Niels Werber

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Niels Werber (* 10. Juli 1965 in Freiburg i. Br.) ist ein deutscher Literatur-, Medien- und Kulturwissenschaftler mit den Spezialgebieten "systemtheoretische Literaturwissenschaft" und "Mediengeschichte".

Leben[Bearbeiten]

1992 promovierte er zum Dr. phil. mit einer Arbeit über die Ausdifferenzierung der Literatur als Funktionssystem der modernen Gesellschaft im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts. 2000 folgte die Habilitation mit einer systemtheoretisch orientierten literaturhistorischen Studie über die Koevolution, d.h. die parallellaufende Entwicklung des modernen Romans und der intimen Kommunikation. Seit 2002 mehrere Vertretungsprofessuren an der Ruhr-Universität Bochum, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Bauhaus-Universität Weimar und der Universität Basel. Im Sommersemester 2008 Gastprofessur an der Vergleichenden Literaturwissenschaft der Leopold-Franzens Universität Innsbruck, im Wintersemester 2008/2009 Professor an der TU Dortmund. Seit dem Sommersemester 2009 Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaften an der Universität Siegen. Seine Forschungsinteressen sind Soziale Insekten, Selbstbeschreibungen der Gesellschaft, Literatur und ihre Medien sowie Geopolitik der Literatur.

Titelansicht der Promotionsschrift Niels Werbers "Literatur als System"

Werber plädiert für einen an Niklas Luhmann und die soziologische Systemtheorie anknüpfenden literatursoziologischen und medientheoretischen Ansatz und gilt als Hauptvertreter des sog. "Bochumer Modells" innerhalb der systemtheoretisch orientierten Literaturwissenschaft. Gemeinsam mit Gerhard Plumpe u.a. begreift er die moderne Literatur als autonomes Funktionssystem, das der Unterhaltung des Publikums im Angesicht wachsender Freizeitkontingente dient und mit der asymmetrischen Leitdifferenz "interessant" / "langweilig" operiert. Dabei werden die literarischen Werke als symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien des Literatursystems konzipiert.

Seit 2011 ist Werber Mitherausgeber der Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik der Universität Siegen. Daneben liefert Werber regelmäßig Beiträge für Zeitungen bzw. Zeitschriften wie den Merkur, Soziale Systeme, Telepolis, Literaturen, die taz und die Frankfurter Rundschau.

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Niels Werber, Ameisengesellschaften. Eine Faszinationsgeschichte, Stuttgart/Weimar 2013 [S. Fischer Verlag], ISBN 978-3-10-091212-1
  • Niels Werber (Hg.), Niklas Luhmann, Schriften zur Kunst und Literatur, Frankfurt/M ., 2008 [Suhrkamp Verlag], ISBN 978-3-518-29472-7
  • Niels Werber, Die Geopolitik der Literatur. Vermessungen einer medialen Weltraumordnung, München 2007 [Carl Hanser Verlag], ISBN 978-3-446-20947-3
  • Niels Werber, Liebe als Roman. Zur Koevolution intimer und literarischer Kommunikation, München 2003 [Fink Verlag], ISBN 3-7705-3712-2
  • Rudolf Maresch u. Niels Werber (Hgg.), Raum. Wissen. Macht., Frankfurt/M ., 2002 [Suhrkamp Verlag Wissenschaft].
  • Rudolf Maresch u. Niels Werber (Hgg.), Kommunikation. Medien. Macht., Frankfurt/M., 1999 [Suhrkamp Verlag Wissenschaft].
  • Gerhard Plumpe u. Niels Werber (Hgg.), Beobachtungen der Literatur. Aspekte einer polykontexturalen Literaturwissenschaft., Opladen, 1995 [Westdeutscher Verlag].
  • Darin Plumpe/Werber, "Umwelten der Literatur", S. 9-33 und Werber, "Der Markt der Musen", S. 183-216.
  • Niels Werber, Literatur als System. Zur Ausdifferenzierung literarischer Kommunikation, Opladen, 1992 [Westdeutscher Verlag], ISBN 3-531-12325-4
  • Niels Werber, Systemtheoretische Literaturwissenschaft : Begriffe - Methoden - Anwendungen, DeGruyter, 2011, ISBN 978-3-11-021900-5.