Hughes OH-6

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Hughes OH-6 Cayuse
Seitenansicht eines OH-6 „Cayuse“
Seitenansicht eines OH-6 „Cayuse“
Typ: Leichter Aufklärungs- und Kampfhubschrauber
Entwurfsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller:
Erstflug: 27. Februar 1963
Indienststellung: 1966
Produktionszeit: seit 1966 in Serienproduktion
Stückzahl: 1420+

Der Hughes OH-6 „Cayuse“ ist ein kleiner militärischer Mehrzweckhubschrauber. Die zivilen Varianten der MD-500-Serie (ehemals Hughes 369 und 500) umfasst derzeit die Varianten MD 500E, MD 520N und MD 530F.

Geschichte[Bearbeiten]

Der OH-6 wurde ursprünglich von Hughes Helicopters als extrem manövrierbarer, leichter Aufklärungshubschrauber für das LOH-Programm (light observation helicopter, dt. leichter Aufklärungshubschrauber) der US Army konzipiert. Die Werksbezeichnung von Hughes lautet Model 369.

Inzwischen werden die Hubschrauber durch Boeings Tochtergesellschaft MD Helicopters hergestellt. 1984 wurde Hughes von McDonnell Douglas übernommen, die wiederum 1997 mit Boeing fusionierten. Damit war der OH-6 das am längsten betriebene Hubschrauberprogramm von Hughes Helicopters.

Der Jungfernflug der OH-6 fand am 27. Februar 1963 statt. Im September 1966 gingen die ersten Einheiten bei der US Army in Dienst.[1] Ihr Einsatzgebiet umfasst mehrere Bereiche wie „Command and Control“, Überwachung, Zielsuche und Aufklärung. Während des Vietnamkrieges wurden von der OH-6 monatlich etwa 100 Einheiten produziert.

Verschiedene Varianten wurden in Lizenz produziert, unter anderem bei Agusta und bei Kawasaki Heavy Industries.

Varianten[Bearbeiten]

Agusta NH-500E (H-6) der italienischen Guardia di Finanza
AH-6 „Little Bird“
YOH-6A
Prototyp des Aufklärungshubschraubers für das LOH-Programm
OH-6A „Cayuse“
Basisvariante des Aufklärungshubschraubers der U.S. Army Aviation mit einer Allison T63-A5A-Turbine.
OH-6A „NOTAR“
Testversion mit einem Heckgebläsesystem anstelle des Heckrotors
OH-6B „Cayuse“
Verbesserte Variante mit einer stärkeren Allison T63-A-720-Turbine.
OH-6C „Cayuse“
Geplante Variante mit einer 313 kW starken Allison 25-C20-Turbine und fünf Rotorblättern.
OH-6J „Cayuse“
Aufklärungshubschrauber der japanischen Luftwaffe (JGSDF) auf Basis der OH-6A. Produziert wurden die Hubschrauber in Lizenz bei Kawasaki Heavy Industries in Japan.
OH-6D „Cayuse“
Leichter Aufklärungshubschrauber der japanischen Luftwaffe (JGSDF) auf Basis des zivilen Modells Hughes Model 500D. Diese wurden bei Kawasaki Heavy Industries in Japan in Lizenz produziert.
EH-6B „Cayuse“
Variante für Spezialeinheiten und als Führungsleitstelle für die U.S. Army.
NH-500E2 „Cayuse“
Die bei Breda Nardi in Lizenz hergestellten Hubschrauber sind für die Küstenwache auch mit Schwimmern versehen worden.
TH-6B „Cayuse“

Als Hubschrauber für Testpilotentraining bestellte die U.S. Navy eine für ihre Tests zugeschnittene Variante der McDonnell Douglas MD-369H. Bei der United States Naval Test Pilot School wurden diese sechs Hubschrauber für verschiedenste Instrumententest geflogen.

MH-6 Little Bird[Bearbeiten]

Die Version MH-6 Little Bird (M für multi-mission, also Mehrzweckeinsatz) ist für spezielle Militäroperationen modifiziert und bietet auf jeder Seite des Rumpfes eine Sitzplattform, auf der je drei Soldaten Platz finden können. In der Passagierkabine, die Platz für zwei bis drei Personen bietet, befinden sich die Elektronik, Zusatztanks und weiteres Missionszubehör. Diese Variante wurde für das Hubschrauberregiment des US Army Special Operations Command (160th SOAR) entwickelt, das als einzige Einheit den MH-6 für den Transport und zur Unterstützung von Spezialeinheiten wie Delta Force, Navy Seals und Rangers fliegt. Es werden folgende Subvarianten unterschieden:

MH-6B „Little Bird“
MH-6C „Little Bird“
MH-6E „Little Bird“
Variante basierend auf der neueren MD-530.
MH-6M „Little Bird“
Variante basierend auf der neueren MD-530F.

AH-6[Bearbeiten]

Hauptartikel: Boeing AH-6

Das Modell AH-6 (A für attack, also Angriff bzw. Kampf) ist vom MH-6 abgeleitet und unterscheidet sich vor allem durch seine Fähigkeit Waffen zu tragen. Der AH-6 wird mit Gatling-MGs vom Typ M134 (Kaliber 7,62 mm) oder Raketenbehältern ausgerüstet. Des Weiteren kann er mit einem 40-mm-Granatwerfer MK-19, ATAS und Hellfire-Panzerabwehrraketen bestückt werden; Einheiten der Nationalgarde sowie die 160th SOAR haben 2005 damit begonnen, Gegenmaßnahmen zum Schutz vor Flugabwehrraketen nachzurüsten.

MD 500[Bearbeiten]

MD 500 auf einer Luftfahrtmesse in Moskau 2007

Das Modell 500 ist eine kommerzielle Variante des OH-6. Es wird seit 1976 von Hughes, heute Boeing, produziert. Das Modell 500 war anfangs für die zivile Luftfahrt entwickelt worden, wurde dann aber doch zum größten Teil militärisch genutzt. Viele Länder haben inzwischen Hubschrauber der 500-Serie erworben, unter anderem Kolumbien, Kenia, Spanien und, auf illegalen Wegen, sogar Nordkorea. Ungefähr 86 Hubschrauber wurden gekauft. Südkorea unterhält dagegen eine große Flotte von Modell 500MD/TOW Defender aus eigener Lizenzproduktion. Maschinen des gleichen Typs werden auch von Israel genutzt. Von der privaten Sicherheitsfirma Academi, ehemals Blackwater, wird das Modell 530F Lifter eingesetzt; diese Variante ist auf heißere und trockenere Regionen ausgelegt.

Eine genaue Auflistung der Benutzer (ehemalige und momentane):

unter anderem 14 Modell 500M
unter anderem vier OH-6 zur Pilotenschulung
Ein Modell-500-Hubschrauber
mehrere Versionen, darunter 12 Modell 500M
unter anderem 30 Modell 500D
30 × MD500 als „Lahatut“ bezeichnete MD-500. Diese hat die IAF bis 2001 als Panzerjäger eingesetzt.
46 × NH-500E2 „Defender“
9
früher bis zu 1417 OH-6 Cayuse, heute 18 MH-6 und 18 AH-6

Technische Daten[Bearbeiten]

Zeichnung des OH-6A
Hughes OH-6
Kenngröße Daten
Länge 7.01 m
Höhe 2,49 m
Rotordurchmesser 8,05 m
Maximales Abfluggewicht 1225 kg
Maximale Außenlast 550 kg
Triebwerk Wellenturbine Allison T63-A-5A mit 285 Wellen-PS
Höchstgeschwindigkeit ca. 232 km/h (125 Knoten)
Steigleistung 8 m/sek
Reichweite 665 km (413 miles)

Bewaffnung[Bearbeiten]

Zuladung bis zu 550 kg an zwei Außenlastgestellen

OH-6[Bearbeiten]

MG-Behälter
  • 2 × 7,62-mm-Maschinengewehr U.S. Ordnance M60D mit 200 Schuss Munition
  • 2 × XM8-Waffensystem (automatischer 40-mm-Granatwerfer M129 mit 150 Schuss Munition)
  • 2 × XM27-Waffensystem mit einem horizontal schwenkbaren 7,62-mm-Maschinengewehr M134 „Minigun“ mit 2000 Schuss Munition.
Ungelenkte Luft-Boden-Raketen

MD-500 Defender[Bearbeiten]

Luft-Luft-Lenkflugkörper
Luft-Boden-Lenkflugkörper
Ungelenkte Luft-Boden-Raketen
  • 2 × LAU-59/A-Raketen-Rohrstartbehälter für je 7 × ungelenkte FFAR-Luft-Boden-Raketen; Kaliber 70 mm (2,75 inch)

AH-6M[Bearbeiten]

Luft-Boden-Lenkflugkörper (Panzerabwehr-Lenkflugkörper)

Literatur[Bearbeiten]

  • Kampf-Hubschrauber. Technik, Bewaffnung, Typen. Dörfler Verlag, 2002, ISBN 3-89555-061-2, S. 111–112.

Vergleichbare Hubschrauber[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: OH-6 Cayuse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Flugzeugtypen der Welt. Bechtermünz Verlag, 1997, ISBN 3-86047-593-2, S. 525-526.