Radenthein

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Radenthein
Wappen von Radenthein
Radenthein (Österreich)
Radenthein
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Kärnten
Politischer Bezirk: Spittal an der Drau
Kfz-Kennzeichen: SP
Fläche: 89,3 km²
Koordinaten: 46° 48′ N, 13° 42′ O46.813.7746Koordinaten: 46° 48′ 0″ N, 13° 42′ 0″ O
Höhe: 746 m ü. A.
Einwohner: 5.998 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 67 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 9545, 9873
Vorwahl: 0 42 46
Gemeindekennziffer: 2 06 30
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 65
9545 Radenthein
Website: www.radenthein.gv.at
Politik
Bürgermeister: Martin Hipp (SPÖ)
Gemeinderat: (2009)
(27 Mitglieder)
12 SPÖ, 9 FPK, 6 ÖVP
Lage der Stadt Radenthein im Bezirk Spittal an der Drau
Bad Kleinkirchheim Baldramsdorf Berg im Drautal Dellach im Drautal Flattach Gmünd in Kärnten Greifenburg Großkirchheim Heiligenblut am Großglockner Irschen Kleblach-Lind Krems in Kärnten Lendorf Lurnfeld Mallnitz Malta Millstatt am See Mörtschach Mühldorf Oberdrauburg Obervellach Radenthein Rangersdorf Reißeck Rennweg am Katschberg Sachsenburg Seeboden am Millstätter See Spittal an der Drau Stall Steinfeld (Kärnten) Trebesing Weißensee Winklern KärntenLage der Gemeinde Radenthein im Bezirk Spittal an der Drau (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Überblick über Radenthein
Überblick über Radenthein
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Sankt Peter
Döbriach

Radenthein ist eine österreichische Stadtgemeinde mit 5998 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Spittal an der Drau im Bundesland Kärnten.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Radenthein liegt im Gegendtal nordöstlich des Millstätter Sees am Fuß der Nockberge.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Radenthein ist in folgende sechs Katastralgemeinden gegliedert: Döbriach, Kaning, Laufenberg, Radenthein, St. Peter in Tweng und Tweng. Die Gemeinde umfasst folgende 17 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[1]):

  • Dabor (150)
  • Döbriach (1.311)
  • Ebene (24)
  • Erdmannsiedlung (332)
  • Frischg (43)
  • Hohensaß (100)
  • Kaning (532)
  • Laufenberg (81)
  • Mitterberg (15)
  • Obertweng (88)
  • Radenthein (2.005)
  • Sankt Peter (418)
  • Schattseite (0)
  • Schrott (81)
  • Starfach (172)
  • Untertweng (804)
  • Zödl (54)

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Krems in Kärnten
Millstatt am See Nachbargemeinden Bad Kleinkirchheim
Ferndorf Feld am See

Geschichte[Bearbeiten]

Radenthein wurde erstmals 1177 als „villa Ratentim cum capella“ mit einem Pfarrer Hartmann erwähnt. Von den Ortschaften Döbriach und Kaning wird eine Gründung bereits vor rund 1000 Jahren vermutet. Radenthein und seine Umgebung gehörten lange Zeit zum Stift Millstatt, wo die Benediktiner bis zum 15. Jahrhundert wirkten.

Bereits für das ausgehende Mittelalter ist um Radenthein Bergbautätigkeit nachweisbar. An der Stelle des heutigen Magnesitwerks wurde das erste Hammerwerk zur Eisenverarbeitung betrieben; seit Ende des 18. Jahrhunderts verwendete man Schmelzöfen.

In der anliegenden Granatschlucht wurden Granatsteine abgebaut. Granate wurden auf der Millstätter Alpe bis 1914 in einer Schlucht entlang des Kaninger Baches im Lucknergraben abgebaut.

1904 wurde an der Nordostseite der Millstätter Alpe, im Globatschbachtal, Magnesit gefunden. Die Gründung der „Austro American Magnesit Company“ (heute Teil der RHI AG) hatte eine Verdoppelung der Einwohnerzahl zwischen 1900 und 1910 und darüber hinaus ein dauerhaftes Bevölkerungswachstum zur Folge. Der erste Direktor Emil Winter wurde 1933 zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt; er finanzierte auch das erste Schwimmbad Radentheins.

Von der 1850 konstituierten Gemeinde wurde 1921 Kaning als eigene Ortsgemeinde ausgegliedert, 1973 wurden beide Gemeinden jedoch wieder vereinigt. Die Erhebung Radentheins zur Marktgemeinde erfolgte am 1. Dezember 1930. Im Jahr 1995 wurde Radenthein aufgrund seiner überregionalen Bedeutung zur Stadt erhoben.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Laut Volkszählung 2001 hat Radenthein 6.620 Einwohner, davon sind 96,2 % österreichische Staatsbürger. 62,7 % der Bevölkerung bekennen sich zur römisch-katholischen, 28,1 % zur evangelischen Kirche, 1,1 % sind islamischen Glaubens und 0,3 % gehören der orthodoxen Kirche an. 7,2 % der Einwohner sind ohne religiöses Bekenntnis.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]


Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche Sankt Nikolaus in Radenthein
Pfarrkirche Sankt Peter in Tweng
Kaningbach hinter dem Granatium
Neuwirtmühle, eine Stockmühle am Mühlenwanderweg im Ortsteil Kaning
Granat-Museum „Granatium
Türkhaus in Kaning

Bauwerke[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Radenthein
  • Pfarrkirche Hl. Nikolaus: Die katholische Pfarrkirche Hl. Nikolaus oberhalb des Ortes ist eine schlichte Saalkirche aus dem 17. Jahrhundert mit romanisch-gotischem Kern. Ihre älteste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1177, Pfarrkirche ist sie seit 1262.
  • Kirche Hl. Johannes: Die evangelische Kirche Hl. Johannes wurde 1953/54 erbaut, ein Anbau wurde 1997 errichtet.
  • Pfarrkirche Sankt Peter in Tweng: Über Alter und Bau dieser Kirche lässt sich nichts Genaueres feststellen. Sicher ist jedoch, dass es sich um eine sehr frühe Gründung handelt. Die älteste erhaltene Urkunde über Sankt Peter stammt aus dem Jahre 1212. In dieser beurkundet Erzbischof Eberhard II. am 12. April 1212 zu Friesach den Kauf des Gutes Tweng samt dem Patronatsrecht über die Kirche Sankt Peter durch Bischof Walther von Conrad von Maria Pfarr in Salzburg. Die Kirche ist nach der Chronik im Jahre 1481 gegen die Türken befestigt worden. Im März 1951 ist die alte Bergkirche von Sankt Peter durch einen Brand soweit zerstört worden, dass nurmehr eine Ruine stehen blieb. Sie wurde in ihrer alten Form wiederaufgebaut und am 26. Juli 1953 eingeweiht. Bei der Innenausstattung hat man sich zwar den heutigen Erfordernissen angepasst, jedoch den Charakter des Kirchleins gewahrt.
  • Türkhaus: Zu den Sehenswürdigkeiten kann man das Türkhaus in Kaning und den direkt daneben liegenden „Mühlenwanderweg“ entlang des Roßbachs zählen. Dieser Weg führt an sieben verschiedenen Mühlen vorbei, die größtenteils Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut wurden.[2]
  • Granatium: Granat-Museum „Granatium“ mit Schaustollen und Schürfgelände in Radenthein
  • alte Bauernhäuser: Ebenfalls interessant sind die alten Bauernhäuser in und um Radenthein und das
  • Magnesitwerk:
  • Arbeiterwohnhäuser: um 1920 errichtete Arbeiterwohnhäuser, wie z.B. Millstätter Straße Nr. 23
  • Sagamundo - Haus des Erzählens: ein Sagen-Museum in Döbriach, in dem Kärntner Sagen visuell und akustisch dargestellt werden

Sport und Freizeit[Bearbeiten]

Der Radentheiner Bevölkerung stehen zur sportlichen Betätigung und zur Freizeitgestaltung zur Verfügung:

  • Sportplatz in Radenthein
  • Schwimmbad (2008/2009 modernisiert)
  • Spielplatz im Stadtpark
  • Sportplatz in Untertweng
  • Fußballplatz in der Erdmannsiedlung
  • Fußballplatz in St. Peter
  • mehrere Strandbäder in Döbriach
  • mehrere Tennisplätze in Döbriach
  • Trachtenkapelle Kaning & Knappenmusikkapelle Radenthein
  • Nockhalle: Die Nockhalle wurde im Dezember 2008 im südlichen Teil von Radenthein fertiggestellt. Sie dient als Mehrzweckhalle für sportliche und kulturelle Veranstaltungen.
  • Breitwand-Klettergarten in Döbriach für Sportklettern und Mehrseillängenkletterei mit dem sehr anspruchsvollen Klettersteig „Luft unter den Sohlen“.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch Radenthein führt die Millstätter Straße (B 98). Von ihr zweigt die Kleinkirchheimer Straße (B 88) ab, die über Bad Kleinkirchheim nach Reichenau führt.

Der öffentliche Verkehr wird von der ÖBB-Postbus GmbH durchgeführt. An Werktagen verkehren in regelmäßigen Abständen Linienbusse zu den Bahnhöfen in Spittal an der Drau und Villach. Während der Schultage wird auch die Nebenlinie nach Kaning mit jeweils fünf Kurspaaren bedient. In der Nacht von Samstag auf Sonntag besteht auch die Möglichkeit, mit dem Nachtbus bis zwei Uhr morgens nach Spittal oder Villach und zurück zu fahren.

Im Winter verkehrt auch ein kostenloser Skibus von Döbriach nach Bad Kleinkirchheim, welcher auch in Radenthein hält.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Radenthein ist vor allem durch sein seit 1908 bestehendes Grubenbergwerk bekannt. Der heute noch verwendete Produktname RADEX setzt sich aus RADenthein und EXport zusammen. Bis 1965 betrieb die Österreichisch-Amerikanische Magnesit AG (heute RHI AG) den Abbau des Gesteins im Tagebau, im so genannten „Bruch“. Heute wird das Gestein ausschließlich untertage in Stollen gewonnen. Aus Magnesit werden Feuerfestmaterialien hergestellt, die vor allem in der Stahl- und Eisenindustrie, aber auch in der Zement- oder Glasindustrie unabdingbar sind.

Weiters sind in der Magnesitstadt die RCE Industrieofenbau Engineering GmbH (eine Tochterfirma der MAERZ Ofenbau AG), die 1976 von der Radex Austria AG gegründet wurde, um intern entwickeltes Feuerfest-Knowhow zu vermarkten, und die STRABAG AG beheimatet.

Daneben spielt der Fremdenverkehr eine wichtige Rolle, insbesondere in der am Millstätter See gelegenen Ortschaft Döbriach.

Bildung[Bearbeiten]

  • Volksschulen Radenthein
  • Volksschule Döbriach
  • Neue Mittelschule mit den Schwerpunkten Italienisch und Sport

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat, Gemeinderat und Bürgermeister[Bearbeiten]

  • Der Stadtrat (Stadtregierung) hat sieben Mitglieder.
  • Der Gemeinderat von Radenthein hat 27 Mitglieder und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2009 wie folgt zusammen: 12 SPÖ, 9 FPK, 6 ÖVP
  • Direkt gewählter Bürgermeister ist Martin Hipp (SPÖ).

Wappen[Bearbeiten]

Wappen at radenthein.png

Vor der Verleihung eines Wappens führte Radenthein ein Bergmannszeichen im Siegel. Das am 7. März 1951 verliehene Wappen war das erste Kärntner Gemeindewappen in der Zweiten Republik und sollte sowohl die Tradition des Bergbaus als auch die Verbundenheit der Bevölkerung mit dem Land Kärnten versinnbildlichen. Ersteres wird mit dem geschliffenen Kristall in der oberen Hälfte des Wappens zum Ausdruck gebracht; er verweist auf die Millstätter Alpe bzw. den Lucknergraben als Fundstätte von Granatmineralen. Der schwarze Löwe in der unteren Hälfte des Wappens ist dem Kärntner Landeswappen entnommen. Die Tinkturen des Wappens (Gelb-Rot-Weiß bzw. Gold-Rot-Silber) entsprechen zudem den Landesfarben, womit die Tradition der vier Gemeindewappen der Ersten Republik fortgeführt wurde.

Die amtliche Blasonierung des Wappens lautet: „Ein erhöht von Rot über Gold geteilter, mit einer schmalen schwarzen Einfassung versehener Schild. Das obere Feld ist in seiner Herzstelle von einem silbernen Kreis durchbrochen, von dem 12 in Form eines Ständers angeordnete, sich verbreiternde, gleichfalls silberne Strahlen ausgehen; der Kreis ist mit einem geschliffenen, gelblich-braunen Edelstein belegt. Im unteren Felde erscheint abgeledigt ein schreitender, schwarzer, rot bezungter und bewehrter Löwe mit erhobener rechter Vorderpranke.“[3]

Die Fahne ist Rot-Gelb mit eingearbeitetem Wappen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter:


Ehrenbürger: Von der Stadtgemeinde Radenthein wurden folgende Personen für ihre Verdienste geehrt:

  • 1933 Werksdirektor Emil Winter
  • 1935 Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, 1938 wieder aberkannt
  • 1956 Dir. Hannes Riegger
  • 1958 Lionel Greene
  • 1958 Generaldirektor Eduard Bargezi
  • 1982 Altbürgermeister Rudolf Filipot
  • 1991 Wolfgang Wick
  • 2012 OMR. Ernst Werner

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  2. Mühlen- und Kneippwanderweg Kaning
  3. zitiert nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1, S. 222

Weblinks[Bearbeiten]