Richard Attenborough

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Richard Attenborough auf dem Toronto International Film Festival (2007)
Richard Attenborough (1983)

Lord Richard Samuel Attenborough, Baron Attenborough CBE (* 29. August 1923 in Cambridge, England; † 24. August 2014 in London) war ein britischer Schauspieler, Regisseur sowie mehrfacher Oscar- und Golden-Globe-Preisträger.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Attenborough wuchs als Sohn einer sozial sehr engagierten Mutter auf; sein Vater leitete später die University of Leicester.[1] Im Alter von 17 Jahren ging Richard nach London und besuchte dort die Royal Academy of Dramatic Art. Sein Debüt gab er 1942 am West End Theatre. Im selben Jahr wirkte er außerdem in einer kleineren Rolle in dem Film In Which We Serve mit.

Nach drei Jahren als Pilot bei der Royal Air Force[2] wandte sich Attenborough nach dem Zweiten Weltkrieg wieder der Schauspielerei zu. 1959 gründete er mit Bryan Forbes die Produktionsfirma Beaver Films. Insgesamt drehte er in den 1940er und 1950er Jahren rund dreißig Filme. Der große Durchbruch gelang ihm als Schauspieler jedoch erst 1963 mit dem Klassiker Gesprengte Ketten, in dem er neben Steve McQueen, Charles Bronson, James Coburn und James Garner zu sehen war.

Ab Ende der 1960er Jahre war Attenborough verstärkt auch als Regisseur und Produzent tätig. Seinen größten Erfolg hinter der Kamera hatte er 1982 mit Gandhi, der acht Academy Awards (u. a. Beste Regie und Bester Film) sowie zahlreiche andere Preise erhielt. Attenborough hatte zwanzig Jahre um die Finanzierung gekämpft.[3] Auch seine nachfolgenden Regie-Projekte A Chorus Line, Schrei nach Freiheit, Chaplin und Shadowlands erhielten je eine Oscar-Nominierung für die Beste Regie. 1993 war Attenborough erstmals seit 1979 wieder als Schauspieler tätig. Steven Spielberg besetzte ihn in Jurassic Park und erfüllte sich damit „einen lebenslangen Traum“.

Attenborough war zudem in zahlreichen Ämtern tätig und saß unter anderem in den Vorständen des Fernsehsenders Channel 4, der Royal Academy of Dramatic Art, deren Präsident er von 2004 bis zu seinem Tod war, des British Film Institute und der British Academy of Screen and Television Arts. Seit 1997 war er Präsident der National Film and Television School und Dozent der Universität von Oxford. Seine zahlreichen Vorstandsposten brachten ihm den Spitznamen „Chairman of London“ ein.

Nach einem Sturz Ende 2008 in seinem Haus in London verschlechterte sich Attenboroughs gesundheitliche Verfassung zunehmend.[4] Er starb im August 2014, wenige Tage vor seinem 91. Geburtstag, in London.[5]

Synchronisation[Bearbeiten]

Zahlreiche berühmte Sprecher liehen Attenborough ihre Stimme. Friedrich W. Bauschulte tat dies in den neueren Filmen, so u. a. in den beiden Teilen von Jurassic Park. Weitere namhafte Sprecher des Briten waren Michael Chevalier, Paul Klinger und Joachim Nottke.

Privates[Bearbeiten]

Der Fernsehproduzent Sir David Attenborough ist sein jüngerer Bruder.

Richard Attenborough war seit 1945 mit der Schauspielerin Sheila Sim (* 1922) verheiratet, mit der er Vater dreier Kinder wurde. Mit seiner Frau spielte er als Sergeant Trotter in den ersten Londoner Aufführungen von Agatha Christies Die Mausefalle. Seine Enkeltochter Lucy Elizabeth (* 1989) kam bei der Flutkatastrophe in Südasien 2004 ums Leben, und seine Tochter Jane Mary (* 1955) sowie deren Schwiegermutter Jane Holland gelten seitdem als vermisst.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Seine Beliebtheit und sein hohes Ansehen in der Öffentlichkeit nutzte Attenborough, um sich für die Schwachen und Benachteiligten in der Welt stark zu machen. Für sein Engagement erhielt er 1983 den Martin-Luther-King-Friedenspreis. Im Laufe der Zeit wurden ihm zahlreiche weitere Ehrentitel zugesprochen. So war er unter anderem UNICEF-Botschafter, Ehrenbürger der Stadt Leicester, Ehrendoktor und Kanzler der Universität von Sussex, Kommandeur des Ordre des Arts et des Lettres, Ritter der Ehrenlegion und Träger des Padma-Bhushan-Ordens.

1967 wurde er Commander of the Order of the British Empire (CBE), 1976 schlug ihn Königin Elisabeth II. zum Knight Bachelor, womit die Anrede Sir einherging. Am 30. Juli 1993 erfolgte aus Anlass seines 70. Geburtstages seine Erhebung zum Life Peer mit dem Titel Baron Attenborough, of Richmond upon Thames im London Borough of Richmond upon Thames, wodurch sich seine Anrede in Lord änderte. Er hatte einen Sitz als Labour-Mitglied im House of Lords.

Richard Attenborough bekam 1998 den Praemium Imperiale verliehen.

Filmpreise und Würdigungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Als Schauspieler[Bearbeiten]

Als Regisseur[Bearbeiten]

Als Produzent[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ronald Bergan: Richard Attenborough obituary. theguardian.com, 25. August 2014, abgerufen am 25. August 2014
  2. Verena Lueken: Ein Großonkel für alle. faz.net, 25. August 2014, abgerufen am 25. August 2014
  3. Benedict Noghtingale: Richard Attenborough, Actor, Director and Giant of British Film, Dies at 90. nytimes.com, 24. August 2014, abgerufen am 24. August 2014
  4. tz.de: Sir Richard Attenborough stirbt mit 90 Jahren, abgerufen am 26. August 2014
  5. "Gandhi"-Regisseur: Richard Attenborough ist tot spiegel.de, abgerufen am 25. August 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Richard Attenborough – Sammlung von Bildern