Haus des Rundfunks

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Haus des Rundfunks
Gebäudeecke Bredtschneiderstraße (links) und Hauptfront an der Masurenallee (rechts)

Gebäudeecke Bredtschneiderstraße (links) und Hauptfront an der Masurenallee (rechts)

Daten
Ort Berlin
Baumeister Max H. Berling
Architekt Hans Poelzig
Bauherr Magistrat von Berlin
Baujahr 1929–1931
Grundfläche 8.140 m²
Koordinaten 52° 30′ 29″ N, 13° 16′ 37″ O52.50804113.276863Koordinaten: 52° 30′ 29″ N, 13° 16′ 37″ O

Das Haus des Rundfunks ist ein architektonisch und rundfunkgeschichtlich bedeutendes Gebäude gegenüber dem Berliner Funkturm im Ortsteil Westend des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Seine Hauptfassade erstreckt sich entlang der Masurenallee. Seit Mai 2003 ist es Sitz des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). Im Haus des Rundfunks werden die Hörfunkprogramme Radio Berlin 88,8, Kulturradio und Inforadio produziert. Die beiden Sendesäle dienen auch für öffentliche Konzerte.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte [Bearbeiten]

Postminister Georg Schätzel bei der Grundsteinlegung, Mai 1929

Das von Hans Poelzig entworfene Gebäude mit dem Grundriss eines an zwei Seiten abgerundeten Dreiecks wurde in den Jahren 1929/1930 unter der Bauleitung von Poelzigs Meisterschüler Max H. Berling errichtet und am 22. Januar 1931 eingeweiht. Das Gelände wird nördlich begrenzt von der Bredtschneiderstraße, östlich daneben stehen auf der Fläche zwei moderne Einzelgebäude mit jeweils acht Stockwerken sowie ein viergeschossiges Parkhaus. Die Soorstraße bildet die Begrenzung. Seit 1931 sendeten von hier die Funk-Stunde Berlin, die Deutsche Welle GmbH und die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft. Am 22. März 1935 startete vom Haus des Rundfunks der erste reguläre Fernsehprogrammdienst in Deutschland, der 1937 in das Deutschlandhaus am nahegelegenen heutigen Theodor-Heuss-Platz verlegt wurde. Von 1939 bis 1945 war das Haus des Rundfunks die Zentrale des Großdeutschen Rundsfunks.

Der Gebäudekomplex aus der Vogelperspektive, 1947
Warnschild aus der Besatzungszeit; 1955

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus zum Spielball des Kalten Krieges. Obwohl im britischen Sektor gelegen, diente es bis 1952 dem von der sowjetischen Besatzungsmacht kontrollierten Berliner Rundfunk. 1952 sperrte die Britische Armee es als Reaktion auf die Abriegelung Steinstückens ab. Daraufhin zog der Berliner Rundfunk in das Funkhaus Nalepastraße im Ostteil Berlins um. Am 5. Juli 1956 übergab die sowjetische Militärkommandantur das Haus des Rundfunks offiziell an den West-Berliner Regierenden Bürgermeister Otto Suhr. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten diente das Gebäude ab Ende 1957 dem Sender Freies Berlin (SFB) zur Produktion und Ausstrahlung seiner Hörfunkprogramme. Da die Sowjets die gesamte Studiotechnik demontiert und mitgenommen hatten, musste das Gebäude mit komplett neuer Technik ausgestattet werden. Dadurch wurde der SFB im Haus des Rundfunks zum Vorreiter für die Entwicklung der Stereofonie und ihren Einsatz im Hörfunk. Am 1. Mai 2003 ging der SFB mit seinen Programmen und Gebäuden im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) auf.

Bauliche Würdigung [Bearbeiten]

Das Haus des Rundfunks war 1930 eines der ersten Rundfunkgebäude in Europa, älter ist nur das Münchner Funkhaus. Besonders bemerkenswert ist daher, dass das Gebäude noch immer ideale räumliche Bedingungen für den Hörfunkbetrieb bietet. Hans Poelzig hatte damals kaum Vorbilder und stellte Überlegungen an, die bis heute Gültigkeit haben: Die Büro- und Redaktionsräume befinden sich an den Außenseiten des Gebäudes und umschließen die drei großen Studiokomplexe, die damit vom Straßenlärm weitgehend abgeschirmt sind. Im Büro- und Redaktionstrakt sind nur die Außenwände tragend; sämtliche Zwischenwände können daher je nach Bedarf der Raumgröße variabel herausgenommen und eingebaut werden. Da sich in der Zusammensetzung der Redaktionen häufig Veränderungen ergeben und Zwischenwände versetzt werden, variiert die genaue Anzahl der Räume ständig.

Eingangsbereich

Großer Sendesaal [Bearbeiten]

Der Große Sendesaal ist das Herzstück des Gebäudes. Er ging 1931 in Betrieb und präsentiert sich im 21. Jahrhundert im Erscheinungsbild des Jahres 1959. Ein großer Teil der 1081 Klappsitze erhielt bereits damals unterschiedliche Lochungen, wodurch sie im unbesetzten Zustand fast dasselbe Absorptionsverhalten wie bei Anwesenheit eines Zuschauers besitzen. So ist die Akustik des Saales im besetzten und unbesetzten Zustand sehr ähnlich, was die Vorbereitung der Tonaufnahmen erleichtert. Der Große Sendesaal verfügt zudem über ein eigenes – vom Rest des Gebäudes unabhängiges – Fundament, um so die Übertragung von Schwingungen durch den Boden zu verhindern. Da die Bedeutung der Orchestermusik im Hörfunk in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gesunken ist, finden nunmehr erheblich weniger öffentliche Konzerte als in den 1960er- und 1970er-Jahren statt. Der Große Sendesaal dient aber auch als Probestätte für das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin.

Kleiner Sendesaal [Bearbeiten]

Der Kleine Sendesaal befindet sich im Zustand des Eröffnungsjahres 1931. Die Wände sind hier mit Klappelementen ausgestattet. Die eine Seite reflektiert, die andere Seite absorbiert den Schall. So lassen sich die unterschiedlichsten Nachhallzeiten einstellen. Der Saal wird inzwischen für Kammermusik, Jazz-Konzerte und eine Reihe von Sonderveranstaltungen genutzt.

Hörspielkomplex [Bearbeiten]

Spiegelbildlich zum Kleinen Sendesaal liegt der Hörspielkomplex, der im Jahre 2005 räumlich und technisch komplett modernisiert wurde. Hier gibt es einen großen Aufnahmeraum mit längerer Nachhallzeit und einer Treppe mit unterschiedlichen Belägen. Dieser Saal wird auch für kleinere Publikumsveranstaltungen genutzt, zum Beispiel zur Voraufführung von Hörspielen und Features. Ein mittelgroßer Aufnahmeraum in etwa der Größe eines Wohnzimmers verfügt über umklappbare Wandelemente zur Veränderung der Akustik, außerdem existieren weitere für Tonaufnahmen optimierte Einbauten, wie eine Küche und ein WC. All diese Räume haben keine parallelen Wände, um die Bildung von Flatterechos zu verhindern. Außerdem ermöglicht ein Reflexionsarmer Raum die Nachbildung der Akustik, wie sie außerhalb von geschlossenen Gebäuden herrscht. In diesem Raum sind unterschiedliche begehbare Flächen wie Holzdielen und Kies vorhanden, um eine möglichst realistische Akustik erzeugen zu können. Der gesamte Hörspielkomplex ist als Haus-in-Haus-Konstruktion von den Umgebungsgeräuschen abgekoppelt. Alle Räume sind technisch (zum Teil auch über Studiofenster) mit dem Regieraum verbunden, in welchem der Toningenieur und der Hörspiel-Regisseur die Aufnahme gestalten und überwachen.

Siehe auch [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Haus des Rundfunks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien