Kutusowo

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Kutusowo (Begriffsklärung) aufgeführt.
Siedlung
Kutusowo/Schirwindt
Кутузово
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Krasnosnamensk
Erste Erwähnung 1515/16
Frühere Namen Schirwindt (bis 1947)
Bevölkerung 0 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+3
Postleitzahl 238745
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 218 810 008
Geographische Lage
Koordinaten 54° 47′ N, 22° 51′ O54.78194444444422.844722222222Koordinaten: 54° 46′ 55″ N, 22° 50′ 41″ O
Kutusowo (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Kutusowo (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Die posjolok Kutusowo (russisch Кутузово, deutsch Schirwindt, litauisch Širvinta, polnisch Szyrwinta) ist eine Siedlung in der russischen Oblast Kaliningrad, die allerdings nur militärischen Zwecken dient. Sie gehört zur Landgemeinde Dobrowolskoje im Rajon Krasnosnamensk. Bei dieser Siedlung handelt es sich um die Reste der „verschwundenen Stadt“ an der Ostgrenze der früheren Provinz Ostpreußen. Noch weniger Russen als Deutsche wissen, dass die Stadt Schirwindt jemals existiert hat.[2] Ihr Wahrzeichen war die doppeltürmige Immanuelkirche (und die größte jemals gebaute Windmühle).[3]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Kutusowo liegt im Osten der Oblast Kaliningrad an der Širvinta (lit. skirvinti, kriechen), einem Nebenfluss der Šešupė (lit. šeže upis, dunkler Fluss), die hier die Grenze zu Litauen bildet. Gegenüber liegt die litauische Kleinstadt Kudirkos Naumiestis. Die nächstgelegene Stadt in der Oblast Kaliningrad ist das etwa 25 Kilometer südwestlich gelegene Nesterow.

Zeittafel[Bearbeiten]

  • 2500 v. Chr.: Prähistorische Funde zeugen von der Besiedlung.
  • 1000 n. Chr.: Schirwindt führt den Namen Svienita = heiliger Ort.
  • 1283: Der Machtbereich des Deutschen Ordens erstreckt sich bis Schirwindt.
  • 1422: Im Friede vom Melnosee Festlegung der Ostgrenze Ostpreußens, die damit zur zweitältesten Grenze Europas wird. Schirwindt wird Grenzort, später östlichste Stadt Preußens und des Deutschen Reiches.
  • 1546/49: Bau der ersten Kirche in Schirwindt (abgebrannt 1640 oder 1641).
  • 1656: Tatareneinfall, unter anderem auch über Schirwindt und Pillkallen nach Ragnit: grauenhafte Verwüstungen und Gewalttaten.
  • 1695–1710: Neubau der Schirwindter Kirche.
  • 1709/10: Große Pest (Preußen). Dezimierung der Bevölkerung und Verödung des Landes. Später Ansetzung von Neusiedlern aus dem Deutschen Reichsgebiet durch König Friedrich Wilhelm I. (Preußen)
  • 1725: Verleihung der Stadtrechte durch König Friedrich Wilhelm I.
  • 1732: Einwanderung der Salzburger Exulanten: 1744 werden in Schirwindt 7 Familien mit 24 Personen registriert.
  • 1757–1762: Im Siebenjährigen Krieg steht Ostpreußen unter russischer Herrschaft.
  • 1807: Der französische General Michel Ney quartiert sich mit 30.000 Soldaten in Schirwindt ein. Plünderungen. Auflage von 17.000 Talern Kriegssteuern.
  • 1813: Ostpreußische Landwehr 1813, viele Kriegsfreiwillige aus Schirwindt.
  • 1845: Erster Besuch von Friedrich Wilhelm IV. in Schirwindt. Stiftung einer neuen Kirche.
  • 1854: Zweiter Besuch des Königs.
  • 1856: Einweihung der 56 Meter hohen, nach den Plänen Stüiers in Angleichung an den Kölner Dom errichteten Immanuelkirche durch König Friedrich Wilhelm IV.
  • 1900/01: Bau der Pillkaller Kleinbahn nach Schirwindt.
  • 1914/15: Dreimalige Russeneinfälle mit Plünderungen, Brandschatzungen und vollständiger Zerstörung der Stadt. Starke Beschädigung der Kirche.
  • 1916: Der Bremer Kriegshilfsverein übernimmt Patenschaft für den Wiederaufbau Schirwindts.
  • 1925: 200-Jahr-Feier der Stadtgründung. Beendigung des geglückten Wiederaufbaus.
  • 1944: Nach Bombardierung Räumung der Stadt vor der Roten Armee.
  • 1957–1974: Stadt nach der Totalvernichtung nicht wieder aufgebaut. Die Umgebung wird zum großen Truppenübungsplatz. Umbenennung in Kutosowo.[4]

Wappen[Bearbeiten]

Schirwindts Wappen

Bis 1945 war Schirwindt diejenige deutsche Stadt, die den Sonnenaufgang zuerst erlebte. Er liegt um 31 Minuten vor der Mitteleuropäischen Zeit.[5] An ihn erinnert das Wappen, das Friedrich Wilhelm IV. am 3. August 1846 der Stadt verlieh. Es zeigt die aufgehende Sonne im blauen Hintergrund eines offenen, mit Zinnen gezierten Tores, ihre Strahlen durch dasselbe und gleichsam in die Stadt hineinwerfend. Über ihr schwebt unter einem gotischen Spitzbogen und dem herabhängenden eisernen Fallgitter der ausgebreitete alte preußische Adler, geziert mit Krone, goldenen Waffen und Kleestängeln. Auf der Brust trägt er das königliche Monogramm F.R..[6] Die rechte Kralle hält das Zepter, die linke den Reichsapfel. Über dem Schild ruht eine silberne Mauerkrone mit drei Zinnen.[5][7]

Geschichte[Bearbeiten]

Schirwindt wurde von Schweden erobert und von Tataren verwüstet.[2] Im Königreich Preußen erhielt es 1725 Stadtrechte. Ab 1818 gehörte es zum Kreis Pillkallen (1938–1945 Landkreis Schloßberg) im Regierungsbezirk Gumbinnen der Provinz Ostpreußen. Mit der Deutschen Reichsgründung wurde Schirwindt die östlichste Stadt Deutschlands. Mit nur wenig mehr als tausend Einwohnern war sie auch die kleinste Stadt der Provinz.

Schirwindt war durch die schmalspurige Pillkaller Kleinbahn über Grumbkowkeiten (1928–1945 Grumkowsfelde, russisch: Prawdino) mit der Kreisstadt Pillkallen (1938–1945 Schloßberg, russisch: Dobrowolsk) verbunden. Der Grenzübergang hatte vor allem regionale Bedeutung.

Der Erste Weltkrieg brachte der Stadt - wie dem litauischen Neustadt - schwere Not. Russen besetzten sie dreimal. Die Bewohner flüchteten. Folge der Besatzung waren Plünderungen, Brände und die Zerstörung der Stadt. Verschont blieben nur die Kirche, zwei Wirtschaftsgebäude und zwei Wohnhäuser. Man wollte Schirwindt an anderer Stelle aufbauen und die Trümmer als ein Denkmal der Russenzeit erhalten. Unter dem Vorsitzenden Leopold Biermann sorgte der Kriegshilfsverein Bremen für Schirwindt (Ostpreußen) e.V. für den raschen Wiederaufbau der „toten Stadt“.[2] Kurt Frick war der verantwortliche Architekt. Wegen ihrer Abgelegenheit wuchs die Stadt in den Folgejahren jedoch nur unwesentlich.

Der Zweite Weltkrieg brachte die neuerliche Zerstörung der Stadt. Bereits im Oktober 1944 wurde Schirwindt als erste deutsche Stadt durch die Rote Armee erobert, die hier erstmals das Deutsche Reich erreichte. Anders als Pillkallen und Goldap wurde Schirwindt von der Wehrmacht nicht zurückerobert. Schirwindt blieb die einzige Stadt Europas, die nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut wurde.[8]

Nach der Eingliederung in die Sowjetunion verlor der Ort seine Stadtrechte. Er erhielt 1947 den Namen Kutusowo nach dem russischen General Michail Illarionowitsch Kutusow und wurde in den Dorfsowjet Pobedinski (Schillehnen) eingegliedert.[9] Der Ort wurde 1978 aus dem Ortsregister gestrichen.[10] Er war damit auch offiziell nur noch ein Militärposten. Durch den Beschluss der Oblastduma vom 22. Mai 1997 hat Kutusowo wieder den Status einer Siedlung, zunächst im Dorfbezirk Dobrowolski.[11] Durch die Strukturreform gehört es seit 2008/09 zur Landgemeinde Dobrowolskoje.[12] Bei der Volkszählung von 2002 wurden dort 18 Einwohner registriert, während die Einwohnerzahl bei der Volkszählung von 2010 mit Null angegeben wurde. Nur ein Teil der alten Schule ist noch erhalten und dient als Kaserne für die Grenzsoldaten. Von der Immanuelkirche ist noch das Fundament zu erkennen.

Schirwindter Kirche[Bearbeiten]

Nach Aufzeichnungen von Pfarrer Färber und Studienassessor Weber[13]

Als 1525 Albrecht von Preußen zum evangelischen Glauben übergetreten war, erließ er einen Befehl, dass überall, wo es angängig wäre, evangelische Kirchen gebaut werden sollten. In Schirwindt, dem am weitesten nach Osten vorgeschobenen Punkte, wurde im Jahre 1546 mit dem Kirchenbau begonnen. 1559 stand es fertig da, ein kleines Kirchlein, auf dem späteren Schulplatz. Armselig mag es gewesen sein, aus dem einfachsten Material aufgeführt, im Innern notdürftig ausgestattet mit Altar, Kanzel und einer Nebenkanzel für die Tolken, die die Predigt des Pfarrers Satz für Satz während des Gottesdienstes ins Litauische zu übersetzen hatten, eine Einrichtung, die der Feierlichkeit des Gottesdienstes sicherlich viel Abbruch tat. 1640 oder 1641 wurde dieses erste Kirchlein durch eine Feuersbrunst zerstört.

1688 wird vom Kurfürsten das Bauholz angewiesen, 1695 endlich mit dem Bau der Kirche begonnen. Die Gelder reichten bei weitem nicht aus, und die Kirche wurde erst im Jahre 1710 vollendet, nachdem vorher der König eine Kollekte für das ganze Herzogtum Preußen für den Bau der Kirche hatte ausschreiben lassen. Von 1753 ab beginnen auch größere Reparaturen und Ausbesserungen an der Kirche, die 1817 sogar zur Abtragung des Turmes und 1818 zum Aufbau eines neuen Turmes führten. 1845 war die Kirche mit Holzpfeilern gestützt, ein Bild des Verfalls, eine Widerspiegelung der Armut des Schirwindter Kirchspiels.

Siehe auch: Herzogtum Preußen

Friedrich Wilhelm IV.[Bearbeiten]

Infolge des Notstandsjahres in Ostpreußen 1844 besuchte König Friedrich Wilhelm IV. die heimgesuchte Provinz und kündigte seinen Besuch für den 7. und 8. Juni 1845 in Schirwindt an. Groß war der Jubel der Stadt, festlich wurden alle Straßen geschmückt. Auch die Dörfer, durch die der König kommen musste, hatten ein festliches Gewand angelegt. Bei der Begrüßung durch die städtischen Behörden überreichte der Bürgermeister Kurschat eine Bittschrift, die sich u. a. auch auf eine Beihilfe zum Neubau der Kirche richtete. Die Botschaft las der König sofort aufmerksam durch und verhieß seine Entscheidung für den nächsten Tag. Während der königlichen Tafel im Biernbrothschen Hause (später Apotheke) erkundigte sich der König bei Pfarrer und Bürgermeister angelegentlichst nach den Verhältnissen der Stadt und Kirche. Noch am Abend des 7. Juni wanderte Friedrich Wilhelm IV. mit dem Rittmeister von Plehwe durch eine Hinterpforte auf das Feld, kam dann durch die Gerichtsstraße auf den Markt, wurde dort umjubelt von der Menschenmenge und ließ sich vom Pfarrer Kiesewetter die sehr baufällige Kirche zeigen. Schon unterwegs hatte er zu seinem Gefolge geäußert, als er sah, daß die große Kirche, die er von weitem gesehen, nicht in Schirwindt, sondern in Neustadt stand:

Katholische Kirche in Vladislavovas (Neustadt)

„Habe ich im Westen den Katholiken einen Dom erbaut, so will ich Im Osten hier den Evangelischen einen Dom erbauen, der ebenso stolz nach Rußland hineinragt wie die katholische Kirche von drüben hierher.“

Friedrich Wilhelm IV. [14]

Am nächsten Morgen durcheilte die Stadt die frohe Kunde, der König habe den Neubau der Kirche auf Staatskosten genehmigt. Und wirklich trug er in die Stadtchronik die denkwürdigen Worte ein:

„Zum Andenken an Meinen Aufenthalt in dieser Stadt habe Ich den Neubau der schadhaften Pfarrkirche genehmigt und werde Mich sehr freuen, dieselbe einst vollendet zu besuchen.“

Friedrich Wilhelm IV.

Freude im Herzen, dankten Pfarrer und Bürgermeister ihm für diesen Entschluss. Fröhlichen Herzens gaben die Schirwindter dem Landesherrn bei seiner Abfahrt das Geleit.

Bau[Bearbeiten]

Wenige Tage später wurde der Stadt vom Oberpräsidenten mitgeteilt, dass der König den Bau der Kirche auf eigene Kosten übernommen habe. Erst am 3. August 1850 konnte die Grundsteinlegung feierlich begangen werden. Da die Fundamentsteine aber noch immer nicht rechtzeitig herangeschafft werden konnten, musste kurz nach der Grundsteinlegung der Bau unterbrochen werden. Erst im Juni 1851 ging man wieder energischer an den Bau heran. Von nun an ging es rüstig vorwärts, so dass am 17. Juni 1854, beim zweiten Besuch des Königs, der Bau schon ziemlich fortgeschritten war. Anlässlich des dritten Besuchs des Königs am 13. und 14. September 1856 konnte am 14. September die feierliche Weihe und ihre Übergabe an die Gemeinde stattfinden.

Immanuelkirche[Bearbeiten]

Immanuelkirche

Schon am 12. September kamen Gäste von weit her, ihren König zu sehen und der Weihestunde beizuwohnen. Zwei Ehrenpforten, eine am Westende der Stadt, am Ausgang der Pillkaller Straße, und eine am Ende der Augstupöner Straße waren errichtet. Am 14. September um 8 Uhr morgens kam der König hier an und stieg im Blumschen Hause (Apotheke) ab. Inzwischen hatte die Abschiedsfeier in der alten Kirche stattgefunden, und die heiligen Geräte waren in die Pfarre gebracht worden. Von dort aus setzte sich der feierliche Zug nach der Kirche unter Glockengeläut in Bewegung und stellte sich vor der Kirche auf. Den vergoldeten Kirchenschlüssel übergab auf einem Kissen von weißem Atlas mit schwarzen Säumen der Regierungsbaurat Gerhardt dem König. Von diesem empfing ihn der Generalsuperintendent, der ihn dem Ortspfarrer Mertineit übergab. Während des Festgottesdienstes war die Kirche bis auf den letzten Stehplatz gefüllt. In der Weiherede wurde dem neu erstandenen Gotteshaus der Name Immanuelkirche (Gott mit uns) auf Wunsch des Königs beigelegt. Die Predigt des Ortsgeistlichen beschloss den Gottesdienst, der von Gesangsvorträgen des Lehrerseminars Caralene umrahmt war. Nach dem Gottesdienst, der auf alle — auch die des katholischen und mosaischen Glaubens — einen gewaltigen Eindruck gemacht hatte, war Mittagstafel im Blumschen Hause. Kurz darauf bestieg der König den Wagen. Nach einer Abschiedsansprache des Bürgermeisters ging es unter begeisterten Hochrufen durch die dichtgedrängte Menge hindurch, hinaus aus Schirwindt.

Die Immanuelkirche, die als ein Hort des evangelischen Glaubens so eindrucksvoll an der östlichsten Stelle des Deutschen Reiches steht, wurde durch den Ersten Weltkrieg teilweise zerstört, ihr Wiederaufbau konnte jedoch nach dem Krieg vollendet werden. Sie wurde am Pfingstsonntag (31. Mai) 1925 durch Paul Gennrich neu geweiht und zur 200-Jahr-Feier der Stadt am 7. Juni 1925 mit einem Festgottesdienst eröffnet. Umgeben von einem schönen, schattigen Kirchgarten bildete die Kirche den eindrucksvollen Mittelpunkt der Stadt und ihrer Kirchengemeinde. Die beiden 56 m hohen Türme waren von weither zu sehen und bekundeten den bedeutungsvollen Standort der Stadt an der deutschlitauischen Landesgrenze.[15]

Kirchengemeinde[Bearbeiten]

Vor 1945 lebte eine überwiegend evangelische Bevölkerung in Schirwindt. Das Kirchspiel, das früher in die Inspektion Ragnit (heute russisch: Neman) eingegliedert war, gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Pillkallen (1938–1946 Schloßberg, heute russisch: Dobrowolsk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Heute ist die nächste evangelische Gemeinde die in Babuschkino (Groß Degesen) in der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER). Das Pfarramt ist das der Salzburger Kirche in Gussew.

Pfarrer 1549–1945[Bearbeiten]

Pillkaller Straße im August 1914

Von der Reformation bis zur Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950 amtierten 29 Pfarrer in Schirwindt:[16]

  • NN, seit 1549
  • Thomas Gedkandt, 1553–1563
  • Thomas Gidrantes, 1563
  • Johann Höpner, 1572–1581
  • Johann Gettkandt, bis 1592
  • Johann Lademann, 1623
  • Jacob Seidler, um 1662
  • Johann Sperber, 1662–1666
  • Daniel Renn, ab 1666–1696
  • Johann Schultz, 1669–1724[17]
  • Caspar Langowski, 1724–1728
  • Erhardt Wolff, 1729–1731
  • Wlochatius, 1731
  • George Lisiewsky, 1732–1734
  • Gerhard Ludwig Mühlenkampf, 1734–1736
  • Jacob Friedrich Naugardt, 1737–1751
  • Ephraim Friedrich Meisner, 1752–1803
  • Johann Samuel Müller, 1803–1817
  • Christian Wilhelm Trosien, 1817–1832
  • Johann Wilhelm Ferdinand Kiesewetter, 1832–1853
  • August (Eduard) Mertineit, 1853–1858[18]
  • Leopold Otto Loebell, 1858–1882
  • Hermann Moritz Wilhelm Lau, 1883–1885
  • Theodor Wilhelm Alfred Färber, 1887–1926
  • Gerhard Ruhmland, 1926–1933
  • Johannes Henscheil, 1933–1940
  • Horst Sturm, 1942–1943 (gefallen)
  • Guhl
  • Hüber

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Militär[Bearbeiten]

Eingangstor zur verbotenen Stadt in Kutosowo (2005)
Grenzbrücke über die Scheschuppe zwischen Kudirkos Naumiestis und Kutusowo (2011)

Was die Deutschen 1944 zurückließen, waren vor allem Geschützstände.[8]

„Die Eisenbetonwände sind 2,5 bis 3 Meter dick. Einzelne Stände waren mit beweglichen Geschütztürmen versehen, die ein Rundumfeuer erlaubten. In der Umgebung der von unseren Truppen eingenommenen Stadt Schirwindt befand sich ein Geschützstand aus drei Etagen, in denen eine Garnison von 69 Soldaten untergebracht war. Diese kleine Festung besaß einen eigenen Brunnen für Trinkwasser.“

Iswestija, Oktober 1944

In Kutusowo liegt der Truppenübungsplatz Polygon, den die Russischen Streitkräfte nicht mehr nutzen. Zur Kampfmittelbeseitigung soll ein Vertrag mit der NATO geschlossen worden sein. Der russische Historiker Gennadi Kretinin (* 1948) erinnert sich an den Truppenübungsplatz:

„Seine Fläche maß 20 mal 40 Kilometer, er war der größte seiner Art in der Sowjetunion. Hier fanden Militärübungen des Warschauer Paktes statt. Bis 1985 durften Deutsche nicht hierher kommen, ausgenommen der DDR-Verteidigungsminister, der bei einem Manöver Gast war.“

Gennadi Kretinin[8]

Erinnerung[Bearbeiten]

Erinnerungskreuz für die Immanuelkirche (2005)
Spuren der Stadt (2009) [19]

Zur 200-Jahrfeier Schirwindts (1925) wurde in Berlin die Berliner Allee in Schirwindter Allee umbenannt. Sie führte nach der östlichsten Stadt des Deutschen Reiches.[2] Auch in Bremen und Winsen (Luhe) tragen noch heute Straßen den Namen Schirwindts. Aus Dankbarkeit für die Bremer Wiederaufbauhilfe wurde die Brückenstraße (zur Südseite der Immanuelkirche) 1925 nach Leopold Biermann benannt.[16]

In den ersten Nachkriegsmonaten sammelten die Litauer in Schirwindt „herrenlose Güter“, Baumaterialien und anderes. Daraus machte Antanas Spranajtis ein kleines „Schirwindt-Museum“ in Kudirkos Naumiestis.[8] Zur Erinnerung an die Immanuelkirche errichtete er mit Jean Charles Montigny und russischen Grenzsoldaten 1999 ein Holzkreuz auf der Grundfläche in Höhe der Kanzel.

Das Ausmaß von Schirwindts Zerstörungen im Ersten Weltkrieg wurde vom russischen Lyriker Nikolaj Stepanovič Gumilëv beschrieben. Die Auslöschung der Stadt 30 Jahre später hat bislang keinen literarischen Niederschlag gefunden.[8] Der russische Schauspieler und Regisseur Alexander Anatoljewitsch Schirwindt will die Stadt wieder aufbauen.[8]

Mit Hilfe russischer Soldaten wurde im Oktober 2000 das erste deutsche Ortsschild auf früher ostpreußischem Boden aufgestellt:[20]

SCHIRWINDT – DIE VERSCHWUNDENE STADT

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. a b c d Julia Larina: Пограничное состояние Ширвиндта (dt. Übersetzung: Schirwindt – an der Grenze zwischen der Geschichte und der Gegenwart. Weihnachtsbrief 2013, Kreisgemeinschaft Schlossberg). Ogonjok, Nr. 40 vom 1. Oktober 2007
  3. Bild der Windmühle (GenWiki)
  4. Dr. Barbara Loeffke-Eggert: Zeittafel der Geschichte von Schirwindt. Schloßberger Heimatbrief, Nr. 12, Weihnachten 1974
  5. a b Der redliche Ostpreuße. Ein Kalenderbuch für 1984, 35. Jahrgang. Rautenberg, Leer 1984. ISBN 3-7921-0278-1.
  6. für Fridericus Rex
  7. Zitiert aus: Der Redliche Preuße und Deutsche, 1936.
  8. a b c d e f Wolf Oschlies, Preußische Allgemeine Zeitung (27. Oktober 2007)
  9. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947)
  10. Information auf http://www.gako2006.narod.ru
  11. Nr. 38: Об упорядочении учета сельских населенных пунктов области.
  12. Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni 2008/1. Juli 2009
  13. Schloßberger Heimatbrief, Nr. 12, Weihnachten 1974
  14. Damit bezog er sich auf den 1842 begonnenen Weiterbau des noch unvollendeten Kölner Domes.
  15. Vernichtung der Immanuelkirche in Schirwindt (Sirvinta)
  16. a b Schloßberger Heimatbrief, Nr. 12, Weihnachten 1974
  17. Schultz überlebte die Große Pest (Preußen)
  18. Mertineit war Angehöriger des Corps Littuania Königsberg
  19. GoogleEarth, kommentiert von Martin Kunst, Kreisgemeinschaft Schlossberg.
  20. Die verschwundene Stadt (Ostpreußenblatt, 16. Dezember 2000)