Luther (2003)

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Luther ist eine US-amerikanisch-deutsch-britische Koproduktion von Eric Till aus dem Jahr 2003. Der Spielfilm erzählt die Lebensgeschichte des Kirchenreformators Martin Luther.

Handlung[Bearbeiten]

Martin Luther wird an einem stürmischen Herbstabend bei Stotternheim beinahe von einem Blitz getroffen und gelobt in seiner Not der Heiligen Anna, er wolle Mönch werden, wenn sie ihn nur aus diesem bedrohlichen Unwetter sicher errettet. Von nun an fühlt er sich verpflichtet, sein Gelübde einzulösen, auch gegen den Willen seines Vaters. Er geht in das Augustinerkloster in Erfurt.

Erst als Priester erkennt er die Ungerechtigkeit, die den Menschen angetan wird. Die römisch-katholische Kirche betreibt auf Geheiß des Papstes Leo X. einen regen Handel mit Ablassbriefen. Durch diesen Ablasshandel und weitere Abgaben, die die Kirche verlangt, wird viel Geld aus der Bevölkerung des Heiligen Römischen Reichs gepresst.

In Wittenberg proklamiert Luther seine 95 Thesen gegen die Missstände in der Kirche. Er schafft sich dadurch Feinde, unter anderem Johann Tetzel, den berühmt-berüchtigten Ablassprediger. Auch ignoriert er die Exkommunikation durch die Kirche und setzt seinen Kampf unermüdlich ohne Zweifel fort. Dies führt dazu, dass Luther, als Junker Jörg getarnt, auf der Wartburg in Sicherheit gebracht werden muss.

Schließlich gelingt es Luther, mit Unterstützung seiner Freunde und seiner Ehefrau Katharina von Bora, seiner Bewegung die Anerkennung als Religionsgemeinschaft zu verschaffen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Produziert wurde der Film von der NFP teleart in Zusammenarbeit mit Thrivent Financial for Lutherans und Eikon Film.

Gedreht wurde zum Teil an Originalschauplätzen in Deutschland, wie beispielsweise auf der Wartburg, aber auch in Tschechien und Italien. Außenaufnahmen wurden auch in der historischen Altstadt und vor der Stadtmauer von Seßlach gedreht. Der Film erzielte in Deutschland binnen einer Woche Einnahmen von umgerechnet 2.344.183 US-Dollar. In den USA betrug der Erlös in den ersten Tagen lediglich 908.446 Dollar.[3]

Betrachtet man den Film eher als deutsche Produktion, so darf man ihn als einen der erfolgreichsten deutschen Filme in den USA betrachten.

Die Rolle in Luther war die letzte, die Peter Ustinov spielte, bevor er im März 2004 verstarb.

Kritik[Bearbeiten]

„Trotz relativ bescheidener Produktionsmittel ein stimmungsvoller, weitgehend differenzierter Blick in ein Jahrhundert der geistig-religiösen wie auch gesellschaftlichen Aufbrüche, die sich in den Lehren Luthers manifestieren. Dramaturgisch mitunter etwas holprig, regt der solide fotografierte, stringent inszenierte und bis in die Nebenrollen überzeugend interpretierte Film zur Diskussion an.“

Lexikon des Internationalen Films[4]

Historische Ungenauigkeiten[Bearbeiten]

  • Im Film Luther wird die Einteilung der Bibel in Kapiteln und Versen angegeben. Allerdings wurde diese Einteilung erst 1551, fünf Jahre nach Luthers Tod, vorgenommen. Der französische Gelehrte Robert Estienne übertrug 1551 das System mit Kapiteln und Versen auf seine Übersetzung des Neuen Testaments, als er es vom Griechischen ins Lateinische übersetzte. Ein Jahr später, 1552, übersetzte Estienne das Neue Testament dann auch ins Französische - wiederum mit der Unterteilung in Kapiteln und Versen.
  • Als Luther in Rom einen Ablass erwirbt, beten Gläubige auf den Stufen zum Lateran das lateinische Vaterunser in einer falschen Form, nämlich mit der direkt angehängten Doxologie „Quia tuum est regnum ...“. Dieser Brauch kam aber erst durch Luthers Bibelübersetzung in den reformatorischen Kirchen auf.
  • Noch vor dem - historisch nicht verbürgten - Thesenanschlag (1517) sieht man in den Gemächern des Papstes ein Modell des Petersdoms, das eindeutig dem Entwurf von Michelangelo nachempfunden ist, welcher aber erst einige Jahrzehnte später entstand. Ebenso existierte das Antiquarium der Münchner Residenz, wo die Begegnung zwischen dem Kaiser und dem sächsischen Kurfürsten aufgenommen wurde, zur Zeit Luthers noch nicht.
  • Nachdem Luther die Thesen angeschlagen hat, werden sie von zwei Studenten abgenommen und zu einem Buchdrucker gebracht. Dieser nimmt zwar eine gedruckte Seite der Thesen aus der Presse, aber es werden nicht die Thesen per Kurier verbreitet, sondern Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Luther verfasste diese Schrift jedoch erst 1520, also drei Jahre nach seinen 95 Thesen.
  • Der Reichstag zu Worms findet vor den Fresken der Wartburg statt, die 1854/55 von Moritz von Schwind geschaffen wurden.
  • Laut Filmfassung ist Aleander ab dem Reichstag zu Worms 1521 ein von Leo X. eingesetzter Kardinal. Der historische Aleander wurde jedoch erst 1538 durch Papst Paul III. in den Kardinalsstand erhoben. Zudem wird Aleander an der Anhörung Luthers eine wichtige Rolle beigemessen. Aleander war aber gar nicht anwesend.[5]
  • Die Begegnung zwischen Friedrich dem Weisen und Martin Luther ist historisch nicht nachgewiesen.
  • Der Film vermischt die Wittenberger Unruhen (ausgehend von Andreas Karlstadt) von 1522 (Luther als Junker Jörg auf der Wartburg) mit dem Bauernkrieg von 1525. Luther erlebte auf einer Reise vom 16. April bis 6. Mai 1525 die Auswirkungen des Bauernkrieges und schrieb „Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern“.
  • Luther beschwört kurz vor dem Reichstag in Augsburg persönlich eindringlichst die Fürsten, dem reformatorischen Glauben treu zu bleiben. Auf dem Reichstag zu Augsburg stellen sich sodann die Fürsten gegen den Kaiser Karl V., indem einer der Kurfürsten erklärt, dass sie sich „lieber den Kopf abschlagen lassen“ wollen, als dass sie ihren reformatorischen Glauben verraten wollen. Anschließend knien sie nieder und senken ihr Haupt. Philipp Melanchthon übergibt sogleich die Confessio Augustana. – In Wirklichkeit hat Luther die Fürsten nicht persönlich eingeschworen, auch hat die Verneigungsszene so nicht stattgefunden. Viele der Kurfürsten waren im Übrigen weiterhin katholisch. Die „Confessio Augustana“ wurde am 25. Juni 1530 Kaiser Karl V. und den anwesenden Kurfürsten des Reiches vorgetragen, jedoch nicht von Phillip Melanchthon selbst. Diese filmische Darstellung der Vorgänge geschah eindeutig aus dramaturgischen Gründen.[6]
  • Mehrfach wird Kaiser Karl V. in Situationen dargestellt, in denen er sich in deutscher Sprache unterhält oder Kommentare abgibt. Obwohl er Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war, ist umstritten, ob er überhaupt nennenswert Deutsch sprechen konnte. Einem verbreiteten Ausspruch nach soll er gesagt haben: „Ich spreche mit Gott Spanisch, Italienisch mit den Frauen, Französisch mit den Männern und Deutsch mit meinem Pferd.“

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Carola Fey: Luther zwischen Präformation und ‚Re-Formation‘. In: In: Astrid Erll, Stephanie Wodianka (Hrsg.): Film und kulturelle Erinnerung. Plurimediale Konstellationen. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2008, ISBN 978-3-11-020443-8, S. 53–75.
  • Herbert Heinzelmann (Hrsg.): Luther Filmheft. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2004.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung (PDF; 72 kB) der FSK, abgerufen am 11. September 2013
  2. Kennzeichnung der Jugendmedienkommission.
  3. Budget und Einspielergebnisse Luther (2003). IMDb, abgerufen am 4. August 2011.
  4. Lexikon des Internationalen Films
  5. Reuter, Fritz (Hrsg.): Der Reichstag in Worms von 1521: Reichspolitik und Luthersache. Worms 1971. S. 117
  6. Möglicherweise ist die Szene jedoch auf eine ähnliche Begebenheit an jenem Reichstag zurückzuführen. Markgraf Georg von Ansbach-Brandenburg hat als Sprecher der Protestanten auf das bereits vorher ergangene und nun von Karl - womöglich als Spitze gemeinte - zu Beginn wiederholte Predigtverbot der Protestanten eben jene Äußerung getan. – Siehe: Eine Sammlung von Beiträgen zur Einordnung der Confessio Augustana 1530 beispielsweise: Immenkötter, Herbert; Wenz, Gunther (Hg.): Im Schatten der Confessio Augustana - Die Religionsverhandlungen des Augsburger Reichstages im historischen Kontext. Münster, 1997 ISBN 3-402-03798-X

Weblinks[Bearbeiten]