Olga Tokarczuk

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Olga Tokarczuk, Krakau, 2005

Olga Tokarczuk (* 29. Januar 1962 in Sulechów bei Zielona Góra, Polen) ist eine polnische Psychologin und Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten]

Vor ihrer Karriere als Schriftstellerin studierte sie von 1980 an Psychologie an der Universität Warschau. In dieser Zeit arbeitete sie in einem Heim für verhaltensauffällige Jugendliche. Nach dem Abschluss im Jahr 1985 zog sie zunächst nach Breslau und später Wałbrzych(früher: Waldenburg), wo sie eine Tätigkeit als Therapeutin begann. Tokarczuk sieht sich selbst in der geistigen Tradition von Carl Gustav Jung, dessen Theorien sie auch als eine Inspiration für ihre literarischen Arbeiten anführt. Seit 1998 lebt Tokarczuk in dem kleinen Dorf Krajanów bei Nowa Ruda. Von hier aus führte sie auch mehrere Jahre ihren eigenen Verlag Ruta, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete.

Werk[Bearbeiten]

1989 ist das Jahr der Veröffentlichung ihres ersten Buches, einer mit Miasta w lustrach (Städte in Spiegeln) betitelten Gedichtsammlung. Ihr Debütroman, Podróż ludzi księgi (Reise der Buchmenschen), eine Parabel über die Suche zweier Liebender nach dem "Geheimnis des Buches" (eine Metapher für die Bedeutung des Lebens), ist im Frankreich des 17. Jahrhunderts angesiedelt und erschien 1993. Der Autorin bescherte das Buch sofortige Popularität bei Lesern wie bei Kritikern. Der Nachfolgeroman E. E. (1996) trägt im Titel die Initialen seiner Heldin, einer jungen Frau namens "Erna Eltzner", die in einer bürgerlichen deutsch-polnischen Familie im Breslau der Vorkriegsjahre aufwächst und übermenschliche Fähigkeiten entwickelt.

Tokarczuks dritter Roman Prawiek i inne czasy (Ur und andere Zeiten) wurde 1996 veröffentlicht und bleibt bis heute ihr erfolgreichster. Er spielt in dem fiktiven Städtchen Ur in Ostpolen, das von exzentrischen Urgesteinen bevölkert wird. Das Städtchen steht unter dem Schutz von vier Erzengeln (Raphael, Uriel, Gabriel und Michael), aus deren Perspektive der Roman das Leben der Bewohner über einen Zeitraum von acht Jahrzehnten seit 1914 aufzeichnet. In Parallele zur abwechslungsreichen polnischen Geschichte in jener Zeit, doch gleichzeitig seltsam entrückt von ihr, beschreibt der Roman die stetige Wiederkehr aller menschlichen Freuden und Schmerzen, die in Ur wie durch ein Brennglas sichtbar werden. Der Roman wurde in viele Sprachen übersetzt, darunter Deutsch, und begründete Tokarczuks internationale Reputation als eine der wichtigsten Protagonistinnen der polnischen Literatur in der Gegenwart.

Nach Prawiek i inne czasy begann Tokarczuks Arbeit sich weg von der Romanform und hin zu kürzeren Prosatexten und Essays zu entwickeln. Ihr nächstes Buch Szafa (Kleiderschrank, 1997) war eine Sammlung dreier Texte nach Art von Kurzgeschichten. Dom dzienny, dom nocny (Taghaus, Nachthaus, 1998), wenn auch formell ein Roman, ist eher ein Flickenteppich lose miteinander verbundener Texte, Skizzen und Essays über Gegenwart und Vergangenheit in der Wahlheimat der Autorin, einem Dorf in den Sudeten nahe der polnisch-tschechischen Grenze. Wenn auch Tokarczuks schwierigstes Buch, zumindest für jene, die mit der Geschichte Mitteleuropas nicht vertraut sind, ist es das einzige, das bislang ins Englische übersetzt worden ist.

Seit jener Zeit hat Tokarczuk eine Reihe von Sammlungen kurzer Geschichten veröffentlicht: Gra na wielu bębenkach (Spiel auf vielen Trommeln, 2001) und zuletzt Ostatnie historie (Letzte Geschichten) – sowie einen Essay über Bolesław Prus' Klassiker Die Puppe (Lalka i perła/Die Puppe und die Perle, 2000). Außerdem veröffentlichte sie einen Band mit drei modernen Weihnachtsgeschichten gemeinsam mit ihren gleichermaßen populären Kollegen Jerzy Pilch und Andrzej Stasiuk (Opowieści wigilijne, 2000).

Preise[Bearbeiten]

Tokarczuk ist Trägerin zahlreicher Literaturpreise in und außerhalb Polens. 2002 wurde sie mit dem Brücke Berlin Literatur- und Übersetzerpreis ausgezeichnet, 2008 gemeinsam mit Ingo Schulze mit dem Samuel-Bogumil-Linde-Preis.

Sie gewann seit 1997 drei Mal den Nike-Publikumspreis. Für ihr Werk Prawiek i inne czasy wurde er erstmals überhaupt vergeben. 2008 erhielt sie den Nike-Hauptpreis für Bieguni.[1]

2003 erhielt sie den Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen.

Werke[Bearbeiten]

  • Miasto w lustrach, 1989
  • Podróż ludzi Księgi, 1993
Die Reise der Buchmenschen, 1993
  • E.E., 1995
  • Prawiek i inne czasy, 1996
Ur und andere Zeiten, 1996
  • Szafa, Erzählungen, 1997
Der Schrank, 1997
  • Dom dzienny, dom nocny, Prosaband, 1998
Taghaus, Nachthaus, 1998
  • Lalka i Perła, Essay, 2000
Die Puppe und die Perle, 2000
  • Gra na wielu bębenkach, Erzählungen, 2001
Spiel auf vielen Trommeln, 2001
  • Opowiadania zimowe. (Wintererzählung; Hörbuch, nur auf Polnisch), 2003
  • Ostatnie historie, 2004
  • Anna In w grobowcach świata, 2006
AnnaIn in den Katakomben. Der Mythos der Mondgöttin Inanna, 2007 ISBN 978-3-8270-0727-8.
  • Bieguni, 2008
Unrast, Frankfurt/M.: Schöffling 2009, ISBN 978-3-89561-465-1.
  • Prowadź swój pług przez kości umarłych. 2009
Der Gesang der Fledermäuse. Aus dem Polnischen von Doreen Daume. Schöffling & Co Verlag, Frankfurt am Main Verlag 2011, ISBN 978-3-89561-466-8.

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Literatur[Bearbeiten]

  • Dörte Lütvogt: Raum und Zeit in Olga Tokarczuks Roman 'Prawiek i inne czasy' (Ur- und andere Zeiten). Frankfurt a. M.: Lang, 2004

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Olga Tokarczuk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. dziennik.pl, Za książkę "Bieguni" - Nagroda Nike dla Tokarczuk, 5. Okt. 2008