Großdeutscher Rundfunk

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Großdeutscher Rundfunk war vom 1. Januar 1939 bis 1945 die Bezeichnung für das nationalsozialistische, einheitliche Hörfunkprogramm des Deutschen Reichs.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Senderauswahl bei der gehobenen Radiogeräteklasse 1934 (LW und MW, keine KW)

Der Großdeutsche Rundfunk hat seine Vorgeschichte in der Rundfunkpolitik der Weimarer Republik. Neun regionale Rundfunkgesellschaften, die sich ab Ende 1923 geografisch von München über Frankfurt am Main und Leipzig bis nach Breslau und Königsberg erstreckten,[1] wurden ab dem 15. Mai 1925 in einer Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG) zusammengeschlossen.

Bereits zuvor hatte die Deutsche Reichspost 1923 ihre Kompetenzen auf eine Reichstelegraphenverwaltung[2] sowie eine DRADAG AG (Drahtlose Dienste AG)[3] übertragen. Innerhalb der RRG übernahm die DRADAG 1926 die Aktienmehrheit. Die Interessen der Deutschen Reichspost vertrat dabei Hans Bredow. Geschäftsführer der RRG waren Kurt Magnus und Heinrich Giesecke.

Aufgrund der „Zweiten Weimarer Rundfunkordnung“ von Juli 1932, welche die erste Rundfunkordnung von 1925/1926 ablöste, wurden die Gesellschaftsanteile der neun regionalen Rundfunkgesellschaften

noch zu Zeiten der Weimarer Republik zentralisiert und verstaatlicht. Nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 war der Rundfunk weiterhin Angelegenheit des Staates. Die Nationalsozialisten sahen in ihm frühzeitig ein zentrales politisches Propagandainstrument und unterstellten den Rundfunk daher dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels. Zum Direktor der RRG wurde Mitte 1933 der bisherige Sendeleiter des Deutschlandsenders, Eugen Hadamovsky, ernannt, der von Goebbels gleichzeitig auch zum Reichssendeleiter bestellt wurde. Im November 1934 begann der „Reichs-Rundfunk-Prozess“, ein vom neuen NS-Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky initiierter 86-tägiger Schauprozess gegen einige der Spitzen des „Systemrundfunks“.

Die Struktur des Rundfunkwesens wurde umgewandelt. War die RGG bis dahin ein Zusammenschluss rechtlich selbständiger Rundfunkgesellschaften, so wurden diese nun aufgelöst und der Reichsrundfunkkammer unterstellt. Gleichzeitig wurden deren bisherigen Namen ab dem 1. April 1933 nach dem Schema Reichssender (Sitz) vereinheitlicht. Nach dem „Anschluss“ Österreichs kamen 1938 der Reichssender Wien und nach Errichtung des Protektorats 1939 der Reichssender Böhmen hinzu.

1939 bis 1945[Bearbeiten]

Auf Veranlassung von Joseph Goebbels wurde zum 1. Januar 1939 für den Reichsrundfunk die Bezeichnung Großdeutscher Rundfunk eingeführt. Mit Kriegsbeginn ging der Goebbels-Vertraute und neu ernannte Leiter der Rundfunkabteilung des Propagandaministeriums, Alfred-Ingemar Berndt, daran, die Rundfunklandschaft den Erfordernissen der Kriegsführung anzupassen. Ein Großteil des journalistischen und technischen Personals wurde in die Propagandakompanien der Wehrmacht eingezogen, die Sendepläne wurden ausgedünnt, Programme zusammengelegt und ab Juni 1940 nur noch zwei Vollprogramme mit regionalen Fenstern für das gesamte Reichsgebiet gesendet.

Das Reichsprogramm wurde über alle Reichssender und ihre Nebensender übertragen. Am Vormittag gab es für ein bis zwei Stunden lokale Eigenprogramme. Etwa ab Mitternacht bis zum Sendebeginn um 5.00 oder 6.00 Uhr morgens war eine Sendepause. Diese wurde durch das Programm des Deutschlandsenders ausgefüllt, der mittags um 12.30 Uhr mit seinen Sendungen begann, die nach den Frühnachrichten endeten. Da die Rundfunksender bei der Annäherung feindlicher Flugzeuge ihre Übertragung einstellten, übernahmen in mehreren Landesteilen die lokalen Drahtfunksender das Rundfunkprogramm, so konnte zum Beispiel im Gau Hessen-Nassau auf einer Frequenz das Reichsprogramm, auf der anderen das Programm des Deutschlandsenders empfangen werden. Bei unmittelbarer Luftgefahr wurden nur Luftlagemeldungen gesendet. In anderen Teilen des Reiches, etwa in Nordbayern, benutzte der Sender des Luftgau-Kommandos Nürnberg bei Luftgefahr die Frequenz des abgeschalteten Nebensenders Nürnberg, um über die Zielrichtung der Bombergeschwader zu berichten.

Mit dem Vormarsch der alliierten Truppen von Ost und West gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im Frühjahr 1945 beendete ein Reichssender nach dem anderen seine Tätigkeit. Als letzter Sender des Großdeutschen Rundfunks war der zum Reichssender aufgewertete Nebensender Flensburg zu hören. In Flensburg-Mürwik befand sich zudem die letzte Reichsregierung.

Danach richteten die Besatzungsmächte neue Rundfunkstationen in ihrer Besatzungszone ein. Bis diese in Aktion traten, versorgte Radio Luxemburg auf Langwelle die deutsche Bevölkerung, vor allem in Westdeutschland, mit Nachrichten.

Liste der Sender des Großdeutschen Rundfunks[Bearbeiten]

(Stand: Dezember 1940; Quelle: Volks-Brockhaus, Leipzig 1941)

Nebensender mit gleichen Frequenzen[12] wurden als Gleichwellennetz geschaltet.

Sendeanlage des 1939 bis 1941 erbauten „Senders Alpen“ in Dobl, Steiermark

Außerdem gab es noch weitere „Großsender“ im Verbund der „Deutschen Europa-Sender“ (DES) mit eigenem Programm sowie Kurzwellensender (mit fremdsprachlichen Sendungen). Im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten standen Anfang 1943 107 Lang- und Mittelwellensender sowie 23 Kurzwellensender für Auslandssendungen in 53 Sprachen zur Verfügung.[13] Besonders bekannt wurden:

Literatur[Bearbeiten]

  • Ansgar Diller: Rundfunkpolitik im Dritten Reich. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1980, (Rundfunk in Deutschland. Band 2), ISBN 3-423-03184-0.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [nach heutigen Maßstäben entsprachen diese Rundfunkgesellschaften „joint ventures“]
  2. Vom Kristalldetektor zum Superhet
  3. Erste Rundfunkordnung 1926
  4. Bis 1998 war auch die Abkürzung „SWR“ gebräuchlich, siehe Programmgeschichte des Hörfunks in der Weimarer Republik (1997), Bd. 2, S. 1249.
  5. Oberpostdirektion am Winterplatz
  6. „Sendestelle Bremen“ war dem Reichssender Hamburg unterstellt. Nach der Inbetriebnahme von Sender Osterloog wurde "Sendestelle Bremen" umbenannt in "Sendestelle Unterweser“.
  7. Sender Memel (PDF; 267 kB)
  8. Sender Graz-St. Peter
  9. Sender Klagenfurt
  10. Tschechischer Rundfunk Medienmagazin 15 MÄRZ, 1999 (Memento vom 10. Februar 2013 im Webarchiv Archive.today)
  11. Reichssender Böhmen
  12. Liste Deutsche Sender 1940 Liste der Reichssender 1941 Deutsche Senderliste 1943
  13. Internationale Rundfunkhistorie
  14. Langwellensender Luxemburg
  15. Bei Propagandasendungen vom „Reichssender Bremen“ („Germany Calling“) wurde Sender Norddeich von Berlin oder Hamburg angesteuert.
  16. Sender Osterloog
  17. Sender Graz-Dobl