Lesotho Defence Force

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Lesotho Defence Force
Führung
Oberbefehlshaber: Premierminister Lesothos
(Tom Thabane, seit 2012)
Verteidigungsminister: Tom Thabane
Militärischer Befehlshaber: Tlali Kamoli
Sitz des Hauptquartiers: Maseru
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 2100 (2011)[1]
Wehrpflicht: nein
Wehrtauglichkeitsalter:
Anteil der Soldaten an der Gesamtbevölkerung: 0,1 %
Haushalt
Militärbudget: 32,3 Mio. US-$ (2004)
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 2,3 % (2004)
Geschichte
Gründung: 1980
Höchste Mannstärke: 2300
LDF-Bataillon mit Generalmajor Samuel Mokoro (2009)

Die Lesotho Defence Force (LDF; deutsch „Streitkräfte Lesothos“) sind die Streitkräfte des Königreichs Lesotho.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte als Police Mobile Unit[Bearbeiten]

Nach der Unabhängigkeit Lesothos 1966 war die Lesotho Mounted Police die einzige Sicherheitsbehörde des Landes. Dazu zählte die 1963 gegründete, paramilitärische Police Mobile Unit (PMU). 1970 waren es britische Berater der PMU, die Premierminister Leabua Jonathan von der Basutoland National Party (BNP) rieten, die damalige Parlamentswahl 1970 für ungültig erklären zu lassen, welche die oppositionelle Basotho Congress Party (BCP) gewonnen hatte.[2] Bei den nachfolgenden Unruhen brach die PMU den Widerstand der BCP-Anhänger. Der verantwortliche britische PMU-Kommandeur Fred Roach war offensichtlich ein Agent des South African Bureau of State Security (BOSS) und wurde 1972 des Landes verwiesen, nachdem er andere BNP-Politiker zum Putsch gegen Jonathan anstiften wollte.[3] 1974 war die PMU mit BNP-nahen Gruppen an der Ermordung von rund 1000 Oppositionellen beteiligt.[2] Im Juli desselben Jahres wurde mit Justin Metsing Lekhanya erstmals ein Mosotho Kommandeur der PMU. Zur Bekämpfung der oppositionellen Lesotho Liberation Army (LLA) erhielt die Police Mobile Unit zusätzliche Waffen und über den Internal Security Amendment Act („Ergänzung zum Gesetz über innere Sicherheit“) größeren Einfluss.[2] Die Bekämpfung der LLA war jedoch nur wenig erfolgreich, wobei auch die LLA eher geringe Wirkung erzielte. Jonathan war auf die PMU angewiesen – die zusätzlich erhaltene Macht führte zu Korruption und Flügelkämpfen innerhalb der PMU. Die ersten Flugzeuge erhielt sie 1978.

Lesotho Paramilitary Force und Royal Lesotho Defence Force[Bearbeiten]

1980 wurde die PMU von der Polizei abgetrennt und erhielt die Bezeichnung Lesotho Paramilitary Force (LPF). Als Hauptquartier wurde die Makoanyane-Kaserne in der Hauptstadt Maseru errichtet.[2]

Jonathans Kurs der Annäherung an kommunistische Regime führte zu einer Abwendung der LPF von dessen Regierung. Mit Hilfe des Apartheid-Regimes in Südafrika gelang am 20. Januar 1986 unter Lekhanya ein Putsch gegen die lesothische Regierung. Daraufhin bildeten führende Militärs das Military Council („Militärrat“); jede politische Betätigung wurde verboten. Anfangs wurde König Moshoeshoe II. in seiner Position gestärkt und die LPF in Royal Lesotho Defence Force (RLDF) umbenannt. Einige prominente Anhänger Jonathans, wie Desmond Sixishe, wurden von hochrangigen Offizieren ermordet.[4] Rund 1600 Männer unterstanden dem Kommando; sie waren mit leichten Waffen, gepanzerten Fahrzeugen und einigen kleineren Flugzeugen ausgestattet.[5] 1991 erzwangen mehrere rangniedere Offiziere den Sturz Lekhanyas, woraufhin der spätere General Elias Phisoana Ramaema das Amt des Chefs der Militärregierung übernahm. Er setzte eine Rückkehr zur Demokratie durch, bestand aber auch darauf, dass das Militär im Council of State („Staatsrat“) vertreten sei, womit er die Kontrolle der Armee durch die Regierung erschwerte. Die Armee war bis dahin auf 2300 Mann angewachsen.[6]

Lesotho Defence Force[Bearbeiten]

Nach der Wahl Ntsu Mokhehles 1993 als neuer Premierminister verlangten zahlreiche Soldaten der nunmehr Lesotho Defence Force genannten Armee eine Gehaltsverdoppelung und verweigerten den Befehl, da sie die Wahl Mokhehles und seinen Wunsch, frühere LLA-Kämpfer zu integrieren, nicht akzeptierten.[6] Der Kommandeur Obed Metsing musste zurücktreten. Im Januar 1994 kam es zu Kämpfen zwischen Soldaten zweier Kasernen in Maseru. Im Juli 1994 wurde der stellvertretende Premierminister Selometsi Baholo durch Soldaten getötet; andere Minister wurden in der Makoanyane-Kaserne interniert.[6] Im August wagte König Letsie III. mit Hilfe der Militärs – vor allem Lekhanyas – einen Putsch. Nach vier Wochen wurde die demokratisch gewählte Regierung auf Druck Südafrikas, Botswanas und Simbabwes wieder eingesetzt.[7] Allerdings wurde den Putschisten Straffreiheit gewährt. Offiziere der drei Staaten hielten Seminare über die Rolle einer Armee in einem demokratischen Staat. 1996 wurde erstmals ein Verteidigungsminister berufen und ein ziviles Defence Council im Verteidigungsministerium eingerichtet.[7]

1997 umstellte die LDF das Hauptquartier der Polizei und zwang die Polizisten zur Aufgabe, nachdem 1995 drei Polizeioffiziere getötet worden waren und die Polizei die Aufklärung des Falles verweigert hatte. Nach deren Festnahme kam es aber innerhalb der LDF zu einer weiteren Meuterei.[8] 1998 wurden 28 höhere Offiziere von Soldaten abgesetzt, darunter der Kommandeur, General Mosakeng, der die Festnahme meuternder Offiziere angeordnet hatte.[8] Nachdem der südafrikanische Verteidigungsminister Joe Modise und andere Staatsmänner der Region vergeblich die LDF zum Einlenken aufgefordert hatte, kam es ab dem 22. September 1998 zur Intervention Operation Boleas durch Truppen der South African National Defence Force und der Botswana Defence Force.[8] Bei Kämpfen an der Katse-Talsperre und der Makoanyane-Kaserne starben 40 Basotho. 40 LDF-Offiziere konnten verhaftet werden, viele der gesuchten Soldaten konnten jedoch fliehen. Teile von Maseru, Mafeteng, Mohale’s Hoek und Roma wurden von einheimischen Soldaten niedergebrannt.[8] Erst im Mai 1999 verließen die Interventionstruppen das Land. Eine 300 Mann starke Truppe der Southern African Development Community blieben in Lesotho, um die LDF neu zu strukturieren.[9]

Seither verhielt sich die LDF zu den demokratisch gewählten Regierungen loyal. Seit 2001 wird die LDF von indischen Militärs des Indian Army Training Team trainiert.[10]

Organisation[Bearbeiten]

Die LDF soll die territoriale Integrität und Souveränität Lesothos sowie dessen Verfassung schützen. Daneben hat sie folgende Aufgaben:

  • Unterstützung bei der Erhaltung von Leben, Gesundheit und Eigentum
  • Bereitstellung und Erhaltung notwendiger Dienste
  • Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung als Unterstützung der Polizei, wie von der Regierung angeordnet
  • Unterstützung von Staatsbehörden wie von der Regierung angeordnet
  • Einhaltung internationaler Verpflichtungen wie friedenssichernde Missionen und regionale militärische Zusammenarbeit[11]

Der Premierminister Tom Thabane (All Basotho Convention) ist zugleich Verteidigungsminister. Es gibt keine Wehrpflicht.

Kommandeure der LDF (LPF, RLDF)[Bearbeiten]

Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
General Justin Metsing Lekhanya Juli 1974 (PMU) 1991
General Elias Phisoana Ramaema 1991  ?
Generalleutnant Obed Metsing  ? 1993
General Augustinius Makhula Mosakeng 1994 1998 (erzwungen)
N. N. 1998 1998
General Augustinius Makhula Mosakeng 1998 27. Oktober 2004
Generalleutnant E. Thuso Motanyane 27. Oktober 2004 24. August 2011
Generalmajor Phatoli Lekanyane 24. August 2011 18. März 2012
Generalleutnant Tlali Kamoli 19. März 2012

Personal[Bearbeiten]

2011 betrug die Stärke der LDF rund 2100 Personen, darunter einige Frauen.

Bewaffnung[Bearbeiten]

Der LDF stehen zwei 105-mm-Artilleriegeschütze und zehn 81-mm-Mörser zur Verfügung. Sie besitzt sechs 106-mm-Raketenwerfer und 22 gepanzerte Fahrzeuge, darunter vier Panhard AML 90, zehn RAM-2000-Transportfahrzeuge und acht Patrouillenfahrzeuge des Typs Shorts S52.[1]

Air Wing[Bearbeiten]

Der Air Wing (etwa: „die Flugstaffel“) verfügt über mehrere Flugzeuge und Hubschrauber, darunter drei Hubschrauber des Typs Bell 412, zwei Hubschrauber Bo 105 und einer des Typs Bell 47G sowie drei Transportflugzeuge des Typs CASA C-212. 1989 stürzte eine Maschine dieses Typs bei Qacha’s Nek ab; alle Insassen starben. Weitere kleine Flugzeuge sind eine Cessna 182 und eine Gippsland GA-8 „Airvan“.[12]

Sonstiges[Bearbeiten]

Als Lesotho Paramilitary Force, Royal Lesotho Defence Force und Lesotho Defence Force errang der Fußballverein der Armee zahlreiche Meistertitel. Er trägt seine Spiele in Maseru aus.[13]

Der Tag des Militärputsches, der 20. Januar, wurde 1987 erstmals als gesetzlicher Feiertag Army Day begangen und löste den 9. Dezember als Feiertag ab. Am 9. Dezember 1982 hatten südafrikanische Truppen bei einer Kommandoaktion 42 Menschen in Maseru getötet. Heute ist der 20. Januar kein gesetzlicher Feiertag mehr, wird aber immer noch als Army Day begangen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Scott Rosenberg, Richard W. Weisfelder, Michelle Frisbie-Fulton: Historical Dictionary of Lesotho. Scarecrow Press, Lanham, Maryland/Oxford 2004, ISBN 978-0-8108-4871-9, S. 359–366.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Porträt bei defenceweb.co.za (englisch), abgerufen am 12. Juni 2013
  2. a b c d Scott Rosenberg, Richard W. Weisfelder, Michelle Frisbie-Fulton: Historical Dictionary of Lesotho. Scarecrow Press, Lanham, Maryland/Oxford 2004, ISBN 978-0-8108-4871-9, S. 360.
  3. Scott Rosenberg, Richard W. Weisfelder, Michelle Frisbie-Fulton: Historical Dictionary of Lesotho. Scarecrow Press, Lanham, Maryland/Oxford 2004, ISBN 978-0-8108-4871-9, S. 361.
  4. Scott Rosenberg, Richard W. Weisfelder, Michelle Frisbie-Fulton: Historical Dictionary of Lesotho. Scarecrow Press, Lanham, Maryland/Oxford 2004, ISBN 978-0-8108-4871-9, S. 187.
  5. Scott Rosenberg, Richard W. Weisfelder, Michelle Frisbie-Fulton: Historical Dictionary of Lesotho. Scarecrow Press, Lanham, Maryland/Oxford 2004, ISBN 978-0-8108-4871-9, S. 362.
  6. a b c Scott Rosenberg, Richard W. Weisfelder, Michelle Frisbie-Fulton: Historical Dictionary of Lesotho. Scarecrow Press, Lanham, Maryland/Oxford 2004, ISBN 978-0-8108-4871-9, S. 363.
  7. a b Scott Rosenberg, Richard W. Weisfelder, Michelle Frisbie-Fulton: Historical Dictionary of Lesotho. Scarecrow Press, Lanham, Maryland/Oxford 2004, ISBN 978-0-8108-4871-9, S. 364.
  8. a b c d Scott Rosenberg, Richard W. Weisfelder, Michelle Frisbie-Fulton: Historical Dictionary of Lesotho. Scarecrow Press, Lanham, Maryland/Oxford 2004, ISBN 978-0-8108-4871-9, S. 365.
  9. Scott Rosenberg, Richard W. Weisfelder, Michelle Frisbie-Fulton: Historical Dictionary of Lesotho. Scarecrow Press, Lanham, Maryland/Oxford 2004, ISBN 978-0-8108-4871-9, S. 366.
  10. Beziehungen Indien-Lesotho (englisch, PDF; 17 kB), abgerufen am 12. Juni 2013
  11. Offizielle Website der Regierung Lesothos (englisch), abgerufen am 11. Juni 2013
  12. Flugzeuge der LDF und ihrer Vorgängerorganisationen (englisch, PDF; 6,7 MB), abgerufen am 12. Juni 2013
  13. Liste der Fußballmeister Lesothos, abgerufen am 12. Juni 2013