Hahn (Wappentier)

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Das Wappentier Hahn wird als Wappenbild in der Regel kampfbereit dargestellt.

Er ist wenig stilisiert. Die Blickrichtung ist rechts (heraldisch) und ein Fuß ist erhoben. Der Schwanz hat nur wenige Federn, aber dafür ist der Kamm immer eine Besonderheit bei der Farbgebung (Tingierung). Eine besondere Form ist der Hahn mit ausgebreiteten Flügeln. Es ist dann ein streitender Hahn. Es wird die Bewehrung durch Andersfarbigkeit genutzt, den Hahn schöner aussehen zu lassen.

In vielen Wappen steht der Hahn im Burgtor, häufig auf einem Dreiberg. Beispielwappen sind Suhl und Frankfurt (Oder).

Hahn mit Ziegenkopf

Der Kopf kann einen Helm aufgesetzt bekommen. Daraus wird dann ein verkappter Hahn. Es kann auch nur der Kopf im Wappen erscheinen. Im Austausch des Hahnenkopfes wird auch in Wappen ein Männerkopf mit spitzem Hut gewählt. Diese Figur ist dann ein Fabelwesen und wird als Harpyie bezeichnet. Es gibt auch Hähne mit Fischschwanz und Hähne mit Ziegenkopf.

Zwischen 1789 und 1804 war der Hahn französisches Wappentier und symbolisierte die errungenen Freiheiten. Im Wappen von Versailles ist er doppelköpfig. Das ist eine ungewöhnliche Form.

Ist in der Wappenbeschreibung von einem calekutischen Hahn[1] oder kalkutischen Hahn die Rede, ist das seltene Wappentier Truthuhn gemeint. Der Begriff bezieht sich auf ein ehemaliges ostindisches Teilreich.[2]

Beispiele[Bearbeiten]

Glauben[Bearbeiten]

Im Volksglauben ist der Hahn das Symbol für Kampflust und Kampfbereitschaft, auch der Wachsamkeit und des Sonnenaufgangs. In der assyrischen Mythologie war der Hahn Symbol des Feuergottes Nusku und des Sonnengottes Schamasch. In der griechischen Mythologie war er der Pallas Athene, dem Ares, Hermes, Apollon, dem Äskulap, der Demeter und Persephone heilig. Die Römer verehrten ihn als Symbol für die Hauswächter. In der nordischen Mythologie wecken z. B. zwei Hähne die Helden in Odins und die Mächte in Hels Sälen. Anderswo verscheucht er den Spuk der Unholde. Auf altchristlichen Grabsteinen und Sarkophagen erscheint der Hahn als Verkünder des Tages. Durandus von St. Pourçain erklärt ihn als Nachtverscheucher, Prediger und Erwecker vom Schlaf und lässt ihn auf Kirchen setzen. Weitere Beispiele aus dem Volksglauben: Wird ein kohlrabenschwarzer Hahn sieben Jahre alt, so legt er ein Ei, aus dem ein Drache entsteht. Der Patron der Hähne ist St. Gallus, manchmal auch St. Veit. Petrus mit Hahn ist der Schutzpatron der Uhrmacher.

Der gallische Hahn[Bearbeiten]

Gallischer Hahn als Nationalsymbol auf einem Ehrenmal

Der Hahn gilt unter anderem als Symbol von Frankreich. Der Ursprung ist nicht eindeutig, da kein Nachweis auf alten Münzen und Grabsteinen usw. zu finden ist. Man nimmt an, dass der Gallische Hahn aus der Doppelsinnigkeit des lateinischen Wortes gallus („Hahn“ und zugleich „Gallier“) entstanden ist. In der Französischen Revolution 1789 ersetzte der Hahn auf den Heeresfahnen die Insignien des bourbonischen Königtums. Napoleon I. ersetzte ihn durch den Adler, den aber die Regierung der Restaurationsperiode wieder abschaffte. Nach der Julirevolution wurde der Hahn wieder in die Fahnen aufgenommen. 1852 wurde er abermals durch den Adler ersetzt.

Heute wird der gallische Hahn als Wappentier für Wallonien sowie die französische Gemeinschaft Belgiens benutzt. (Siehe auch Keltomanie)

Ein gallischer Hahn triumphierend auf einem Denkmal (La Rochelle, Frankreich)

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johann Simon Beckenstein, Kurze Einleitung zur Wappenkunst und der Art des Blasonierens, Kaiserliche Akademie der Wissenschaften, St. Petersburg 1731, S.158
  2. Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 1293

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hahn in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien