Niederrheinisch

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Verbreitung des Niederfränkischen inklusive des heute als Südniederfränkisch bezeichneten niederfränkisch-ripuarischen Übergangsbereich in Limburg. Der ripuarisch-basierte Dialekt von Kerkrade und Umgebung wird nicht dargestellt.

Niederrheinisch ist ein weitumfassender Sammelbegriff für die Mundarten des Niederrheins. Mit Niederrheinisch (oder Niederrheinisches Platt) werden daher die im heutigen Regierungsbezirk Düsseldorf ursprünglich gesprochenen niederfränkischen Dialekte bezeichnet. Diese historischen Dialekte werden von den modernen hochdeutschen Regiolekten unterschieden. Letztere werden als „niederrheinisches Deutsch“ (oder „Niederrhein-Deutsch“) bezeichnet.

Begriff Niederrhein[Bearbeiten]

Unter Mundart-Gesichtspunkten ist mit Niederrhein die an die Niederlande grenzende Region im Westen des Landes Nordrhein-Westfalen gemeint - etwa zwischen Emmerich/Kleve und Düsseldorf/Mönchengladbach/Kreis Heinsberg – sich links und rechts der Rheinschiene erstreckend.[1]

Am ehesten lässt sich das Niederrheingebiet als das Land kennzeichnen, dessen Bewohner die niederfränkischen (niederrheinischen) Mundarten sprechen. Teile des Niederrheins überlagern sich mit dem Ruhrgebiet, so Duisburg, Oberhausen oder Mülheim-Ruhr, wo allerdings auch niederrheinisch-niederfränkische Mundarten gesprochen werden. Auch ragt ein „Sprachkeil“ östlich von Düsseldorf in das Bergische-Land, so dass die dortigen Mundarten (das „Ostbergische“) auch zum Niederrheinischen gezählt werden. Die Region ist zu unterscheiden von dem ebenfalls als „Niederrhein“ bezeichneten Rheinabschnitt, der bereits weiter südöstlich an der Siegmündung im ripuarischen Mundartraum beginnt.

Ausbreitung von Salfranken und Rheinfranken vom Niederrhein ausgehend - bis zum 5./6. Jahrhundert

Geschichte[Bearbeiten]

Germanische Stämme am unteren Niederrhein formierten sich im 3. Jahrhundert während des Rückzuges der Römer aus dem besetzten Teil Germaniens zu einem der Großstämme, aus dem später das Volk der Franken entstand[2]

Aus den vom unteren Niederrhein bis zum Salland an der Overijssel siedelnden Stämmen bildete sich der Teilstamm der Salier, auch Salfranken genannt. Die vom Großraum Köln über den Mittelrhein bis zur Lahn siedelnden Stämme gingen nach und nach in den Rheinfranken und von diesen abstammenden Moselfranken auf. Vom Niederrhein aus expandierten Salfranken und Rheinfranken zunächst räumlich getrennt, bis sie im 5. Jahrhundert unter dem Merowinger Chlodwig I. vereinigt wurden.[3]

Fränkische Mundarten[Bearbeiten]

Die niederfränkischen Mundarten in den Niederlanden, Belgien und in der Deutschen Region Niederrhein (zwischen Kleve und Düsseldorf) werden auf Dialekte des Salfränkischen zurückgeführt, wobei das südniederfränkische Sprachraum zwischen Uerdinger Linie und Benrather Linie als niederfränkisch-ripuarisches Übergangsgebiet gilt.

Ripuarisch werden die im Großraum Köln (Kölsch) / Bonn / Aachen (Öcher Platt) gesprochenen Dialekte genennt. Zusammen mit dem im Moselgebiet über Trier bis Luxemburg gesprochenen Moselfränkisch zählt es zum heute so bezeichneten Mittelfränkischen. Die weiter südlich in Hessen und Rheinland-Pfalz gesprochenen Mundarten werden als Rheinfränkisch bezeichnet.

Rheinischer Fächer - Fränkische Mundarten im Rheinland – Isoglossen am Niederrhein

von „Frencisk“ zu „Diutisk“ zum „platten Duytsche“[Bearbeiten]

Die frühen Franken bezeichneten ihre Sprache als „Frencisk“ (oder „Frencisg“).[4]Es gibt nur wenige schriftliche Quellen zur Sprache der frühen Franken. Ein Niederfränkischer Satz aus der Merowingerzeit stammt aus dem Fränkischen Volksrecht des 6. Jahrhunderts (der Lex Salica):[5]

Maltho thi afrio lito
Wörtlich: (Ich) melde dich/dir erfreie Late
Sinngemäß: (Ich) verkünde dir ich mache dich frei, Halbfreier (lito)

Als sich der westliche Teil des Frankenvolkes (im heutigen Frankreich und Wallonien) sprachlich vom östlichen Teil (in den heutigen Benelux-Ländern und Deutschland) trennte, kam es zu Konflikten mit der Bezeichnung „Frencisk“ (Fränkisch), denn die jetzt eine altfranzösische Sprache sprechenden Westfranken beanspruchten diesen Begriff für ihre eigene „neue“ Sprache. In den Gebieten des heutigen Deutschlands und der Benelux-Länder setzte sich ein anderer Begriff für die eigene Sprache durch: „Diutisk“ (Deutsch).[6]Dieser Begriff entstammt einer altgermanischen Bezeichnung „Theodo“ für Volk und taucht in lateinischen Schriften des frühen Mittelalters als „theodisca lingua“ auf. Zunächst nur auf die „Sprache“ des Volkes bezogen, bekam der Wortstamm um das Jahr 1000 herum auch die Bedeutung für das „Volk an sich“ – und zwar nicht nur für das Volk fränkischen Ursprungs sondern für alle germanischen Ethnien im Fränkischen Reich. Dies galt auch für Luxemburger, Flamen und Niederländer, die sich bis zur Reichstrennung nach der Abdankung von Kaiser Karl V. (1500 bis 1558) auch als „Deutsche“ bzw. „Niederdeutsche“ bezeichneten (siehe den Begriff „Dutch“ der Engländer für „Niederländer“).

Auf ostfränkischer (deutscher) Seite kam es zu einer Bezeichnung „Walhisc“ (Welsch, ursprünglich für einen Stamm der Gallier) für die Gallorömische Bevölkerung im Westfränkischen Reich, einschließlich der jetzt romanisierten Westfranken (siehe auch Kauderwelsch und Rotwelsch). Auf westfränkischer (französischer) Seite kam es zur Unterscheidung von den Bewohnern des Ostfrankenreiches zur Bezeichnung „Allemant“ (für die Deutschen, abgeleitet vom germanischen Stamm der „Alamannen“).[7]

Aus der Zeit der sprachlichen Trennung der (jetzt französischen) Westfranken von den (jetzt deutschen/niederländischen/flämischen) Franken im Ostreich gibt es ein wichtiges Sprachzeugnis: die Straßburger Eide des Jahres 842. Sie besiegelten das Bündnis zweier Enkel Karls des Großen (Karl der Kahle und Ludwig der Deutsche) gegen ihren Bruder Lothar. Weil das Gefolge die Sprache der jeweiligen anderen Seite nicht (mehr) verstand, wurden die Eide in zwei Sprachen geleistet – in einer Vorläuferform von Altfranzösisch (der Sprache Karls) und in Altfränkisch (der Sprache Ludwigs).[8] Der Altfränkische Eidestext lautete:

In godes minna ind in thes christanes folches ind unser bedhero gehaltnissi fon thesemo dage frammordes so fram so mir got geuuizci indi mahd furgibit so haldih thesan minan bruodher soso man mit rehtu sinan bruodher scal in thiu thaz er mig so sama duo indi mit ludheren in nohheiniu thing ne gegango the minan uillon imo ce scadhen uuerdhen.
Übersetzung: Für die Liebe Gottes und des christlichen Volkes und unser aller Erlösung, von diesem Tage an, soweit mir Gott Wissen und Können gibt, werde ich meinem Bruder Karl beistehen, sowohl in der Hilfeleistung als auch in jeder anderen Angelegenheit, so wie man seinem Bruder beistehen soll, auf dass er mir genauso tue, und ich werde niemals ein Abkommen mit Lothar treffen, das willentlich meinem Bruder Karl zum Schaden sei.

Auf das 12. Jahrhundert wird ein „berühmter“ Satz datiert, der als wichtigstes altniederfränkisches Schriftdokument gilt – Hebban olla vogala – ein fast poetischer Reim:[9]

Hebban olla vogala nestas hagunnan hinase hic enda thu uuat unbidan uue nu
Haben alle Vögel Nester begonnen hinaus ich und du, was unbieten wir nun
sinngemäß: Haben alle Vögel Nester begonnen außer mir und dir, was warten wir nun

Rheinmaasländisch am Niederrhein[Bearbeiten]

Erst die Schriftdokumente aus dem 14. bis 16. Jahrhundert sind für heutige Leser dem Sinne nach eher verständlich. Im deutsch-niederländischen Rhein-Maas-Dreieck hatte sich zu dieser Zeit eine Schrift- und Kanzleisprache herausgebildet, die das bislang für schriftliche Erlasse vorrangig verwendete Latein ablöste: Rheinmaasländisch.[10]

Lage des Rhein-Maasländischen

Hier ein Beispiel aus dieser Periode, ein im Jahre 1517 vom Duisburger Johanniterkaplan Johann Wassenberch festgehaltener „Wetterbericht“ :[11]

In den selven jair op den XVden (15ten) dach yn den Aprijl, ende was doe des goedesdachs (Ableitung von Wodans Tag = Mittwoch) nae Paischen (Ableitung von „Passah-Fest“ = Ostern), van den goedesdach op den donredach (Ableitung von Donars Tag = Donnerstag) yn der nacht, wastz soe calt, dat alle vruchten van allen boemen , van eyckelen, van noethen, van kyrssen, van proemen (Pflaumen), van appelen etc. neyt uytgescheyden (nichts ausgenommen) vervroren ende verdorven (erfroren und verdorben) , want sy stoenden yn oeren voellen blomen (voller Blüte). Item (alldieweil) alle die vynstocken vervroren ende verdorven , off (oder) sy verbrant gewest weren. Ende (und) dair geschach groeten verderflicke (verderblicher) schade.

Der vorstehende Textauszug lässt unschwer eine gewisse „Nähe“ des „Rheinmaasländischen“ zum heutigen Niederländischen wie zu dem am deutschen Niederrhein gesprochenen niederrheinischen Platt erkennen.

Im 16. Jahrhundert entwickelten sich in Deutschland und in den Niederlanden eigenständige Schriftsprachen und das Rheinmaasländische verlor an Bedeutung. Über einen längeren Zeitraum existierten in manchen Städten (u. a. in Geldern, Kleve, Wesel, Krefeld) Deutsch und Niederländisch nebeneinander und Erlasse wurden in beiden Schriftsprachen herausgegeben.[12][13]

Ab dem 18. Jahrhundert war die sprachliche Trennung zwischen (Deutschem) Niederrhein und (Niederländischem ) Maasgebiet endgültig abgeschlossen. Die jeweiligen Hoch- und Schriftsprachen gingen getrennte Wege. Platt als gesprochene Mundart des Niederrheines überdauerte aber die neuen Grenzen und hielten sich bis in die Neuzeit.[14][15]

Niederrheinisches Platt[Bearbeiten]

Der im Norden und Westen Deutschland verwendete Begriff Platt für die eigene Mundart leitet sich nicht etwa davon ab, dass es auf dem „platten Lande“ gesprochen wird; vielmehr bedeutete das niederfränkische „plat“ zwar „flach“, aber auch soviel wie „klar und deutlich“.[16]

In einer Delfter Bibel des Jahres 1524 ist vom „platten duytsche“ die Rede. Am Niederrhein gibt es die Redewendungen, jemanden etwas „platt vür dä Kopp“ zu sagen (unmissverständlich ins Gesicht zu sagen).[17]Da es auch im Altfränkischen Sprachraum Unterschiede zwischen der „geschliffenen“ Ausdrucksweise der gehobenen Stände und der „Sprache des gemeinen Vokes“ gab, hieß in diesem Sinne „Platt sprechen“ so viel wie „Klartext reden“.[18]Klartext, den jeder Bauer und Handwerker verstand. Platt war demnach die Sprache des gemeinen Volkes schlechthin.

Gliederung[Bearbeiten]

Innerhalb des Niederrheinischen lassen sich einzelne Dialekte unterscheiden. Die Bezeichnung „Niederfränkisch“ für die Mundarten am Niederrhein wird dabei von der Bevölkerung selbst nicht mehr benutzt. Auch selten sagen die Einheimischen , dass sie „Niederrheinisch“ sprechen, sondern eher „Platt“ in Verbindung mit ihrer Ortsbezeichnung.


Räumlich abgegrenzt werden können drei große Dialekt-Gebiete am Niederrhein:

  • Nordniederfränkisch (auch „Kleverländisch“ genannt, im Großraum Kleve):
am unteren Niederrhein (Kreis Kleve, Kreis Wesel), im Rheinischen Ruhrgebiet (Duisburg), in Teilen des Kreises Viersen (in Kempen), im nördlichen Ortsteil Hüls der Stadt Krefeld - (siehe Hölsch Plott)
in Mönchengladbach, dem Kreis Viersen (mit Ausnahme von Kempen und nordwestlich davon, wo Nordniederfränkisch gesprochen wird), Grefrather Platt in Grefrath; dann Heinsberg, sowie im nördlichen Rhein-Kreis Neuss, im Kreis Mettmann, im größten Teil von Düsseldorf, in Solingen, Remscheid und in Krefeld (Krieewelsch) - mit der Besonderheit, dass der nördliche Stadtteil Hüls jenseits der Uerdinger Linie im Nordniederfränkischen liegt. In Hüls spricht man nicht Krieewelsch sondern Hölsch Plott und sagt z.B. ek oder ök (für "ich) , im restlichen Krefeld esch oder isch.,
in Mülheim an der Ruhr Mölmsch, Essen-Werden, Velbert-Langenberg und in den östlichen Teilen des alten Herzogtum Berg

Zuordnung[Bearbeiten]

Nordniederfränkisch (Kleverländisch) und Ostbergisch können eindeutig als niederfränkische Dialekte eingeordnet werden. Sie werden vom Südniederfränkischen (Limburgischen) durch die Uerdinger Linie geschieden. Sie stehen aufgrund ihres Sprachcharakters dem Niederländischen besonders nahe. Die Benrather Linie trennt die Südniederfränkischen Dialekte vom mitteldeutschen Ripuarischen. Sie werden daher als Übergangsmundarten bezeichnet. Die ostbergischen Dialekte werden in Mülheim an der Ruhr, Velbert-Langenberg, Kettwig, Wuppertal-Elberfeld, Gummersbach und Bergneustadt gesprochen. Sie gelten als Übergangsmundarten zwischen dem Niederfränkischen und dem Westfälischen. Als Grenze zum Westfälischen dient die sich nach Norden abschwächende Einheitsplurallinie.

Von der Mundart zum Regiolekt[Bearbeiten]

Die sehr stark von der deutschen Hochsprache abweichenden und mit dem Niederländisch verwandten Niederrheinischen Dialekte niederfränkischer Ausprägung wurden nach dem Zweiten Weltkrieg mehr und mehr von einem Hochdeutsch verdrängt, das eine spezielle niederrheinische Ausprägung erfuhr.

Auch Wörter und Ausspracheeigenarten der mittelfränkischen (ripuarischen) Mundarten, zu denen auch der kölsche Stadtdialekt gehört, sind im Laufe der Zeit in das niederrheinische Mundartgebiet eingedrungen, vor allem bedingt durch die Nähe zur Stadt Köln und auf Grund des hohen Bekanntheitsgrads der in kölscher Mundart singenden Gruppen wie BAP, Brings, Höhner und Bläck Fööss.

Heute dient Niederrheinisches Platt vielerorts nur noch als Umgangssprache unter älteren Menschen. Gepflegt wird die Mundart in Vereinen und Zirkeln, gelehrt wird sie an einigen wenigen Schulen und auf freiwilliger Basis.

Der Sprachforscher und Buchautor Georg Cornelissen hat in seinem Buch „Der Niederrhein und sein Deutsch“ die Entwicklung aufgezeichnet, die immer mehr Menschen vom Gebrauch der Mundart zum Gebrauch des als Rheinischer Regiolekt bezeichneten Niederrhein-Deutsch geführt hat.[19] Hanns Dieter Hüsch, als „schwarzes Schaf vom Niederrhein“ bekannt gewordener Kabarettist, hat in seinen Stücken und Schriften dieses „Niederrhein-Deutsch“ gepflegt, wenngleich er gelegentlich „Grafschafter Platt“ (den Moerser Dialekt) einfließen ließ.[20]

Typisch für dieses Niederrhein-Deutsch ist der Gebrauch bestimmter Satzkonstruktionen, die an des Niederländische erinnern, beispielsweise:

  • Es geht sich darum, dass.../ es dreht sich darum, dass…(Platt: et jeht sich dröm, dat…)
(Korrektes Hochdeutsch wäre: Es geht darum, dass...)
  • Wem ist das? (Platt: wäm ös dat ? wäm hürt dat tu ?)
(Korrektes Hochdeutsch wäre: Wem gehört das? Wessen Sache ist das?)

Das Niederrhein-Deutsch zeichnet sich weiter aus durch „Vereinfachungen“ in der Aussprache und „Zusammenfassen“ von Wörtern oder Wortbestandteilen zu neuen Begriffen. Auch die Verwechslung von „mir und mich“ (und „dir und dich“) ist typisch Niederrheinisch – im „kölschen“ Ripuarischen kommt das nicht vor![21] Für Plattsprecher ist die „Verwechslung“ kein Fehler - denn das Niederrheinische Platt kennt nur (wie das Englische und Niederländische) die Einheitsform – im Hochdeutschen wäre es falsch!

  • er ist bei misch gewesen (statt: er ist bei mir gewesen)
Platt: hä ös bej mesch jewäes
  • sie hat mich nisch geschrieben (statt: sie hat mir nicht geschrieben)
Platt: se hätt mech niet jeschrieewe

Weitere Beispiele für Regiolekt im Vergleich zum Hochdeutschen und zu Platt – wobei der hier wiedergegebene Lautstand etwa dem Krefelder Gebrauch entspricht – woanders am Niederrhein hört es sich etwas anders an:

  • Regiolekt: „Hasse wat dann bisse wat dann kannsse wat – kuck ma datte damit weit komms !“
(typisch niederrheinisch wäre auch : „…tumma (tu mal) kucken datte damit weit komms !“)
  • Hochdeutsch: „Hast du etwas, dann bist du etwas, dann kannst du etwas – schau nur das du damit weit kommst !“
(auf Hochdeutsch sehr unpassend wäre: „…tu mal kucken…“)
  • Platt: „Hässe jet, dann bösse jet, dann kannstde jet – kieck maar datte domöt wiet kömms !“
(Ein Plattsprecher könnte aber auch sagen:“…don maar ens kiecke…/ tu nur mal kucken…“)

An diesen Beispielen ist zu erkennen, dass der Regiolektsprecher (der sich nie als solcher bezeichnen wird) sich zwar an der Deutschen Standardsprache orientiert – allerdings die Wörter und die Wortkombinationen verändert; in Satzbau und Wortstellung folgt er weitgehend der Mundart. Was an den obigen Beispielen nicht zu erkennen ist, ist der Tonfall (der „Singsang“) des Regiolektes, der unterschwellig der Melodie der örtlichen Mundart folgt. Der Tonfall in Kleve ist ein anderer als in Düsseldorf oder Mönchengladbach. Je mehr die Regiolektsprecher zwanglos „unter sich“ sind, je ausgeprägter wird der Regiolekt benutzt. Sollten Mundartsprecher in der Gesprächsrunde sein, so wird ein Gemisch aus Regiolekt und Mundart dabei herauskommen. Je mehr der Sprecher sich in einer „förmlichen“ Umgebung oder in einer Gesprächsrunde mit Fremden befindet, je weniger ausgeprägt ist der Regiolekt – Platt wird ganz vermieden, selbst wenn man es könnte – und der am Gespräch beteiligte Niederrheiner wird eine Sprache benutzen, die er selbst für „gepflegtes Hochdeutsch“ hält - Regiolekt hin oder Hochdeutsch her.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georg Cornelissen: Der Niederrhein und sein Deutsch. Greven Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-7743-0349-2, S. 11–14.
  2. Günther Drosdowski (Hrsg.): Das Herkunftswörterbuch / Band 7 – Etymologie der deutschen Sprache. Dudenverlag, Mannheim 1989, ISBN 3-411-20907-0, S. 202.
  3. Erich Zöllner: Geschichte der Franken bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts. C. H. Beck, München 1970, S. 109.
  4. Werner König: dtv-Atlas Deutsche Sprache. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1994, ISBN 3-423-03025-9, S. 59–61.
  5. Karl August Eckhardt: Lex salica. Hahn, Hannover 1969, (Monumenta Germaniae Historica; Leges; Leges nationum Germanicarum; 4, 2) ISBN 3-7752-5054-9.
  6. Werner König: dtv-Atlas Deutsche Sprache. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1994, ISBN 3-423-03025-9, S. 59–61.
  7. Werner König: dtv-Atlas Deutsche Sprache. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1994, ISBN 3-423-03025-9, S. 59–61.
  8. Erwin Koller: Zur Volkssprachlichkeit der Straßburger Eide und ihrer Überlieferung. In: Rolf Bergmann, Heinrich Tiefenbach, Lothar Voetz (Hrsg.): Althochdeutsch. Band 1. Winter, Heidelberg 1987, ISBN 3-533-03878-5, S. 828–838, EIDE.
  9. A. Quak, J. M. van der Horst: Inleiding Oudnederlands. Leuven 2002, ISBN 90-5867-207-7.
  10. Irmgard Hantsche: Atlas zur Geschichte des Niederrheins. Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie Band 4, ISBN 3-89355-200-6, S. 66.
  11. Georg Cornelissen: Kleine Niederrheinische Sprachgeschichte (1300 – 1900), Verlag B.O.S.S-Druck , Kleve, ISBN 90-807292-2-1, S. 32.
  12. Georg Cornelissen: Kleine Niederrheinische Sprachgeschichte (1300 – 1900), Verlag B.O.S.S-Druck , Kleve, ISBN 90-807292-2-1, S. 62–94.
  13. Irmgard Hantsche: Atlas zur Geschichte des Niederrheins, Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie Band 4, ISBN 3-89355-200-6, S. 66.
  14. Irmgard Hantsche: Atlas zur Geschichte des Niederrheins, Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie Band 4, ISBN 3-89355-200-6, S. 66.
  15. Dieter Heimböckel: Sprache und Literatur am Niederrhein, Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie Band 3, ISBN 3-89355-185-9, S. 15–55.
  16. Georg Cornelissen: Meine Oma spricht noch Platt. Verlag Greven, Köln 2008, ISBN 978-3-7743-0417-8, S. 25–27.
  17. Georg Cornelissen: Meine Oma spricht noch Platt. Verlag Greven, Köln 2008, ISBN 978-3-7743-0417-8, S. 25–27.
  18. Georg Cornelissen: Meine Oma spricht noch Platt. Verlag Greven, Köln 2008, ISBN 978-3-7743-0417-8, S. 25–27.
  19. Georg Cornelissen: Der Niederrhein und sein Deutsch. Greven Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-7743-0349-2, S. 11 ff.
  20. Georg Cornelissen: Der Niederrhein und sein Deutsch. Greven Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-7743-0349-2, S. 132.
  21. Georg Cornelissen: Der Niederrhein und sein Deutsch. Greven Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-7743-0349-2, S. 126.

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Cornelissen: Kleine niederrheinische Sprachgeschichte (1300-1900) : eine regionale Sprachgeschichte für das deutsch-niederländische Grenzgebiet zwischen Arnheim und Krefeld: met een Nederlandstalige inleiding. Stichting Historie Peel-Maas-Niersgebied, Geldern/Venray 2003, ISBN 90-807292-2-1.
  • Paul Eßer: Jenseits der Kopfweiden. Sprache und Literatur am Niederrhein, Grupello Verlag, Düsseldorf 2002, ISBN 3-933749-83-2.
  • Kurt-Wilhelm Graf Laufs: Niederfränkisch-Niederrheinische Grammatik - für das Land an Rhein und Maas. Niederrheinisches Institut, Mönchengladbach, 1995, ISBN 3-9804360-1-2.
  • Georg Cornelissen: Der Niederrhein und sein Deutsch. Greven Verlag Köln, 2009, ISBN 978-3-7743-0394-2.

Weblinks[Bearbeiten]