Mathieu Carrière

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Mathieu Carrière, August 2004

Mathieu Carrière (* 2. August 1950 in Hannover) ist ein deutscher Schauspieler und Autor.

Leben[Bearbeiten]

Mathieu Carrière wuchs in Ilten bei Hannover,[1] in Berlin und ab 1962 in Lübeck auf. Sein Vater Bern Carrière (* 1921) war praktizierender Neurologe und Psychiater. Seine Eltern Bern und Jutta Carrière waren Deutsche, der französische Familienname ist hugenottischen Ursprungs.[2] Mit 17 Jahren kam Carrière auf ein Jesuiteninternat im bretonischen Vannes. Ab 1969 studierte er Philosophie in Paris. Heute bekennt sich Carrière zum Buddhismus.

Carrière lebte von 1969 bis 1980 in Paris. Neben seiner Wahlheimat Paris lebt er abwechselnd in Venedig und Hamburg sowie in New York, dem Wohnort seiner ältesten Tochter aus erster Ehe. Aus einer weiteren Beziehung entstammt eine nicht eheliche Tochter, mit der Carrière über mehrere Jahre keinen Umgang pflegen durfte. Die Ehe mit dem Kindermädchen dieser Tochter wurde 2007 geschieden. Carrière verlor früh seinen zwei Jahre jüngeren Bruder Till, einen Theaterschauspieler, der im Alter von 26 Jahren seinem Leben durch Suizid ein Ende setzte. Seine Schwester Mareike Carrière (1954–2014) war ebenfalls Schauspielerin.

Der junge Carrière hatte seine ersten Auftritte als Emil in einer Bühnenfassung von Erich Kästners Emil und die Detektive auf der Schulbühne des Lübecker Gymnasiums Katharineum. Mit 13 Jahren gab Carrière in Rolf Thieles Thomas Mann-Verfilmung Tonio Kröger als Titelheld sein Leinwanddebüt, 1966 machte ihn die Titelrolle in der Literaturverfilmung Der junge Törless, Volker Schlöndorffs Debütfilm nach Robert Musil, international bekannt. Er überzeugte über Jahrzehnte vor allem in Literaturverfilmungen und anspruchsvollen Rollen durch seine vielschichtigen Charakterzeichnungen von teilweise zwielichtigen Figuren.

Den Wechsel ins Seichte erklärte Carrière mit dem Hinweis auf seine zahlreichen Unterhaltsverpflichtungen. So nahm er im April 2010 an der Tanzshow Let's Dance teil, schied jedoch bereits in der zweiten Folge aus.[3] Vom 14. Januar bis zum 26. Januar 2011 ging er in der RTL-Sendung Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! in den Dschungel und belegte in der fünften Staffel den sechsten Platz.

Carrières jüngste Kinorolle ist die eines französischen Hauptmanns in dem Historiendrama Bergblut (2010) von Philipp J. Pamer. 2013 nahm er an der Doku-Soap Frauentausch teil. Er wechselte seinen Alltag mit dem von René Weller.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Carrière ist einer der wenigen deutschen Darsteller, die bereits in den 1980er Jahren regelmäßig in französischen Spielfilmen und amerikanischen Serien mitspielten. Dabei verkörperte er meist ambivalente Charaktere französischer oder deutscher Herkunft. Am 21. Juni 2002 erhielt Carrière die Ritterwürde der französischen Ehrenlegion für seine künstlerischen Verdienste.[4]

Gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten]

Mathieu Carrière 2006 bei einer Demonstration für Väterrechte

Carrière gehört zu den prominentesten Kritikern des deutschen Scheidungs- und Sorgerechts. Er beanstandet, dass das Wohlergehen des Kindes ausschließlich über die Mutter definiert werde und fordert, dass Elternschaft nicht durch das biologische Geschlecht, sondern die „Sorgefähigkeit“ bestimmt werden soll.[5]

Unter anderem trat er in dieser Sache Anfang 2005 bei Domian im WDR auf. Dort vertrat er die Meinung, dass das geltende Recht Männer eindeutig benachteilige. Dies rühre von den Rollenbildern der Geschlechter aus der Zeit des Nationalsozialismus her. Er deutete auch an, selbst betroffen zu sein, machte aber keine Angaben zu Personen oder zum Familienstand.

Hintergrund ist ein jahrelanger andauernder Sorgerechtsstreit um seine Tochter. Deren Mutter habe ihm jahrelang das Besuchsrecht verweigert und ihn auf eine Unterhaltsfunktion und einen Wochenendvater reduziert. Im Jahr 2004 wurde Mathieu Carrière nach Klage der Kindesmutter zur Zahlung eines Ordnungsgeldes von 5000 Euro verurteilt: Er habe nicht verhindert, dass die gemeinsame Tochter bei einem Zirkusbesuch von Reportern fotografiert worden sei. Aus Protest gegen die bestehende Gesetzeslage weigerte Carrière sich, die Summe zu zahlen und saß dafür zehn Tage in Ordnungshaft.[5] Vor dem Untersuchungsgefängnis fand daraufhin eine Demonstration von etwa 200 Männerrechtlern in Häftlingskleidung statt.[6]

In den Bundestagswahlkämpfen 2005 und 2009 unterstützte Carrière Die Linke.

Filmografie[Bearbeiten]

Kinofilme[Bearbeiten]

Fernsehproduktionen[Bearbeiten]

  • 1970: Thomas Chatterton
  • 1972: Der gute Gott von Manhattan
  • 1973: Der Kommissar – Sonderbare Vorfälle im Hause von Professor S.
  • 1974: Tod in Astapowo
  • 1974: Tausend Francs Belohnung
  • 1976: Derrick – Das Bordfest
  • 1976: Könige sterben einsam (Le jeune homme et le lion, Mehrteiler)
  • 1978: Ein Mann will nach oben (TV-Serie)
  • 1979: Wege in der Nacht
  • 1979: Derrick – Der L-Faktor
  • 1981: Dantons Tod
  • 1981: Derrick – Eine ganz alte Geschichte
  • 1982: Der Alte – Der Tote im Wagen
  • 1983: Der Alte – Perfektes Geständnis
  • 1984: Matt in 13 Zügen
  • 1984: Der letzte Zivilist (2-teiliger Fernsehfilm nach dem Roman von Ernst Glaeser)[7]
  • 1988: Derrick – Mordträume
  • 1992: Freunde fürs Leben (TV-Serie)
  • 1992–1995: Schloss Hohenstein (TV-Serie)
  • 1994: Nur eine kleine Affäre (TV-Serie)
  • 1995/1996: Inseln unter dem Wind (TV-Serie)
  • 1996: Flammen der Liebe (TV-Serie)
  • 1996: Für Liebe und Gerechtigkeit (TV-Serie)
  • 1996: Tatort – Bei Auftritt Mord
  • 1998: Tatort – Manila
  • 1999: Der Alte – Die Wahrheit ist der Tod
  • 2001: Thomas
  • 2002: Utta Danella – Die Hochzeit auf dem Lande
  • 2002: Davon stirbt man nicht
  • 2005: La signora delle camelie
  • 2005: Pfarrer BraunAdel vernichtet
  • 2005: Der Bulle von Tölz – Liebesleid
  • 2008–2009: Anna und die Liebe (Folgen 1–154)
  • 2010: Der Gewaltfrieden
  • 2010: Alarm für Cobra 11 – Kopfgeld auf Kim Krüger
  • 2011: Die Machtergreifung
  • 2012: Der letzte Bulle – Es lebe der Sport (TV-Serie)
  • 2012: SOKO Leipzig – Stilbruch (TV-Serie)
  • 2012: Verfolgt – Der kleine Zeuge
  • 2014: Promi Shopping Queen (4. Platz)

Regie[Bearbeiten]

  • 1973: Alcazar de Paris (Co-Regie)
  • 1989: Zugzwang

Bühne[Bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Für eine Literatur des Krieges, Kleist. Essay. Stroemfeld/Roter Stern, Basel und Frankfurt 1981, ISBN 3-87877-151-7.
  • Wilde Behauptung: Jennifer Bartlett und die Kunst. Gespräch. Boer, München 1994, ISBN 3-924963-61-4.
  • Im Innern der Seifenblase. Roman. Frankfurter Verl.-Anst., Frankfurt 2011, ISBN 978-3-627-00174-2.

Hörspiele und Hörbücher[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mathieu Carrière – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schauspieler Mathieu Carrière: „Es tut mir leid“. In: Hamburger Abendblatt, 28. Januar 2011.
  2. http://www.munzinger.de/search/portrait/mathieu+carriere/0/18411.html
  3. „Let´s Dance“ bei RTL: Mathieu Carrière ausgeschieden – Hillu Schwetje konnte nicht antreten
  4. Maike Schiller: Carrière zum Ritter geschlagen. In: abendblatt.de. 21. Juni 2002, abgerufen am 2. Dezember 2012.
  5. a b Focus: Sorgerecht. Väter an die Front, 1. Dezember 2003, abgerufen am 1. Dezember 2012
  6. Focus: Sorgerechtsstreit. Haft wegen eines Fotos mit der Tochter, 29. November 2004, abgerufen am 1. Dezember 2012
  7. http://www.filmstarts.de/kritiken/203818.html