St. Kunibert (Köln)
St. Kunibert ist eine der zwölf romanischen Basiliken nahe dem Rhein in der nördlichen Altstadt Kölns.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Bau und Ausstattung
Der dreischiffige Kirchenbau ist Kölns jüngste unter den großen romanischen Kirchen und die markanteste Silhouette im Stadtpanorama nördlich des gotischen Kölner Domes. Der späte Zeitpunkt ihrer Errichtung dürfte ursächlich für ihre in sich sehr geschlossene und formenreiche Gestaltung sein. Filigran erheben sich die Außenmauern des Chors zweigeschossig unter der die Fassade abschließenden niedrigen Galerie. Der zwischen den niedrigen Osttürmen stehende Giebel weist drei strukturierende Nischen auf.
Innen zeichnet sich die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder errichtete Basilika durch eine lichtdurchflutete differenziert gestaltete Apsis aus. In ihr befinden sich, im Unterschied zu den anderen romanischen Kirchen Kölns, auf zwei Ebenen Laufgänge im „doppelschaligen“ Mauerwerk. Herausragend sind die während des Krieges eingelagerten und deshalb erhaltenen restaurierten Originalfenster der Apsis aus dem frühen 13. Jahrhundert (um 1230). Rechts außen findet sich die Legende des Heiligen Kunibert dargestellt, zur Linken die des Heiligen Clement. Dazwischen befinden sich die Abbildungen der Heiligen Ursula (rechts) und der Heiligen Kordula (links).
Das dreigeschossige Langhaus wird von rechteckigen Pfeilern getragen, deren westliche Reihe von einer bemerkenswerten Verkündigungsgruppe aus Sandstein geschmückt ist. Unter dem Chor liegt die von einer Zentralsäule gestützte Krypta mit dem Kunibertspütz, einem Brunnen, dessen Wasser Kindersegen versprechen soll. In der südlich angebauten Taufkapelle befinden sich Reste der ursprünglich reichen Wandmalereien St. Kuniberts.
Weitere Höhepunkte der Ausstattung sind Skulpturen der Madonna sowie des Heiligen Quirinus.
Seit 1998 beherbergt St. Kunibert auch wieder den als Folge der Säkularisation veräußerten Triptychon mit einer Kreuzigungsdarstellung des Meisters der Georgslegende. Erhalten blieb ein am Eingang zum Langhaus stehender Bronzeleuchter mit Kreuz aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert und zwei Tafelbilder. Darstellend eine Gregorsmesse aus gleicher Zeit im Chor sowie ein Flügelaltar mit einer Auferstehungsszene von Bartholomäus Bruyn dem Älteren. Die im Chor ausgestellten Schreine für die Reliquien des Heiligen Kunibert und der heiligen Brüder Ewaldi sind Werke des 19. Jahrhunderts.
1993 wurde die neue Orgel mit 41 Registern eingeweiht. Erbauer ist die schweizerische Orgelbaufirma Theodor Kuhn. Um den optischen Eindruck des Baus so wenig wie möglich zu beeinflussen, wurde der etwas außergewöhnliche Standort zwischen und vor den Säulen, die den hinteren Bereich des Langhauses vom rechten Seitenschiff trennen, gewählt.
1998 wurde die neue Schatzkammer der Kirche eröffnet, die Einblick in weitere Details des Kirchenschatzes gibt. Zu den modernen Kostbarkeiten gehören neben den nördlichen Holztüren und dem Kreuzweg von Elmar Hillebrand von 1955 Hanns Rheindorfs Silberkreuz und Tabernakeltür.
[Bearbeiten] Geschichte
St. Kunibert, ein um 600 geborener erfolgloser Missionar der Friesen und Sachsen, Bischof und Berater von König Dagobert I., stiftete der Legende nach an der Stelle der heutigen Basilika eine St. Clemens gewidmete Kirche. Nach seinem Tod wurde er hier seinem Wunsch entsprechend bestattet.
Vor 1210 wird dann auf Betreiben des Propstes des St. Kunibertstifts, des späteren Erzbischofs von Trier, Theoderich von Wied, mit dem Neubau einer Kirche begonnen. Zum Ausgleich des Geländegefälles zum Rhein hin entsteht als Unterbau eine Krypta. 1226 ist der Chor fertiggestellt, und ein Jahr vor dem Baubeginn des gotischen Doms wird St. Kunibert 1247 als Stiftskirche geweiht. Der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden richtet aus diesem Anlass ein großes Fest für Hochadel und hohe Geistlichkeit aus.
Der Westturm wurde 1376 ein Raub der Flammen. Er wurde mit gotischem Knickhelm erneuert. 1830 brach er aus statischen Gründen ein, wurde 1860 neu errichtet und sank schließlich mit der gesamten Kirche im Zweiten Weltkrieg in Trümmer. Am 29. Juni 1944 gingen die Dächer in Flammen auf, 1944 wurde der Westturm von einer Bombe getroffen und stürzte mit Teilen des Querhauses ein. 1945 entstanden weitere Schäden. Nachdem das südliche Seitenschiff notdürftig für Gottesdienste hergerichtet war, wurden unter der Leitung von Karl Band der Chor und das Langhaus bis 1955 wieder errichtet. Erst zum Ende der 1970er Jahre wurde dann die Initiative zum Aufbau des Westbaus (Querhaus und Turm) ergriffen. 1985 wurde die Kirche auch mit Unterstützung des Fördervereins fertiggestellt.
St. Kuniberts heutige Gestalt orientiert sich weder vollständig am Vorkriegszustand, noch ist sie einem Rückgriff auf das spätstaufische Original zu verdanken. Vielmehr wurden vor dem Hintergrund sehr kontrovers geführter Diskussionen Kompromisse eingegangen, die sich auf unterschiedliche Bauzustände in der Geschichte der Basilika beziehen.
[Bearbeiten] Der Kunibertspütz
Im Chorraum ist eine 1955 von Elmar Hillebrand gestaltete Bodenplatte eingelassen, die auf die Krypta und den Kunibertspütz (Brunnenschacht) verweist. Der Legende nach befinde sich auf seinem Grund eine Art Paradies, in dem Kinder spielten und von der Jungfrei Maria mit Brei gefüttert wurden. Nach Ansicht der Kölner wurden die Kinder also nicht vom Storch gebracht, sondern entsprangen dem Kunibertspütz. Bis ins 19 Jahrhundert hielt sich der Brauch, dass Frauen mit nicht erfülltem Kinderwunsch Wasser aus diesem Brunnen tranken, um ihre Fruchtbarkeit zu erhöhen.[1]
[Bearbeiten] Kuhn-Orgel
Die Orgel von St. Kunibert wurde 1993 durch den Schweizer Orgelbauer Kuhn erbaut.
Anders, als dies bei einer großen romanischen Kirche mit Blick auf eine ideale klangliche Beherrschung des Kirchenraumes zu erwarten wäre, steht die Orgel nicht auf einer Empore im Westwerk der Kirche, sondern in den beiden letzten südlichen Langhausarkaden. An dieser Stelle hatte sich, wenn auch erhöht, an der Wand des Langhauses, bereits eine spätmittelalterliche Schwalbennestorgel befunden. Der (Neu)Bau einer Empore im Westwerk von St. Kunibert, als Standort für die neue Orgel, kam 1993 deshalb nicht in Betracht, weil das erst in jenem Jahr vollständig wieder hergestellte Westwerk andernfalls an Wirkung eingebüßt hätte.
Das Orgelwerk steht weitgehend in der Arkadenflucht; allein das vergleichsweise kleine Positiv ragt aus der Arkadenflucht heraus. Durch diese Positionierung ist die Sicht durch das Langhaus der Kirche weitgehend frei und offen.
Das Klangbild der Orgel lehnt sich an den romantisch-sinfonischen Stil französischer Prägung an. Ihre Klangsprache steht damit in bewusstem Gegensatz zum Klangbild vieler neuerer Orgeln im Kölner Raum, die durch die Orgelbewegung geprägt erscheinen.
|
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
- Koppeln:
- Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P.
- Suboktavkoppel: III/I.
[Bearbeiten] Glocken
Der mächtige Westturm beherbergt ein großes achtstimmiges Geläut, das neben dem des Domes das größte in Köln ist; der Bourdon ist die drittgrößte Glocke Kölns. Das ursprüngliche (Vorkriegs-)Geläut bestand aus den beiden noch vorhandenen Legros-Glocken und einer weiteren Glocke, die der heutigen Ewaldiglocke nahe kommt; sie ist ein Nachguss. Die beiden großen Glocken (f0 und b0) sind ebenfalls in speziellen historischen Rippen nachgegossen worden. Das gewünschte Klangspektrum wurde unter anderem durch Nachschleifen im Inneren der Glocken erzielt. Die beiden kleinen Glocken hängen im Dachreiter neben dem Hauptturm und zählen nicht zum Hauptgeläut. Zudem verfügt St. Kunibert über ein Glockenspiel.
Täglich um 7:00, 12:00 und 19:00 Uhr läutet der Engel des Herrn mit der Aveglocke. Jeweils zuvor ertönen drei mal drei Schläge auf der Marienglocke. Sonn- und Festtage werden am Vorabend nach dem Angelusläuten eingeläutet. Die Läuteordnung sieht verschiedene Glockenkombinationen (Motive) für den einzelnen Zeiten und Anlässe im Kirchenjahr vor. Der große Bourdon läutet nur an den höchsten Festtagen und zu besonderen Anlässen (Weihnachten, Erscheinung des Herrn, Gründonnerstag, Ostersonntag, Pfingstsonntag, Fronleichnam, Kirmes-Sonntag, Ewalditag, Kirchweih, Allerheiligen, Kunibertstag, Klemenstag und zum Jahreswechsel) sowie beim Tod des Papstes, des Erzbischofes oder eines Pfarrgeistlichen.
| Nr. |
Name |
Gussjahr |
Gießer, Gussort |
Durchmesser (mm) |
Masse (kg) |
Schlagton (HT-1/16) |
| 1 | Bourdon (Engelglocke) | 1990 | Koninklijke Eijsbouts, Asten | 2.470 | 9.380 | f0 –4 |
| 2 | Maria (Trösterin) | 1990 | Koninklijke Eijsbouts, Asten | 1.840 | 3.880 | b0 –2 |
| 3 | Kunibert | 1773 | Martin Legros, Köln | 1.540 | ≈2.290 | des1 –3 |
| 4 | Clemens | 1773 | Martin Legros, Köln | 1.210 | ≈1.130 | f1 –6 |
| 5 | Ewald | 1990 | Koninklijke Eijsbouts, Asten | 1.000 | 660 | as1 –5 |
| 6 | Bruno (Aveglocke) | 1990 | Koninklijke Eijsbouts, Asten | 890 | 440 | b1 –4 |
| 7 | Jakobus | 1958 | Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher | 770 | ≈280 | c2 –6 |
| 8 | Cordula | 1958 | Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher | 675 | ≈180 | d2 –6 |
| 9 | Kirspel | 1453 | Sifart Duisterwald, Köln | 682 | ≈230 | e2 –7 |
| 10 | Zimbel | 1422 | Christian Duisterwald, Köln | 546 | ≈100 | g2 –5 |
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Weblinks
- St. Kunibert in Köln
- Videoaufnahme des Vollgeläuts bei YouTube
- Digitalisierte Archivbestände zu St. Kunibert im digitalen Historischen Archiv Köln
[Bearbeiten] Einzelnachweise
St. Andreas | St. Aposteln | St. Cäcilien | St. Georg | St. Gereon | St. Kunibert | Krieler Dömchen | St. Maria im Kapitol | St. Maria in Lyskirchen | Groß St. Martin | St. Pantaleon | St. Severin | St. Ursula
50.946756.9625555555556Koordinaten: 50° 56′ 48″ N, 6° 57′ 45″ O