Kaulsdorf (Saale)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Kaulsdorf
Kaulsdorf (Saale)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Kaulsdorf hervorgehoben
50.62194444444411.43240Koordinaten: 50° 37′ N, 11° 26′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Saalfeld-Rudolstadt
Höhe: 240 m ü. NHN
Fläche: 21,73 km²
Einwohner: 2637 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 121 Einwohner je km²
Postleitzahl: 07338
Vorwahlen: 036733, 03671 (Breternitz)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: SLF, RU
Gemeindeschlüssel: 16 0 73 038
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Straße des Friedens 27
07338 Kaulsdorf
Webpräsenz: www.kaulsdorf-saale.de
Bürgermeister: Hans-Jürgen Oßwald (CDU)
Lage der Gemeinde Kaulsdorf im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
Allendorf Altenbeuthen Bad Blankenburg Bechstedt Cursdorf Deesbach Döschnitz Dröbischau Drognitz Gräfenthal Hohenwarte Kamsdorf Katzhütte Kaulsdorf (Saale) Königsee-Rottenbach Lehesten Leutenberg Lichte Mellenbach-Glasbach Meura Meuselbach-Schwarzmühle Oberhain Oberweißbach/Thüringer Wald Piesau Probstzella Reichmannsdorf Remda-Teichel Rohrbach Königsee-Rottenbach Rudolstadt Saalfeld/Saale Saalfelder Höhe Schmiedefeld (Lichtetal) Schwarzburg Sitzendorf Uhlstädt-Kirchhasel Unterweißbach Unterwellenborn Wittgendorf ThüringenKarte
Über dieses Bild

Kaulsdorf ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.

Geografie[Bearbeiten]

Kaulsdorf liegt im südöstlichen Thüringen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt direkt im Saaletal, am Eingang zum Thüringer Schiefergebirge inmitten einer Mittelgebirgslandschaft mit steilen Berghängen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind (im Uhrzeigersinn) Kamsdorf, Unterwellenborn, Hohenwarte, Leutenberg, Probstzella, Saalfelder Höhe und die Stadt Saalfeld/Saale.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Seit 1994 besteht die Gemeinde aus fünf Ortsteilen,[2] diese sind:

Den Ort kennzeichnet ein warmes Talklima, eine dauerhafte Schneedecke im Winter ist selten. Kaulsdorf liegt auf der Leeseite des Thüringer Waldes, mit Niederschlägen um 600 mm im Jahr. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt um 8,3 Grad Celsius.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort wurde erstmals 1074 in einer Urkunde des Benediktinerklosters Saalfeld urkundlich erwähnt. 1425 wurde erstmals urkundlich die Kaulsdorfer Saalmühle erwähnt.[3] Eine durch Gräben zusätzlich geschützte Burg lag an der Stelle des bis heute gut erhaltenen Schlosses. 1346 nannte man einen Siedelhof und meinte wohl die befestigte Anlage. Das jetzige Schloss wurde 1678 auf den Grundmauern der Burg aufgebaut.[4][5]

Ursprünglich gehörte Kaulsdorf als Wettiner Lehen zur Grafschaft Orlamünde. Deren Landesteil Lauenstein wurde 1427 der Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth unter böhmischer Oberlehnsherrschaft zum Lehen aufgetragen und 1438 an die Schwarzburger, von diesen 1503 an die Mansfeld-Vorderort verkauft. Bereits 1506 veräußerten die Mansfeld den Ort an die von Thüna wiederkäuflich als Lehen für 12.000 Gulden unter Vorbehalt der Ritterlehne. 1560 kauften die von Thüna Kaulsdorf denen von Enzenberg (ein Drittel der Nutzfläche) ab, wobei über die Lehnsherrschaft einzelner Dörfer zwischen Wettinern, Markgrafen und Mansfeldern Streit bestand. Lauenstein wurde 1600 Reichslehen der von Thüna, die es aber 1622 an die Markgrafen verkauften, zu deren (strittigen) Zubehör Kaulsdorf nun wurde. Das Gut fiel 1631 an die von Streitberg, 1645 an die von Dobeneck, die es 1687 mit dem Könitz’schen Besitz, der seit ca. 1370 bestand, etwa ein Viertel der Nutzfläche, vereinigten. Praktisch übten die Wettiner vom 16. bis 18. Jahrhundert die Oberlehnsherrschaft aus. 1776 konnten die Mansfelder ihre Forderungen gegen Sachsen-Saalfeld beim Reichshofrat durchsetzen. Nach ihrem Aussterben 1780 besetzte Kursachsen unter Berufung auf eine Verpfändung der Ernestiner von 1567 die Exklave, die dann 1787 nach Protest der Markgrafen beim Reichshofrat wieder an diese fiel.

Nach deren Regierungsverzicht 1791 fiel die Exklave an Preußen, das auch 1795 das Gut aufkaufte und parzelliert an Bauern und Bürger weiterverkaufte. Napoleon annektierte 1806 die Herrschaft Kaulsdorf und gab sie 1810 an Bayern weiter. Nach dem verlorenen Krieg von 1866 fiel Kaulsdorf wieder an Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Ziegenrück. 1944 kam es an Thüringen, Kreis Saalfeld. 1952 kam es zum Bezirk Gera, Kreis Saalfeld, und mit diesem 1990 zum Freistaat Thüringen.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1994: Stand jeweils 31. Dezember):

  • 1933: 842[7]
  • 1939: 903[7]
  • 1994: 3189
  • 1995: 3213
  • 1996: 3228
  • 1997: 3195
  • 1998: 3192
  • 1999: 3191
  • 2000: 3160
  • 2001: 3101
  • 2002: 3053
  • 2003: 3017
  • 2004: 2963
  • 2005: 2942
  • 2006: 2924
  • 2007: 2893
  • 2008: 2850
  • 2009: 2804
  • 2010: 2761
  • 2011: 2730
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[8][9]
Wahlbeteiligung: 60,2 % (2004: 58,7 %)
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
62,3 %
17,1 %
10,9 %
9,8 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-9,4 %p
-2,8 %p
+10,9 %p
+1,4 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
b 2004: PDS
c Gewerbe- und Fremdenverkehrsverein Kaulsdorf in Thüringen e.V.

Kaulsdorf besitzt den Status einer erfüllenden Gemeinde. Die beauftragenden Gemeinden sind Altenbeuthen, Drognitz und Hohenwarte.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat aus Kaulsdorf setzt sich aus 14 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

  • CDU: 9 Sitze (–3)
  • LINKE: 2 Sitze (–1)
  • Gewerbe- und Fremdenverkehrsverein Kaulsdorf: 2 Sitze (+2)
  • SPD: 1 Sitz (±0)

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der hauptamtliche Bürgermeister Hans-Jürgen Oßwald wurde am 7. Mai 2006 wiedergewählt.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen von Kaulsdorf wurde am 23. September 1992 genehmigt. Blasonierung: „In Rot, geteilt durch ein schrägliegendes, mit drei roten Sternen belegtes, silbernes Wellenband, oben eine silberne Weintraube mit zwei Blättern, unten ein silbernes Eichenblatt.“

Das Wappen von Hockeroda wurde am 2. September 1992 genehmigt. Blasonierung: „In Silber eine blaue Wellendeichsel, begleitet von drei grünen Nadelbäumen.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Naturdenkmale[Bearbeiten]

Der nahegelegene Hohenwarte-Stausee ist ein Naherholungsgebiet mit Campingplätzen und Fahrgastschifffahrt. Kaulsdorf liegt am Saaleradweg. Der nur einen Kilometer entfernte Lohmturm bietet einen umfassenden Ausblick über die Gemeinde und das Saaletal. In Kaulsdorf findet das alljährliche Gänsemarktfest statt.

Baudenkmale[Bearbeiten]

Das Schloss Eichicht

Von weitem kann man das Schloss Eichicht sowie das tiefer gelegene Schloss Kaulsdorf sehen. Unweit im Nachbarort Hohenwarte liegt das Pumpspeicherwerk Hohenwarte sowie die Sperrmauer des Hohenwarte-Stausees, welcher Deutschlands viertgrößter Stausee ist und zum Verbund der Saalekaskade gehört.

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten]

Ein Gedenkstein auf dem Friedhof erinnert seit 1970 an 25 Opfer der Zwangsarbeit, die hunderte Menschen aus Osteuropa für den Bau von Rüstungsanlagen der REIMAHG verrichten mussten. Ein weiterer Gedenkstein erinnert seit 1985 an die Opfer des Todesmarsches aus dem KZ Buchenwald, der nahe der Saale vorbei führte.[10]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Kaulsdorf besitzt angesichts seiner Ortsgröße ein ausgeprägtes und intaktes Gewerbe- und Handelsleben mit vielen Geschäften, Handwerkern und Familienbetrieben.

Der Sportplatz und das Bürgerhaus ergänzen spezielle Freizeitangebote.

Verkehr[Bearbeiten]

Kaulsdorf liegt an der Bahnstrecke Saalfeld–Probstzella, die auf bayerischer Seite als Frankenwaldbahn weiter nach Lichtenfels führt. Im Gemeindegebiet liegen die Haltepunkte Breternitz, Kaulsdorf (Saale) und Hockeroda. In Hockeroda zweigt eine Nebenbahn nach Bad Lobenstein und Blankenstein (Saale) ab. An allen Stationen außer Hockeroda halten Regionalbahnen der Linie Saalfeld (Saale)–Bamberg, an allen Stationen die Regionalzüge der Relation Saalfeld (Saale)–Blankenstein, in Kaulsdorf zusätzlich Regional-Express-Züge der Relation Jena–Lichtenfels.

Parallel zur Frankenwaldbahn verläuft die Bundesstraße 85, parallel zur Strecke nach Blankenstein die Bundesstraße 90.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Thüringer Verordnung über die Auflösung der Gemeinden Breternitz-Fischersdorf, Hockeroda und Weischwitz und ihre Eingliederung in die Gemeinde Kaulsdorf vom 21. März 1994 (GVBl S. 374); a) § 5 geändert durch Verordnung vom 17. Juni 1994 (GVBl. S. 774)
  3. Werner Dietzel: Mühlen zwischen oberer Saale und Thüringer Becken Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2012, ISBN 978-3-86777-453-6, S.17
  4. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze Jenzig-Verlag 2001 S. 153/1954 ISBN 3-910141-43-9
  5. Burg
  6. Bernd Feicke: Zeitweiliger Besitz der Mansfelder Grafen in Thüringen, in: Zs. f. Heimatforschung, H. 15, Halle 2006, S. 36-42, dort weitere Lit. u. Karte
  7. a b http://www.verwaltungsgeschichte.de/ziegenrueck.html
  8. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2009&zeigeErg=GEM&wknr=073&gemnr=73038
  9. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2004&zeigeErg=GEM&wknr=073&gemnr=73038
  10. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 234, ISBN 3-88864-343-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaulsdorf (Saale) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien