Ladysmith Black Mambazo

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Ladysmith Black Mambazo, Innsbruck, 2008

Ladysmith Black Mambazo (LBM) ist eine A-cappella-Gruppe aus Südafrika. Die Gruppe wurde Anfang der 1960er Jahre im Township Ladysmith (KwaZulu-Natal) gegründet. Das Black im Namen bezieht sich auf ‚Schwarzer Ochse‘, welcher (traditionell) das stärkste Tier auf einer (afrikanischen) Farm darstellt. Mambazo bedeutet ‚Axt‘.

Die Zusammensetzung des Namens ist auf den Umstand zurückzuführen, dass LBM bei früheren musikalischen Wettbewerben die Konkurrenz auf Grund ihrer mächtigen Stimmen symbolisch wie mit einer Axt „umgehauen“ hat. Sie waren somit bei diesen Wettbewerben stets die Sieger (also der „Platzhirsch“ oder eben der „Schwarze Ochse“). Während des Graceland Konzertes spricht Paul Simon ebendiese Bedeutung des Namens bei der Vorstellung von LBM an. Joseph Shabalala leitet den rein männlich besetzten Chor in der Tradition des Mbube und des Isicathamiya, des traditionellen Männer-Choral-Gesangs der Zulu.

1960–1986[Bearbeiten]

Joseph Shabalala gründete Ladysmith Black Mambazo 1964, nachdem er sechs Monate lang von „perfekten“ Isicathamiya-Harmonien,[1] träumte, den traditionellen Gesängen der Zulu. Bereits seit den 1950er-Jahren hatten viele der Mitglieder, zumeist Brüder und Cousins von Shabalala, gemeinsam unter dem Namen Ezimnyama Ngenkani (‚Die Schwarzen‘) gesungen, jedoch ohne überregionale Bekanntheit zu erlangen.

Nachdem Ladysmith Black Mambazo auf lokalen Hochzeitsfesten zwischen Durban und Johannesburg Erfolg hatte, begann sie, an Isicathamiya-Wettbewerben teilzunehmen. Die Gruppe galt bald als dermaßen gut, dass sie gelegentlich gebeten wurde, zwar aufzutreten, jedoch nicht am Wettbewerb teilzunehmen.[2]

Seit 1967 nahm LBM für Radio Zulu auf. 1972 unterzeichnete die Gruppe einen Vertrag mit dem Produzenten West Nkosi und brachte 1973 ihr erstes Album Amabutho bei Gallo Records heraus, die erste afrikanische LP, die für mehr als 25.000 verkaufte Exemplare eine Goldene Schallplatte erhielt. Bis heute produzierte LBM mehr als 30 weitere Alben.[3] Auch die folgenden Platten erhielten goldene oder Platinplatten.[4] Ab der zweiten Plattenveröffentlichung waren die Sänger professionelle Musiker geworden.[5]

1975 konvertierte Shabalala zum Christentum und Ladysmith Black Mambazo veröffentlichten ihr erstes religiöses Album, Ukukhanya Kwelanga, das zweimal Platin erreichte. Eine der bekanntesten religiösen Platten wurde Ukusindiswa von 1976. 1981 wurde es der Gruppe erlaubt, nach Köln zu reisen.[6] LBM tourte durch Deutschland, trat im Fernsehen auf und lernte soweit die deutsche Sprache, dass sie auf der Platte Phansi Emgodini (1981) das Stück Wir grüßen Euch alle auf Deutsch sang. 1982 kehrte LBM erneut nach Deutschland zurück, um bei einer Quizsendung im Fernsehen aufzutreten.[6]

1986–1994[Bearbeiten]

1986 schaffte Ladysmith Black Mambazo den internationalen Durchbruch durch die Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Musiker Paul Simon für dessen LP Graceland. Paul Simon war 1985 nach Südafrika gereist, um schwarze Musiker für eine Zusammenarbeit zu finden. Die Aufnahmen fanden in London statt. Das erste Stück war Homeless, eine Komposition von Shabalala mit englischen Texten von Simon. Obwohl beide beschuldigt wurden, den Kulturboykott gegen Südafrika gebrochen zu haben,[7] wurde das Album zu einem der erfolgreichsten Alben der 1980er-Jahre. Dieser Erfolg ebnete auch anderen Künstlern den Weg für eine internationale Anerkennung, wie Stimela und den Mahotella Queens.[8]

Nach Graceland arbeitete Simon als Produzent bei drei Alben für den amerikanischen Markt mit LBM zusammen: Shaka Zulu (1987), für das LBM ihren ersten Grammy in der Kategorie Weltmusik erhielten, Journey of Dreams (1988) und Two Worlds, One Heart (1990).

Am 10. Dezember 1991 wurde Shabalalas Bruder, der Bass-Sänger Headman Shabalala, von Sean Nicholas, einem weißen Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes erschossen. Sein Tod wurde von Paul Simon als rassistischer Mord betrachtet und er führte einen Prozess gegen Nicholas.[7] Shabalala hörte auf zu singen, bis er mit drei früheren Mitgliedern und vier seiner Söhne 1993 wieder auf die Bühne zurückkehrte.[9]

1994–2002[Bearbeiten]

Das Apartheid-System war 1991 zusammengebrochen, Nelson Mandela nach 27 Jahren aus dem Gefängnis entlassen und schließlich zum Präsidenten gewählt worden. Das Album Liph’ Iqiniso (1993) war das erste Album unter diesen neuen Bedingungen. Das letzte Stück dieser Platte, Isikifil' Inkululeko (‚Die Freiheit ist angekommen‘), feierte das Ende der Apartheid.[10]

Nelson Mandela bezeichnete die Mitglieder von Ladysmith Black Mambazo als kulturelle Botschafter Südafrikas.[11] 1993 bat Nelson Mandela LBM, ihn bei der Zeremonie bei der Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo zu begleiten. Auch bei der Vereidigung Mandelas als Präsident Südafrikas im Mai 1994 sang die Gruppe erneut.[12]

1998 nahm die Gruppe eine Version des Liedes Inkanyezi Nezazi für Werbeaufnahmen der Firma Heinz auf, die in Großbritannien liefen und so erfolgreich waren, dass LBM das Original von 1992 als Single herausbrachten, die auf Platz zwei der britischen Pop-Charts landete. Danach folgte die Kompilation The Best of Ladysmith Black Mambazo: The Star and the Wiseman, die dreimal Platin erreichte und von der allein in Großbritannien eine Million Exemplare verkauft wurden.[13] Neben weltweiten Tourneen arbeitete LBM unter anderem mit Peter Gabriel, Stevie Wonder, Dolly Parton, The Winans, Julia Fordham, George Clinton, B*Witched, The Corrs, Ben Harper zusammen und traten außer für Nelson Mandela auch für Papst Johannes Paul II. und die britische Königsfamilie auf.

2002–2006[Bearbeiten]

Im Mai 2002 wurde Shabalalas Frau Nellie ermordet, Shabalala selbst bei dem Versuch, sie zu schützen, an der Hand verletzt. Dies passierte während der Aufnahmen zu Wenyukela, dem ersten Album mit neuem Material seit Lihl’ Ixhiba Likagogo (2000).

Viele der Stücke auf dieser CD setzen sich mit ethischen Themen wie Rassismus, dem Autofahren unter Alkoholeinfluss, den Gewalttätigkeiten während der Wahlen in Südafrika 1994, Fair Trade in Afrika und mit christlichen Themen auseinander. Wenyukela wurde zu einem neuen großen Erfolg und verkaufte sich allein in den USA sechs Millionen mal[14] und brachte der Gruppe ihren zweiten Grammy ein.

Für die CD No Boundaries arbeitete LBM 2005 mit dem English Chamber Orchestra zusammen und bearbeitete mehrere Standardwerke der Klassischen Musik (Bachs Jesus bleibet meine Freude, Mozarts Ave verum corpus) und eigene Stücke (Homeless, Awu, Wemadoda, Ngingenwe Emoyeni). Trotz anfänglicher Irritationen wegen der Mischung europäischer Klassik mit der Folklore der Zulu verkaufte sich das Album sehr gut[15] und wurde für einen Grammy nominiert.

Mit der CD Long Walk to Freedom feierten die Ladysmith Black Mambazo 2006 ihr 45-jähriges Bestehen, in dessen Verlauf die Gruppe 30 verschiedene Mitglieder hatte. 20 Jahre nach Graceland nahm LBM mit einer Vielzahl von Künstlern auf, darunter Zap Mama, Sarah McLachlan, Melissa Etheridge, Joe McBride, Natalie Merchant, Emmylou Harris, Taj Mahal und den südafrikanischen Künstlern Lucky Dube, Phuzekhemisi, Bhekumuzi Luthuli, Nokukhanya, Thandiswa, Vusi Mahlasela und Hugh Masekela.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1988: Grammy in der Kategorie Beste traditionelle Folk-Aufnahme für das Album Shaka Zulu
  • 2005: Grammy in der Kategorie Bestes traditionelles Weltmusikalbum für das Album Raise Your Spirit Higher
  • 2005: Kora All African Music Award in der Kategorie Traditionelle Gruppe des Jahres[16]
  • 2008: Order of Ikhamanga in Silber[17]
  • 2014: Grammy in der Kategorie Bestes Weltmusikalbum für das Livealbum Singing for Peace Around the World

Die Ladysmith Black Mambazo Foundation[Bearbeiten]

Im Januar 1999 gründete Joseph Shabalala die The Ladysmith Black Mambazo Foundation. Ziel der Organisation ist es, jungen Südafrikanern der Zulu ihre eigene traditionelle Musik und Kultur nahezubringen. Ein eigenes Gebäude soll Proben- und Unterrichtsräume sowie ein eigenes Tonstudio umfassen.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. E. Simonson: On Tiptoe: Gentle Steps to Freedom. Interview with Joseph Shabalala. New Video Group, 2004.
  2. V. Erlmann: Nightsong. Interview mit Joseph Shabalala. The University of Chicago Press, 1996, S. 292.
  3. V. Erlmann: Nightsong. Interview mit Joseph Shabalala. The University of Chicago Press, 1996, S. 294.
  4. V. Erlmann: Nightsong. The University of Chicago Press, 1996, S. 293.
  5. E. Simonson: On Tiptoe: Gentle Steps to Freedom. Interview mit Patrick Buthelezi (Radio Zulu). New Video Group, 2004.
  6. a b W. Nkosi: Ezulwini Siyakhona. Booklet. Gallo Record Company, 1986.
  7. a b E. Simonson: On Tiptoe: Gentle Steps to Freedom. Interview mit Paul Simon. New Video Group, 2004.
  8. M. Mankwane: Mahlathini, Mahotella Queens and Makgona Tsohle Band – Mbaqanga at its Best! Interviews mit Marks Mankwane und Mildred Mangxola. Gallo Record Company, 1997.
  9. E. Simonson: On Tiptoe: Gentle Steps to Freedom. Interview mit Sibongiseni, Thamsanqa and Thulani Shabalala. New Video Group, 2004.
  10. J. Shabalala: Liph’ Iqiniso. Booklet und Songtext. Gallo Record Company, 1993.
  11. J. Shabalala: Adam Boulton Meets Ladysmith Black Mambazo, Interviews mit Mitgliedern der Gruppe. Sky News, 1999.
  12. A. Boulton: Adam Boulton Meets Ladysmith Black Mambazo. Sky News, 1999.
  13. E. Simonson: On Tiptoe: Gentle Steps to Freedom. New Video Group, 2004.
  14. South African Press Association, Artikel über die Ausgabe Raise Your Spirit Higher in den USA, 2004.
  15. N. Williamson: Long Walk to Freedom. Booklet. Headsup International, 2006.
  16. List of the 2005 Kora event winners, abgerufen am 23. Februar 2010
  17. Liste der Ordensempfänger 2008 (englisch), abgerufen am 19. Juni 2014