Obfelden

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Obfelden
Wappen von Obfelden
Staat: Schweiz
Kanton: Zürich (ZH)
Bezirk: Affolternw
BFS-Nr.: 0010i1f3f4
Postleitzahl: 8912
Koordinaten: 674586 / 23527547.2641658.424171430Koordinaten: 47° 15′ 51″ N, 8° 25′ 27″ O; CH1903: 674586 / 235275
Höhe: 430 m ü. M.
Fläche: 7.54 km²
Einwohner: 4833 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 592 Einw. pro km²
Website: www.obfelden.ch
Die Kirche in Obfelden vom Friedhof gesehen

Die Kirche in Obfelden vom Friedhof gesehen

Karte
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Obfelden (schweizerdeutsch: Obfälde) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Affoltern des Kantons Zürich in der Schweiz. Die Gemeinde besteht aus den Weilern Unterlunnern, Oberlunnern, Wolsen, Toussen und Bickwil sowie dem nach der Abspaltung von Ottenbach entstandenen Chilenfeld (schweizerdeutsch Underlunnere, Oberlunnere, Wolse, Tousse, Bickwiil, Chilefäld).

Wappen[Bearbeiten]

Wappen von Obfelden
Blasonierung:

„In Blau ein durch ein goldenes Band mit frei flatternden Enden zusammengehaltenes Bündel von fünf goldenen Ähren, die mit sechs goldenen Blättern abwechseln.“

Beschreibung:

Die Ähren symbolisieren die fünf Weiler.

Geographie[Bearbeiten]

Obfelden gehört zum Knonaueramt und liegt an der Reuss, welche die Kantonsgrenze zum Kanton Aargau bildet. Die Gemeinde grenzt im Süden zudem an den Kanton Zug. Die Luftdistanz zu Zürich beträgt etwa 14 Kilometer, nach Zug etwa 13 Kilometer.

Nachbargemeinden sind Ottenbach, Affoltern am Albis, Mettmenstetten, Maschwanden, Hünenberg, Merenschwand.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Siedlungen auf Obfelder Gebiet lassen sich bis in die Steinzeit zurückverfolgen. Funde lassen auf eine neolithische Siedlung schliessen. Bronzene Armspangen aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. weisen auf eine keltische Besiedlung hin. Zur Zeit der Römer befand sich unterhalb des heutigen Weilers Unterlunnern ein kleiner Vicus mit Zentralbauten und vermutlich mit Hafenanlagen an der Reuss. Der Siedlungsname Lunnern (vielleicht von keltisch-lateinisch Londinaria) zeugt noch heute vom kulturellen Kontakt zwischen romanisch sprechenden Bevölkerungsteilen und den sich ab dem 7. Jh. n. Chr. ansiedelnden Alamannen.[2] Ausgrabungen fanden bisher nur in Form von Stichproben statt. Schon 1741 wurde jedoch der Goldschatz von Unterlunnern entdeckt: Der aus dem Ende des 3. Jahrhunderts nach Christus stammende Hortfund befindet sich im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich.[3]

Vom 7. bis 11. Jahrhundert entstanden auf dem heutigen Gemeindegebiet fünf Weiler: Die ans antike Lunnern anknüpfenden Unterlunnern und Oberlunnern sowie – etwas weiter von der Reuss entfernt – Toussen (wohl von althochdeutsch Dunines heim, «Heim/Dorf des Duni», erstmals belegt 1325 als Tunsen), Wolsen (wohl von althochdeutsch ze Wolines hovun, «bei den Höfen des Woli», erwähnt 1218 als Woloshoven und 1311 als Wolunsun) und Bickwil (wohl von althochdeutsch Biccin wilari, «Weiler des Bicco» um 1150 als Biggwile belegt).[4]

Am 15. Februar 1847 trennten sich die fünf Zivilgemeinden ob dem Felde (erstmals so genannt 1651 in einem Brief des Ottenbacher Pfarrers Hans Kaspar Müller: «Die obern Gemeinden aber dringen ernstlich darauf, dass man ihnen auch eine Schul ob dem Felde lassen sölle, [...].»)[5] von Ottenbach und gründeten die neue Einheitsgemeinde Obfelden. Entscheidend an dieser Abspaltung beteiligt war der Baumwoll- und Seidenfabrikant Rudolf Stehli-Hausheer (1816-1884)[6], der sich in dieser Sache 1846 mit einem Brief an Alfred Escher richtete[7]. Der spätere liberale Nationalrat und Eisenbahnförderer hatte schon 1840 in Oberlunnern eine Seidenspinnerei eröffnet, welche die Industrialisierung des Dorfes einleitete.

1847 lieferte der Kirchenbauarchitekt Ferdinand Stadler die Pläne für eine Kirche im Dorf, deren Bau zu einem guten Teil vom Seidenpatron Stehli-Hausheer finanziert wurde. Im Umfeld von Kirche und Pfarrhaus entstand in den folgenden Jahrzehnten der Weiler Chilenfeld, in welchem auch der Landsitz der Fabrikherren-Familie, die sogenannte Villa Stehli (1877), die neuen Schulgebäude (Sekundarschulhaus 1885, Turnhalle 1892, Primarschulhaus 1897) sowie das Gemeindehaus (1929) zu stehen kamen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Gemeindepräsident ist Thomas Ammann (Stand 2014)

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist durch drei Buslinien erschlossen: Affoltern am Albis - Ottenbach (212 via Dorfstrasse, 213 via Bickwil) und Affoltern am Albis - Muri (217 via Dorfstrasse). Seit dem 13. November 2009 besitzt die Gemeinde einen gemeinsamen Autobahnanschluss mit Affoltern am Albis.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • "Denkschrift zur Feier des 25-jährigen Bestandes der Kirchgemeinde und Kirche Obfelden". Im Auftrag der Gemeindsbehörden verfasst von J. D. Esslinger, Pfarrer. 1873.
  • "Obfelden. Gedenkschrift zum 50-jährigen Bestand der Gemeinde". Zürich 1897. (bekannt als "Altes Obfelderbuch")
  • "Geschichte der Gemeinde Obfelden. Festschrift zum hundertjährigen Bestehen". Herausgegeben vom Gemeindeverein Obfelden. Affoltern am Albis 1947.
  • Stefanie Martin-Kilcher, Heidi Amrein, Beat Horisberger, Der römische Goldschmuck aus Lunnern (ZH). Ein Hortfund des 3. Jahrhunderts und seine Geschichte. Chronos Verlag, Zürich 2008, ISBN 3-0340-0908-9
  • Daniel Gut, "Lunnern. Londons Zwilling im Reusstal. Eine sprach- und kulturgeschichtliche Verortung von Siedlungsnamen", BoD, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-83708758-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Obfelden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2.  Daniel Gut: Lunnern. Londons Zwilling im Reusstal. Eine sprach- und kulturgeschichtliche Verortung von Siedlungsnamen. BoD, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-83708758-1.
  3. Tages-Anzeiger (5. November 2008): Vergessene Schätze aus der Römerzeit von Norbert Raabe, abgerufen am 6. November 2008
  4.  Daniel Gut: Lunnern. Londons Zwilling im Reusstal. Eine sprach- und kulturgeschichtliche Verortung von Siedlungsnamen. BoD, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-83708758-1.
  5.  Obfelden. Gedenkschrift zum 50-jährigen Bestand der Gemeinde.. Zürich 2010, S. 232.
  6. Susanne Peter-Kubli: Stehli, Rudolf im Historischen Lexikon der Schweiz
  7. Briefedition Alfred Escher, Rudolf Stehli-Hausheer an Alfred Escher, Lunnern, Montag, 30. November 1846 [1] abgerufen am 26. Februar 2013
  8.  Urs B. Leu: Die Zürcher Täufer zur Bullingerzeit. In: Campi/Opitz (Hrsg.): Heinrich Bullinger - Life – Thought – Influence. Zürich 2007, S. 262ff.
  9.  Christian Scheidegger: Täufergemeinden, hutterische Missionare und schwenckfeldische Nonkonformisten bis 1600. In: Urs B. Leu, Christian Scheidegger (Hrsg.): Die Zürcher Täufer 1525-1700. Zürich 2007, S. 125f. und 152f.
  10.  Bernhard Schneider: Ottenbachs Bevölkerung im Wandel der Zeit. Ottenbach 1986, S. 129-135.
  11. Susanne Peter-Kubli: Stehli, Rudolf im Historischen Lexikon der Schweiz