Lehesten (Thüringer Wald)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Lehesten
Lehesten (Thüringer Wald)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Lehesten hervorgehoben
50.46666666666711.449722222222640Koordinaten: 50° 28′ N, 11° 27′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Saalfeld-Rudolstadt
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Schiefergebirge
Höhe: 640 m ü. NHN
Fläche: 35,96 km²
Einwohner: 1795 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 50 Einwohner je km²
Postleitzahl: 07349
Vorwahlen: 036653, 036652 (Brennersgrün)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: SLF, RU
Gemeindeschlüssel: 16 0 73 046
Stadtgliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Obere Marktstraße 1
07349 Lehesten
Webpräsenz: www.lehesten.de
Bürgermeister: Andreas Ludwig (Die Linke)
Lage der Stadt Lehesten im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
Allendorf Altenbeuthen Bad Blankenburg Bechstedt Cursdorf Deesbach Döschnitz Dröbischau Drognitz Gräfenthal Hohenwarte Kamsdorf Katzhütte Kaulsdorf (Saale) Königsee-Rottenbach Lehesten Leutenberg Lichte Mellenbach-Glasbach Meura Meuselbach-Schwarzmühle Oberhain Oberweißbach/Thüringer Wald Piesau Probstzella Reichmannsdorf Remda-Teichel Rohrbach Königsee-Rottenbach Rudolstadt Saalfeld/Saale Saalfelder Höhe Schmiedefeld (Lichtetal) Schwarzburg Sitzendorf Uhlstädt-Kirchhasel Unterweißbach Unterwellenborn Wittgendorf ThüringenKarte
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Lehesten ist eine Landstadt im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen. Die Stadt gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Schiefergebirge, die ihren Verwaltungssitz in der Gemeinde Probstzella hat.

Geografie[Bearbeiten]

Lehesten liegt im südöstlichen Teil des Thüringer Waldes, dem Thüringer Schiefergebirge, direkt am Rennsteig.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt gehören die Ortsteile Brennersgrün, Röttersdorf und Schmiedebach mit der Siedlung Bärenstein.

Geschichte[Bearbeiten]

Die „Kantors-Insel“ ist eine mittelalterliche Burgstelle einen Kilometer nördlich von Lehesten entfernt, kurz vor dem Abzweig nach Schmiedebach. Am oberen Ausgang des Wiesentals hat sich ein kleiner Ringwall erhalten. Der Graben um diese Fläche ist erhalten und der Wall noch zu erkennen. Es war wohl ein Herrensitz.[2] Erstmals wurde Lehesten 1071 urkundlich erwähnt. Das Dorf gehörte im Mittelalter zum Besitz des Klosters Saalfeld. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich der Ort aufgrund seiner Lage an der Straße von Kronach nach Pößneck zur Stadt. Ab 1651 ist ein aus einem Bürgermeister und drei Beisitzern bestehender Rat nachgewiesen.

Im „Fröhlichen Tal“ beim heutigen Stadtteil Schmiedebach wurden im Zweiten Weltkrieg Triebwerke für die V2-Rakete von bis zu 1227 Kriegsgefangenen gebaut und getestet. Wenn Zwangsarbeiter durch die unmenschlichen Lebensbedingungen starben oder erkrankten, wurde die Belegung durch Neuzugänge aus dem KZ Buchenwald oder von Stammlagern aufgefüllt. Zu den 603 nachgewiesenen Todesopfern kamen mindestens tausend weitere Häftlinge, die in die KZ Bergen-Belsen und Dora-Mittelbau deportiert worden waren. Auf den Evakuierungsmärschen im April 1945 starben zahlreiche weitere Häftlinge. Seit 1956 erinnert an die Tragödie ein zuerst errichteter Gedenkstein und seit 1979 eine Gedenkstätte, die seit 1989 schrittweise umgebaut wurde.[3]

Zu einer Namensänderung kam es am 1. Mai 1992, als sich die Stadt von Lehesten/Thür. Wald in Lehesten umbenannte.

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Rat der Stadt Lehesten besteht aus zwölf Gemeinderäten.

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Andreas Ludwig wurde am 26. September 2010 gewählt.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Gold eine stilisierte bewurzelte Tanne.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

Schieferbergbaumuseum Lehesten

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Etwa vier Kilometer südlich von Lehesten befindet sich der Wetzstein, der zweithöchste Berg des Frankenwaldes. Etwas unterhalb des Gipfels wurde in den Jahren 2000–2004 der Altvaterturm erbaut. Eine der alten Schiefergruben etwa einen Kilometer südlich von Lehesten im Naturschutzgebiet Staatsbruch ist mit Wasser vollgelaufen und bildet eine Badegelegenheit mit klarem und erfrischendem Wasser im Hochsommer, das durch die Schiefer erwärmt wird. Allerdings sollte das Wasser aufgrund des Alaungehaltes nicht getrunken werden.

Bauwerke[Bearbeiten]

Pferdegöpel in Lehesten
  • Im Vorraum der Kirche befindet sich die größte jemals in einem Stück gehauene Schiefertafel (308 x 253 cm).
  • Im Schieferpark befindet sich Europas einziger erhaltener Pferdegöpel

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Schieferbruch Lehesten

Bergbau und Gewerbe[Bearbeiten]

Wirtschaftliche Grundlage der Stadt war der ab Ende des 15. Jahrhunderts belegte Schieferabbau. Es existierten zwei große Schieferbrüche, der dem Herzogtum gehörende Herrschaftsbruch und der nach seinem Besitzer genannte Oertelsbruch. Die herzoglichen Schieferbrüche wurden Ende 1918 vom Freistaat Sachsen-Meiningen übernommen, bis sie schließlich 1920 in den Besitz des Landes Thüringen übergingen. Die Gewinnung wurde 1999 eingestellt. Die Lehestener Tagebaue gelten als die umfangreichsten des europäischen Festlandes und sind als Schiefer-Besucherbergwerk zugänglich.

Im Gefolge der Schiefergewinnung entstand in Lehesten ein bedeutendes Dachdeckergewerbe mit der ältesten Dachdeckermeisterschule Deutschlands. Bis zum Bau der Eisenbahnstrecke nach Lehesten waren in der Stadt auch zahlreiche Fuhrunternehmen ansässig, deren überwiegendes Transportgut gleichfalls der Schiefer war (Schieferfuhrordnung von 1698).

Verkehr[Bearbeiten]

Lehesten liegt an der Thüringisch-Fränkischen Schieferstraße.

Am 1. Dezember 1885 wurde durch die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen die 7,6 km lange Bahnstrecke Ludwigsstadt–Lehesten eröffnet. Da nach Ende des Zweiten Weltkrieges die Strecke über die innerdeutsche Grenze zwischen Amerikanischer und Sowjetischer Besatzungszone verlief, wurde der Personenverkehr nicht mehr aufgenommen. Von 1947 bis 1951 gab es aber noch Güterverkehr zur Schieferabfuhr, bis am 11. Juli 1951 die Strecke durch die DDR endgültig geschlossen wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Patze und Peter Aufgebauer (Hrsg.): Thüringen. In: Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands. Band 9. Kröner-Verlag 1989, ISBN 3-520-31302-2
  • Henry Hatt: Ignorierte Geheimobjekte Hitlers. Geheimnisse um die über 30 Geheimobjekte Hitlers in den Schiefergruben von Lehesten und Umgebung. Hattenhauer, Ludwigsstadt 1995, ISBN 3-930988-00-3 (Lehesten wurde auch in Verbindung mit dem mutmaßlichen Versteck des Bernsteinzimmers bekannt)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche WohnplätzeJenzig-Verlag,2001, ISBN 3-910141-43-9,S.181
  3. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 235f., ISBN 3-88864-343-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lehesten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien