Losse (Fluss)

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Losse
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Die Losse im renaturierten Lossedelta bei Kassel (2010)

Die Losse im renaturierten Lossedelta bei Kassel (2010)

Daten
Gewässerkennzahl DE: 4296
Lage Hessen, Deutschland
Flusssystem Weser
Abfluss über Fulda → Weser → Nordsee
Quelle Am Walberg bei Hessisch Lichtenau
51° 11′ 34″ N, 9° 45′ 2″ O51.1927222222229.7504722222222402
Quellhöhe ca. 402 m ü. NN [1]
Mündung Zwischen Bettenhausen und Sandershausen in die Fulda51.3216666666679.5372222222222135Koordinaten: 51° 19′ 18″ N, 9° 32′ 14″ O
51° 19′ 18″ N, 9° 32′ 14″ O51.3216666666679.5372222222222135
Mündungshöhe ca. 135 m ü. NN [1]
Höhenunterschied ca. 267 m
Länge 28,9 km [2]
Einzugsgebiet 120,576 km² [2]
AbflussVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen MQ
1,418 m³/s
Linke Nebenflüsse siehe unten
Rechte Nebenflüsse siehe unten
Großstädte Kassel
Kleinstädte Hessisch Lichtenau
Gemeinden Helsa, Kaufungen, Niestetal
Blick von Ostflanke der Söhre (am Kleinen Belgerkopf) über Eschenstruth südostwärts durch das obere Lossetal nach Hessisch Lichtenau (2006)

Die Losse ist ein 28,9 km[2] langer, orographisch rechtsseitiger bzw. östlicher Zufluss der Fulda im Werra-Meißner-Kreis, im Landkreis Kassel und in der kreisfreien Stadt Kassel, Nordhessen (Deutschland).

Verlauf[Bearbeiten]

Die Losse entspringt im Werra-Meißner-Kreis oberhalb der Kernstadt von Hessisch Lichtenau. Ihre Quelle befindet sich am direkt östlich der Stadt gelegenen Walberg (429,3 m ü. NN), einer sanft ansteigenden waldlosen Erhebung auf dem einstigen Standortübungsplatz der ehemaligen Blücher-Kaserne. Rund 550 m südwestlich von dessen höchster Stelle liegt sie am Rand eines Hains auf etwa 402 m ü. NN.

Anfangs fließt die Losse nordwestwärts in die Kernstadt von Hessisch Lichtenau, durch die sie erst west- und dann nordwestwärts entlang der Bundesstraße 7 und der Bahnstrecke Kassel–Waldkappel (Lossetalbahn) verläuft. Kurz darauf fließt sie nordwestwärts durch das Hessisch Lichtenauer Dorf Fürstenhagen.

Danach fließt die Losse zwischen der Söhre an den linksseitigen und dem Kaufunger Wald an den rechtsseitigen Ufern in nordwestlicher Richtung in den Landkreis Kassel ein, in dem sie östlich das Helsaer Dorf Eschenstruth passiert, wo das Männerwasser einmündet. Dort unterquert sie die B 7 und die Lossetalbahn, um etwas weiter nördlich, nach Einmünden des von Osten aus Richtung der abseitigen Eschenstruther Wohnsiedlung Waldhof kommenden Rohrgrabens, erneut unter der Bahntrasse durchzuführen.

Dann erreicht die Losse, weiterhin nach Norden entlang der B 7 und Lossetalbahn verlaufend und die Bahnstrecke vor der Einmündung des Hergesbachs nochmals unterquerend, den Helsaer Kernort, wo von Osten kommend der Bach Wedemann und, am Ortsausgang, von Nordosten heran fließend der Ibach einmündet. Nach der Ibacheinmündung unterquert sie wieder die Bahnstrecke und fließt nordwestwärts nach Oberkaufungen, wo sie erneut von der Bahnstrecke überbrückt ist. Hiernach verläuft sie westwärts nach Niederkaufungen, wo der Setzebach zufließt. Danach strebt das Fließgewässer nach Nordwesten, um nach zweimaligem Unterqueren der B 7 und dazwischen liegendem Einmünden des Diebachsgrabens nördlich am Kaufungener Ortsteil Papierfabrik vorbeizufließen.

Beim Unterqueren der Bundesautobahn 7 (200 m lange Brücke) bildet die Losse auf wenigen Metern Fließstrecke die natürliche Grenze von Kaufungen zur kreisfreien Stadt Kassel. In dieser Großstadt durchfließt sie den Stadtteil Bettenhausen, in dem sie anfangs den nördlich gelegenen Eichwald passiert und sich allmählich von der B 7 und Lossetalbahn entfernt. Später bildet sie die Grenze von Bettenhausen zum Stadtteil Unterneustadt.

Schließlich mündet die Losse an der Stadtgrenze zu Sandershausen (Gemeindeteil von Niestetal) im Rahmen des künstlich geschaffenen Lossedeltas (siehe Absatz Geschichte – 21. Jahrhundert) auf etwa 135 m ü. NN in den westlichen Weser-Quellfluss Fulda; der Mündung gegenüber liegt − jenseits der Fulda − der Kasseler Stadtteil Wolfsanger.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter bis Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Schon im Mittelalter wurde die Wasserkraft der schnell fließenden Losse zum Antrieb zahlreicher Mühlen genutzt. Im Lauf der Zeit siedelten sich 34 Mühlenbetriebe an, allein in Bettenhausen am Mühlenkanal der Losse waren es 12. Die Mühlen waren nur zum Teil Mahlmühlen, sehr viele von ihnen waren auch oder ausschließlich Industriemühlen, die dem Antrieb von Maschinen dienten. Viele Straßennamen in den Kasseler Stadtteilen Bettenhausen und Forstfeld erinnern noch an diese Mühlen. Zu den Mühlen gehören:

  • der Agathof, 1377 unter dem Namen Lachenmühle erstmals erwähnt, mit wechselnder Funktion als Mahlmühle, Edelsteinschleiferei (der Name Agat leitet sich wohl von Achat ab) und später chemischer Fabrik;
  • der Eisenhammer, teilweise 1685 erbaut, erst Papiermühle, dann Sägewerk und später die Stockfabrik Rocholl;
  • die Herwigsmühle (Drahtmühle, Unterer Messinghof), 1410 erstmals erwähnt, die hauptsächlich als Mahlmühle diente und in der zeitweilig die Drahtzieherei des Messinghofs untergebracht war;
  • der 1680 gegründete und oberhalb des Messinghofs gelegene Kupferhammer (Oberste Drahtmühle), hier fand ein Teil der Kupferverarbeitung des Messingshofs statt;
  • die 1407 erstmals erwähnte Forstmühle, der spätere Messinghof und bereits seit Mitte des 16. Jh. Messingwerk.

Zweiter Weltkrieg bis Ende 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Losse begradigt, um angrenzende Acker- und Weideflächen vor Hochwassern und Abtragung der Ufer zu bewahren. Hierdurch erhöhte sich die Fließgeschwindigkeit des Wassers. Hochwasser richten besonders im flach gegliederten Unterlauf und damit in den Kasseler Stadtteilen immer wieder Schäden an (es liefen zum Beispiel Keller voll).

21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Anfang des 21. Jahrhunderts wurden nahezu im Bereich des gesamten Verlaufs der Losse umfangreiche Renaturierungsarbeiten durchgeführt, die auf einem 1998 begonnenen Konzept der Universität Kassel basieren und der Verbesserung der ökologischen Situation und auch dem Hochwasserschutz dienen; die Maßnahmen dauern teils weiterhin an.

Zwischen der zuvor genannten Unterquerung der A 7 und der Einmündung der Losse in die Fulda – und damit in Kassel – wurden im Jahr 2004 (30. August bis 21. Dezember) unter anderen der teils kanalartige, in Betonmauern eingefasste Verlauf der Losse in ein natürliches Flussbett umgewandelt und Rückzugszonen für Tiere und Pflanzen errichtet.

Zudem wurde von Ende August 2005[3] bis Februar 2006 der vormals kanalartig begradigte Mündungsbereich der Losse – östlich des Kasseler Hafens gelegen – durch Einbeziehung vorheriger Acker- und Wiesenflächen zum neu entstehenden Mündungsdelta Lossedelta[4] aufgeweitet. Dazu wurden auf rund 60.000 m²[3] Fläche nährstoffreicher Ackerboden abgetragen. Die dadurch entstandene Mulde mit etwa 63.000 m³[3] Fassungsvermögen dient neben ihrer Deltafunktion auch als Hochwasserschutzraum. Fortan wird der etwa 400 m[3] lange Mündungsbereich von Flussschlingen, -verzweigungen und -inseln sowie kleinen Stillgewässern bestimmt. Zugleich wurden Bäume und Büsche angepflanzt. Im Delta sind Amphibien, Fische, Insekten und Vögel wie die Entwicklung des Landschaftsbilds sich selbst überlassen. Die Vorgänge in diesem künstlich geschaffenen Naturschutzgebiet können von einem speziell hierfür aufgeschütteten Aussichtshügel, der sich nebst Infotafeln unterhalb des "Betriebshofs Stadtreiniger" nahe der über die Losse führenden Fuß- und Radwegbrücke befindet, beobachtet werden.

Etymologie[Bearbeiten]

Die Herkunft des Namens Losse ist umstritten, jedoch gibt es eine schöne Geschichte, die noch heute überliefert wird: Weil der Fluss bis dato namenlos war, kamen vor langer Zeit alle Bürgermeister der anliegenden Orte zusammen, um einen Namen für den Fluss zu küren. Man konnte sich jedoch trotz langer Beratungszeit nicht einigen. Einer der Ratgeber soll der Wartezeit überdrüssig ausgerufen haben: „Losse doh heissen, wie se will“ (hochdeutsch: „Lasst sie doch heißen, wie sie will“) – und so soll die Losse zu ihrem Namen gekommen sein.

Einzugsgebiet und Zuflüsse[Bearbeiten]

Zu den Zuflüssen der Losse, deren Einzugsgebiet 120,576 km² groß ist, gehören mit – wenn bekannt – orographischer Zuordnung (l = linksseitig, r = rechtsseitig), Gewässerlänge, Mündungsort mit Losseflusskilometer und Einzugsgebietsgröße (flussabwärts betrachtet)[2]/[1]:

Ortschaften[Bearbeiten]

Zu den Ortschaften an bzw. unweit der Losse gehören − flussabwärts betrachtet:

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Durch das Lossetal verläuft zwischen Kaufunger Wald und Söhre von Hessisch Lichtenau über Helsa und Kaufungen nach Kassel ein Abschnitt der B 7, welche die Bundesautobahn 7 (200 m lange Brücke) an der Grenze von Kaufungen und Kassel kreuzt. Von der A 7 zweigt künftig der teils noch in der Planfeststellung, teils in Bau befindliche oder teils abschnittsweise fertiggestellte und in Richtung Südosten führende Teil der Bundesautobahn 44 ab, um durch das Flusstal – teils auf den Gebirgsflanken oder in Tunneln verlaufend – vorbei an Kaufungen und Helsa nach Hessisch Lichtenau zu führen. Durch das Tal führt auch ein solcher der Bahnstrecke Kassel–Waldkappel (auch Lossetalbahn oder Kassel-Waldkappeler Eisenbahn genannt), die entlang der Losse die zuvor genannten Ortschaften miteinander verbindet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. a b c d Gewässerkartendienst des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hinweise)
  3. a b c d Artikel: Einweihung des neuen Losse-Deltas, auf ks-keb.de
  4. Foto: Lossedelta aus der Vogelperspektive mit der Fulda im Hintergrund (2006), auf ks-keb.de

Weblinks[Bearbeiten]

Webseiten des Kasseler Entwässerungsbetriebs (KEB) über die Losse: