Piotrków Trybunalski

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Piotrków Trybunalski
Wappen von Piotrków Trybunalski
Piotrków Trybunalski (Polen)
Piotrków Trybunalski
Piotrków Trybunalski
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Łódź
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Fläche: 67,26 km²
Geographische Lage: 51° 24′ N, 19° 41′ O51.419.683333333333Koordinaten: 51° 24′ 0″ N, 19° 41′ 0″ O
Einwohner: 75.903
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 97-300 bis 97-312
Telefonvorwahl: (+48) 44
Kfz-Kennzeichen: EP
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Autobahn A 1
Nächster int. Flughafen: Łódź-Lublinek
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 67,26 km²
Einwohner: 75.903
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 1129 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 1062011
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Krzysztof Chojniak
Adresse: Pasaż Rudowskiego 10
97-300 Piotrków Trybunalski
Webpräsenz: www.piotrkow.pl
Königliches Schloss
Bernhardinerkirche zur Erhöhung des Heiligen Kreuzes

Piotrków Trybunalski [ˈpʲɔtrkuf trɨbuˈnalski] (deutsch Petrikau) ist eine Kreisstadt mit etwa 79.000 Einwohnern in Zentralpolen, in der Woiwodschaft Łódź.

Die Stadt liegt auf der Ebene von Piotrków an den Flüssen Strawa und Strawka, einem Nebenfluss der Pilica.

Stadtwappen und Stadtfahne[Bearbeiten]

Als eine von nur drei polnischen Städten führt Piotrków Trybunalski den weißen polnischen Staatsadler (in der frühen piastischen Form ohne Krone) im roten Feld als Stadtwappen.

Geschichte[Bearbeiten]

  • 1217: Erste Erwähnung von Petrikau als einer Handelssiedlung an der wichtigen Straße von Pommern nach Rus und Ungarn und später aus Masowien nach Breslau.
  • 1292: Die Stadt erhält das Stadtrecht.
  • Um 1300: Petrikau wird zu einer Kreisstadt in der Woiwodschaft Kalisch.
  • 1347: König Kasimir III. der Große veröffentlicht hier seine Statuten, Petrikau wird zu einem wichtigen Zentrum des politischen Lebens Polens. Von diesem König ermuntert, ziehen große Scharen von vertriebenen deutschen Juden nach Polen. Petrikau wird zu einer der größten jüdischen Siedlungen im Lande.
  • Ab 1455: Die Stadt wird zu einem der Sitze des Sejm und zum Ort der Tagungen des Adels, später auch der Synode.
  • 1496: Am 26. Mai veröffentlicht König Johann I. Albrecht hier sein "Petrikauer Privileg", das die Privilegien des Adels erweitert und die Freiheiten der Bürger und Bauern einschränkt.
Polnische Bronzemedaille 1978 zum 400. Jubiläum des Krontribunals in Piotrków Trybunalski.
  • 1578: Petrikau wird neben Lublin zum Sitz des Krontribunals (des höchsten Gerichts für Polen, das Tribunal für Großfürstentum Litauen saß in Grodno) – daher der Beiname "Trybunalski". Die Juden werden aus der Stadt vertrieben und kommen erst nach 100 Jahren zurück.
  • 1684: Die Stadt erhält eine Poststation.
  • Um 1705: Die ersten deutschen Siedler (oft aus Schwaben) kommen in die Gegend und gründen Dörfer, die zum großen Teil ihre Bräuche und die Sprache bis 1945 behalten sollen.
  • 1793: Zweite Teilung Polens. Petrikau kommt zur neugeschaffenen preußischen Provinz Südpreußen und erhält preußische Kreisbehörden. Viele deutsche Siedler, vor allem aus der Gegend von Oels und Breslau, lassen sich in der Stadt und der Gegend nieder und gründen die später blühende Textilindustrie.
  • 1807–1815: Petrikau gehört als Kreisstadt im Departement Kalisch zum Herzogtum Warschau.
  • 1815: Die Stadt kommt zu Kongresspolen und gehört zur Woiwodschaft (ab 1837 Gouvernement) Kalisch.
  • 1846: Die Stadt erhält Eisenbahnverbindung mit Warschau.
  • Nach 1860: Entstehung der Industrie (Lebensmittel- Maschinen- und Bauindustrie).
  • 1867: Petrikau wird zum Sitz eines russischen Gouvernements und behält diesen Rang bis 1915.
  • 1889: Die Glashütte "Hortensja" beginnt die Produktion.
  • 1896: Die Textilfabrik "Manufaktura Piotrkowska" wird eröffnet.
  • 1905: Viele Streiks und Demonstrationen der Arbeiter.
  • 1938: Petrikau hat 51.000 Einwohner, davon etwa 25.000 Juden und 1500 Deutsche.
  • 5. September 1939: Schwere Kämpfe der polnischen 19. Infanteriedivision mit dem 16. Panzerkorps der Wehrmacht.
  • 1939–1942: Das erste Ghetto im besetzten Polen mit etwa 25.000 Insassen wird eingerichtet und ein erster Judenrat eingesetzt. Von den Insassen werden etwa 22.000 nach Treblinka deportiert und dort ermordet, etwa 3.000 in Zwangsarbeitslager geschickt.[2] In der Gegend bilden sich viele Widerstandsgruppen, die sich im Sommer 1944 massiv am Partisanenkampf gegen die Deutschen beteiligen.
  • 1942: Laut Lagebericht der deutschen Polizei[3] haben die beiden Gemeinden Petrikau und Radziejów zusammen 71.500 Einwohner, davon seien mittlerweile 15 % Deutsche und "noch" 85 % Polen. Juden leben keine mehr im Gebiet.
  • 1945: Petrikau hat etwa 40.000 Einwohner und ist Kreishauptstadt. Seit diesem Jahr toben auch heftige Kämpfe zwischen der kommunistischen Geheimpolizei mit ihren Spezialverbänden und dem antikommunistischen Untergrund.
  • 1946: Am 20. April erobern antikommunistische Verbände der Polnischen Heimatarmee unter Hauptmann Sojczyński die Stadt und befreien 57 Häftlinge aus dem Gefängnis der Geheimpolizei. Am 8. August werden weitere 43 Häftlinge durch einen kühnen Angriff befreit. Die Tätigkeit der antikommunistischen Partisanen nimmt erst 1953 ihr Ende.
  • 1949–1970: Piotrków Trybunalski wird zu einem Industriezentrum aufgebaut.
  • 1975–1998: Die Stadt ist Hauptstadt der neugeschaffenen Woiwodschaft Piotrków und wächst schnell durch viele Eingemeindungen.
  • 1999: Die Stadt wird wieder zur Kreisstadt und kreisfreien Stadt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Stadt ist nach Łódź das zweitgrößte Industriezentrum der Woiwodschaft und besitzt: Glasindustrie, Maschinenindustrie, Papierindustrie, Textilindustrie, Holzindustrie, Baumaterialindustrie, außerdem einige größere Logistik-Unternehmen und Bauunternehmen.

Verkehr[Bearbeiten]

Derzeit verbinden folgende Straßen die Stadt mit dem Straßennetz:

  • Autostrada A1/Droga krajowa 1 (E75): Danzig – Toruń – Łódź – Piotrków Trybunalski – Częstochowa – Cieszyn
  • Droga krajowa 8 (E67): Breslau – Piotrków Trybunalski – Warschau – Białystok – Budzisko
  • Droga krajowa 12: Leszno – Kalisz – Piotrków Trybunalski – Radom – Lublin – Chełm – Dorohusk
  • Droga krajowa 91: Częstochowa – Radomsko – Piotrków Trybunalski - Głuchów

Die Stadt besitzt derzeit zwei Umfahrungen, die Ostumfahrung der DK12 (ca. 5 km) und die Nordwestumfahrung der A1, DK1 und DK8 (ca. 16 km).

Darüber hinaus befinden sich die Südumfahrung (geplante S12) und die Umfahrung der Innenstadt (DK91) in Planung.

Piotrków Trybunalski liegt an der Bahnlinie von Warschau nach Częstochowa.

Hochschulen und Schulen[Bearbeiten]

In Piotrków Trybunalski gibt es mehrere Filialen von größeren Hochschulen: der Jan-Kochanowski-Universität in Kielce, der Łódźer Hochschule für Wirtschaft und Geisteswissenschaften, der Łódźer Handelshochschule und eigenständige Lehranstalten, wie die Lehrerhochschule und eine Außenstelle des Instituts für Umweltpflege an der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau.

Piotrków Trybunalski hat außerdem (Stand 2013)[4]:

  • 13 städtische Kindergärten,
  • 8 Grundschulen,
  • 5 Mittelschulen,
  • 10 weiterführende Schulen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Synagoge
  • Stadtpfarrkirche zum Heiligen Apostel Jakob, Gotik mit barocken Kapellen, 13. bis 14. Jahrhundert;
  • Ehemaliges Dominikanerkloster mit der Kirche zum Heiligen Iacentius und der Heiligen Dorothea, Gotik um 1350;
  • Bernhardinerkirche zur Erhöhung des Heiligen Kreuzes, Barock, um 1626;
  • Evangelische Kirche (ehemalige Piaristenkirche), Barock um 1689;
  • Ehemaliges Jesuitenkollegium mit der Kirche zum Heiligen Franciscus Xaver, Barock, um 1695;
  • Russisch-orthodoxe Allerheiligenkirche, Klassizismus, um 1844;
  • Kleine Synagoge, Barock, um 1790;
  • Große Synagoge, Historismus, um 1875 (heute: Stadtbibliothek);
  • Königliches Schloss (Wohnturm), Spätgotik, um 1511;
  • Schloss Byki, Renaissance, um 1590;
  • Bürgerhäuser am Ring, 17.–18. Jahrhundert, ursprünglich Spätbarock, Fassaden umgebaut im 19. Jahrhundert;
  • zahlreiche Häuser im Jugendstil, insbes. in der Allee 3. Maja;
  • Friedhöfe: in der „Friedhofsallee“ längs des Flusses Strawka: katholischer, evangelischer, russisch-orthodoxer, jüdischer Friedhof und Soldatenfriedhof aus dem 1. Weltkrieg, mit vielen interessanten Leichensteinen (teilweise aus dem 17. und 18. Jahrhundert, hierher aus älteren innerstädtischen Friedhöfen überführt).

Partnerstädte[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Piotrków Trybunalski – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 5. Juli 2014.
  2. deathcamp.orgs: Ghetto Piotrków Trybunalski
  3. Meldung der deutschen Gendarmerie in Radziejów vom 25. Juni 1942
  4. Website der Stadt, Oświata, abgerufen am 10. Februar 2013