Müllheim (Baden)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Müllheim
Müllheim (Baden)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Müllheim hervorgehoben
47.8083333333337.6308333333333267Koordinaten: 47° 48′ N, 7° 38′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Breisgau-Hochschwarzwald
Höhe: 267 m ü. NHN
Fläche: 57,91 km²
Einwohner: 18.286 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 316 Einwohner je km²
Postleitzahl: 79379
Vorwahl: 07631
Kfz-Kennzeichen: FR
Gemeindeschlüssel: 08 3 15 074
Stadtgliederung: 8 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Bismarckstraße 3
79379 Müllheim
Webpräsenz: www.muellheim.de
Bürgermeisterin: Astrid Siemes-Knoblich
Lage der Stadt Müllheim im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Frankreich Landkreis Waldshut Landkreis Lörrach Freiburg im Breisgau Landkreis Emmendingen Schwarzwald-Baar-Kreis Landkreis Rottweil Au (Breisgau) Auggen Bad Krozingen Badenweiler Ballrechten-Dottingen Bötzingen Bollschweil Breisach am Rhein Breitnau Buchenbach Buggingen Ebringen Ehrenkirchen Eichstetten am Kaiserstuhl Eisenbach (Hochschwarzwald) Eschbach (Markgräflerland) Feldberg (Schwarzwald) Friedenweiler Glottertal Gottenheim Gundelfingen (Breisgau) Hartheim Heitersheim Heitersheim Heuweiler Hinterzarten Horben Ihringen Kirchzarten Lenzkirch Löffingen March (Breisgau) Merdingen Merzhausen Müllheim (Baden) Müllheim (Baden) Münstertal/Schwarzwald Neuenburg am Rhein Neuenburg am Rhein Oberried (Breisgau) Pfaffenweiler St. Peter (Hochschwarzwald) St. Märgen Schallstadt Schluchsee (Gemeinde) Sölden (Schwarzwald) Staufen im Breisgau Stegen Sulzburg Titisee-Neustadt Umkirch Vogtsburg im Kaiserstuhl Wittnau (Breisgau)Karte
Über dieses Bild
Müllheimer Marktplatz

Müllheim (alemannisch: Mille oder Mülle) ist eine Stadt im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in Baden-Württemberg (Deutschland). Der Name der Stadt leitet sich vom althochdeutschen Mulinhaimo ab; er hat seinen Ursprung in der Vielzahl von Mühlen, die sich einst entlang des Klemmbachs befanden.

Im Landesentwicklungsplan wird die Stadt als Mittelzentrum ausgewiesen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie[Bearbeiten]

Jägerhäusle bei Müllheim: Blick von den Reben südöstlich oberhalb Müllheims auf die Stadt und die Rheinebene

Die Stadt liegt zwischen Freiburg und Basel im Zentrum des Markgräflerlandes in der westlichen Vorbergzone des Oberrheingrabens am Südschwarzwald, einer Landschaft, die bereits zu römischer Zeit kultiviert wurde. Ihre Ansiedlung erfolgte am Ufer des Klemmbaches kurz nach dem Übergang des Klemmbach- bzw. Weilertals in die Rheinebene unterhalb des Blauenmassivs.

Nachbargemeinden von Müllheim sind Buggingen im Norden, Sulzburg und Münstertal/Schwarzwald im Nordosten, Badenweiler, Kleines Wiesental und Malsburg-Marzell im Südosten, Schliengen im Süden, Auggen im Südwesten sowie Neuenburg am Rhein im Westen.

Ausdehnung[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet dehnt sich in Ost-West-Richtung auf 15 Kilometer aus, von Norden nach Süden sind es zehn Kilometer. Der am niedrigsten gelegene Teil der Gemarkung befindet sich bei 230 m Höhe über NN an der westlichen Gemarkungsgrenze in Richtung der Nachbarstadt Neuenburg am Rhein in der Rheinebene, der höchste Teil liegt mit 1224 m über NN an der Sirnitz an der östlichen Gemarkungsgrenze im südlichen Schwarzwald. Die Fläche der Gemeinde beträgt 57,90 km², davon sind 16 km² Wald und ca. 5 km² Reben, der Rest setzt sich aus Wiesenflächen, Obst-Anlagen, Feldern und Äckern, Industrie- und Gewerbegebieten sowie Wohnflächen zusammen.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Kernstadt[Bearbeiten]

Zu Müllheim als Kernstadt gehört der Kernort Müllheim: Die Stadt Müllheim, das Gehöft Unter den Matten und die Wohnplätze Bahnstation Müllheim, Sirnitz und Ziegelhütte sowie das abgegangene Schloss Rosenburg. Die südlich der K 4946 gegenüber Müllheims Gewerbegebiet westlich B 3 zwischen Müllheim und Neuenburg gelegene (Karl) Richtberg-Siedlung befindet sich auf Auggener Gemarkung.[2]

Eingemeindete Teilorte[Bearbeiten]

Als Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorstand gehören zur Stadt Müllheim die im Zuge der Gebietsreform in Baden-Württemberg der 1970er Jahre bis dato selbstständigen, dabei eingemeindeten Teilorte

  • Britzingen (alem. Britzige) mit den Orten Dattingen (alem. Dattige) und Zunzingen (alem. Zunzige); inklusive der abgegangenen Ortschaften Höfen und Höhingen sowie dem Ort Muggardt; außerdem der Weiler Güttigheim (alem. Güttige); sowie oberhalb Britzingens die abgegangene Burg Neuenfels
  • das Dorf Feldberg und die Weiler Gennenbach und Rheintal
  • die Gemeinde Hügelheim (alem. Hüegele) mit dem Wohnplatz Bahnstation Hügelheim; außerdem hier das abgegangene Wasserschloss mit Gutsbetrieb Mattenburg sowie
  • Niederweiler (alem. Niderwiiler).

Die Gemeinde Vögisheim (alem. Veegise) ist ein Teilort mit einem Ortsbeauftragten.

Das im Klemmbachtal oberhalb Niederweiler gelegene Dorf Oberweiler wurde im Zuge der Gemeindereform der Gemeinde Badenweiler zugeschlagen.[3]

Kirche St. Johannes in Britzingen
Kirche St. Jakobus Dattingen
Wappen Ortsteil Einwohner
(Stand: Januar 2011)[4]
Müllheim (Baden) Müllheim (gesamt) 18.258
Kernstadt 12.185
Britzingen Britzingen 1.002
Dattingen Dattingen 410
Feldberg Feldberg 610
Hügelheim Hügelheim 1.460
Niederweiler Niederweiler 1.331
Vögisheim Vögisheim 1.010
Zunzingen Zunzingen 250
Britzingen[Bearbeiten]

Zum 1. Januar 1974 wurde die ehemals selbstständige Gemeinde Britzingen zusammen mit ihren Ortsteilen Dattingen, Muggardt und Güttigheim eingemeindet. Das Dorf Dattingen war bereits 1971 nach Britzingen eingemeindet worden. Der Ort Britzingen wird am 12. Juni im 5. Jahr (773) des König Karls anlässlich einer Schenkung durch Rupert und seine Söhne Hartolf und Reginhard an das Kloster Lorsch im Codex Laureshamensis genannt. Dabei wird auch Eckenheim, Nieder- und Obereggenen in der Gemarkung Müllheim genannt.[5]

Feldberg[Bearbeiten]
Kirche im Ortsteil Feldberg

1972 wurde die Obst- und Weinbau-Gemeinde Feldberg am Fuß des Blauen, erstmals 774 urkundlich erwähnt, mit ihren Ortsteilen Gennenbach und Rheintal nach Müllheim eingemeindet. In Rheintal hatte sich bis ungefähr 1260 ein Zisterzienserinnen-Kloster befunden, das danach nach Müllheim verlegt worden war.[6] Im 15. Jahrhundert wurde aus dem verlegten Frauenkloster ein Zisterzienserpriorat, das bis zu seiner Auflösung 1544 Bestand hatte.[7]

Hügelheim[Bearbeiten]
Evangelische Katharinenkirche Hügelheim

Seit 1974 ist die Wein- und Ackerbaugemeinde Hügelheim am Übergang von der Rheinebene zur Vorbergzone ein Teilort von Müllheim, er wird in Südnordrichtung von der Bundesstraße 3 durchschnitten.

Die 1133 zum ersten Mal urkundlich erwähnte evangelische Katharinenkirche ist im Kern eine der ältesten Kirchen des Markgräflerlandes: der noch erhaltene romanische Chorturm entstand zwischen 1150 und 1200.[8]

Durch Ausweisung, Erschließung und Bebauung größerer Neubaugebiete konnte das Dorf in den vergangenen Jahrzehnten überdurchschnittliche Einwohnerzuwächse verzeichnen: im Januar 2011 belief sich die Einwohnerzahl auf 1.460.[9]

Panorama von Hügelheim
Niederweiler[Bearbeiten]
Hauptartikel: Niederweiler (Müllheim)
Vögisheim[Bearbeiten]
Kirche Vögisheim

Mit Datum 1. Januar 1970 war die Gemeinde Vögisheim die erste, welche nach Müllheim eingemeindet wurde. Vögisheim war früher vom Rheintalbach (für den es mehrere Namen gab) geteilt. Innerhalb des Dorfes vereinigt er sich mit dem Zizinger Mattbach, ab dort heißt er Neumattbach. Die Nordostseite des Bachufers gehörte zur Herrschaft Badenweiler, die südliche zur Herrschaft Sausenberg – Rötteln. Der Bach ist heute fast komplett verdolt; er ist nur noch in der Neumatt und hinter dem Feuerwehrhaus sichtbar.
Vögisheim wurde das erste Mal im Jahr 1395 urkundlich erwähnt. Älteres Brauchtum wird hier heute noch in Form z. B. des Umgangs der Figur des Hisgiers oder der Ufertbrut gepflegt.

Zunzingen[Bearbeiten]
Kirche Zunzingen

1973 wurde das kleine Winzerdorf Zunzingen, 799 erstmals erwähnt, ebenfalls durch Eingemeindung Teilort der Stadt Müllheim.[10]

Noch heute wird in Zunzingen eine Vielzahl von Bräuchen gepflegt. So feiert man am Anfang jedes neuen Jahres das Scheibenfeuer. Hierbei errichtet man mehrere große Holzstöße, welche am Abend entzündet werden. Über Holzrampen schießt man mit Hilfe eines Stocks glühende Holzscheiben in die Landschaft. Diese Tradition soll wie der Karneval den Winter vertreiben.

Geologie[Bearbeiten]

Müllheim liegt im Osten mit einem Teil im Schwarzwald, welcher den Rest eines alten Grundgebirges mit einem Gneissockel und Granitanteilen bildet. Nach Westen geht die Gemarkung in ein Hügelgelände mit fruchtbarem lösshaltigem Boden über. Die niedriger gelegenen Teile der Stadt liegen in der Rheinebene. Dort ist der Boden ebenfalls lösshaltig und wird weiter zum Rhein hin sand- und kieshaltiger. Geologisch ist dies der Überbleibsel eines Grabenbruchs und eines Schwemmlössgebiets eines Flusstals. Durch die geologische Aktivität bei der Entstehung des Grabenbruchs im oberen Rheintal und die damit verbundene im Boden noch vorhandene geothermische Aktivität sind im Markgräflerland mehrere Thermalquellen erschlossen, darunter die, welche das Müllheimer öffentliche Freibad speist, der Warmbach.

Klima[Bearbeiten]

Müllheim liegt klimatisch günstig im Markgräflerland mit immer wieder warmen Luftströmungen aus dem Südwesten (Burgundische Pforte); es ist gegen Osten durch den Schwarzwald abgeschirmt vom kälteren Kontinentalklima. Das milde Klima erlaubt unter anderem den Anbau von Rebsorten wie Gutedel und Burgunder.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach klimatisch bedingter schwacher Besiedlung während der mittleren Bronzezeit fand ab 1200 v. Chr. eine weiträumige Besiedlung der Oberrheinebene und der Schwarzwald-Vorbergzone statt. Neben Zentren wie Breisach und Burkheim entstanden weilerartige Siedlungen. Zeitgleich fand ein tiefgreifender Wandel in der Verstorbenenkultur statt – Leichen wurden verbrannt und mit wenigen kleinen Grabbeigaben in Urnen bestattet. Hiervon stammt der Epochenname Urnenfelderzeit. 1954 wurden im Teilort Hügelheim zwei Urnengräber aus dieser Zeit freigelegt.[11]

Kelten[Bearbeiten]

Das Gebiet wurde auch durch verschiedene Stämme der Kelten besiedelt.

Römer[Bearbeiten]

Die römische Besiedlung ist durch Ausgrabungen z.B. unter der Martinskirche belegt. Die Römer eroberten das Gebiet um 70 n. Chr. Danach wurde es unter Kaiser Titus Flavius Vespasianus weiter kultiviert – man wollte in den besetzten Gebieten gerne mit der von zu Hause aus gewohnten Kultur umgeben sein. Unter Anderem wurde der Ort Aqua Villae (Badenweiler) wie eine kleine römische Provinzstadt angelegt. Nebenbei wurde die Reb- und Weinkultur eingeführt.

Die zuvor hier lebenden Kelten wurden assimiliert. Auf Hügeln wurden Siedlungen und Gehöfte, Villa Urbana errichtet. Im Römermuseum[12] in Heitersheim ist die Ausgrabung und Rekonstruktion einer solchen zu besichtigen.

Im Gebiet siedelten sich Soldaten, Offiziere, Beamte, Händler, Gutsherren und Veteranen an. Die Veteranen erhielten vom Senat oder Kaiser für ihre Dienste Grundstücke in den eroberten Gebieten. Damit wurde beabsichtigt, diese so schnell wie möglich zu romanisieren.

Die erhabene Hügellage wurde einerseits wegen der strategisch günstigen Lage mit Überblick über die Rheinebene gewählt, andererseits aus klimatischen und gesundheitlichen Aspekten. Das Oberrheintal war zu seiner Zeit eine ausgedehnte Fluss- und Überschwemmungsaue mit unzähligen Totarmen, Seen und Tümpeln, in deren stehendem Wasser mannigfaltige Insekten lebten und brüteten, die wie heute als Überträger von Krankheitserregern gefürchtet waren. Außerdem war das Klima besonders im Sommer in der Rheinebene schwülwarm.

Alamannen[Bearbeiten]

Ab 230 durchbrachen Stämme der Germanen den Limes. Die Alamannen eroberten das südliche rechtsrheinische Gebiet. Die Römer zogen sich auf das linksrheinische Ufer zurück, hinter den Donau-Iller-Rhein-Limes. Es wurden viele römische Bauten zerstört und gerieten in Vergessenheit. Die neuen Herrscher hielten zunächst nichts von der römischen Kultur. Die Gebäude wurden abgerissen und meist als Steinbruch verwendet. Später bauten die Alamannen Höhenburgen auf. Sie dienten zur Überwachung und zum Schutz des Gebietes. Später wurden Gutshöfe und eine Verwaltung nach römischem Vorbild aufgebaut. Nach 455 expandierten die Alamannen von hier aus über den Rhein in die benachbarte, noch römische Provinz Gallien. Von 496 bis 507 führten sie Krieg mit den Franken.

Zwischen dem 9. Oktober 804 und 8. Oktober 805 (im 37. Jahr des König Karl), wird durch eine Schenkung des Dithleich und seiner Gemahlin Wolfgart der Ort Müllheim (Mulinheim/Br.) in einer Urkunde im Lorscher Codex genannt.[13]

Franken / Merowinger[Bearbeiten]

In der entscheidenden Niederlage der Alamannen bei Zülpich gegen den fränkischen König Chlodwig I., fiel das alamannische Gebiet an das Frankenreich der Merowinger. Fränkische Adlige übernahmen die Herrschaft über das Markgräflerland.

Aus der Merowingerzeit wurden bei Ausgrabungen Keramiken gefunden, auch sind mehrere Gräberfelder aus dieser Zeit im Stadtgebiet registriert.

Am 27. Oktober 758 schenkte der Franke Strachfried den Ort, genannt villa mulinhaimo (Müllheim) an das Kloster St. Gallen. Dies ist in der dortigen Schenkungsurkunde erwähnt. Zwischen 900 bis 955 fielen die Ungarn mit Verwüstungen und Plünderungen in das Gebiet ein. Danach wurde das Gebiet von Gaugrafen verwaltet, welche der Kaiser einsetzte. Im Jahr 962 konfiszierte Kaiser Otto I. von Guntram, einem abtrünnigen Gaugrafen des Breisgaus, Gebiete im Markgräflerland. Der Kaiser vermachte sie an den Bischof Konrad aus Konstanz, einem Welfen. Dieser setzte für seine Güter einen Lehens-Meier ein. Dieser fungierte auch als Vogt für die Verwaltung.

Nach dem Tod Bischof Konrads 975 übernahmen die Dompröpste seine Gebiete. Sie wurden damals Dompropsteigüter genannt.

Zähringer, Staufer, Rötteln und Sausenberg[Bearbeiten]

Im 11. Jahrhundert eroberten die aus dem nördlichen Schwaben stammenden Herzöge von Zähringen viele Gebiete unter anderem auch im Markgräflerland. Der bekannteste unter ihnen war der von 1078 bis 1111 regierende Berthold II. von Zähringen. In den Jahren 1075 bis 1122 fand unter anderem der Investiturstreit statt. Weil die Zähringer auf der siegreichen päpstlichen Seite standen, kamen sie an viele klösterliche und weltliche Besitze der Verlierer in diesem Gebiet. Im Jahr 1112 wurde das „Geschlecht derer von Müllen“ in den Urkunden von St. Peter, dem Stammkloster der Zähringer erwähnt. Die Zähringer Herrschaft von Badenweiler, u. a. mit Müllheim und weiteren Orten wurde Mitgiftmasse. Es wurde 1147 als Mitgift für die Prinzessin Clementine von Zähringen an Heinrich den Löwen, einem Welfen-Fürsten vermacht. Auf Drängen des Kaisers Friedrich I. Barbarossa musste Heinrich der Löwe 1157 diese Gebiete gegen Besitzungen im Harz tauschen. Damit kam die ehemals Zähringer Herrschaft Badenweiler in die Hände der Hohenstaufer. Diese schufen Verbindungen von hier aus zu ihren Besitzungen im benachbarten Elsass. Dieses gefiel den Zähringern nicht, sie gründeten daraufhin 1175 die Stadt Neuenburg am Rhein. Damit sicherten sie sich den Rheinübergang ins Elsass. Nun konnten sie von den fremden Benutzern Tribut verlangen. Nachdem die Zähringer ausstarben kam ihr hiesiger Besitz 1218 an die Grafen von Freiburg. Anfang 13. Jahrhundert wurde die Burg Neuenfels oberhalb von Britzingen als Stammsitz des Rittergeschlechts derer von Neuenfels, damals „de Nuwenfels“ erwähnt. Im Jahr 1238 wurde die Erngupfe als die oberste Wassermühle im Tal erwähnt, sie lag in der Nähe der heutigen restaurierten Frickmühle. Um 1256 wurde der Bau der Margarethenkirche in Untermüllheim erwähnt. Die Martinskirche wurde auf den Fundamenten einer frühchristlichen Kirche und einer römischen Villa um 1266 erbaut. Nach dem Ende der Hohenstaufer in Deutschland kam deren Besitz Badenweiler, so auch Müllheim 1268 an die Grafen von Freiburg. Im Jahr 1272 starb Konrad I. ein Sohn Eginos I. Graf von Freiburg. Unter dem Nachfolger Konrads I., dem Grafen Egino II., wurde das Gebiet aufgeteilt. Heinrich ein Sohn Eginos II. von Freiburg erhielt die südlichen Gebiete mit der Herrschaft Badenweiler. Die Grafen von Freiburg starben 1303 ohne männliche Nachkommen aus. Ihr Gebiet ging an die Grafen von Strassberg. Diese hatten in diese Linie eingeheiratet und waren aus der Nähe des heutigen Neuenburg in der Schweiz. Durch diese kam der Sparren in das Wappen von Müllheim und vieler Orte unter deren Herrschaft. Seit 1307 übten die Herren von Neuenfels verschiedene Funktionen aus. Sie waren u. a. als Burgvögte unter der Herrschaft Badenweiler tätig. Daneben als Schultheißen von Neuenburg am Rhein und als Richter und Priester. Einer von ihnen war Landvogt auf der Burg Rötteln, ein anderer Abt von St. Trudpert dem Kloster im Münstertal. Im Jahr 1363 übernahmen die Grafen von Fürstenberg bei Donaueschingen die Herrschaft von den inzwischen ausgestorbenen Grafen von Straßberg über die Herrschaft Badenweiler. Dies kam aber nach kurzer Zeit wieder an die Grafen von Freiburg unter Egino III. zurück. Durch Schulden dieser Grafen wechselte der Besitz immer öfters, unter anderem auch für kurze Zeit an die Habsburger. Diese mussten den Besitz im Jahr 1418 nach dem Konstanzer Konzil wieder an den Grafen Konrad III. von Freiburg zurückgeben. Die Nachfolger Konrads III. hatten den Besitz bis zu ihrem Aussterben 1444.

Markgrafschaft Baden[Bearbeiten]

Karte des südlichen Teils der Markgrafschaft um 1556

Johann, der letzte der Grafen von Freiburg trat die Herrschaft Badenweiler 1444 an die Brüder Rudolf IV. und Hugo, den Markgrafen von Hachberg-Sausenberg ab. Durch den Zusammenschluss der Herrschaftsgebiete Rötteln, Sausenberg und Badenweiler ist am 8. September 1444 das Markgräflerland entstanden. Im Jahr 1490 schloss Markgraf Philipp von Hachberg-Sausenberg mit Markgraf Christoph I. von Baden einen Erbvertrag über den Verbleib des Markgräflerlandes nach dessen Tod ab. Nach dem Tod Philipps von Hachberg-Sausenberg 1503 kam das Markgräflerland unter Christoph I. von Baden an die Markgrafschaft Baden. Anfang des 16. Jahrhunderts schenkte Freifrau Elisabeth von Neuenfels dem Ort Britzingen aus dem Besitz ihres Stammhauses Neuenfels einen Eichenwald. Aus dessen Holz banden noch vor einigen Jahrzehnten die letzten Markgräfler Küfer ihre Fässer. Die Bauernkriege wüteten 1525 in diesem Gebiet, dabei wurde auch das Markgräflerland nicht verschont. Nach dem die aufständischen Bauern den Krieg verloren hatten, musste jedes Haus in der Markgrafschaft 5 Gulden an den Markgrafen zur Entschädigung entrichten. Im Jahr 1550 geschah ein schrecklicher Mord an der Familie des Ritters Christoph von Neuenfels und seinem Gesinde. Die gleichnamige Burg Neuenfels auf den Anhöhen Britzingens war seitdem nicht wieder bewohnt und verfiel. Am 1. Juni 1556 schloss sich der Markgraf und damit auch seine Untertanen der Reformation an. Das Markgräflerland bezeichnete schließlich alle rechtsrheinischen, protestantischen Ortschaften am Westhang des Schwarzwaldes zwischen Freiburg und Basel. Beim Zukauf der Gemarkung Gersbach (Schopfheim) vom katholischen Vorderösterreich musste die Bevölkerung daher zur evangelischen Konfession wechseln. Von 1618 bis 1648 tobte der Dreißigjährige Krieg in diesem Gebiet. Es wurde abwechselnd von den schwedischen, den kaiserlichen, den französischen Truppen, verschiedenen Hilfsheeren und marodierenden Soldaten, plündernd und mordend durchzogen. Der Bevölkerungsverlust war enorm und wurde durch Zuzug von Einwanderern aus dem Gebiet der Eidgenossenschaft aufgefüllt. Um 1618 stand am Marktplatz eine Gemeindestube, welche man 1758 abriss. Danach war das heutige Hotel Stadthaus bis 1867 die Gemeindeverwaltung. Von 1672 bis 1679 war Holländischer Krieg. Es rückten französische Truppen ins Markgräflerland ein und forderten hohe Tribute an Futtermitteln und Geld. Dabei wurde am 8. Juni 1677 z. B. Seefelden, Ortsteil von Buggingen, ein Markgräfler Ort ausgeplündert. Während des Holländischen Krieges wurden 1678 die Burgen Rötteln, Sausenburg und Badenweiler durch die Armee des französischen Marschalls Crecque zerstört. Diese wurden danach nicht mehr aufgebaut. Von 1689 bis 1697 war Pfälzischer Erbfolgekrieg. Es geschah dasselbe von den heranrückenden kaiserlichen Truppen, welche die Franzosen zurückwarfen. Danach kamen die zuvor französisch besetzten Gebiete wieder zurück an das Reich zurück. Im Jahr 1698 erhielt der Ort das Marktrecht. Von 1701 bis 1714 war Spanischer Erbfolgekrieg. Das Markgräflerland wurde 1702 mit Plünderungen und Requirierungen durchzogen. Um 1718 wurde der Bau des Badhauses bei der Sprengenmühle am Warmbach erwähnt. Seit 1720 hat Müllheim eine jüdische Gemeinde. Im Jahr 1727 wurde der Sitz der Markgrafen von Badenweiler nach Müllheim ins dortige noch heute bestehende Amtshaus verlegt. Ober- und Untermüllheim wurden zusammengeschlossen. In den Jahren 1733 bis 1738 war Polnischer Thronfolgekrieg. Von 1740 bis 1746 war Österreichischer Erbfolgekrieg. Beide Kriege forderten Tribut während der erneuten französischen Besatzung. Wenn auch in geringerem Ausmaß in den Orten des Markgräflerlands. Von 1746 an war das Markgräflerland und Müllheim ohne Besatzung und wurde wieder von Baden-Durlach und dessen Markgraf Karl-Friedrich regiert. Im Jahr 1754 wurde die Synagoge erbaut, und die Jüdische Gemeinde wurde vom Sulzburger Rabbinat betreut. Markgraf Karl-Friedrich schaffte 1783 in seinem Gebiet die Leibeigenschaft ab und förderte den Weinbau im Markgräflerland. Von 1791 bis 1815 fanden die Franzosenkriege statt. Napoléon I. eroberte die rechtsrheinischen Gebiete mit dem Markgräflerland und auch Müllheim. Während dieser Zeit wurden die vielen kleinen kirchlichen und weltlichen Besitzungen in diesem Gebiet aufgelöst und durch neue Staatsbildungen geschluckt.

Großherzogtum Baden[Bearbeiten]

Im Jahr 1806 wurde das Markgräflerland und somit Müllheim ein Teil des Großherzogtums Baden und hatte von da an keine politische Bedeutung mehr, was der folgenden kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung aber keinen Abbruch tat. Denn 1810 erhob der badische Großherzog Karl Friedrich den bisherigen Marktflecken zur Stadt. Im Großherzogtum Baden und auch in Müllheim fanden 1819 die ersten Wahlen zum badischen Landtag statt. Wahlberechtigte waren damals nur Männer ab 25 Jahren. Müllheim war von dem 1848 über dieses Gebiet verhängten Kriegsrechts betroffen. Wegen des Aufstands des badischen Revolutionärs Friedrich Hecker musste die Stadt Männer für die Regierungstruppen stellen. Im Februar 1850 wurde in Erfurt ein deutsches Parlament nach dem Dreiklassenwahlrecht gewählt. Die Stadt Müllheim musste erneut Männer stellen. Diesmal für die badischen Regimenter auf Seiten der Bundesarmee und Österreichs. Diese kämpften 1866 im Preußisch-Österreichischen Krieg. Nach dem Sieg der Preußen übernahm der Norddeutsche Bund die Führung in Deutschland. Im Jahr 1867 wurde ein neues Rathaus im Florentiner Baustil an der Werderstraße erbaut, in dem sich heute das Grundbuchamt befindet. Die Bürger von Müllheim nahmen 1868 an der Wahl zum Deutschen Zollparlament teil. Sie stimmten wie die Bürger aus den anderen Orten mehrheitlich dafür, dass Baden dem Norddeutschen Bund beitreten sollte. So kam das Großherzogtum in diesem Jahr in diesen Bund. Aus welchem nach dem im Jahr 1871 gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg, das Deutsche Reich unter Preußens Führung gegründet wurde.

Deutsches Reich[Bearbeiten]

1872 fand zum ersten Mal der Müllheimer Weinmarkt, der älteste badische Weinmarkt und Spezialmarkt für Markgräfler Weine, statt.
1876 wurde die evangelische Stadtkirche im Neugotischen Baustil erbaut; 1878 die katholische Herz-Jesu-Kirche im neuromanischen Stil.
1893 wurde das Thermalfreibad am Warmbach bei der ehemaligen Sprengenmühle und dem alten Badhaus errichtet; aus ihm ist mittlerweile das städtische Freibad geworden.
Am 15. Februar 1896 fuhr erstmals das „Bähnli“ (Straßenbahn) vom Müllheimer Bahnhof nach Badenweiler; es wurde bis 1914 mit einer Dampflok gezogen, danach bis zum Ende der Bahn am 21. Mai 1955 mit einer Elektrolok.
Im Jahr 1906 wurde Müllheim Garnisonsstadt: es wurden eine Artillerie- und eine Infanterie-Kaserne gebaut, nachdem die Pläne für eine Festung aus Kostengründen fallengelassen worden waren. Von 1914 bis 1918 mussten auch Müllheimer Männer in den Ersten Weltkrieg ziehen. Die Stadt hatte zudem kriegswichtige Güter abzuliefern; die Dinge des täglichen Lebens wurden rationiert.

Weimarer Republik[Bearbeiten]

1919 wurde Müllheim Teil der Weimarer Republik.

Nach dem Ersten Weltkrieg lag die Stadt in der entmilitarisierten Zone entlang des Rheins, die Kasernengebäude wurden einer zivilen Nutzung überlassen. Wie überall herrschten auch hier während der Inflation und Wirtschaftskrise Mangel und Hunger.

NS-Staat[Bearbeiten]

Ab 1933 gehörte Müllheim zum nationalsozialistischen Deutschen Reich. 1935 wurde die bislang entmilitarisierte Zone am Rhein von der Wehrmacht besetzt. Diese machte Müllheim erneut zum Garnisonsstandort und baute eine neue Kaserne am Nordwesteck der Stadt. Als 1938 mit der Errichtung des Westwalls begonnen wurde, wurden auch Männer aus Müllheim zum Bau verpflichtet. Der Zweiten Weltkrieg begann 1939 mit einer Teil-Evakuierung der Stadt, welche jedoch bald wieder aufgehoben wurde. Es folgten Bomben- und Tieffliegerangriffe auf die Stadt. Ab Beginn des deutschen Angriffs auf Frankreich 1940 und den darauf folgenden Beschuss französischer Artillerie aus dem westlich des Rheins benachbarten Elsass berührten die militärischen Auseinandersetzungen des Zweiten Weltkriegs auch diese Region.
Zum Zeitpunkt der Verschleppung der letzten jüdischen Mitbürger in benachbarten Orten am 22. Oktober 1940 lebten bereits keine Juden mehr in der Stadt; die noch Lebenden waren bereits geflohen, nachdem die Novemberpogrome 1938 in Müllheim besonders grausam gewesen waren.[14][15] Im Jahr 1944 verschärfte sich die Situation in der Stadt im Zuge Hitlers Ausrufung des Totalen Krieges. Alle Männer im Alter von 16 bis 65 Jahren wurden zur Wehrmacht einberufen, alle Frauen von 17 bis 50 Jahren wurden in kriegswichtige Dienste eingeteilt. Am 22. April 1945 fand mit dem Einmarsch des französischen 23. Kolonial-Infanterieregimentes das Großdeutsche Reich auch hier sein Ende und die Bevölkerung wurde befreit; die Stadt musste 247 Männer als Gefallene des Zweiten Weltkriegs beklagen.

Zwangsarbeit[Bearbeiten]

In den Bereich Müllheims wurden während des Zweiten Weltkriegs ca. 780 Zivilpersonen verschiedener Nationen zur Zwangsarbeit verschleppt und gezwungen.[16] (siehe auch Hauptartikel NS-Zwangsarbeit)

Julian Garlewicz

Auf dem heutigen Zentralfriedhof der Stadt im Teilort Niederweiler findet sich an der Nordostmauer des alten Dorffriedhofes oberhalb einiger Kindergräber eine Gedenktafel, welche an die Ermordung des polnischen Zwangsarbeiters Julian Garlewicz am 13. November 1942 erinnert. Er wurde im Alter von 27 Jahren in einem Steinbruch am südlichen Rand Niederweilers erhängt.

Französisches Verwaltungsgebiet[Bearbeiten]

Vor Ort besetzte die französische Armee die Kaserne und die anderen bislang von der Wehrmacht genutzten Gebäude.
Im von ihnen befreiten Gebiet bildeten die Franzosen eine Besatzungszone mit Hauptsitz in Karlsruhe, dieser wurde später nach Freiburg verlegt. Von dort aus wurden die neue Regierung und das Bundesland Baden gebildet.

Bundesrepublik[Bearbeiten]

1949 wurde Müllheim Teil der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland; 1953 wurde aus den seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis dahin französisch verwalteten Gebieten Baden und Württemberg-Hohenzollern mit dem amerikanisch verwalteten Gebiet Württemberg-Baden das neue Bundesland Baden-Württemberg gegründet. Nach der Kreisreform 1973 kamen der nördliche Teil des Kreises Müllheim und die Stadt zum neu gegründeten Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, die südlichen Gemeinden kamen zum Landkreis Lörrach. In diesem Jahr zog auch die Stadtverwaltung aus dem alten florentinischen Rathaus in das neue Gebäude des Landratsamts um, und es wurde das neue Kreiskrankenhaus eröffnet.

Bis zum 1. Januar 1973 war Müllheim Sitz des gleichnamigen Landkreises, der im Zuge der Kommunalreform aufgelöst wurde. Als Ausgleich wurde der Gemeindeverwaltungsverband Müllheim-Badenweiler gegründet, der Aufgaben der Unteren Verwaltungsbehörde wahrnimmt. Mitglieder sind hier außer Müllheim und Badenweiler die Gemeinden Sulzburg, Auggen und Buggingen.

Religion[Bearbeiten]

Klemmbach, dahinter die Martinskirche

Christentum[Bearbeiten]

Während das ehemalige Baden überwiegend katholisch geprägt war (siehe Konfessionszugehörigkeit in Baden im 19. Jahrhundert), gehörte Müllheim wie die anderen größeren Städte außer Freiburg zu den sechs badischen Amtsbezirken, die in der Mehrheit ihrer Bevölkerung evangelisch waren.

Die Stadt besitzt ein evangelisches und ein katholisches Gotteshaus sowie Kirchen bzw. Versammlungsräume der Christengemeinschaft, der Freien Christengemeinde (evangelische Freikirche), einer freien evangelischen Gemeinde sowie der Zeugen Jehovas.

Ehemalige jüdische Gemeinde[Bearbeiten]

Alte Synagoge[Bearbeiten]
Die alte Synagoge Müllheims (ca. 1895)
Mahnmal in Form zweier Mäuerchen aus Steinen der ehemaligen Synagoge mit Gedenkstele in Form eines stilisierten siebenarmigen Leuchters (Menora), Juli 2011
  • An die ehemalige Müllheimer Synagoge erinnert heute am ehemaligen Standort ein kleines Mahnmal mit einer Gedenkstele in einer Ecke des umgebenden Parkplatzes. Auch hier wurde die Synagoge wie viele andere deutsche jüdische Gotteshäuser in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 von einem nationalsozialistisch geprägten Mob angegriffen. Die Inneneinrichtung wurde zerstört, die Synagoge jedoch aus Furcht um die umliegenden nichtjüdischen Gebäude nicht angezündet.

1968 wurde das sich seit 1941 im Besitz der Stadt befindende verbliebene Gebäude nach einem Gemeinderatsbeschluss mit dem Einverständnis des Oberrates der Israeliten Badens vollständig abgerissen, 1973 an seiner Stelle aus mit beim Bau des Parkplatzes gefundenen Mauersteinen der Synagoge ein Mahnmal mit einem Gedenkstein für die ehemaligen jüdischen Mitbürger Müllheims errichtet.

Jüdischer Friedhof[Bearbeiten]

Seit 1987 gedenkt die Bürgerschaft auf dem Jüdischen Friedhof Müllheim[17][18] mit einer Erinnerungsstätte (Entwurf: Konrad Sage) der jüdischen Familien, welche vor der Vertreibung und Vernichtung während des Nationalsozialismus am Ort wohnten. Mit einer Ideenplastik aus Relikten der ehemaligen Synagoge wird an die Opfer der Shoa erinnert, von denen hier 45 namentlich genannt werden.[19]

Stolpersteine[Bearbeiten]

Im April 2005 wurden auf eine Initiative der Oberstudienrätin Christina Behrens in einem Projekt des damaligen Geschichtskurses WG 12 am örtlichen Wirtschaftsgymnasium die ersten Stolpersteine aus Messing des europäischen Kunstprojektes von Gunter Demnig an den entsprechenden Stellen der Straßen und Gassen der Stadt in den jeweiligen Belag eingelassen. Sie dienen wie an vielen anderen Orten Deutschlands und Europas mittels der eingegossenen Eigennamen der Erinnerung an die Wohnorte der ehemaligen in der Stadt wohnenden, von den Nationalsozialisten im Rahmen der Deportation von Juden aus Südwestdeutschland 1940 jedoch vertriebenen bzw. deportierten und umgebrachten jüdischen (und anderen Teilen der) Bevölkerung Müllheims.[20][14]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Seit 1841 erfolgt die Wahl des Müllheimer Gemeinderates in geheimer Abstimmung.

1877 bis 1897 wurde seine Anzahl auf acht festgelegt, wegen des Wachstums der Stadt später auf neun, in den Jahren 1903 bis 1933 auf zehn. Von dort an hatte er sechs Mitglieder zuzüglich fünf des erweiterten Gemeinderates bei der Beratung von Fürsorgerichtlinien. Ab 1938 taucht die Bezeichnung Ratsherren (sechs) auf, zu denen zwei, später drei Beigeordnete kamen.

1945 ersetzte zunächst ein von der Besatzungsmacht Frankreich eingesetzter beratender Ausschuss mit acht Mitgliedern und zwei Respizienten den aufgelösten Gemeinderat, gegen Ende des Jahres trat das vom Militärgouverneur bestellte und vom Landrat ernannte Gemeinderatskomitee zusammen (acht Mitglieder und je ein Respizient für Wohnungswesen und technische Angelegenheiten).

Im September 1946 wurde dieses Komitee durch einen Gemeinderat mit acht Mitgliedern ersetzt, an dessen Wahl die mittlerweile wieder gegründeten politischen Parteien teilgenommen hatten, aus seinem Kreis wurden der Bürgermeister sowie zunächst ein Beigeordneter gewählt. Ab 1949 werden die Räte als Stadträte bezeichnet, es sind bis 1953 sechs, bis 1956 zehn und seit 1970 sechzehn.

1955 bis 1975 wurde das rollierende System bei den Gemeinderatswahlen angewandt, bei welchem jeweils nur die Hälfte der Räte neu gewählt wurden (in der Absicht, Kontinuität in der Gemeinderatsarbeit sicherzustellen).

Ab 1971 wuchs die Zahl der Stadträte kontinuierlich durch die erfolgten Eingemeindungen der Teilorte bis auf 27 (1987).[21]

Die Kommunalwahlen der vergangenen Jahre führten zu folgenden Ergebnissen:

12. Juni 1994 24. Oktober 1999 13. Juni 2004 7. Juni 2009 25. Mai 2014[22]
Partei / Liste  % Sitze ± Sitze ±  % Sitze ±  % Sitze ±  % Sitze ±
CDU 34,5 10 -2 14 +4 37,9 11 -3 34,9 9 -2 34,6 9 0
FWG 24,9 7 0 7 0 23,4 6 -1 29,9 7 +1 24,6 6 -1
SPD 25,1 7 –1 5 -2 17,3 5 0 18,5 4 -1 18,7 5 +1
ALM (2014: „ALM/Die GRÜNEN“) 25,6 4 +1 2 -2 14,3 4 +2 17,7 4 0 22 5 +1
MiAU (1999: „Müllheim im Aufwind“; 2004: „Müllheim Innovativ Aktiv Unabhängig“) 3 7,1 2 -1
„Unabhängige Initiative für mehr Demokratie“ 1
Anzahl Sitze gesamt 28 32 28 24 25

Die stark unterschiedlichen Sitzzahlen kommen vor Allem durch die Bildung von Überhang- und Ausgleichsmandaten bei der Anwendung des d´Hondt´schen Stimmenzählverfahrens zustande.

Unter Anwendung der unechten Teilortswahl wird den Ortsteilen je nach Größe eine bestimmte Anzahl von Sitzen im jeweils neu gewählten Rat garantiert. Diese werden von Kandidaten in der Reihenfolge der von ihnen am meisten erzielten Stimmen im jeweiligen Ortsteil besetzt.

Bürgermeister[Bearbeiten]

(jeweils Amtsantritt, bis 1971[21])

  • 11. Januar 2012: Astrid Siemes-Knoblich[23] (vorbehaltlich der Gültigkeit der Wahl,[24] wegen zurückgewiesener Einsprüche mit anschließender Klage gegen ihre Bewerbung zur Wahl zunächst nur als Amtsverweserin). Seit dem 28. Februar 2012 ist sie Bürgermeisterin durch Beendigung der Wahlanfechtung.
  • 1. Dezember 2003: René Alexander Lohs[25]
  • 1971: Hanspeter Sänger
  • 1953: Erich Graf
  • 1945: Fritz Hack
  • 1945, erste Monate der Besatzungszeit: Hermann Glasstetter, Fritz Gallinger
  • 1942: Hermann Ruprecht (stellvertretend)
  • 1919: Arthur Hämmerlin (Übertritt in den Staatsdienst)
  • 1900: Karl Nikolaus
  • 1891: Ernst Blankenhorn
  • 1883: Johannes Bär

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In geteiltem Schild oben in Rot ein goldener Pfahl, belegt mit drei schwarzen Sparren, unten in Blau nebeneinander die rechte Hälfte eines silbernen Mühlrades und ein abnehmender gebildeter silberner Mond.“

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Allen Ortsteilen wie der Kernstadt ist ein reges Vereinsleben gemein. Mit dem im ehemaligen Park der Familie Blankenhorn errichteten, 1976 eingeweihten und mit einem Architekturpreis ausgezeichneten Bürgerhaus kann die Stadt einen Veranstaltungsort für Events verschiedener Größenordnungen und Anlässe bis zu ca. 850 Personen bieten; mit dem Markgräfler Lichtspieltheater ist die Stadt Sitz des Hauptkinos der Kinos im Markgräfler Land.

Museen, Gedenkstätten[Bearbeiten]

Alter Hauptfriedhof[Bearbeiten]

Am Volkstrauertag 1960 wurde auf dem alten Hauptfriedhof der Stadt ein Ehrenmal zum Gedenken an die Toten der beiden Weltkriege und die Opfer aller Gewaltherrschaften eingeweiht. Der Entwurf stammte dabei von einem ehemaligen Schüler des heutigen Markgräfler Gymnasiums, Dieter Koch. Am höchsten Punkt des als Symbol für ein Tor zur Ewigkeit gewählten parabelförmigen Bogens wurde die Margarethenglocke aufgehängt, welche 1691 (eingegossenes Datum des Glockengusses) für die ehemalige St. Margarethenkapelle angefertigt wurde und damit zu den ältesten Kulturzeugnissen Müllheims zählt.[26]

Markgräfler Museum[Bearbeiten]

Markgräfler Museum Blankenhorn-Palais (Sicht vom Marktplatz)

Das Markgräfler Museum befindet im Gebäude des ehemaligen Gasthauses zur Krone, erbaut um 1780 im Stil des Klassizismus, auch Blankenhorn-Palais genannt. Eine Zeit lang diente das Gebäude als Rathaus Müllheims, seit 1979 beherbergt es auf Initiative des Müllheimer Museumsvereins eine regionalgeschichtlichen Sammlung mit archäologische Funden der Vor- und Frühgeschichte sowie der römischen, alamannischen und fränkischen Besiedlung. Im ersten Obergeschoss befinden sich mehrere Räume mit Originalausstattungen großbürgerlichen und städtischen Wohnens im 18. und 19. Jahrhundert, darunter auch das Arbeitszimmer des in Müllheim geborenen Weinbaupioniers Adolph Blankenhorn. Im Kellergewölbe Darstellung der Geschichte des Weinbaus im Markgräflerland. Weitere Abteilungen sind der Stadtgeschichte, dem historischen Wandel im Zuge der Industrialisierung sowie den Mühlen als Namensgeber der Stadt gewidmet. Der ehemalige Tanzsaal des Gasthauses wird heute als Galerie im Museum für wechselnde Ausstellungen von Werken zeitgenössischer Künstler aus der Region genutzt.

Mühlenmuseum Frickmühle[Bearbeiten]

Mühlenmuseum
evangelische Kirche

Das Mühlenmuseum befindet sich als Außenstelle des Markgräfler Museums in der Frickmühle im Gebäude der ehemalige Getreidemühle der Familie Frick. Sie wurde früher über einen heute abgegangenen Mühlenkanal mit dem Wasser des Klemmbachs betrieben

Weitere Bauwerke[Bearbeiten]

Martinskirche[Bearbeiten]

Der Turm der Urkirche stammt aus dem 14. Jahrhundert, das Kirchengebäude wurde auf den Mauerresten einer römischen Villa errichtet. Ausgrabungen brachten Reste einer römischen Fußbodenheizung im Inneren der Kirche ans Licht. Das heute säkularisierte Kirchengebäude dient nun als Raum für kulturelle Veranstaltungen (Konzerte, Ausstellungen).[27]

Evangelische Kirche[Bearbeiten]

Die in neugotischem Stil aus rotem Sandstein erbaute Kirche in der Werderstraße wurde 1881 eingeweiht. Vor dem Kirchenbau diente die Martinskirche der evangelischen Gemeinde als Gotteshaus. Typisch für das 19. Jahrhundert weist die Kirche Merkmale eines mittelalterlichen Stils auf, so bei den Spitzbögen über dem Hauptportal und über den Fenstern, dem Kreuzrippengewölbe im Chorraum und im Mittelschiff. Über den Seitenschiffen befinden sich auf der ganzen Länge Emporen, über dem Haupteingang eine erhöhte Orgelempore. Am Hauptportal ist ein Relief zu sehen, das Christus zwischen den Mühseligen und Beladenen zeigt. Mitglieder der bekannten Müllheimer Familie Blankenhorn stifteten die Chorfenster in Südrichtung. Die Orgel mit 47 Registern stammt aus dem Jahr 1966, sie wurde 1996 generalüberholt. Das Geläut mit vier Glocken besteht seit 1949, frühere Glocken wurden im Ersten und Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen.

Katholische Kirche Herz-Jesu[Bearbeiten]

Nachdem sich ab 1840 auch Katholiken in Müllheim ansiedeln durften, wurde bereits 1850 eine katholische Seelsorgestelle eingerichtet, die von Neuenburg aus betreut wurde. Gottesdienste fanden zunächst in der Margarethen-Kapelle (heute ev.-luth. Gemeinde) statt. 1876-1878 wurde die Herz-Jesu-Kirche im Stil der Neoromanik erbaut, die Weihe erfolgte am 29. September 1878. Während das äußere Erscheinungsbild der Kirche bis heute weitgehend unverändert blieb, erfuhr der Innenraum mehrfach grundlegende Umgestaltungen. 1955/57 wurden bei der Beseitigung von Kriegsschäden die neoromanischen Wandmalereien entfernt und die Fresken der Seitenaltäre vermauert, da sie dem damaligen Zeitgeschmack nicht mehr entsprachen. Bei einer umfassenden Renovierung 1975/77 erhielt der Innenraum der Kirche seine heutige Gestalt mit der modernen, den Bedürfnissen der nachkonziliaren Liturgie angepassten Ausstattung und Anlage des Altarraumes (künstlerische Gestaltung durch Josef Henger, Ravensburg), einer neuen Orgelempore, neuem Boden und neuen Kirchenbänken. Die ebenfalls neuen Kirchenfenster gestaltete der Freiburger Maler Hans-Günther van Look. 2006 war lediglich ein Neuanstrich und die Überholung der Licht- und Tontechnik notwendig. Die Orgel mit 29 Registern auf drei Manualen und Pedal besteht im Kern noch aus dem Originalinstrument von 1879 aus der Werkstatt von Martin und Michael Braun in Hofen bei Spaichingen, 1976/77 von Orgelbau Schwarz in Überlingen generalüberholt und um ein Rückpositiv und einen neuen Spieltisch erweitert. Das Geläut mit vier Glocken aus dem Jahr 1949 erklingt in den Tönen f'-as'-b'-des", einer Kombination des Te-Deum und des Gloria-Motivs. Mangels echter Bronze in den Nachkriegsjahren wurde es in sog. "Briloner Sonderbronze" ausgeführt.[28][29][30]

Amtshaus der Vogtei Badenweiler – Staatliches Forstamt – Verkehrsamt[Bearbeiten]

Amtshaus, ehemaliges Forstamt, heute Sitz des städtischen Verkehrsamtes

Das Barockgebäude wurde von 1727 bis 1729 erbaut. Nachdem die Burg Baden in Badenweiler im Jahr 1684 während des Spanischen Erbfolgekrieges zerstört wurde, wurde es zum neuen Verwaltungssitz für die Vogtei Badenweiler, später bis zum Ende des Ersten Weltkrieges Verwaltungssitz des großherzoglichen Badischen Bezirksamtes. Während der Badischen Revolution im Jahr 1848 wurde das Wappen über der Eingangstüre abgeschlagen, jedoch nach der Niederschlagung der Revolution schnell ersetzt.

Mit der Ausrufung der Republik Baden im November 1918 und der Abdankung Großherzog Friedrichs II. erfolgte der Übergang in das Eigentum des Landes Baden. Es diente als Sitz der unteren Verwaltungsbehörde (Bezirksamt Müllheim). Eine Verwaltungsreform im Jahr 1924 überstand es unversehrt, im Gegensatz zu beispielsweise dem Bezirksamt Breisach, das aufgelöst und dessen Gemeinden den Bezirksämtern Freiburg und Emmendingen zugeordnet wurden. Einzige Änderung war, dass der Oberamtmann nun Landrat hieß.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war in dem Gebäude das Landratsamt des ehemaligen Landkreises Müllheim untergebracht.

Nach dessen Auflösung 1972 zog das staatliche Forstamt Müllheim in das Gebäude ein. Nach der Umsetzung der Verwaltungsreform vom 1. Januar 2005 und dem Wegzug der Forstverwaltung erwarb die Stadt das Gebäude vom Land. Als Amtshaus beherbergt es seit 2006 die Touristik-Information.

Burgruine Neuenfels[Bearbeiten]

Die Burgruine Neuenfels liegt in einem Wald auf der Gemarkung des Teilortes Britzingen auf 595 Meter Höhe über NN. Es handelt sich um Überreste einer mittelalterlichen Burg. Von der Ruine bietet sich eine gute Aussicht über Eichwald, Rheinebene und umliegende Weinberge.

→ zur abgegangenen Rosenburg

Brauchtum[Bearbeiten]

Müllheimer Stadtfest

Müllheim ist Sitz der Muettersproch-Gsellschaft zur Pflege der alemannische Sprache; der Dialekt des Müllheimer Raumes zählt wie das Schweizerdeutsche zum Hochalemannischen und weist zahlreiche Gemeinsamkeiten mit dem Baseldeutschen auf.

Über die Grenzen des Markgräflerlandes hinaus bekannt sind die hier wie auch in vielen Nachbargemeinden stattfindenden alljährlichen Scheiben- oder Fastnachtsfeuer mit dem Scheibenschlagen, meist am Samstag- oder Sonntagabend nach Aschermittwoch.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Müllheimer Weinmarkt, jährlich seit 1872, ältester badischer Weinmarkt und Spezialmarkt für Markgräfler Weine
  • Stadtfest, am letzten Wochenende im Juni, seit 1971 in der Fußgängerzone sowie angrenzenden Gassen und Höfen
  • Jahrmarkt, Anfang November.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Bahnhof Müllheim (Baden)
Regionalbahn im Müllheimer Bahnhof

Müllheim liegt an der Bahnstrecke Basel – Karlsruhe (Rheintalbahn) der DB AG, etwa in der Mitte zwischen Freiburg im Breisgau und Basel und im Tarifgebiet des Regio-Verkehrsverbundes Freiburg (RVF).

Auf der Bahnstrecke Müllheim – Mülhausen wurde 1980 der Personenverkehr eingestellt. Von 2006 bis 2012 wurde er an bestimmten Sonn- und Feiertagen im Rahmen eines Eventverkehres wieder angeboten. Seit dem 9. Dezember 2012 gibt es täglich bis zu sieben Verbindungen, wobei mindestens ein Zugpaar direkt bis Freiburg (Breisgau) Hbf geführt wird.[31] Zum Einsatz kommen französische X73900. Seit Beginn des Winterfahrplanes am 12. Dezember 2009 wurde die Relation Freiburg-Müllheim tagsüber etwa im Zweistunden-Takt von/nach Neuenburg am Rhein verlängert.

Die Lokalbahn Müllheim-Badenweiler nach Badenweiler wurde am 22. Mai 1955 stillgelegt und abgebaut; von ihr ist lediglich das Bahnhofsgebäude in Badenweiler erhalten.[32]

Durch Müllheim führt in Nord-Süd-Richtung die Bundesstraße 3. Die Bundesstraße 378 zweigt nach Westen von ihr ab und führt als Autobahnzubringer über Neuenburg zur Bundesautobahn 5 KarlsruheBasel mit den Auf- und Abfahrten Müllheim/Neuenburg sowie zur Staatsgrenze nach Frankreich in der Mitte der Brücke über den Altrhein. Dort wird sie zur „D 39“ Richtung Mülhausen.

Nächstgelegener (12 km) Flugplatz ist der Verkehrslandeplatz Bremgarten EDTG. Der nächste Verkehrsflughafen ist der Euro-Airport Basel-Mulhouse-Freiburg. Müllheim verfügt außerdem über ein Segelfluggelände, welches vom Markgräfler Luftsportverein e.V. Müllheim betrieben wird.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • AUMA Riester, Hersteller von Stellantrieben und Armaturgetrieben
  • Hellma, Hersteller von Küvetten
  • Kalfany Süße Werbung GmbH & Co. KG, größter Dosenbonbon-Hersteller Europas u.a. mit der Marke Pulmoll und führender Hersteller von Süßwarenwerbemitteln
  • Pharmaceutical Systems Schott AG im Ortsteil Hügelheim
  • Neoperl (Dieter Wildfang) GmbH

Medien[Bearbeiten]

In Müllheim erscheint als Wochenzeitung am Oberrhein der ReblandKurier.
Als Tageszeitungen informieren die Badische Zeitung sowie Die Oberbadische über das aktuelle überregionale und lokale Geschehen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Versorgung[Bearbeiten]

2009 nahmen die Stadtwerke Müllheim – Staufen ihren Betrieb auf. Sie entstanden aus der Fusion der Wasserversorgung Müllheim mit den Stadtwerken Staufen und liefern Wasser, Gas und Strom. Für die Abwasserbeseitigung ist weiterhin die Stadt Müllheim zuständig.

Behörden und Gerichte[Bearbeiten]

Müllheim ist seit der Verlegung des Amtssitzes der Vogtei Badenweiler im Jahre 1727 Sitz von Behörden und Verwaltungen. Anlass war die Zerstörung der Burg Baden in Badenweiler im Jahre 1684 während des Holländischen Krieges.

In Müllheim gibt es ein Polizeirevier sowie ein Finanzamt. Die Stadt beherbergt eine Außenstelle des Landratsamtes des Landkreises Breisgau – Hochschwarzwald (einschließlich einer Außenstelle des Gesundheitsamtes und der Kfz-Zulassungsstelle) sowie eine Außenstelle des Staatlichen Vermessungsamtes Freiburg und der Agentur für Arbeit Freiburg. Auch das Institut für umweltgerechte Landbewirtschaftung (IFUL), eine dem Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg unterstehende Dienststelle, ist in Müllheim beheimatet. Ferner ist die Stadt Sitz des Kirchenbezirks Müllheim der Evangelischen Landeskirche in Baden. Geschlossen wurde im Jahre 2004 das Kreismedienzentrum. Mit einer Verwaltungsreform ging am 1. Januar 2005 auch die 160-jährige Geschichte des Staatlichen Forstamtes (1844 als Großherzogliche Bezirksforstei Müllheim gegründet) zu Ende.

Müllheim ist Sitz eines Amtsgerichtes, welches zum Landgerichtsbezirk Freiburg im Breisgau und zum OLG-Bezirk Karlsruhe gehört.

Die dazugehörende Jugendarrestanstalt (JAA) mit zuletzt 16 bis 20 Plätzen und modellhaftem Jugendstrafrechtsvollzug wurde zum Ende September 2010 geschlossen; sie wird zusammen mit der ebenfalls schließenden JAA Wiesloch in der bisherigen, für über eine Million Euro renovierten Justizvollzugsanstalt (JVA) Rastatt mit einer Kapazität von 50 bis 60 Plätzen zusammengelegt.[33][34][35]

Klinik[Bearbeiten]

Altes Spital an der Hauptstraße
Helios-Klinik

Müllheim ist seit langem Krankenhausstandort: 1946 bis 47 wurde anstelle einer Zehntscheuer das städtische Spital errichtet, es wurde bis 1958 als solches genutzt. Von 1974 bis 2007 diente das Gebäude unter Anderem als Jugendzentrum.[36]

Heute ist Müllheim Sitz einer der Helios-Kliniken des Fresenius-Konzerns. Ihr Neubau wurde 2005 als Ersatz für das ehemalige Kreiskrankenhaus Müllheim bezogen und beherbergt Abteilungen für Innere Medizin, Geriatrie, Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Anästhesie sowie drei Belegabteilungen: Urologie, Hals-Nasen-Ohren- (HNO) und Augenheilkunde. Darüber hinaus fungiert sie als regionale lokale Schlaganfalleinheit[37] und ist seit 2010 akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Freiburg.[38]

Von Herbst 2011 bis August 2012 wurden die Gebäude des ehemaligen Kreiskrankenhauses und des mit ihm erbauten Schwesternwohnheims abgerissen.[39] Auf dem Areal sollen mehrere Wohnhäuser und eine städtische Kinderkrippe entstehen. Die Erschließungsarbeiten begannen Anfang 2013.[40] Im Juli 2013 waren bereits mehrere Bauanträge für Mehrfamilienhäuser bei der Stadtverwaltung eingegangen.[41] Der Rohbau der Kinderkrippe, die Anfang 2014[veraltet] fertiggestellt werden soll,[42] war zu diesem Zeitpunkt bereits vollendet.[41]

Bildung[Bearbeiten]

Müllheim beherbergt als Schulstandort mehrere allgemein- und berufsbildende Schulen.

Hierzu gehören das Markgräfler Gymnasium, die Alemannen-Realschule, die Michael Friedrich Wild – sowie die Rosenburg-Grundschule, die Grundschule Britzingen als Außenstandort der Grundschule Buggingen, die Adolph Blankenhorn-Hauptschule mit Werkrealschule sowie die Städtische Musikschule.

Der Landkreis ist Träger der Beruflichen Schulen. Die Georg Kerschensteiner-Schule vereint unter ihrem Dach eine gewerbliche, eine haus- und landwirtschaftliche Schule und ein Technisches Gymnasium. Die Kaufmännischen Schulen Müllheim bieten neben einigen kaufmännischen Berufen, der zweijährigen Berufsfachschule für Wirtschaft, Berufskolleg I und II auch ein Wirtschaftsgymnasium mit internationalem Abitur (seit dem Schuljahr 2011/2012). Der Landkreis ist ferner Träger der Albert Julius SievertFörder- und Sprachheilschule im Heilpädagogischen Förderzentrum mit angeschlossenem Schulkindergarten für Sprechbeeinträchtigte.

Die Freie Waldorfschule Markgräflerland, die Krankenpflegeschule der Helios Klinik Müllheim, die Private Schule für Erziehungshilfe der Evangelischen Jugendhilfe Kirschbäumleboden eGmbH und die Werkstattschule Müllheim, eine Berufsfachschule, gehören ebenfalls zum Schulangebot.

Militär[Bearbeiten]

Robert-Schuman-Kaserne, Stabsgebäude der Deutsch-Französischen Brigade

Müllheim ist mit der Robert-Schuman-Kaserne Garnisonstadt und beherbergt seit 1992 den Brigadestab und das Versorgungsbataillon der Deutsch-Französischen Brigade: die bis dahin hier stationierte französische Panzer- und Artillerieabteilung verließ 1992 die Stadt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf Schuhbauer: „Nehmt dieses kleine Heimatstück“ – Spuren und Stationen der Leidenswege von Müllheimer und Badenweiler Juden zwischen 1933 und 1945. Edition Isele, Eggingen 2001, 191 Seiten, zahlreiche Abbildungen und reproduzierte Dokumente mit entsprechendem Register, schwarz-weiß, ISBN 3-86142-238-7.
  • Ein Spaziergang durch das alte Müllheim. Verlag Geiger, Horb am Neckar 1994, 84 Seiten, zahlreiche Abbildungen in Schwarz-Weiß, ISBN 3-89264-912-X.
  • A. J. Sievert, Nachtrag von J. Helm: Geschichte der Stadt Müllheim im Markgräflerland. Nachdruck einer Originalausgabe von 1886 mit Nachtrag der Jahre 1884 bis 1987, Verlag August Schmidt, Inh. Ewald Schmidt, Müllheim, Baden 1988, ISBN 3-921709-15-6.
  • Werner Fischer: Die Flurnamen der Stadt Müllheim in Baden – Ein Beitrag zur Sprachgeschichte und Volkskunde des Markgräflerlandes. E. Albert, Freiburg i.Br. 1964. (= Dissertation vom 30. Juli 1957, Phil. F., Freiburg i. Br.)
  • Ingeborg Hecht, Müllheim: Ein Streifzug durch Geschichte und Gegenwart, Schönbergverlag Freiburg, 1985.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Müllheim (Baden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Müllheim (Baden) – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Bruno Haase: 30 Jahre „Technisches Kulturdenkmal“. In: badische-zeitung.de, Loklaes, Neuenburg, 30. Dezember 2011 (30. Dezember 2011)
  3. Hauptsatzung der Stadt Müllheim (PDF; 29 kB), 15. November 2006, abgerufen am 25. November 2012
  4. muellheim.de, Stadtinfos – Zahlen & Fakten
  5. Karl Minst,Lorscher Codex Band IV,S. 202–203
  6. Zisterzienserinnenkloster Rheintal in der Datenbank Klöster in Baden-Württemberg des Landesarchivs Baden-Württemberg
  7. Zisterzienserpriorat Müllheim in der Datenbank Klöster in Baden-Württemberg des Landesarchivs Baden-Württemberg
  8. muellheim.de, Aktuelles, Ortsteile, Hügelheim: Sehenswertes (14. Juni 2012)
  9. [1] muellheim.de: Stadtinfos – Zahlen & Fakten
  10. Stadtteil Zunzingen
  11. Walter Küchlin: Chronik der Vogtei Hügelheim. Schopfheim 1996
  12. [2]
  13. Karl Minst: Lorscher Codex, Band IV. 1970, S. 208
  14. a b badische-zeitung.de, Gabriele Babeck-Reinsch, 20. Oktober 2010: In Müllheim gab’s 1940 keine Juden mehr (23. Oktober 2010)
  15. badische-zeitung.de, 23. Oktober 2010, Martina Faller: Kein Hass, nur noch Mitleid (23. Oktober 2010)
  16. Ermittlung der FNTB zum Ausmaß der zur Zwangsarbeit verschleppten Zivilpersonen in der französisch besetzten Zone, http://www.studienkreis-widerstand-1933-45.de/archiv/xxwegwei/babaden2.html studienkreis-widerstand-1933-45.de, Heimatgeschichtliche Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Band 5/2: Baden-Württemberg II, Regierungsbezirke Freiburg und Tübingen
  17. Jüdischer Friedhof Müllheim bei Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland
  18. Jüdischer Friedhof Müllheim bei Alemannia Judaica
  19. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd. I, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 62f.
  20. ksm.snbh.schule-bw.de: Stolpersteine Müllheim – Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist
  21. a b Geschichte der Stadt Müllheim im Markgräflerland, Nachdruck 1988 der Originalausgabe von A. J. Siefert, 1886, Nachtrag 1884 bis 1887 von J. Helm, Verlag August Schmidt, Inh. Ewald Schmidt, Müllheim/ Baden, ISBN 3-921709-15-6, Seite 305
  22. badische-zeitung.de
  23. gb: Astrid Siemes-Knoblich in: badische-zeitung.de, Infobox, 4. Oktober 2011 (31. Oktober 2011)
  24. Jens Klein, Patrik Müller: Siemes-Knoblich ist neue Bürgermeisterin von Müllheim in: badische-zeitung.de, Lokales, Müllheim, 30. Oktober 2011 (31. Oktober 2011)
  25. hl: René Lohs in: badische-zeitung.de, Infobox, 30. September 2011 (31. Oktober 2011)
  26. badische-zeitung.de, 14. November 2009: Die Glocke von St. Margarathen (17. Oktober 2010)
  27. http://www.muellheim.de/index.php?article_id=48
  28. Katholische Pfarrgemeinde Herz-Jesu (Hg.), Katholische Pfarrgemeinde Herz-Jesu Müllheim/Baden (Broschüre im Selbstverlag), Stähle Druck Engen, 1992.
  29. Kath. Pfarramt Herz-Jesu Müllheim (Hg.), Müllheim - Katholische Pfarrkirche Herz-Jesu (Kirchenführer, Text: Ursula Pechloff), Kunstverlag PEDA Passau, 2009.
  30. Johannes Helm, Kirchen und Kapellen im Markgräflerland, Müllheim 2/1989.
  31. Badisch-elsässische Verbundenheit in Badische Zeitung, 10.Dezember 2012
  32. vergessene-bahnen.de: Müllheim (Baden) – Badenweiler (2. Mai 2012)
  33. www.badische-zeitung.de, 4. März 2010, Gabriele Babeck-Reinsch: Justizvollzug – Jugendarrestanstalt Müllheim wird geschlossen
  34. www.badische-zeitung.de, 10. September 2010, Gabriele Babeck-Reinsch: Beeindruckt vom Müllheimer Modell
  35. www.badische-zeitung.de, 18. Mai 2010, Andrea Drescher: Feier zum Direktorenwechsel im Amtsgericht Müllheim: Abschied von der „Beschützerin“
  36. Broschüre der Stadt Müllheim, ca. 2004, Stadtrundgang, Unterstadt, S. 49: Ehemaliges Spital, heute Jugendhaus – Hauptstrasse 78 (19. Juli 2011)
  37. helios-kliniken.de: Müllheim (Baden), abgerufen am 25. November 2012
  38. kma-online.de, 16. April 2010, Badische Zeitung: Uniklinik Freiburg – Helios-Klinik Müllheim wird Lehrkrankenhaus (19. Juli 2011)
  39. Gabriele Babeck-Reinsch: Ohne Abrissbirne und Schutthaufen, Badische Zeitung, 28. Juli 2011, abgerufen am 31. Oktober 2011
  40. Volker Münch:Müllheim: Vier Wochen aufs Konto des Winters, Badische Zeitung, 5. April 2013, abgerufen am 11. August 2013
  41. a b Dorothee Philipp:Müllheim: Die Hochbauphase beginnt, Badische Zeitung, 31. Juli 2013, abgerufen am 11. August 2013
  42. Müllheim: Heitersheimer Unternehmen baut Krippe, Badische Zeitung, 12. Oktober 2012, abgerufen am 28. Februar 2013