Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch

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Kyrillisch (Weißrussisch)
Святлана Алексіевіч
Łacinka: Svjatłana Aleksijevič
Transl.: Svjatlana Aleksievič
Transkr.: Swjatlana Aleksijewitsch
Kyrillisch (Russisch)
Светлана Алексиевич
Transl.: Svetlana Aleksievič
Transkr.: Swetlana Alexijewitsch

Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch (* 31. Mai 1948 in Stanislaw, Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik) ist eine weißrussische Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten]

Swetlana Alexijewitsch 2013

Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch wurde als Tochter einer Lehrerfamilie geboren.[1] Ihre Mutter war Ukrainerin, ihr Vater Weißrusse. Sie studierte in Minsk Journalistik. Im Anschluss war sie für eine Lokalzeitung sowie als Lehrerin tätig. Ein Jahr später arbeitete sie für die Land-Zeitung in Minsk. Im Jahr 1976 wechselte sie als Korrespondentin zum Literaturmagazin Neman. Sie befasste sich mit unterschiedlichen literarischen Genres wie Kurzgeschichten, Essays und Reportagen und entwickelte eine Methode, die literarisch eine größtmögliche Annäherung an das wahre Leben erlaubt, eine Zusammenfassung individueller Stimmen als Collage des tagtäglichen Lebens.

In dem Buch Der Krieg hat kein weibliches Gesicht, das sie im Jahr 1983 vollendete, wandte Alexijewitsch diese Herangehensweise anhand ihrer Interviews über Schicksale sowjetischer Soldatinnen im Zweiten Weltkrieg zum ersten Mal an. Die sowjetische Zensurbehörde Glawlit klagte sie infolgedessen an, die „Ehre des Großen Vaterländischen Krieges“ beschmutzt zu haben. Aufgrund ihrer „antikommunistischen Haltung“ verlor sie daraufhin ihre Stellung. Der Krieg hat kein weibliches Gesicht erschien erst 1985 (dt. 1987) mit Beginn der Perestroika in der Sowjetunion als Buch. Auf der Grundlage der Materialsammlung von Swetlana Alexijewitsch (ca. 500 Tonbandprotokolle) drehte der weißrussische Regisseur Wiktar Daschuk 1980 bis 1984 einen siebenteiligen Dokumentarfilm (siehe Der Krieg hat kein weibliches Gesicht). Einer der Filmteile erhielt 1983 auf dem Leipziger Dokumentarfilmfestival einen der Hauptpreise (Silberne Taube). 1985 wurde der Regisseur für den Film mit dem Staatspreis der UdSSR ausgezeichnet.

Zeitgleich mit dem Buch Der Krieg hat kein weibliches Gesicht erschien das nächste Werk von Swetlana Alexijewitsch, Die letzten Zeugen (1985, dt. 1989). Darin thematisiert sie unter anderen die Erlebnisse ihrer eigenen Familie im Krieg und unter der Herrschaft Stalins.

Für Zinkjungen (1989, dt. 1992) interviewte die Schriftstellerin mehr als fünfhundert Veteranen aus dem sowjetischen Afghanistankrieg und Mütter von gefallenen Soldaten. Der Titel Zinkjungen bezieht sich auf die toten Soldaten, deren Leichen in Zinksärgen überführt wurden.[2] Ab 1992 musste sie sich für dieses Buch mehrfach in Minsk vor Gericht verantworten; zu einer Verurteilung kam es aber nicht. Nach Im Banne des Todes (1993, dt. 1994) folgte (1997, dt. 2001) ihr Werk über die Nuklearkatastrophe in der Ukraine unter dem Titel Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft mit erschütternden Berichten der von der Atomkatastrophe betroffenen Menschen.[3]

Alexijewitsch wurde mehrfach für ihre engagierte Dokumentarprosa ausgezeichnet. Ihr Stück Gespräche mit Lebenden und Toten, für das sie über mehrere Jahre mit Menschen gesprochen hatte, für die die Katastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 zum zentralen Ereignis ihres Lebens geriet, wurde 1999 zum Hörspiel des Jahres gewählt. Ihre Werke wurden in über 30 Sprachen übersetzt.[4]

Von 2003 bis 2005 war Alexijewitsch Mitglied der internationalen Jury des Lettre Ulysses Award für literarische Reportage, der von der Zeitschrift Lettre International ins Leben gerufen wurde,[5] wo sie seit 2003 zahlreiche Reportagen, Erinnerungen und Gespräche veröffentlicht.[6]

Trotz ihrer oppositionellen Haltung gegenüber dem diktatorischen System unter Präsident Aljaksandr Lukaschenka in Weißrussland – ihr Telefon wird abgehört, öffentliche Auftritte werden untersagt – kehrte sie nach Aufenthalten in Paris, Stockholm und Berlin 2011 nach Minsk zurück.

Der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels wählte Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch zur Trägerin des Friedenspreises 2013. Er ehrt damit „die weißrussische Schriftstellerin, die die Lebenswelten ihrer Mitmenschen aus Weißrussland, Russland und der Ukraine nachzeichnet und in Demut und Großzügigkeit deren Leid und deren Leidenschaften Ausdruck verleiht“, so lautet die Jurybegründung. Weiterhin „lasse sie in ihren Berichten über Tschernobyl, über den sowjetischen Afghanistankrieg und über die unerfüllten Hoffnungen auf ein freiheitliches Land nach dem Auseinanderbrechen des Sowjetimperiums in der tragischen Chronik der Menschen einen Grundstrom existentieller Enttäuschungen spürbar werden.“

Die Verleihung fand während der Frankfurter Buchmesse am 13. Oktober 2013 in der Frankfurter Paulskirche statt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Szenenbild aus der Aufführung Gespräche mit Lebenden und Toten, Genf, 25. April 2009
Szenenbild aus der Aufführung Gespräche mit Lebenden und Toten, Genf, 25. April 2009

Werke[Bearbeiten]

Interviews und Gespräche[Bearbeiten]

  • Alexander Kluge: Selbsttötung als letztes Argument. Swetlana Alexijewitsch über Freitod in Rußland. In: News & Stories (dctp), Sat.1, 3. Oktober 1994.
  • Radioaktives Feuer. Warum die Erfahrung von Tschernobyl unser Weltbild in Frage stellt. Swetlana Alexijewitsch im Gespräch mit Paul Virilio. In: Lettre International 60 (Frühjahr 2003), S. 11–15.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karla Hielscher: Svetlana Aleksievič, in: KLfG – Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  • Swetlana Alexijewitsch, in: Internationales Biographisches Archiv 08/2012 vom 21. Februar 2012, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eine Stimme der Sprachlosen. dradio.de, 20. Juni 2013, abgerufen am 20. Juni 2013.
  2. Mit Kloschüsseln überschüttet. Auszüge aus Swetlana Alexijewitsch: „Zinkjungen“, Spiegel Online, abgerufen am 20. Juni 2013.
  3. Swetlana Alexijewitsch erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2013. Börsenverein des Deutschen Buchhandels, abgerufen am 20. Juni 2013.
  4. Eine Stimme der Sprachlosen. dradio.de, 20. Juni 2013, abgerufen am 20. Juni 2013.
  5. Website Lettre Ulysses Award, abgerufen am 20. Juni 2013.
  6. Website Lettre International, abgerufen am 20. Juni 2013.
  7. Liste der Preisträger auf Svenska PEN, zuletzt abgerufen am 2. Mai 2011 (schwedisch)
  8. Preisträger des Friedenspreises, abgerufen am 20. Juni 2013.
  9. FAZ.net 20. Juni 2013: Ermutigung für eine couragierte Frau
  10. sueddeutsche.de 13. Oktober 2013: Chronistin des Leidens
  11. Laudatio http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/640694/
  12. Dankesrede http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/640693/
  13. spiegel.de 1992: Auszug
  14. Eine Stimme der Sprachlosen. dradio.de, 20. Juni 2013, abgerufen am 20. Juni 2013