3. Garde-Regiment zu Fuß

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3. Garde-Regiment zu Fuß
Aktiv 5. Mai 1860 bis 1919
Land Preußen Königreich Preußen
Streitkräfte Preußische Armee
Truppengattung Infanterie
Unterstellung Gardekorps
Historische Stationierungsorte Danzig, Hannover, Berlin
Jahrestage 5. Mai 1860
Die historische Pappel auf dem Tempelhofer Felde. Sie stand seit der Zeit des Soldatenkönigs und Friedrich des Großen. Hier zieht das Regiment an ihr vorbei. Die Fahne des II. Bataillons (zweite von links) nahm der Held von St. Leonard mit ins Grab.
Fahne des I. Bataillons

Das 3. Garde-Regiment zu Fuß war ein Garderegiment der Preußischen Armee.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Verband ging aus dem am 5. Mai 1860 gebildeten 1. kombinierten Garde-Infanterie-Regiment hervor. Dieses Datum markiert den Stiftungstag. Am 4. Juli 1860 erhielt es die Bezeichnung 3. Garde-Regiment zu Fuß. Stab, I. und Füsilier-Bataillon waren in Danzig, das II. Bataillon in Stettin stationiert. Erstmals rückte das Regiment Ende Februar 1863 anlässlich des Januaraufstand aus und wurde bis August 1863 in den Kreisen Neidenburg, Johannisburg und Lyck im Grenzschutz eingesetzt. Nach der Rückkehr von diesem Einsatz bezog der komplette Verband seine Garnison in Danzig. Nach Beendigung des Deutschen Krieges bezog das Regiment am 23. September 1866 die Kaserne am Waterlooplatz in Hannover als neue Garnison und war zuletzt von 1878 bis zur Auflösung in der Kaserne Wrangelstraße in Berlin stationiert. Am 1. Oktober 1911 wurde das Regiment um eine MG-Kompanie erweitert.[1]

Deutsch-Dänischer Krieg[Bearbeiten]

Nachdem das Regiment Anfang Dezember 1863 den Mobilmachungsbefehl erhalten hatte, rückte es Mitte Januar 1864 aus, verlegte über Hamburg an die schleswigsche Grenze und bezog am 2. Februar 1864 zunächst Quartiere in der Umgebung von Rendsburg. Am Dannewerk hatten die 10. Kompanie bei einer Erkundung am 5. Februar erstmals Feindkontakt mit dänischen Truppen. Das I. Bataillon klärte am 10. Februar bei Satrup und Nübel auf. Daran schloss sich die Einschließung und Belagerung von Fredericia an. Stab, I. und II. Bataillon kamen dann bei der Belagerung und am 18. April 1864 der Erstürmung der Düppeler Schanzen zum Einsatz. Nach dem Friedensschluss erfolgte die Rückverlegung über Lübeck und Berlin in die Garnison.

Deutscher Krieg[Bearbeiten]

Am 5. Mai 1866 erging der Mobilmachungsbefehl und das Regiment verlegte daraufhin am 24. Mai zunächst mit der Bahn nach Potsdam. Von dort trat es den Marsch nach Brieg an und überschritt am 26. Juni im Verbund mit der 1. Garde-Infanterie-Division die Grenze zu Böhmen. Bei Soor kam es am 28. Juni zu ersten Gefechten mit den Österreichern. Am Tag darauf gelang es dem I. und II. Bataillon bei Burkersdorf und Staudenz zwölf Offiziere und 394 Mann als Gefangene einzubringen. Die Füsiliere kamen im Gefecht bei Königinhof zum Einsatz, hatte aber keinen unmittelbaren Anteil am siegreichen Ausgang. In der Schlacht bei Königgrätz nahmen das I. und II. Bataillon am 3. Juli die strategisch wichtige Höhe bei Chlum ein und schaltete die dort positionierten feindlichen Artilleriebatterien aus. Während der Schlacht verlor das Regiment dreißig Mann und hatte vier Offiziere sowie 189 Mann an Verwundeten zu beklagen.

Deutsch-Französischer Krieg[Bearbeiten]

In der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 1870 erfolgte die Mobilmachung zum Krieg gegen Frankreich. Das Regiment marschierte am 30. Juli aus und verlegte über Bingen am Rhein an den Versammlungsort des Gardekorps südlich von Worms. Von hier aus trat es am 4. August den Vormarsch an und überschritt vier Tage später die Grenze zu Frankreich. In den Morgenstunden des 18. August 1870 erreichte das Regiment Doncourt und kam am selben Tag in der Schlacht bei Gravelotte zum Einsatz. In den verlustreichen Kämpfen verlor es 37 Offizier und 1065 Mann. Aus den Resten des II. und Füsilier-Bataillons wurden daher zwei Kompanien gebildet. Das Regiment nahm dann am Vormarsch auf Paris teil und erreichte die französische Hauptstadt am 19. September. In der Folge wirkte es im nordöstlichen Abschnitt an der Einschließung und Belagerung mit. Dabei wurden das I. Bataillon sowie die 9.–11. Kompanie am 21. Dezember bei einem Ausfallgefecht bei Le Bourget in Kämpfe verwickelt. Zu weiteren Kampfhandlungen kam es danach nicht mehr. Nach dem Friedensschluss nahm das Regiment am 16. Juni 1871 am feierlichen Einzug des Gardekorps in Berlin teil.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Als Teil der 1. Garde-Infanterie-Brigade machte das Regiment zu Beginn des Ersten Weltkriegs am 2. August 1914 mobil. Im Verbund mit der 1. Garde-Infanterie-Division nahm es am Vormarsch in das neutrale Belgien teil und kämpfte bei Namur. Daran schlossen sich die Schlachten bei Arras und in Flandern sowie die dortigen Stellungskämpfe an. Im Verlauf des Krieges änderte sich das Unterstellungsverhältnis und der Verband kam am 11. Februar 1917 zur 2. Garde-Infanterie-Brigade.

Verbleib[Bearbeiten]

Denkmal für die Gefallenen des 3. Garde-Regiments zu Fuß (1914-1918) in Döberitz. Einweihung am 6. Mai 1923. Nach 1945 zerstört.

Nach der Rückführung in die Heimat wurde das Regiment ab 13. Dezember 1918 in Berlin demobilisiert und im Juni 1919 schließlich aufgelöst. Es bildeten sich keine Freiformationen.

Die Tradition übernahm in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung General der Infanterie Hans von Seeckt vom 24. August 1921 die 2. Kompanie des 9. (Preußisches) Infanterie-Regiments in Potsdam.

Kommandeure[Bearbeiten]

Dienstgrad Name Datum[2]
Oberstleutnant/Oberst Wilhelm von der Groeben 01. Juli 1860 bis 17. April 1865
Oberstleutnant Julius Knappe von Knappstaedt 18. April bis 15. Juni 1865
(mit der Führung beauftragt)
Oberst Julius Knappe von Knappstaedt 16. Juni 1865 bis 15. Mai 1867
Oberst Hugo von Thile 18. Mai 1867 bis 17. Juni 1869
Oberst Hans Heimart Ferdinand von Linsingen 18. Juni 1869 bis 3. Juli 1872
Oberst Rudolf von Thile 04. Juli 1872 bis 14. Oktober 1874
Oberst Ernst von Grolman 15. Oktober 1874 bis 9. April 1880
Oberstleutnant Paul von Kropff 10. bis 11. April 1880
Oberstleutnant/Oberst Paul von Kropff 12. April 1880 bis 10. Februar 1886
Oberstleutnant Viktor von Loßberg 11. Februar bis 17. September 1886
(mit der Führung beauftragt)
Oberst Viktor von Loßberg 18. September 1886 bis 21. September 1888
Oberst Heinrich von Goßler 22. September 1888 bis 13. Februar 1891
Oberst Ulrich von Bismarck 14. Februar 1891 bis 17. August 1894
Oberst Heinrich von Twardowski 18. August 1894 bis 11. September 1896
Oberst Reinier von Ende 12. September 1896 bis 14. Juni 1898
Oberst Alfred von Loewenfeld 15. Juni 1898 bis 21. Juli 1900
Oberst Georg von Haslingen 22. Juli 1900 bis 30. April 1904
Oberst Georg von Krosigk 01. Mai 1904 bis 12. Februar 1906
Oberst Ernst von Arnim 15. Februar 1906 bis 17. Mai 1907
Oberst Hermann Rieß von Scheurnschloß 18. Mai 1907 bis 26. Oktober 1908
Oberstleutnant Hugo Elstermann von Elster 27. Oktober 1908 bis 23. März 1909
(mit der Führung beauftragt)
Oberst Hugo Elstermann von Elster 24. März 1909 bis 1. April 1912
Oberst Karl von Lewinski 02. April 1912 bis 1. August 1914
Oberstleutnant Wather von Schultzendorff 03. August 1914 bis 20. Oktober 1915
Oberstleutnant Dietrich Georg Milchling von Schönstadt 21. Oktober 1915 bis 27. August 1918
Major Johannes von Schierstädt 28. August 1918 bis 13. Januar 1919
Oberstleutnant Dietrich Georg Milchling von Schönstadt 14. Januar bis 14. Juni 1919

Literatur[Bearbeiten]

  • K. von Dunker: Das 3. Garde-Regiment zu Fuß. 1860 bis 1908. E.S. Mittler & Sohn. Berlin 1908.
  • Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914-1918. Teil VI: Infanterie. Band 1: Infanterie-Regimenter. Verlag Militaria. Wien 2007. ISBN 978-3-902526-14-4. S. 19f.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Curt Jany: Geschichte der Preußischen Armee vom 15. Jahrhundert bis 1914. Band 4. Biblio Verlag. Osnabrück 1967. S. 305.
  2. Günter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag. Osnabrück 1992. ISBN 3-7648-1782-8. S. 10f.