mehrere Auswanderungswellen nahm seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges die deutschstämmige Bevölkerung des Ortes stetig ab. 2008 lebten noch fünf deutsche Einwohner in Giarmata.

Die Grabinschriften des Friedhofes von Giarmata sind häufig in deutscher Sprache

Die Grabinschriften auf den beiden Friedhöfen des Ortes zeugen von der deutschen Vergangenheit des Ortes.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Demographie[Bearbeiten]

Zählung[5] Nationalität
Jahr Bevölkerung Rumänen Ungarn Deutsche andere
1880 6165 1385 133 4578 69
1910 6599 1482 174 4826 117
1966 6147 2375 59 3681 32
1977 6333 2749 108 3417 59
1992 5162 4923 89 80 70
2002 5407 5210 123 21 53
2011[1] 6502 5763 64 15 660 (107 Roma)

Legende[Bearbeiten]

Das Zentrum vom Giarmata bildet der "Große Brunnen". Hier soll Prinz Eugen von Savoyen sein Schwert in eine Eiche gestoßen haben, der dann frisches Trinkwasser für ihn und seine Soldaten entsprungen sein soll. Die deutschstämmigen Einwohner von Giarmata geben diese Legende bis heute in teils verklärenden Gedichten und Liedern weiter, z. B. "Stolz um Prinz Eugens Brunnen, da liegt mein Dorf so schön, ringsum nur reiche Felder und sanfte Rebenhöh’n."[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Elke Hoffmann, Peter-Dietmar Leber, Walter Wolf: Das Banat und die Banater Schwaben, Band 5: Städte und Dörfer, München 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Giarmata, Timiș – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • jahrmarkt-banat.de Franz Junginger: Aus der Geschichte einer banatdeutschen Gemeinde. Jahrmarkt mit Pfarrfiliale Überland

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Volkszählung 2011 in Rumänien (MS Excel; 1,3 MB)
  2. uni-heidelberg.de, Swantje Volkmann: Die Architektur des 18. Jahrhunderts im Temescher Banat, Heidelberg 2001
  3. jahrmarkt-banat.de, Maria Ebner
  4. jahrmarkt-banat.de, Luzian Geier, Biologielehrer, Journalist, Heimatforscher und Chefredakteur. Zum 60. Geburtstag
  5. Varga E. Census data for Temes county 1880 - 1992 (PDF-Datei; 876 kB)
  6. "Ferne, alte Heimat", Franz Frombach