Reinhard Günzel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Reinhard Günzel (* 5. Juni 1944 in Den Haag, Niederlande) ist Brigadegeneral a. D. der Bundeswehr. Bis zum 4. November 2003 war er Kommandeur der Spezialeinheit KSK.

Leben[Bearbeiten]

Militärische Laufbahn[Bearbeiten]

Nach dem Abitur an einem humanistischen Gymnasium in Gütersloh trat er 1963 beim Fallschirmjägerbataillon 261 in Lebach/Saar in die Bundeswehr ein. Nach seiner Zugführerzeit wurde er zunächst als Fernmelde- und Technischer Offizier verwendet. Von 1973 bis 1982 war er Kompaniechef an den Standorten Wildeshausen, Calw und Bruchsal, nebenher studierte er Geschichte und Philosophie an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Ab 1982 war er stellvertretender Bataillonskommandeur des Fallschirmjägerbataillons 273 in Iserlohn, bis er 1984 für zwei Jahre als Lehrstabsoffizier für Taktik und Hörsaalleiter an die Heeresoffizierschule (HOS) nach Hannover wechselte. Von 1986 bis 1989 war er Kommandeur des Fallschirmjägerbataillons 262 in Merzig, von 1989 bis 1992 Abteilungsleiter G AMF(L) im Stab der 1. Luftlandedivision in Bruchsal. 1992 übernahm er als Kommandeur das Jägerregiments 54 in Trier.

1993 wechselte er als stellvertretender Brigadekommandeur und Kommandeur Brigadeeinheiten zur Luftlandebrigade 26 in Saarlouis. Ab 1995 war er im Rang eines Oberst Brigadekommandeur der Panzergrenadierbrigade 37 in Frankenberg. Zur Panzergrenadierbrigade 37 gehörte auch das Gebirgsjägerbataillon 571 in Schneeberg. Nachdem rechtsradikale Tendenzen in diesem Verband bekannt wurden, wurde Günzel 1997 durch den damaligen Bundesverteidigungsminister Volker Rühe (CDU) abgemahnt und versetzt.[1]

1998 nahm er an einem Lehrgang am NATO Defense College in Rom teil und wechselte als stellvertretender Divisionskommandeur und Kommandeur der Wehrbereichs- und Divisionstruppen des Wehrbereichskommandos II/1. Panzerdivision nach Hannover.

Am 24. November 2000 wurde er zum Kommandeur des Kommando Spezialkräfte in Calw (KSK) ernannt.

Vorzeitiger Ruhestand[Bearbeiten]

Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) versetzte den Brigadegeneral 2003 in den vorzeitigen Ruhestand. Günzel hatte 2003 in einem auf Bundeswehr-Briefpapier erstellten Schreiben eine anlässlich des Tags der Deutschen Einheit gehaltene Rede des Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann (CDU) gelobt. Diese Rede war vom Zentralrat der Juden in Deutschland und weiten Teilen der politischen Öffentlichkeit sowie der Medien als antisemitisch kritisiert worden.

Günzel selbst kritisierte die Art und Weise seiner Entlassung, da er sich jenseits aller Politik durch Aufbau und Leitung des KSK und seine vorherigen Verwendungen als Soldat sehr verdient gemacht habe. In seinem Peter Struck gewidmeten Buch „Und plötzlich ist alles politisch“[2] beschreibt er unter anderem, wie ihm die Übergabe der Dienstgeschäfte ebenso verboten wurde wie die offizielle Kommandoübergabe oder die übliche Verabschiedung aus der Kommandeurrunde. Auch die vom Bundespräsidenten unterzeichnete Entlassungsurkunde habe nicht die übliche Dankesformel „Für die dem deutschen Volk geleisteten treuen Dienste spreche ich ihm Dank und Anerkennung aus“ enthalten, obwohl diese Formel bisher nur demjenigen verweigert worden sei, „der nach schweren kriminellen Verfehlungen im Zuge eines disziplinargerichtlichen Verfahrens aus der Armee entlassen wurde“.[2]

Vortragsreisen und Publizistik[Bearbeiten]

Nach seiner Entlassung aus der Bundeswehr begann Günzel eine Vortragsreise. Die Vorträge konnten aufgrund heftiger Proteste teilweise nur unter Polizeischutz durchgeführt werden, so auch am 9. Dezember 2004 vor der Dresdner Burschenschaft Cheruscia. Das Thema lautete: Das Ethos des Offizierskorps am Beispiel der Affäre Hohmann/Günzel.

Im September 2001 stand Günzel im Rampenlicht, als er in einem Spiegel-Online-Interview spekulierte, dass es bei der Festnahme des Terroristen Osama bin Laden ein Blutbad geben werde.[3] Weiter meinte er, dass die Risikobereitschaft der Politiker (nach den Ereignissen des 11. September 2001) zunehmen werde, „wenn es künftig darum geht, das Leben von Tausenden zu retten, wird wohl eher der Tod von speziell zur Terrorismusbekämpfung ausgebildeten Soldaten in Kauf genommen.“[2] Ferner nahm er teil an einer Jahrestagung der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger (OdR) und referierte beim rechtsextremen und NPD-nahen Freundeskreis Ein Herz für Deutschland e. V.[4]

Auch vor dem Institut für Staatspolitik (IfS) hielt er den Vortrag über „das Ethos des Offiziers“, wo er Argumente gegen eine vermeintliche „Political Correctness“ formulierte. Günzel meinte damit die „vielen Tabus, die uns verbieten, historische Wahrheiten auszusprechen“, und den „Zwang, «der Singularität des Holocaust» unsere Reverenz zu erweisen“, sowie die „Verpflichtung, die im Nürnberger Prozess von den Siegermächten getroffenen Feststellungen auf alle Zeiten anzuerkennen“.[5] Dahinter sieht er „Denkverbote“, die das „geistige Todesurteil für jede freie Gesellschaft“ seien. In seinem Vortrag beschwert er sich außerdem, dass „all das, was deutsche Soldaten zwischen 1939 und 1945 an Mut, Tapferkeit und Opferbereitschaft vollbracht haben, mit Hingabe in den Schmutz gezogen wird“.[5]

Er beklagte sich dagegen über fehlenden Korpsgeist in der Bundeswehr sowie in den „Kaderschmieden für den Führungsnachwuchs“ und stellte diesen Mangel im Gegensatz zum Zentralrat der Juden: Dieser habe einem „richtigen Verbrecher“ – gemeint ist der Journalist Michel Friedman (bezogen auf dessen Affäre um Prostitution und Kokain) – verziehen. Auch beklagte er sich über mangelnden Trost seitens seiner Kameraden und Vorgesetzten: Wenn er „eine alte Frau im Vollrausch überfahren hätte, so wäre mir sicherlich kameradschaftliche Zuwendung zuteil geworden“.[6]

Zusammen mit der Jungen Freiheit vertreibt das Institut für Staatspolitik eine Filmdokumentation des Günzel-Vortrags. Auf dem Video sind neben Günzel noch Karlheinz Weißmann vom Institut für Staatspolitik, Dieter Stein als Chefredakteur der Wochenzeitung Junge Freiheit und Fritz Schenk, Ex-Redakteur des ZDF-Magazins, zu sehen.

Ein Gespräch Günzels mit dem Geschäftsführer des Instituts für Staatspolitik, Götz Kubitschek, ist 2004 als Buch erschienen.

In dem Buch Geheime Krieger, das er 2005 gemeinsam mit dem GSG-9-Gründer Ulrich Wegener und dem ehemaligen Wehrmachtsoffizier Wilhelm Walther in dem zum Imperium des rechtsextremen Verlegers Dietmar Munier gehörenden Pour le Mérite Verlag veröffentlichte, stellte Günzel das Kommando Spezialkräfte (KSK) und seine Soldaten in die Tradition der Wehrmachts-Spezialdivision „Brandenburg“.[7] Günzel soll bereits 1995 bei einer Gefechtsübung von seiner Truppe „Disziplin wie bei den Spartanern, den Römern oder bei der Waffen-SS“ gefordert haben.[8]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Götz Kubitschek, Reinhard Günzel: Und plötzlich ist alles politisch. Im Gespräch mit Brigadegeneral Reinhard Günzel. 2., durchgesehene Auflage. Edition Antaios, Schnellroda 2004, ISBN 3-935063-60-1.
  • Reinhard Günzel, Ulrich K. Wegener, Wilhelm Walther: Geheime Krieger. Drei deutsche Kommandoverbände im Bild. Pour le Mérite, Selent 2005, ISBN 3-932381-29-7.[9]
  • Reinhard Günzel: Vorwort. In: H. Hoffmann: Die Flinte. Waffe, Werkzeug, Sportgerät. DWJ, Blaufelden 2005, ISBN 3-936632-51-0.
  • Dokumentation: Der Fall Hohmann-Günzel. VHS-Video oder DVD. Berlin 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reinhard Günzel - kritikfreudiger General, Süddeutsche Zeitung vom 4. November 2003, S. 4 online einzusehen
  2. a b c Reinhard Günzel: Und plötzlich ist alles politisch. Im Gespräch mit Brigadegeneral Reinhard Günzel. 4. Auflage. Edition Antaios, Schnellroda 2006.
  3. Bundeswehr-Kommando Spezialkräfte: "Es würde ein Blutbad geben"
  4. Anton Maegerle: Vom Obersalzberg bis zum NSU: Die extreme Rechte und die politische Kultur der Bundesrepublik 1988-2013. Edition Critic, Berlin 2013, S. 292 f.
  5. a b Reinhard Günzel: Die Abrechnung eines Generals. In: Junge Freiheit. Nr. 23, 28. Mai 2004, S. 10f
  6. Vortrag von Brigadegeneral Reinhard Günzel, gehalten am 22. Mai 2004 im Rahmen des 7. Berliner Kollegs des Institut für Staatspolitik
  7. Bundeswehr-Elitetruppen: Ex-KSK-Chef lobt NS-Spezialeinheit als Vorbild - Politik - Spiegel Online - Nachrichten
  8. Barbara Bollwahn: Ein General wechselt die Front. In: Die Tageszeitung. 24. Mai 2004, S. 4 Online einsehbar
  9. Verbrecher als Vorbilder? Rezension in Der Spiegel 9/2007