Liste der Nobelpreisträgerinnen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Nobelpreise werden seit 1901 jährlich durch die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften, das Karolinska-Institut, die Svenska Akademien und das Norwegische Nobelpreiskomitee vergeben. Die Auszeichnung wurde mit Ausnahme des Preises für Wirtschaftswissenschaften vom schwedischen Erfinder und Industriellen Alfred Nobel gestiftet. Der Preis für Wirtschaftswissenschaften wurde von der Schwedischen Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel gestiftet. Verliehen wird sie an Personen und Organisationen für herausragende Leistungen auf den Gebieten Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur, Frieden sowie Wirtschaftswissenschaften.[1]

Statistik[Bearbeiten]

Bis einschließlich 2011 wurden die eigentlichen Nobelpreise an 784 Männer, 43 Frauen und 20 Organisationen verliehen, der Wirtschaftspreis an 69 Männer und eine Frau.[2]

Die erste Nobelpreisträgerin war die Physikerin und Chemikerin Marie Curie, die 1903 den Preis in der Kategorie Physik, zusammen mit ihrem Ehemann Pierre Curie und Henri Becquerel, erhielt. Marie Curie war auch die bislang einzige Frau, die zwei Nobelpreise bekam: 1911 wurde sie mit dem Nobelpreis für Chemie geehrt. 24 Jahre später erhielt ihre Tochter Irène Joliot-Curie den Nobelpreis in derselben Kategorie. Damit sind Marie Curie und Irène Joliot-Curie das bislang einzige Mutter-Tochter-Gespann unter den Preisträgerinnen.

15 Mal wurde eine Frau mit einem Nobelpreis in der Kategorie Frieden, zwölf Mal mit dem Literaturnobelpreis, zehn Mal in der Kategorie Physiologie oder Medizin, vier Mal in der Kategorie Chemie und zweimal in der Kategorie Physik ausgezeichnet. Den Wirtschaftspreis hat bislang eine Frau erhalten. Vier Nobelpreise und der Wirtschaftspreis gingen im Jahr 2009 an Frauen, die höchste Anzahl von Auszeichnungen für Frauen in einem einzigen Jahr.

Preisträgerinnen[Bearbeiten]

Jahr Person Land[3] Kategorie Begründung für die Preisvergabe Bild
1903 Marie Curie
(1867–1934)
FrankreichFrankreich Frankreich Physik „als Anerkennung des außerordentlichen Verdienstes, den sie sich durch ihre gemeinsamen Arbeiten über die von H. Becquerel entdeckten Strahlungsphänomene erworben haben“ Marie Curie
1905 Bertha von Suttner
(1843–1914)
Osterreich KaisertumKaisertum Österreich Österreich
(geboren in Prag, damals Österreich)
Frieden Keine Begründung; Ihr Lebenswerk, Roman Die Waffen nieder!, „Permanent International Peace Bureau“, regte Nobel, dessen Privatsekretärin sie für kurze Zeit war, vermutlich zur Stiftung des Friedensnobelpreises an. Bertha von Suttner
1909 Selma Lagerlöf
(1858–1940)
SchwedenSchweden Schweden Literatur „auf Grund des edlen Idealismus, des Phantasiereichtums und der seelenvollen Darstellung, die ihre Dichtung prägen“ Selma Lagerlöf
1911 Marie Curie
(1867–1934)
FrankreichFrankreich Frankreich
(geboren in Warschau, PolenPolen Polen, damals Russisches Kaiserreich 1858Russisches Kaiserreich Russland)
Chemie „als Anerkennung des Verdienstes, das sie sich um die Entwicklung der Chemie erworben hat durch die Entdeckung der Elemente Radium und Polonium, durch die Charakterisierung des Radiums und dessen Isolierung in metallischem Zustand und durch ihre Untersuchungen über die Natur und die chemischen Verbindungen dieses wichtigen Elements“ Marie Curie
1926 Grazia Deledda
(1871–1936)
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien
(geboren in Nuoro, Sardinien)
Literatur „für ihre von hohem Idealismus getragene Verfasserschaft, die mit Anschaulichkeit und Klarheit das Leben ihrer väterlichen Herkunft schildert und allgemeinmenschliche Probleme mit Tiefe und Wärme behandelt“ (verliehen 1927) Grazia Deledda
1928 Sigrid Undset
(1882–1949)
NorwegenNorwegen Norwegen
(geboren in Kalundborg, DanemarkDänemark Dänemark)
Literatur „vornehmlich für ihre mächtigen Schilderungen aus dem mittelalterlichen Leben des (skandinavischen) Nordens“ Sigrid Undset
1931 Jane Addams
(1860–1935)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Frieden Keine Begründung; Präsidentin der „Women’s International League for Peace and Freedom“ Jane Addams
1935 Irène Joliot-Curie
(1897–1956)
FrankreichFrankreich Frankreich Chemie „für ihre gemeinsam durchgeführten Synthesen von neuen radioaktiven Elementen“ (mit ihrem Ehemann Frédéric Joliot-Curie) Irène Joliot-Curie
1938 Pearl S. Buck
(1892–1973)
Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Literatur „für ihre reichen und echten epischen Schilderungen aus dem chinesischen Bauernleben und für ihre biographischen Meisterwerke“ Pearl S. Buck
1945 Gabriela Mistral
(1889–1957)
ChileChile Chile Literatur „für die von mächtigen Gefühlen inspirierte Lyrik, die ihren Dichternamen zu einem Symbol für die ideellen Bestrebungen der ganzen lateinamerikanischen Welt gemacht hat“ Gabriela Mistral
1946 Emily Greene Balch
(1867–1961)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Frieden Keine Begründung; Präsidentin der „Women’s International League for Peace and Freedom Emily Greene Balch
1947 Gerty Cori
(1896–1957)
Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
(geboren in Prag, damals OsterreichÖsterreich Österreich)
Physiologie oder Medizin „für ihre Entdeckung des Verlaufs des katalytischen Glykogen-Stoffwechsels“ Gerty Theresa Cori
1963 Maria Goeppert-Mayer
(1906–1972)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
(geboren in Kattowitz, damals Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich)
Physik „für ihre Entdeckung der nuklearen Schalenstruktur Maria Goeppert-Mayer
1964 Dorothy Crowfoot Hodgkin
(1910–1994)
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Chemie „für ihre Strukturbestimmung biologisch wichtiger Substanzen mit Röntgenstrahlen
1966 Nelly Sachs
(1891–1970)
SchwedenSchweden Schweden
(geboren in Berlin, Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich)
Literatur „für ihre hervorragenden lyrischen und dramatischen Werke, die das Schicksal Israels mit ergreifender Deutlichkeit interpretieren“ Nelly Sachs
1976 Betty Williams
(* 1943)
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
(NordirlandNordirland Nordirland)[4]
Frieden Keine Begründung; Gründerinnen des „Northern Ireland Peace Movement“ (umbenannt in „Community of Peace People“) Betty Williams
Mairead Corrigan
(* 1944)
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
(NordirlandNordirland Nordirland)[4]
Frieden Mairead Corrigan
1977 Rosalyn Yalow
(1921–2011)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Physiologie oder Medizin „für die Entwicklung radioimmunologischer Methoden der Bestimmung von Peptidhormonen Rita Levi-Montalcini
1979 Mutter Teresa
(1910–1997)
IndienIndien Indien[5]
(geboren in Skopje, damals TurkeiTürkei Türkei[6])
Frieden Keine Begründung; Gründerin des Ordens „Missionare der Nächstenliebe“ Mutter Teresa
1982 Alva Myrdal
(1902–1986)
SchwedenSchweden Schweden Frieden Keine Begründung; Diplomatin und Delegierte der UN-Abrüstungskonferenzen Alva Myrdal
1983 Barbara McClintock
(1902–1992)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Physiologie oder Medizin „für ihre Entdeckung der beweglichen Strukturen in der Erbmasse“
1986 Rita Levi-Montalcini
(1909–2012)
ItalienItalien Italien / Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
(geboren in Turin, ItalienItalien Italien)
Physiologie oder Medizin „für ihre Entdeckung des Nervenwachstumsfaktors Rita Levi-Montalcini
1988 Gertrude B. Elion
(1918–1999)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Physiologie oder Medizin „für ihre wegweisenden Entdeckungen wichtiger biochemischer Prinzipien der Arzneimitteltherapie Gertrude Belle Elion
1991 Nadine Gordimer
(1923–2014)
Sudafrika 1961Südafrika Südafrika Literatur „für ihre epische Dichtung, die der Menschheit einen großen Nutzen erwiesen hat und durch die tiefen Einblicke in das historische Geschehen dazu beiträgt, dieses Geschehen zu formen“ Nadine Gordimer
1991 Aung San Suu Kyi
(* 1945)
Myanmar 1974Myanmar Myanmar Frieden für ihren Einsatz für die Menschenrechte Aung San Suu Kyi
1992 Rigoberta Menchú
(* 1959)
GuatemalaGuatemala Guatemala Frieden für ihren Einsatz für die Menschenrechte insbesondere von Ureinwohnern Rigoberta Menchú
1993 Toni Morrison
(* 1931)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Literatur „für ihre literarische Darstellung einer wichtigen Seite der US-amerikanischen Gesellschaft durch visionäre Kraft und poetische Prägnanz“ Toni Morrison
1995 Christiane Nüsslein-Volhard
(* 1942)
DeutschlandDeutschland Deutschland Physiologie oder Medizin „für ihre grundlegenden Erkenntnisse über die genetische Kontrolle der frühen Embryoentwicklung Christiane Nüsslein-Volhard
1996 Wisława Szymborska
(1923–2012)
PolenPolen Polen Literatur „für ihr Werk, das ironisch-präzise den historischen und biologischen Zusammenhang in Fragmenten menschlicher Wirklichkeit hervortreten lässt“ Wisława Szymborska
1997 Jody Williams
(* 1950)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Frieden für ihre Anstrengungen, gegen Personen gerichtete Minen international zu ächten Jody Williams
2003 Schirin Ebadi
(* 1947)
IranIran Iran Frieden für ihren Einsatz für Demokratie und die Menschenrechte. Schirin Ebadi
2004 Wangari Maathai
(1940–2011)
KeniaKenia Kenia Frieden für ihren Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung, Demokratie und Frieden.[7] Wangari Muta Maathai
2004 Elfriede Jelinek
(* 1946)
OsterreichÖsterreich Österreich Literatur „für den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen, die mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees enthüllen“ Elfriede Jelinek
2004 Linda B. Buck
(* 1947)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Physiologie oder Medizin „für die Erforschung der Riechrezeptoren und der Organisation des olfaktorischen Systems Linda B. Buck
2007 Doris Lessing
(1919–2013)
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
(geboren in Kermānschāh, IranIran Iran, damals Persien)
Literatur „der Epikerin weiblicher Erfahrung, die sich mit Skepsis, Leidenschaft und visionärer Kraft eine zersplitterte Zivilisation zur Prüfung vorgenommen hat“ Doris Lessing
2008 Françoise Barré-Sinoussi
(* 1947)
FrankreichFrankreich Frankreich Physiologie oder Medizin „für die Entdeckung des HI-Virus Françoise Barré-Sinoussi
2009 Elizabeth Blackburn
(* 1948)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
(geboren in Hobart, Tasmanien, AustralienAustralien Australien)[8]
Physiologie oder Medizin für die Entdeckung, „wie Chromosome durch Telomere und das Enzym Telomerase geschützt werden“ Elizabeth Blackburn
Carol W. Greider
(* 1961)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Physiologie oder Medizin Carol Greider
2009 Ada Yonath
(* 1939)
IsraelIsrael Israel Chemie „für die Studien zur Struktur und Funktion des Ribosoms Ada Yonath
2009 Herta Müller
(* 1953)
DeutschlandDeutschland Deutschland
(geboren in Nitzkydorf, Banat, RumänienRumänien Rumänien)
Literatur „die mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit zeichnet“ Herta Müller
2009 Elinor Ostrom
(1933–2012)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Wirtschaftswissenschaft „Für ihre Analyse ökonomischen Handelns im Bereich Gemeinschaftsgüter Elinor Ostrom
2011 Ellen Johnson Sirleaf
(* 1938)
LiberiaLiberia Liberia Frieden „für ihren gewaltfreien Kampf für die Sicherheit von Frauen und für die Frauenrechte, damit diese vollständig Teil haben können an der Friedensbewegung“ Ellen Johnson-Sirleaf
Leymah Gbowee
(* 1972)
LiberiaLiberia Liberia Frieden Leymah Gbowee
Tawakkul Karman
(* 1979)
JemenJemen Jemen Frieden Tawakkul Karman
2013 Alice Munro
(* 1931)
KanadaKanada Kanada Literatur „die Meisterin der zeitgenössischen Kurzgeschichte“ Alice Munro
2014 May-Britt Moser
(* 1963)
NorwegenNorwegen Norwegen Physiologie oder Medizin „für Entdeckungen von Zellen die ein Positionierungssystem im Gehirn bilden“

Anmerkungen und Nachweise[Bearbeiten]

  1. Über die Nobelpreise (engl.)
  2. Ohne Mehrfachnennung
  3. Land nach der Angabe auf nobelprize.org. Das Land kann von der Nationalität des Laureaten abweichen.
  4. a b In den offiziellen Listen des Friedensnobelpreises wird Nordirland genannt, in den offiziellen Listen des gesamten Nobelpreises jedoch Vereinigtes Königreich. Da Nordirland niemals ein unabhängiger Staat gewesen ist, wird diese Angabe hier in Klammern vermerkt.
  5. Angabe aus den offiziellen Listen der Nobelstiftung. Mutter Teresa stammte zwar aus einer albanischen Familie und wuchs im damals zum Osmanischen Reich gehörenden Mazedonien auf, wirkte aber die meiste Zeit ihres Lebens in Indien und nahm 1948 die indische Staatsbürgerschaft an. Daher ist sie in den Listen auch als Inderin verzeichnet.
  6. Angabe aus den offiziellen Listen der Nobelstiftung. Zu jener Zeit existierte das Osmanische Reich noch, das aber in Europa schon unter der Bezeichnung Türkei bekannt war.
  7. Damit wurde erstmals auch die Rolle des Umweltschutzes für den Weltfrieden geehrt.
  8. Blackburn wird in den offiziellen Listen der Nobelstiftung als US-Amerikanerin geführt, hat aber auch die australische Staatsbürgerschaft.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]