Kreuzprodukt
Das Kreuzprodukt (auch Vektorprodukt, vektorielles Produkt oder äußeres Produkt genannt) ist eine Verknüpfung im euklidischen Vektorraum, die im dreidimensionalen Fall zwei Vektoren wieder einen Vektor zuordnet. Um es von anderen Produkten, insbesondere vom Skalarprodukt, zu unterscheiden, wird es mit einem Malkreuz als Multiplikationszeichen geschrieben.
Das Kreuzprodukt der Vektoren
und
ist ein Vektor, der senkrecht auf der von den beiden Vektoren aufgespannten Ebene steht und mit ihnen ein Rechtssystem bildet. Die Länge dieses Vektors entspricht dem Flächeninhalt des Parallelogramms, das von den Vektoren
und
aufgespannt wird.
In der Physik tritt das Kreuzprodukt beispielsweise bei der Berechnung der Lorentzkraft sowie in diversen Drehgrößen wie Drehmoment, Drehimpuls, Corioliskraft usw. auf.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geometrische Definition
Das Kreuzprodukt
von zwei Vektoren
und
im dreidimensionalen Anschauungsraum ist ein Vektor, der orthogonal zu
und
, und damit zu der von
und
aufgespannten Ebene ist.
Dieser Vektor ist so orientiert, dass
und
in dieser Reihenfolge ein Rechtssystem bilden, das heißt,
und
verhalten sich wie Daumen, Zeigefinger und abgespreizter Mittelfinger der rechten Hand (Rechte-Hand-Regel).
Der Betrag von
gibt den Flächeninhalt des von
und
aufgespannten Parallelogramms an. Ausgedrückt durch den von
und
eingeschlossenen Winkel
gilt
Dabei bezeichnen
und
die Längen der Vektoren
und
, und
ist der Sinus des von ihnen eingeschlossenen Winkels
.
Zusammenfassend gilt also
wobei der Vektor
derjenige zu
und
senkrechte Einheitsvektor ist, der diese zu einem Rechtssystem ergänzt.
[Bearbeiten] Begriff und Schreibweisen
In verschiedenen Ländern sind für das Vektorprodukt zum Teil verschiedene Schreibweisen gebräuchlich. Im englisch- und deutschsprachigen Raum wird für das Vektorprodukt zweier Vektoren
und
für gewöhnlich die Schreibweise
verwendet, in Frankreich wird dagegen die Schreibweise
bevorzugt. In Russland wird das Vektorprodukt oft in der Schreibweise
oder
notiert.
Die Schreibweise
und die Bezeichnung äußeres Produkt werden nicht nur für das Vektorprodukt verwendet, sondern auch für die Verknüpfung, die zwei Vektoren einen sogenannten Bivektor zuordnet, siehe Graßmann-Algebra.
[Bearbeiten] Komponentenweise Berechnung
In rechtshändigen kartesischen Koordinaten bzw. im reellen Koordinatenraum
mit dem Standardskalarprodukt und der Standardorientierung gilt für das Kreuzprodukt:
Ein Zahlenbeispiel:
Eine Merkregel für diese Formel beruht auf einer symbolischen Darstellung über die Determinante. Dabei notiert man eine
-Matrix, in deren erster Spalte die Symbole
,
und
für die Standardbasis stehen. Die zweite Spalte wird von den Komponenten des Vektors
und die dritte von denen des Vektors
gebildet. Diese Determinante berechnet man nach den üblichen Regeln, zum Beispiel indem man sie nach der ersten Spalte entwickelt
oder mit Hilfe der Regel von Sarrus:
Mit dem Levi-Civita-Symbol
schreibt sich das Kreuzprodukt als
[Bearbeiten] Eigenschaften
Das Kreuzprodukt ist bilinear, für alle Zahlen
,
und
und alle Vektoren
,
und
gilt
Das Kreuzprodukt eines Vektors mit sich selbst oder einem kollinearen Vektor ergibt den Nullvektor:
Das Kreuzprodukt ist antikommutativ. Das heißt, bei Vertauschung der Vektoren wechselt es das Vorzeichen:
Für jeden Vektor
gilt:
.
Dabei bezeichnet der Malpunkt das Skalarprodukt. Durch diese Bedingung ist das Kreuzprodukt eindeutig bestimmt.
[Bearbeiten] Doppeltes Kreuzprodukt
[Bearbeiten] Graßmann-Identität
Das Kreuzprodukt ist nicht assoziativ. Die Graßmann-Identität (nach Hermann Graßmann), auch Graßmannscher Entwicklungssatz genannt, für das wiederholte Kreuzprodukt von drei Vektoren lautet
wobei
das Standardskalarprodukt meint. In der Physik wird oft die Schreibweise
verwendet. Nach dieser Darstellung wird die Formel auch BAC-CAB-Formel genannt.
[Bearbeiten] Jacobi-Identität
Außerdem gilt die Jacobi-Identität, dass die zyklische Summe wiederholter Kreuzprodukte verschwindet:
[Bearbeiten] Lagrange-Identität
Für das Skalarprodukt von zwei Kreuzprodukten gilt
Für das Quadrat der Norm erhält man hieraus
also ist der Betrag des Kreuzproduktes
Da
, der Winkel zwischen
und
, immer zwischen 0° und 180° liegt, ist 
[Bearbeiten] Spatprodukt
Die Kombination von Kreuz- und Skalarprodukt in der Form
wird als Spatprodukt bezeichnet. Das Ergebnis ist eine Zahl, die dem orientierten Volumen des durch die drei Vektoren aufgespannten Spats (Parallelepipeds) entspricht.
[Bearbeiten] Zusammenhang mit Lie-Algebra
Das Kreuzprodukt lässt sich für beliebige Körper
für den
-Vektorraum
definieren. Dieser bildet dann mit dem Kreuzprodukt eine Lie-Algebra.
[Bearbeiten] Polare und axiale Vektoren
Bei der Anwendung des Kreuzprodukts auf vektorielle physikalische Größen spielt die Unterscheidung in polare Vektoren (das sind solche, die sich wie Differenzen zweier Ortsvektoren verhalten, zum Beispiel Geschwindigkeit, Beschleunigung, Kraft, elektrische Feldstärke) und axiale Vektoren (die sich wie Drehachsen verhalten, zum Beispiel Winkelgeschwindigkeit, Drehmoment, Drehimpuls, magnetische Flussdichte) eine Rolle. Polaren Vektoren ordnet man die Signatur (oder Parität) +1 zu, axialen Vektoren die Signatur -1.
Bei der vektoriellen Multiplikation mit einem polaren Vektor
wechseln Vektoren ihre Signatur: Ist
ein polarer Vektor, so ist
ein axialer; ist
ein axialer Vektor, so ist
ein polarer. Bei der vektoriellen Multiplikation mit einem axialen Vektor bleibt dagegen die Signatur erhalten.
[Bearbeiten] Kreuzprodukt und Nabla-Operator
In der Vektoranalysis wird das Kreuzprodukt zusammen mit dem Nabla-Operator
verwendet, um den Differentialoperator Rotation zu bezeichnen. Ist
ein Vektorfeld im
, so ist
wieder ein Vektorfeld, die Rotation von
.
Formal wird dieses Vektorfeld also als Kreuzprodukt des Nabla-Operators und des Vektorfelds
berechnet. Die hierbei auftretenden Ausdrücke
sind jedoch keine Produkte, sondern Anwendungen des Differentialoperators
auf die Funktion
. Deshalb sind die oben angeführten Rechenregeln wie z. B. die Graßmann-Identität in diesem Fall nicht gültig. Stattdessen gelten für doppelte Kreuzprodukte mit dem Nabla-Operator besondere Rechenregeln.
[Bearbeiten] Kreuzprodukt im Rn
Das Kreuzprodukt lässt sich für beliebige Dimension
auf den
verallgemeinern. Dabei ist das Kreuzprodukt im
kein Produkt von zwei Faktoren, sondern von
Faktoren.
Das Kreuzprodukt
der Vektoren
ist dadurch charakterisiert, dass für jeden Vektor
gilt
In Koordinaten lässt sich das Kreuzprodukt im
wie folgt berechnen. Es sei
der zugehörige
-te kanonische Einheitsvektor. Für
Vektoren
gilt
analog zu der oben erwähnten Berechnung mit Hilfe einer Determinante.
Der Vektor
ist orthogonal zu
. Die Orientierung ist so, dass die Vektoren
in dieser Reihenfolge ein Rechtssystem bilden. Der Betrag von
ist gleich dem
-dimensionalen Volumen des von
aufgespannten Parallelotops.
Für
erhält man dabei kein Produkt, sondern nur eine lineare Abbildung
,
die Rotation um 90° im Uhrzeigersinn.
Hieran ist auch zu erkennen, dass die Komponentenvektoren des Kreuzprodukts inklusive des Ergebnisvektors in dieser Reihenfolge – anders als aus dem
gewöhnt – im Allgemeinen kein Rechtssystem bilden; diese entstehen nur in reellen Vektorräumen mit ungeradem
, bei geraden
bildet der Ergebnisvektor mit den Komponentenvektoren ein Linkssystem. Dies liegt wiederum daran, dass die Basis
in Räumen geradzahliger Dimension nicht dasselbe ist wie die Basis
, die per Definition (siehe oben) ein Rechtssystem ist. Zwar würde eine kleine Veränderung der Definition dazu führen, dass die Vektoren in der erstgenannten Reihenfolge im
stets ein Rechtssystem bilden, nämlich wenn in der symbolischen Determinante die Spalte der Einheitsvektoren ganz nach rechts gesetzt würde. Diese Definition hat sich allerdings nicht durchgesetzt.
Eine noch weitergehende Verallgemeinerung führt auf die Graßmann-Algebren.
[Bearbeiten] Weblinks
- Java-Applet der Universität von Syracuse zum Vektor- oder Kreuzprodukt
- Kreuzprodukt-Rechner: Berechnet einfach das Kreuzprodukt von zwei Vektoren
[Bearbeiten] Quellen
- Gerd Fischer: Lineare Algebra, Vieweg-Verlag, ISBN 3-528-97217-3.










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![\operatorname{rot}\vec{V} =
\nabla \times \vec{V} =
\begin{pmatrix}
\frac \partial {\partial x_1} \\[.5em]
\frac \partial {\partial x_2}\\[.5em]
\frac \partial {\partial x_3}
\end{pmatrix}
\times
\begin{pmatrix}V_1\\[.5em] V_2\\[.5em] V_3 \end{pmatrix} =
\begin{pmatrix}
\frac{\partial}{\partial x_2} V_3 - \frac{\partial}{\partial x_3} V_2 \\[.5em]
\frac{\partial}{\partial x_3} V_1 - \frac{\partial}{\partial x_1} V_3 \\[.5em]
\frac{\partial}{\partial x_1} V_2 - \frac{\partial}{\partial x_2} V_1
\end{pmatrix}
=
\begin{pmatrix}
\frac{\partial V_3}{\partial x_2} - \frac{\partial V_2}{\partial x_3} \\[.5em]
\frac{\partial V_1}{\partial x_3} - \frac{\partial V_3}{\partial x_1} \\[.5em]
\frac{\partial V_2}{\partial x_1} - \frac{\partial V_1}{\partial x_2}
\end{pmatrix}](http://upload.wikimedia.org/math/0/3/1/031f659fa97aa636a43ce6bc61d3804c.png)



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