Pasardschik

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Dieser Artikel behandelt eine Stadt in Südwestbulgarien. Pasardschik war bis 1882 auch der Name der heutigen Stadt Dobritsch in Nordostbulgarien.
Pasardschik (Пазарджик)
Wappen von Pasardschik Karte von Bulgarien, Position von Pasardschik hervorgehoben
Basisdaten
Staat: Bulgarien
Oblast: Pasardschik
Einwohner: 78.716 (1. Juni 2010[1])
Koordinaten: 42° 11′ N, 24° 20′ O42.18333333333324.333333333333215Koordinaten: 42° 11′ 0″ N, 24° 20′ 0″ O
Höhe: 215 m
Postleitzahl: 4400
Telefonvorwahl: (+359) 034
Kfz-Kennzeichen: PA
Verwaltung
Bürgermeister: Todor Popow
Webpräsenz: www.pazardjik.bg

Pasardschik [ˈpazɐrdʒik] (bulgarisch Пазарджик aus dem Türkischen Pazarcık) ist eine Stadt in Zentralbulgarien und liegt an der Mariza inmitten der Oberthrakischen Tiefebene. Sie ist Zentrum der gleichnamigen Gemeinde und der Provinz Pasardschik.

Geografie[Bearbeiten]

Die Region wird aufgrund des günstigen Klimas und der fruchtbaren Böden traditionell landwirtschaftlich genutzt und gilt als Gemüse- und Obstanbauregion. Hauptanbauprodukte neben Getreide sind Tomaten, Paprika, Kartoffeln, Wassermelonen, Tabak und Wein, daneben auch Pfirsiche, Kirschen und Baumwolle.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach der Eroberung von Bosnien (1463) durch das osmanische Reich (Bulgarien wurde bereits 1396 erobert), wurde eine Karawanenstraße zwischen Sarajevo und Konstantinopel über Priština, Skopje, Kjustendil und Samokow etabliert. Die Karawanenstraße traf dann auf die „Große Heerstraße“, die Via Militaris. An der Gabelung der beiden Straßen wurde Tatar Pazarcik im Jahre 1485 gegründet, um eine Kolonie von Tataren aus Bessarabien über die wenig bekannt ist, außer dass sie im Dienste des osmanischen Reiches waren.[2]

Tatar Pazarcik wurde ab dem 16. Jahrhundert regionales Zentrum einer Kaaza, litt jedoch an der Nähe von Plowdiw, welches eine traditionelle regionale Metropole darstellte. Es war dennoch ein florierendes Handelszentrum: Eisen aus Samokow, Holz aus den Rhodopen und Reis, dessen Anbau im 16. Jahrhundert in der Region eingeführt worden war. Die Waren wurde meist über Floß und Schiffe entlang des Mariza-Flusses bis nach Edirne und die Ägäis geschickt.[2] 1540 wurde die Eski-Moschee fertiggestellt. Sie ist heute das älteste noch erhaltene Bauwerk der Stadt.[3]

Gelegen auf einer Hauptachse wurde Tatar Pazarcik durch zahlreiche Reisende, als Dorf (Scheper, 1533), als Palanka (Schweiger, 1577) oder als Stadt beschrieben (Kuripešič, 1530; Vrancic, 1567). Im Jahre 1578 zählte Stephanus Gerlach nicht mehr als 30 Häuser von Christen, die jedoch über keine Kirche oder Priester verfügten. Alle bewunderten die im Jahre 1574 von Damat İbrahim Pascha erbeute Karawanserei Kurschum chan, welche einen eleganten Brunnen hatte. Evliya Çelebi zählte in der Stadt 16 Machallas und 870 Häuser. 1664 wurde ein Uhrturm (Sahat-Kula) errichtet.[2] Aus dem 16. Jahrhundert stammt auch der Pascha Hammām.[3]

Der Uhrturm heute
Einblicke in die Stadt (2008)

Ab dem 18. Jahrhundert stieg die bulgarische Bevölkerung signifikant. 1741 errichtete man einen neuen Uhrturm. Die Stadt war im 18./19. Jahrhundert eine wichtige Handwerker- und Messestadt und ein geistiges Zentrum der Bulgarischen Wiedergeburt.

Im Zuge der Tanzimat-Reformen von 1834 konnte sich eine bulgarische Gemeinde bilden, welche 1837 die Sweta-Bogorodiza-Kirche (Muttergotteskirche) mit ihrer geschnitzten Altarwand, ein Werk von Meistern der berühmten Debar-Schule erbauen ließ. Stojan Sachariew, ein Sohn der Stadt, berichtet, dass sie in den 1860er in 33 Machallas geteilt war. Hier gab es zu dieser Zeit 3,420 Häuser, 1,200 Geschäfte, 19 Moscheen, 6 Kirchen, 1 Synagoge und 4 öffentliche Bäder. Weiter existierten 8 türkischen und 6 bulgarischen Schulen sowie je eine jüdische, valachische und eine armenische Schule.[2]

1862 wurde das Tschitalischte Widelina eröffnet. 1865 hatte Pasardschik um die 25.000 Einwohner, wobei die Bulgaren mit 57 % die Mehrheit stellten.[2] 1869 gründete Wasil Lewski hier ein revolutionäres Komitee der Inneren Revolutionären Organisation (IRO). Im 19. Jahrhundert wurden die Handelswaren auch Pazarcik das gesponnene Tuch (aba) und den Cord (Gajtan) ergänzt. Jährlich fand hier zwischen 30. Juni und 15. August die Mara-Messe statt. Im Jahr 1873 wurde Tatar Pazarcik an das osmanische Eisenbahnnetz angeschlossen und es verliefen Bahnverbindungen nach Konstantinopel (Istanbul) und zum Hafen Dedeaghač.[2]

Im Januar 1878 wurde die Stadt im Zuge des „Russisch-Türkischen Befreiungskriegs“ von 1877/78 auf dem Befehl von Süleiman Pascha, Oberkommandierende der türkischen Militäroperationen auf der Balkanhalbinsel niedergebrannt.[2] In der Folge verließ der Großteil der türkischen Bevölkerung die Stadt. Am 14. Februar 1878 endete formal die osmanisch-türkische Herrschaft über die Stadt. Nach dem Berliner Kongress wurde Pasardschik jedoch erneut Teil des Osmanischen Reiches und in der autonomen Provinz Ostrumelien bis zu deren Vereinigung (1885) mit dem Fürstentum Bulgarien eingegliedert. Bei der Volkszählung und Ostrumelien 1884 hatte Pasardschik 15.425 Einwohner. In Ostrumelien war jedoch der Reisanbau verboten worden, was vor allem die Reisanbauer der Region Pasardschik traf. 1900 hatte die Stadt 17.000 Einwohner, darunter 2.000 Türken und 1.000 moslemische Zigeuner.

In 1923 gab es in der Stadt nur noch vier Moscheen. Die Stadt trug bis 1934 den Namen Tatar Pazarcik ("tatarischer kleiner Markt") als sie in Pasardschik umbenannt wurde.[2] Sie war in der Vergangenheit Anfangsbahnhof der Rhodopenbahn. Weiter ist die Stadt Ausgangspunkt für die in der Nahe liegenden Höhenkurorte Peschtera, Welingrad, Dospat und die historische Ortschaft Batak.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsstruktur[Bearbeiten]

Im Frühjahr 2011 erfolgte die bisher letzte Volkszählung, welche gleichzeitig die erste nach der Aufnahme Bulgariens in die Europäische Union war. Da sie EU-Vorgaben unterlag, gab es die Möglichkeit Fragen nach ethnischer und religiöser Zugehörigkeit sowie nach der Muttersprache nicht zu beantworten. Nur 66.397 Bürger Pasardschiks beantworteten die Frage nach der ethnischen Zugehörigkeit, von ihnen bezeichneten sich 57.332 als Bulgaren, 4822 als Türken, 3423 als Roma und 325 gaben eine weitere ethnische Zugehörigkeit an.[4]

Die Roma-Gemeinschaft (Chorohan und Kalajdschi) und einem bescheidenen Anteil von Pomaken, welche ursprünglich aus dem Rhodopen-Gebirge stammen vertreten den Islam.[2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die wechselnden Einwohnerzahlen resultieren teilweise auch aus dem jeweiligen Gebietsstand.

Jahr Einwohner
1934 ¹ 23.228
1946 ¹ 30.376
1956 ¹ 39.499
1965 ¹ 55.430
1975 ¹ 65.727
Jahr Einwohner
1985 ¹ 77.278
1992 ¹ 82.578
1996 ³ 79.705
2001 ¹ 78.855
2004 ³ 76.570
Jahr Einwohner
2007 ³ 75.568
2009 ³ 75.346
2011 ¹ 71.979
2012 ³ 74.552[5]

Die Zahlen[6] stammen von:

  • Volkszählungen (¹),
  • Schätzungen (²) oder
  • amtlichen Fortschreibungen der Statistischen Ämter (³).

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinde Pasardschik[Bearbeiten]

Der Stadtrat von Pasardschik fungiert gleichzeitig als Gemeinderat und ist für die Kontrolle aller Bürgermeister der Gemeindeortschaften zuständig. Zur Gemeinde Pasardschik (bulgarisch Община Пазарджик/Obschtina Pasardschik) gehören neben der Stadt Pasardschik noch folgende Dörfer:

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Pasardschik unterhält mit den folgenden Städten eine Partnerschaft[7]:

Bildung[Bearbeiten]

In Pasardschik existieren alle Schultypen Bulgariens. Das Sprachgymnasium „Bertolt Brecht“ist Mitglied der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“. Des Weiteren existieren eine Fachhochschule für Landwirtschaft, eine Pädagogen, sowie eine Filiale der Musikfakultät der Paisij-Chilendarski-Universität Plowdiw

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Besondere Bauwerke[Bearbeiten]

  • Uhrturm von Pasardschik
  • Historisches Museum
  • Hausmuseum Konstantin Welitschkow
  • Stanislaw-Dospewski-Memorialmuseum in einem im Jahre 1864 erbauten Haus des Künstlers und das Geschichtsmuseum.
  • Theater Konstantin Welitschkow
  • Kulturhaus und Bibliothek "Videlina" (bulgarisch Читалище „Виделина“) Standort42.187524.329162

Kirchengebäude[Bearbeiten]

Kirche
erbaut um
Beschreibung Lage Bild
Mariä Himmelfahrt
1837
Die 1836-1837 erbaute Renaissance-Kirche ist der heiligen Mutter Gottes gewidmet (bulgarisch Света Богородица).[8] Standort42.18732524.325313 Dormition of the Theotokos Church - Pazardzhik.jpg
Georgenkirche
2003
Auch "Sweti Georgi" (bulgarisch Свети Георги) genannt, ist dem heiligen Georg geweiht. Sie wurde ausschließlich durch Spenden finanziert und wurde nach einer Bauzeit von 8 Jahren fertig gestellt.[9] Standort42.1928724.320136 Church of St George Pazardzhik.jpg
Hl. Konstantin und Elena
1847
Auch "Sweti Sweti Konstantin und Elena" (bulgarisch църква „Св. св. Константин и Елена“) genannt, ist den heiligen Konstantin und Helene gewidmet.[10] Standort42.20015824.332284
Hl. Paraschewa
1852
Auch "Sweta Petka" (bulgarisch Света Петка) genannt, ist der heiligen Paraskeva die Jüngeren (nicht zu verwechseln mit Paraskeva Pjatnitza) (engl. en:Parascheva of the Balkans) gewidmet.[11] Standort42.18968224.340985
Erzengel Michael-Kirche
1860
bulgarisch църквата Св.Архангел Михаил. Die 1860 erbaute Kirche wurde 2003 dem heiligen Erzengel Michael geweiht.[12] Standort42.19737524.331665
Verklärungskirche
1862
bulgarisch Църквата "Св. Преображение". Die Kirche wurde 1859 bis 1862 gebaut, die Weihe erfolgte im Jahr 1862.[13] Standort42.18868324.325474

Literatur[Bearbeiten]

  • Tatar Pazarcik in Encyclopaedia of Islam, Second Edition., Volume X, page 371, column 1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://grao.bg/tna/tab02.txt
  2. a b c d e f g h i Tatar Pazarcik in Encyclopaedia of Islam
  3. a b Geschichte von Pasardschik (bulg.)
  4. Statistisches Amt der Republik Bulgarien: Bevölkerung nach ethnische Zugehörigkeit. Census 2011. Abgerufen am 27. Januar 2012 (.xls; 758 kB, bulgarisch).
  5. Einwohnerzahlen zum 15. Juni 2012 (bulg.) bei der Meldebehörde
  6. Einwohnerzahlen von Pasardschik nach Jahr, Nationales Statistikamt, Zugriff am 31. August 2012
  7. Списък на побратимени градове (MS Excel; 214 kB)
  8. Kirche "Mariä Himmelfahrt" in Pasardschik. Pravoslavieto.com, abgerufen am 11. November 2012 (bulgarisch).
  9. Veränderungen im vergangenen Jahrzehnt. Елена Арнаудова veröffentlicht auf omda.bg, abgerufen am 11. November 2012 (bulgarisch).
  10. Spenden für den Bau von Kirchen und Schulen. Мариян Иванов veröffentlicht auf prosvetise.com, abgerufen am 11. November 2012 (bulgarisch).
  11. Kirche "Sweta Petka" - Foto inkl. Baujahr. panoramio.com, abgerufen am 11. November 2012 (bulgarisch/englisch).
  12. Über die Stadt Pasardschik. nasamnatam.com, abgerufen am 11. November 2012 (bulgarisch).
  13. Verklärungskirche Pasardschik. Von Стоян Караджов , Божидар Лютаков , Александър Алексиев veröffentlicht auf pzhistory.info, abgerufen am 11. November 2012 (bulgarisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pazardzhik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien