Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4

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Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4
Aktiv 1860 bis 1. Juli 1919
Land Preußen Königreich Preußen
Streitkräfte Preußische Armee
Truppengattung Infanterie
Unterstellung Gardekorps
Historische Stationierungsorte Koblenz, Spandau, zuletzt Berlin
Spitzname „Augustaner“
Kaserne des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4 (Stadtplan von 1895)
Kriegerdenkmal in Berlin

Das Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4 wurde 1860 in Koblenz aufgestellt. Es gehörte zum Gardekorps der Preußischen Armee und trug den Ehrennamen der Königin Augusta.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Tod der Königin Augusta im Jahre 1890 wurde das Regiment 1893 von deren letztem Wohnsitz in Koblenz nach Spandau verlegt. Es erfolgte die Umbenennung von 4. Garde-Grenadier-Regiment Königin in Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4. 1897 wurde dann Berlin letzter Friedensstandort der „Augustaner“ (Kasernenanlagen am Columbiadamm).

Zum 25-jährigen Chef-Jubiläum der preußischen Königin (A.K.O. vom 14. Oktober 1886) erhielten die aktiven Offiziere des Regiments als Geschenk neue Seitenwaffen: „Augustaner-Degen“ für das I. und II. Bataillon und „Augustaner-Säbel“ für das III. (Füsilier-)Bataillon. Es handelte sich dabei um Infanterie-Offizier-Degen und Füsilier-Offizier-Säbel in einer eigenständigen und nur bei diesem Regiment geführten Form. Die Portepee-Unteroffiziere trugen weiterhin die regulären preußischen Offizier-Seitengewehre.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs machte das Regiment am 2. August 1914 mobil und rückte im Verband mit der 2. Garde-Division in das neutrale Belgien ein. Hier nahm es zunächst u.a. an den Schlachten an der Sambre und bei St. Quentin teil, bis der Verband Mitte Oktober 1914 in Flandern und Artois in den Stellungskrieg überging. Im Januar 1915 kurzzeitig dem Gardekorps direkt unterstellt, war das Regiment vom 21. Januar bis 20. Februar 1915 bei der 1. Garde-Division und kam anschließend wieder zur 2. Garde-Division. Mit dieser Division verlegte der Verband Ende April 1915 an die Ostfront und kämpfte u.a. in der Schlacht von Gorlice-Tarnów und bei Lemberg. Im September 1915 kehrte das Regiment an die Westfront zurück, nahm im Herst 1915 an der Herbstschlacht bei La Bassée und Arras sowie 1916 an der Schlacht an der Somme teil. Unterbrochen wurde diese Gefechtstätigkeit durch laufende Stellungskämpfe. Im Oktober 1916 hatte das Regiment eine 2. und 3. MG-Kompanie erhalten. Nach der Schlacht an der Aisne und den folgenden Stellungskämpfen in den Argonnen kam der Verband ein weiteres Mal in den Osten. Hier lag es in Stellungskämpfen und beteiligte sich an der Durchbruchsschlacht in Ostgalizien sowie der Schlacht um Riga. Das Regiment verlegte wieder in den Westen, wo es zunächst in den Stellungskämpfen am Chemin des Dames eingesetzt wurde. Hier erlitt es schwere Verluste, sodass sich die Reste des Regiments am 23. Oktober 1917 zu zwei Kampfbataillonen mit drei MG-Kompanien formierten. Mitte November 1917 bestand es nach Ergänzungen wieder aus drei Bataillonen. Am 8. September 1918 erhielt das Regiment noch eine MW-Kompanie.

Verbleib[Bearbeiten]

Nach Kriegsende wurde das Regiment in Rosenberg zunächst demobilisiert und schließlich am 1. Juli 1919 aufgelöst. Aus den Resten bildete sich bereits Anfang Dezember 1918 ein Grenzschutz-Bataillon, das dann bis April/Mai 1919 bestand. Ferner wurde im Januar 1919 mit der Aufstellung des Freiwilligen-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4 begonnen, dass ebenfalls im Grenzschutz eingesetzt und später als III. Bataillon in das Reichswehr-Infanterie-Regiment 51 übernommen wurde.[1]

Die Tradition übernahm in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung General der Infanterie Hans von Seeckt vom 24. August 1921 die 9. Kompanie des 8. (Preußisches) Infanterie-Regiments in Lübben.

Kommandeure[Bearbeiten]

Dienstgrad Name Datum
Oberstleutnant/Oberst Guido von Oppell 1. Juli 1860 bis 16. Mai 1864
Oberst Rudolph von Pawel 17. bis 19. Mai 1864
Oberst Rudolph Otto von Budritzki 21. Mai 1864 bis 17. April 1865
Oberstleutnant/Oberst Otto von Strubberg 18. April 1865 bis 21. März 1868
Oberst Gustav von Stiehle 22. März 1868 bis 30. November 1869
Oberstleutnant Georg von Waldersee 13. Januar bis 30. Oktober 1870
Oberst Armand von Lucadou 20. Juni 1871 bis 10. Februar 1875
Oberstleutnant Rudolf von Minckwitz 11. Februar 1875 bis 11. Februar 1876
Oberstleutnant/Oberst Rudolf von Minckwitz 12. Februar 1876 bis 26. Dezember 1881
Oberstleutnant/Oberst Oskar von Schaurath 27. Dezember 1881 bis 1. November 1882
Oberst Oskar von Schaurath 2. November 1882 bis 31. August 1887
Oberstleutnant Ludwig von Hammerstein-Loxten 1. September 1887 bis 13. Februar 1888
Oberst Ludwig von Hammerstein-Loxten 14. Februar 1888 bis 10. Juni 1890
Oberst Ludwig von Falkenhausen 11. Juni 1890 bis 17. Juni 1892
Oberstleutnant Georg von Braunschweig 24. September 1892 bis 26. Januar 1893 (mit der Führung beauftragt)
Oberst Georg von Braunschweig 27. Januar 1893 bis 29. Mai 1896
Oberst Gustav von Seckendorff 30. Mai 1896 bis 26. Januar 1898
Oberst Wilhelm Graf von Kanitz 27. Januar 1898 bis 1901
N.N.
Oberst Hans von Below 22. März 1912 bis 31. Juli 1914
N.N.
Major Walter von Schleinitz 26. Juli 1918 bis März 1919

Bekannte Regimentsangehörige[Bearbeiten]

Denkmal[Bearbeiten]

Das Kriegerdenkmal stammt von Franz Dorrenbach (1925) und befindet sich auf dem städtischen Friedhof am Columbiadamm in Berlin (Neuer Garnisonfriedhof Berlin).

Literatur[Bearbeiten]

  • Maximilian von Braumüller: Geschichte des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4. 2. Auflage. Berlin 1907.
  • Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914-1918. Teil VI: Infanterie. Band 1: Infanterie-Regimenter. Verlag Militaria. Wien 2007. ISBN 978-3-902526-14-4. S. 31-32.
  • Günter Wegner: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815-1939. Band 1. Biblio Verlag. Osnabrück 1993.
  • Christine Monika Richter: Das Denkmal für die Gefallenen des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4 auf dem Garnisonfriedhof in Berlin-Neukölln. In: Jahrbuch des Vereins für die Geschichte Berlins. 2004.
  • Erich Engelke: Ordnung und Reinlichkeit. Soldatenleben im Fort Konstantin. In: Fort Konstantin. Historischer Ort mit Zukunft. Zum 20-jährigen Bestehen des Vereins PRO KONSTANTIN (1993-2013). Hrsg.: PRO KONSTANTIN e. V. Gesamtredaktion: Sebastian Gleixner. Garwain Verlag. Koblenz 2013. ISBN 978-3-936436-24-2. S. 57-66.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914-1918. Teil VI: Infanterie. Band 1: Infanterie-Regimenter. Verlag Militaria. Wien 2007. ISBN 978-3-902526-14-4. S. 31-32.