Liebfrauenkirche (Trier)

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Liebfrauenkirche[1]

Trier Innenstadt3.jpg

Konfession: römisch-katholisch
Patronat: Liebfrauen
Rang: Basilica minor
Domkapitular: Hans Wilhelm Ehlen
Pfarrgemeinde: Liebfrauen
Anschrift: Liebfrauenstraße 2
54290 Trier

49.7558333333336.6430555555556Koordinaten: 49° 45′ 21″ N, 6° 38′ 35″ O

Die Liebfrauenkirche in Trier befindet sich unmittelbar neben dem Trierer Dom im Zentrum der Stadt. Sie gilt zusammen mit der Elisabethkirche in Marburg als älteste gotische Kirche in Deutschland und als bedeutendster und frühester gotischer Zentralbau des Landes.

Blick auf den südlichen und westlichen Kreuzarm
Mariendarstellung über dem Portal
Grundriss
Innenansicht, Chorfenster von Jacques Le Chevallier

Seit 1986 ist die Liebfrauenkirche Teil des UNESCO-Welterbes Römische Baudenkmäler, Dom und Liebfrauenkirche in Trier.

Geschichte[Bearbeiten]

Nachdem die antike Doppelkirchenanlage aus der Zeit Kaiser Konstantin des Großen nach tausend Jahren wegen Baufälligkeit abgebrochen werden musste, begann Erzbischof Theoderich von Wied mit dem Bau der Kirche. Hierbei wurden teilweise die Fundamente der Vorgängerkirche benutzt. Das genaue Datum des Baubeginns lässt sich nicht mehr ermitteln, eine gemalte Inschrift im Innern auf einer Säule lautet: „Der bau dieser Kirche ward angefangen im Jahr 1227 und geendigt im Jahr 1243“, jedoch geht man heute von einem Baubeginn um 1230 aus. Am Bau waren Baumeister und Künstler aus der Champagne und Île de France des 13. Jahrhunderts maßgeblich beteiligt. Dadurch kam die Gotik zum Tragen, die beherrschende architektonische Idee dieser Zeit, die in Frankreich bereits hochentwickelt war. Das Bauwerk gehört damit zu den frühesten deutschen Zeugnissen der germanischen Gotik und ist außerdem einer der seltenen Zentralbauten dieser Zeit.

Die Hälfte war bis etwa 1243 vollendet, dann allerdings gingen dem Kapitel von Liebfrauen die finanziellen Mittel aus. Die könnte mit dem Tod des Erzbischofs Theoderich zusammenhängen, da dieser als Förderer anzusehen ist. Erst nach einer Kollekte in der Diözese Köln im Jahr 1243, von Erzbischof Konrad von Hochstaden genehmigt und in einem Ablassbrief favorisiert, konnte der Bau der Liebfrauenkirche fortgesetzt werden. In dieser Urkunde wird die Kirche bereits als „Mutterkirche“ aller Kirchen der Trierischen Provinz bezeichnet. Etwa um 1260 wurde der Bau wohl beendet. Im Jahre 1492 wurde auf dem Vierungsturm eine hohe Spitze aufgesetzt, die wegen ihres hohen technischen und handwerklichen Vollendungsgrades als Daedali arte (mit der Kunst des Daedalus) bezeichnet wurde. Die hohe Spitze ist auf alten Stadtansichten zu sehen, wurde jedoch bei einem Sturm am Heimsuchungstag (2. Juli) im Jahr 1631 zerstört. Darauf wurde ein Walmdach aufgesetzt, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Es wurde 1945 durch ein Dach ersetzt und dieses wiederum 2003 durch ein etwas steileres.

Die Liebfrauenkirche wurde von den Mitgliedern des Domkapitels genutzt, um ihre tägliche Messe zu lesen, und diente ihnen außerdem als Grabkirche. Dies führte dazu, dass sie im Laufe der Jahrhunderte mit Gräbern regelrecht überladen wurde. Im Zuge der französischen Revolution wurden die meisten dieser Gräber entfernt.

Nach der Besetzung Triers durch die französischen Revolutionstruppen im Jahr 1794 wurde Liebfrauen 1803 organisatorisch und liturgisch vom Dom getrennt. Zuvor bestand eine enge Beziehung zwischen dem Dom und Liebfrauen. Im Laufe eines Jahres führten zahlreiche Prozessionen vom Dom aus in die Liebfrauenkirche hinein, dazu gibt es einen Durchgang der die beiden Kirchen miteinander verbindet. Einer Trierer Überlieferung zufolge, sollte die Liebfrauenkirche abgerissen werden, jedoch habe der Trierer Bürgermeister Napoleon anlässlich seines Besuches in Trier auf den Balkon des gegenüberliegenden Palais Kesselstadt geführt und zu ihm gesagt: „Sire, Sie wollen doch wohl nicht das Meisterwerk eines französischen Architekten abreißen“. Jedenfalls wurde die in der Nähe gelegene Kirche St. Laurentius, die sich unmittelbar an der Konstantinbasilika befand abgerissen und die Pfarrei erhielt den Namen „Unserer Lieben Frauen und Sankt Laurentius“. Als äußeres Zeichen der Trennung wurde das Portal zwischen dem von Dom und Liebfrauen gemeinsam als Durchgang genutztem Paradies auf Seiten des Domes zugemauert und das Paradies als Sakristei für Liebfrauen genutzt. Anlässlich der Heilig-Rock-Wallfahrt 1959 wurde das Portal wieder geöffnet, danach mit einer Brettertüre verschlossen und nach der Domrestaurierung mit einem neuen Holzportal versehen, so dass heute wieder eine gemeinsame Nutzung möglich ist.

Von 1859 mit Unterbrechungen bis in die 1890er Jahre hinein fand eine umfangreiche Restaurierung statt. Dabei wollte man den mittelalterlichen Zustand der Kirche möglichst wiederherstellen, dementsprechend ersetzte man einige barocke Ausstattungsstücke durch neugotische, unter anderem wurde ein Hochaltar nach Entwurf des Kölner Dombaumeisters Vinzenz Statz aufgestellt. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Liebfrauenkirche schwerste Zerstörungen und wurde von 1946 bis 1951 wiederhergestellt. Große Teile des Mauerwerks, die Fenstermaßwerke und viele Skulpturen am Außenbau mussten erneuert werden, bei den Wiederherstellungsarbeiten entdeckte man in einem der Treppentürme einen eingemeißelten Grundriss aus der Erbauungszeit der Kirche. Die nach einem Architektenwettbewerb realisierte Gestaltung mit zentraler Lage des Altares wurde von dem Architekten Rudolf Schwarz geplant und nahm Leitlinien des Zweiten Vatikanischen Konzils vorweg. Im Zuge der Neugestaltung wurden einige auch nach der Kriegszerstörung noch erhaltene Ausstattungsstücke des 19. und frühen 20. Jahrhunderts entfernt, z. B. der Hochaltar. Als Ersatz für die zerstörten Glasfenster aus den 1860er Jahren wurden neue nach Entwurf von Jacques Le Chevallier und Alois Stettner eingesetzt.

Die Liebfrauenkirche erhielt vom Papst 1951 die Auszeichnung Basilica minor. Anlass dafür war die Neugestaltung des Altarraumes nach dem Krieg, bei der der Altar in die Mitte der Kirche gestellt wurde. Im Jahr 1986 wurde die Kirche zusammen mit dem Trierer Dom sowie den römischen Kulturdenkmälern in Trier und Umgebung von der UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen.

Nach über dreijähriger aufwendiger Restaurierung zwischen Juli 2008 und September 2011 wurde die Liebfrauenkirche am 4. September 2011 wieder eröffnet. Bei der Restaurierung konnte die ursprüngliche Farbfassung des Inneren ermittelt werden, sie wurde in einer der Kapellen an einer Fensterachse zur Demonstration rekonstruiert. Auch die bedeutenden Ausstattungsstücke aus dem 17. bis 20. Jahrhundert, die teilweise noch Schäden aus der Kriegszeit aufwiesen, wurden sorgfältig in Stand gesetzt.

Orgel[Bearbeiten]

Bis zum Zweiten Weltkrieg stand in der Liebfrauenkirche eine Orgel aus dem Jahre 1843, die von dem Orgelbauer Heinrich Wilhelm Breidenfeld erbaut worden war. Das Instrument hatte 32 Register auf zwei Manualen und Pedal. Dieses Instrument wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Nach Kriegsende begann die Planung einer neuen Orgelanlage. Vorgesehen war eine Hauptorgel an der Südseite des Kirchenraumes, zu ebener Erde, als mehrstöckiges Instrument, und eine zweiteilige Chororgel. Die Hauptorgel ist niemals realisiert worden, und die vorgesehene Chororgel nur teilweise. Sie wurde 1951 mit 15 Register auf zwei Manualen und Pedal (Kegelladen) eingeweiht. Der frei stehende Spieltisch war allerdings bereits dreimanualig angelegt, um die geplante Hauptorgel anbinden zu können. Im Zuge der Innenrenovierung 2011 erhielt die Orgel einen zweimanualigen Spieltisch. Dieser ist nun über das kircheninterne Netzwerk mit der zweiteiligen Orgel verbunden und kann dadurch an unterschiedlichen Stellen in der Kirche aufgestellt werden.

I Hauptwerk C–g3
1. Hohlflöte 8’
2. Salicional 8’
3. Principal 4’
4. Gemshorn 2’
5. Sesquialtera II
6. Mixtur III-IV
II Positiv C–g3
7. Spitzgedackt 8’
8. Blockflöte 4’
9. Principal 2’
10. Scharff II-III
11. Krummhorn 8’
Pedal C–f1
12. Untersatz 16'
13. Principalbass 8’
14. Gedacktbass 8’
15. Quintadena 4'
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P
    • Suboktavkoppeln: II/I, II/II
  • Spielhilfen: II. Äquallage Ab, Registerfessel

Weitere Ansichten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Brubach und Martin Persch (Hg.): 200 Jahre Pfarrei Liebfrauen in Trier. Trier 2003, ISBN 3-7902-0182-0.
  • Hans Wilhelm Ehlen (Hg.): „Die Rose neu erblühen lassen ...“ Festschrift zur Wiedereröffnung der Liebfrauen-Basilika zu Trier. Trier 2011, ISBN 978-3-7902-1812-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pfarrkirche der Pfarrei Liebfrauen. Abgerufen am 9. Juni 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Liebfrauenkirche (Trier) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien