Ken Loach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ken Loach in Cannes 2014

Kenneth „Ken“ Loach [ˈkɛn ˈləʊtʃ] (* 17. Juni 1936 in Nuneaton, Warwickshire) ist ein britischer Filmregisseur und Drehbuchautor. Loach wurde bekannt durch seinen naturalistischen Regiestil mit Schwerpunkt auf dem sozialen Drama sowie durch seine sozialistischen Überzeugungen.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Ken Loach ist der Sohn eines Elektrikers und studierte Jura am St Peter’s College der Oxford University. Er entschied sich jedoch, als Schauspieler mit einer Theatertruppe auf Tournee zu gehen, und wechselte 1964 zum Fernsehen (BBC). Loach erregte landesweit Aufmerksamkeit mit dem Sozialdrama Cathy Come Home (1966). Der Film handelt von einem jungen Paar, dessen unverschuldeter Arbeits- und Obdachlosigkeit und davon, dass ihnen deswegen die gemeinsamen Kinder von den Sozialbehörden weggenommen werden. Als allseits bekanntem, bekennendem Trotzkisten versuchte man Loach in den 1970er Jahren, insbesondere in der Thatcher-Ära, durch Sendeverbote und Zensurmaßnahmen das Arbeiten zu erschweren.

Loach hat erst spät in seinem Leben als angesehener europäischer Filmemacher Anerkennung erfahren. Seine Filme stehen in der Tradition des italienischen Neorealismus, den er zu einem britischen Sozialrealismus weiterentwickelte. So schuf er seit den 1960er Jahren einige bedeutende Filme, die ein genaues Bild der zeitgenössischen gesellschaftlichen Situation seines Landes zeichneten. Andere Filme, wie etwa Land and Freedom über den Spanischen Bürgerkrieg und Carla’s Song über den Bürgerkrieg in Nicaragua zeugen von seinem Interesse für den spanischsprachigen Raum bzw. die Situation der „illegalenHispanics in den USA (Bread and Roses).

Ken Loach war häufig mit Filmen auf der Berlinale vertreten und gewann dort diverse Preise. Zuletzt erhielt er 2004 den Preis der Ökumenischen Jury und den der Jury der Gilde-Filmtheater für seinen Film Just a Kiss. 2006 gewann Loach die Goldene Palme der 59. Filmfestspiele in Cannes. Die Auszeichnung bekam er für den Film The Wind That Shakes the Barley, der vom irischen Freiheitskampf in den 1920er Jahren des letzten Jahrhunderts handelt.

Ken Loach

Während des Wahlkampfs um die französische Präsidentschaft 2007 unterstützte Loach Olivier Besancenot, den Kandidaten der trotzkistischen Ligue Communiste Révolutionnaire (LCR, Revolutionär-Kommunistischer Bund). Im selben Jahr war er mit dem Sozialdrama It’s a Free World im Wettbewerb der 64. Filmfestspiele von Venedig vertreten.

2009 erhielt er für Looking for Eric eine Einladung in den Wettbewerb der 62. Filmfestspiele von Cannes. Der Film handelt von einem fußballbegeisterten Briefzusteller (gespielt von Steve Evets), der in eine Lebenskrise gerät und von dem ehemaligen Fußballspieler Éric Cantona unterstützt wird. Ein Jahr später wurde Loach mit Route Irish dort zum neunten Mal in den Wettbewerb eingeladen. Das Drama handelt von der englischen Intervention im Irak.

Häufig arbeitet Loach mit dem Kameramann Barry Ackroyd und dem Drehbuchautor Paul Laverty zusammen. Produziert werden seine Werke von Rebecca O’Brien. Zuletzt entstand in Kooperation mit Laverty und O’Brien der Spielfilm The Angels’ Share (2012), der zwischen Mai und Juni in Glasgow und den Highlands abgedreht wurde. Im Mittelpunkt der Sozialkomödie steht ein arbeitsloser Kleinkrimineller, der nach der Geburt seines Sohnes gemeinnützige Arbeit verrichten muss und beim Besuch einer Whisky-Brennerei eine neue berufliche Perspektive entdeckt. Ein schwerer Sturz des Regisseurs zu Beginn der Dreharbeiten sorgte für mehrere Wochen Verzögerung.[1] 2012 erhielt Loach für The Angels’ Share seine elfte Einladung in den Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes, der Film wurde mit dem Preis der Jury ausgezeichnet.

Ken Loach lebte mit seiner Familie längere Zeit in Bath, England. Sein jetziger Wohnsitz ist London, wo auch seine Produktionsfirma Sixteen Films ansässig ist.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Fernsehreportagen[Bearbeiten]

  • Ken Loach: Fürsprecher der Arbeiterklasse. Gespräch, Frankreich, Deutschland, 2012, 43 Min., Moderation: Vincent Josse, Produktion: arte France, Redaktion: Square, Erstsendung: 21. Oktober 2012 bei arte (Film-Informationen und Videos von arte)
  • „Frei ist, wer Geld hat“ – Ken Loach und sein bedrückendes Sozialdrama über Tagelöhner. Produktion: hr, Redaktion: ttt – titel, thesen, temperamente, Erstausstrahlung: 16. November 2008 (mit Video, 4:23 Min.)

Literatur[Bearbeiten]

  • Jong Uk Yun: Die Spielfilme von Ken Loach. Perspektive eines realistischen Kinos. Büchner-Verlag, Darmstadt 2010, ISBN 978-3-941310-10-0.
  • Das Buch zum Film „Land and Freedom“. Ken Loachs „Geschichte aus der Spanischen Revolution“. edition tranvía, Berlin 1996, ISBN 978-3-925867-20-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ken Loach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Presse-Artikel

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Angels’ Share auf timeout.com (abgerufen am 22. April 2012).
  2. Liste der verliehenen Ehrendoktorwürden der UWE, abgerufen am 3. November 2009
  3. Liste der verliehenen Ehrendoktorwürden der University of Bristol, abgerufen am 3. November 2009