Hamburg-Dulsberg

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Wappen von Hamburg
Dulsberg
Stadtteil von Hamburg
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Koordinaten 53° 34′ 54″ N, 10° 3′ 48″ O53.58166666666710.063333333333Koordinaten: 53° 34′ 54″ N, 10° 3′ 48″ O
Fläche 1,2 km²
Einwohner 17.234 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 14.362 Einwohner/km²
Postleitzahl 22049
Vorwahl 040
Bezirk Hamburg-Nord
Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein

Dulsberg ist ein Stadtteil im Bezirk Hamburg-Nord der Freien und Hansestadt Hamburg. Dulsberg ist flächenmäßig einer der kleinsten Stadtteile Hamburgs.

Geschichte[Bearbeiten]

Auf dem Stadtplan von 1910 findet der Dulsberg noch keine Erwähnung. In Bildmitte deutlich erkennbar: Der Alte Teichweg und die Straßburger Straße

Der Name ist zurückzuführen auf eine Anhöhe, die Tollsberg (Teufelsberg) genannt wurde, und in etwa im heutigen Kreuzungsbereich Krausestraße und Lauenburger Straße lag. Der Dulsberg wurde 1271 erstmals urkundlich erwähnt, als ihn das Hospital zum Heiligen Geist in Hamburg dem Grafen von Holstein für 150 Mark abkaufte. Jahrhundertelang blieb der Dulsberg Ackerland der Barmbeker Bauern, ab Anfang des 20. Jahrhunderts bezog die Stadt Hamburg ihn in die Pläne zur Stadterweiterung ein. Mit dem Bau der Stadtbahn nach Hamburg-Ohlsdorf wurde die Osterbek kanalisiert, da auch die Erdmassen zum Bau der Bahndämme verwandt wurden. 1910 entstand hier an der Grenze zu Hamburg-Barmbek-Nord erste Industrie. Am Südwestzipfel des Dulsbergs wurde am 5. Dezember 1906 der Bahnhof Friedrichsberg zur Anbindung der Staatskrankenanstalt Friedrichsberg eröffnet. Hier entstand auch der erste Wohnungsbau des Gebiets in der Dithmarscher Straße und an der Stormarner Straße, an der Grenze zu Wandsbek, damals noch preußisches Gebiet.

Für die weitere Besiedlung wurde eine Planung erstellt. Durch den Ersten Weltkrieg kam es jedoch nicht zur Ausführung. Erst in den 1920er-Jahren wurde die Planung durch den Baudirektor Fritz Schumacher wieder aufgegriffen. Statt eingeschossiger Putzbauten wurden nun drei- und viergeschossige Klinkerbauten erstellt. Nach dem Ende der Inflation begannen die Bauarbeiten, die 1931 aufgrund der Weltwirtschaftskrise abgebrochen wurden.

Industrie[Bearbeiten]

1910 nahm am Osterbekkanal (Alter Teichweg) Hamburgs zweite Müllverbrennungsanlage ihren Betrieb auf, stellte diesen jedoch, unter anderem wegen der extremen Geruchsbelästigung, bereits 1939 wieder ein. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage nicht wieder in Betrieb genommen. Die beiden 50 Meter hohen Schornsteine blieben noch bis in die 1960er-Jahre stehen, da eine Sprengung wegen der umliegenden Wohngebäude erst nicht möglich schien. Zum gezielten Einsturz der Reste wurde dann schließlich auch eine Kerbe in das Mauerwerk gemeißelt. Nach dem Abriss wurden auf dem Gelände viele Gewerbebetriebe angesiedelt.

Ein weiterer Industriebetrieb auf dem Dulsberg war die benachbarte Fischkonservenfabrik „Walckhoff“, die ebenfalls 1910 ihren Betrieb aufnahm. Die Firma existierte bis 1972.

Religionen[Bearbeiten]

Frohbotschaftskirche auf dem Straßburger Platz (→ Ostansicht)

Auf dem Dulsberg gibt es zwei evangelisch-lutherische Kirchen. Während die Frohbotschaftskirche bereits beim Bau des Stadtteils eingeplant und Anfang der 1930er-Jahre erbaut wurde, kam die Bonhoeffer-Kirche in den 1960er-Jahren hinzu. Die Gemeinde war zu dem Zeitpunkt mit 13.500 Gläubigen und vier Pfarrstellen die personmäßig größte in der ehemaligen Hamburgischen Landeskirche. Man entschloss sich daher zur Teilung der Gemeinde. Ende der 1990er-Jahre fusionierten die beiden Gemeinden aufgrund des Rückgangs der Kirchenmitgliederzahl wieder.

Bauwerke[Bearbeiten]

Äußere Fassade der Siedlung von Fritz Schumacher aus den 1920er Jahren mit den typischen Backsteinen[1]

Das heutige Dulsberg wurde in den späten 1920er-Jahren von dem Oberbaudirektor Fritz Schumacher als Neubausiedlung in einem größeren Ausmaß als die Jarrestadt konzipiert. Das Plangebiet umfasste den gesamten Bereich des Stadtteils zwischen Krausestraße (damals Ahrensburger Straße), dem Osterbekkanal und Tondernstraße. Die Planungen veränderten einen Bebauungsplan von 1918/1919 grundlegend. Die Grünflächen wurden vergrößert, die Geschossanzahl von fünf bis sechs Stockwerken auf eine durchweg vierstöckige – in der Nähe der langen Grünzüge dreistöckige – Zeilenbauweise reduziert. Die Umplanungen wurden durch den umfangreichen städtischen Grundbesitz möglich.[2]

Parallel zum Osterbekkanal teilt ein Grünzug das Gebiet von West nach Ost.

Schumacher selbst zeichnete als Architekt für die Schulen Alter Teichweg,[3] Adlerstraße[4] und Krausestraße verantwortlich. Weitere Architekten waren Hans und Oskar Gerson, Karl Schneider, die Gebrüder Paul und Hermann Frank und die Architektengemeinschaft Rudolf Klophaus, August Schoch und Erich zu Putlitz. Der damals wegweisende Baustil des Reformwohnungsbaus ist heute noch Besuchsziel zahlreicher in- und ausländischer Architekten und Stadtplaner.

in den Innenhöfen der Frank’schen Laubengänge

Eulenkamp und Stormarner Straße bildeten die Grenze zum preußischen Wandsbek.

Lediglich im südlichen Teil der Dithmarscher Straße gab es eine Bebauung aus der Zeit der Jahrhundertwende.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Dulsberg durch die Operation Gomorrha fast vollständig zerstört. Auf dem Dulsberg soll das „Mahnmal zur Erinnerung an die Bombenopfer“ Ecke Alter Teichweg/Lothringer Straße daran erinnern[5] Vielfach waren allerdings durch die Zerstörung mit Brandbomben noch die Außenmauern erhalten. Daher baute man nach alten Plänen wieder auf. Bei den 1927 bis 1931 von den Gebrüdern Frank erbauten Laubengängen waren nur die obersten Stockwerke betroffen, da für die Decken und Treppenhäuser Beton verwandt wurde.

Politik[Bearbeiten]

Für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gehört Dulsberg zum Wahlkreis Barmbek-Uhlenhorst-Dulsberg. Die Bürgerschaftswahl 2011 führte zu folgendem Ergebnis:[6]

  • SPD: 52,7 % (+9,8)
  • CDU: 13,1 % (−16,1)
  • GAL: 11,6 % (+2,3)
  • Linke: 11,3 % (−0,2)
  • FDP: 3,6 % (+0,6)
  • Übrige: 7,7 % (+3,6)

Sport[Bearbeiten]

Das Beach-Center Hamburg wurde 2010 errichtet.

In Dulsberg liegt der Olympiastützpunkt Hamburg. Das dortige Dulsberg-Bad, das zum Olympiastützpunkt gehört, ist gleichzeitig auch Landesleistungszentrum des Hamburger Schwimmverbandes. Die Gesamtschule Alter Teichweg ist wegen ihrer Nähe zum Olympiastützpunkt zur Eliteschule des Sports ausgebaut worden. Derzeit gibt es sportbetonte Klassen, die mit Mitgliedern der Nachwuchskader des Hamburger Fußball-Verbandes und des Hamburger Schwimmverbandes bestückt werden. Der Schulalltag wird so gestaltet, dass ein leistungsorientiertes Training in den Tagesablauf eingepasst werden kann. Außerdem wird bei der zeitlichen Planung von Klassenarbeiten und Abschlussprüfungen auf die Wettkampftermine der Schüler Rücksicht genommen.

Mit dem Beach-Center Hamburg wurde am Rande des Freibades 2010 eine weitere Sportanlage auf dem Dulsberg geschaffen. Neben Außenplätzen gibt es auch zwei Hallen für Beachvolleyball.

Wirtschafts- und Sozialstruktur[Bearbeiten]

Dulsberg ist im Vergleich zum Hamburger Durchschnitt einer der ärmsten Stadtteile. Durch die damals vorbildliche Architektur und die gewachsenen Strukturen ist Dulsberg jedoch kein besonderer sozialer Brennpunkt, es ist in erster Linie ein einfaches, ruhiges Wohnquartier.

Dulsberg wurde im Rahmen eines Programms der sozialen Stadtteilentwicklung in den Jahren 1995 bis 2002 massiv saniert und umgestaltet. Eine teilweise Zusammenlegung von Kleinwohnungen schaffte größere und familiengerechtere Wohnungen.

Inzwischen ist Dulsberg auch Ziel von wohnungssuchenden Studenten. Zwar ist die Gastronomie-Szene eher bodenständig, aber die gute Verkehrsanbindung und das Angebot von vergleichsweise günstigen Wohnungen in einem ruhigen und auch grünen Quartier sind verlockend.

In den letzten Jahren mussten viele kleine Einzelhändler ihr Geschäft aufgeben. Dies liegt nicht nur an der geringen Kaufkraft, sondern auch an der Nähe zu einem großen Wandsbeker Einkaufszentrum, das viele Kunden aus dem Quartier abschöpft. Insbesondere in der Dithmarscher Straße, einer Ladenstraße im Stil der 1950er-Jahre, haben viele kleine Einzelhändler schließen müssen. Einige ehemalige Ladengeschäfte wurden dort inzwischen zu Wohnungen umgewidmet.

Verkehr[Bearbeiten]

S-Bahn-Station Friedrichsberg

Eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist neben Bussen vor allem durch die S-Bahn-Station Friedrichsberg und die U-Bahn mit den Haltestellen Alter Teichweg und Straßburger Straße gegeben.

Die Nordschleswiger Straße, vierspurig als Teil des Ring 2 ausgebaut und in Nord-Süd-Richtung verlaufend, teilt durch ihr hohes Verkehrsaufkommen das Viertel.

Verkehrsgeschichte[Bearbeiten]

Nachdem der Bau der U-Bahn zum Wandsbeker Markt erheblich mehr Geld kostete als geplant, wich man von dem Plan ab, die Strecke südlich des Eulenkamp über den Friedrich-Ebert-Damm zum Bahnhof Farmsen zu führen. Stattdessen wählte man den kürzeren Weg nach Wandsbek Gartenstadt. Es reichte so aber noch für zwei Bahnhöfe. So beträgt der Haltestellenabstand zwischen Alter Teichweg und Straßburger Straße nur 600 Meter, was sonst nur in den Zentren von Großstädten vorkommt.

Durch Dulsberg führte die damalige Straßenbahnlinie 8 (Dehnhaide über Straßburger Straße und Friedrich-Ebert-Damm zur Trabrennbahn). Ab 1960 fuhr die Straßenbahn als Linie 16 von der Trabrennbahn über Dehnhaide bis Hagenbecks Tierpark. Der Straßenbahnverkehr in Dulsberg wurde Ende April 1963, zwei Monate nach Eröffnung der U-Bahn-Haltestelle Straßburger Straße, eingestellt. Auf dem Mittelstreifen der Straßburger Straße ist heute nur noch ein einziges, etwa sieben Meter langes Schienenfragment zu finden (zwischen Elsässer Straße und Nordschleswiger Straße), der Mittelstreifen wird jetzt als Parkplatzfläche genutzt. Der Betrieb aller Straßenbahnlinien in Hamburg wurde 1978 endgültig eingestellt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Im Stadtteil gibt es sechs Kindergärten, eine Grundschule, zwei weiterführende Schulen, 62 Handwerksbetriebe, 17 niedergelassene Ärzte und vier Apotheken. Weitere Einrichtungen: ein Haus der Jugend, ein Spielhaus, ein Stadtteilbüro.

Der 2009 erschienene Roman Pussykiller des Autors Pavo Pejic, Jahrgang 1984, spielt im Stadtteil Dulsberg, beispielsweise am Naumannplatz, an der Tiroler Straße und an der Straßenkreuzung bei der U-Bahn-Haltestelle Straßburger Straße. Der Autor ist selbst in Dulsberg aufgewachsen.

Der Filmregisseur Özgür Yıldırım, Jahrgang 1979, bekannt für seinen Spielfilm Chico, stammt ebenfalls aus Dulsberg.

Dulsberg gehörte von 1990 bis 2003 zu den Stadtteilen mit der höchsten Kriminalitätsrate, doch heute ist es eher ein ruhiger Stadtteil.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Schumacher: Das Werden einer Wohnstadt, Hamburg 1932, Nachdruck 1984 bei Georg Westermann, ISBN 3-7672-0866-0, vergriffen
  • Pavo Pejic: Pussykiller, Roman, Rogner & Bernhard, Berlin 2009, ISBN 978-3-8077-1055-6

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Denkmalgeschütztes Ensemble (Liste der Kulturdenkmäler im Hamburger Bezirk Hamburg-Nord Nr. 773), auch die Siedlungsbauten (Nr.809,810), die Frank’schen Laubengänge (Nr. 802) und die Schule Krausestraße (Nr. 1760) (heute: Emil-Krause-Oberstufe).
  2. Alicia Kowalik: Fritz Schumacher: Zur Stadtentwicklung in den 1920er Jahren in: Dorothea Roos, Friedmar Voormann (Herausgeber) : Hamburger Backstein- und Klinkerbauten - Gestalt - Konstruktion - Material, KIT publishing Karlsruhe 2011; ISBN 978-3-86644-657-1
  3. Liste der Kulturdenkmäler im Hamburger Bezirk Hamburg-Nord Nr. 1761
  4. Gemeint ist die Schule Amalie-Dietrich-Weg, heute Lämmersieth (erbaut 1929-31). Sie liegt zwar in Barmbek-Nord, ist aber für Dulsberger Kinder zuständig.
  5. Liste der Kulturdenkmäler im Hamburger Bezirk Hamburg-Nord Nr. 773
  6. http://wahlen-hamburg.statistik-nord.de/frameset.php?file=status_karte&wahl=77&frame=true

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hamburg-Dulsberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Karte von 1928
  • dulsberg.de – Webseite mit Links zum Stadtteilbüro, Stadtteilrat und anderen Einrichtungen auf dem Dulsberg