Slowinzen

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Freilichtmuseum Slowinzisches Dorf in Kluki

Die Slowinzen oder Slovinzen (kaschubisch: Słowińcë, polnisch: Słowińcy) waren ein westslawisches Volk, das im Slowinzischen Küstenland in Hinterpommern lebte. Ihr Siedlungsgebiet befand sich etwa zwischen den Städten Stolp (Słupsk) und Łeba, heute zur polnischen Woiwodschaft Pommern gehörig.

Sie selbst bezeichneten sich einfach als Kaschuben. Die Namen Slowinzen und Lebakaschuben sind Xenonyme, die zwar nicht deutscher Herkunft sind, aber von Deutschen eingeführt sind:[1] Karl Gottlob von Anton[2], Probst A.T. Kummer aus Groß Garde (1835)[3] und Probst Gottlieb Leberecht Lorek[4]. Alexander Fjodorowitsch Hilferding hat den Namen Slowinzen bunutzt, um die kleinere Teil von Die Überreste der Slaven auf der Südseite des baltischen Meeres zu beschreiben[5]. Deswegen hielten viele deutsche Wissenschaftler den Begriff Slowinzen für panslawistischen Schwindel[6][7] mit Ausnahme von Friedrich Lorentz. Die polnischen Wissenschaftler haben diese Einstellung erst ab 1990 unterstützt[8]. Heutzutage halten nur einzelne polnische Wissenschaftler den Namen Slowinzen für älter als aus dem 18. Jahrhundert[9].

Die Slowinzen unterschieden sich von den in Pommerellen lebenden katholischen Kaschuben dadurch, dass sie protestantisch waren. Anders als die katholischen Kaschuben nahmen viele Slowinzen bereits ab Mitte des 17. bis in das 18. Jahrhundert die deutsche Sprache an, als der Gebrauch der kaschubischen Sprache durch Assimilation zurückgedrängt wurde. Während der Volkszählung von 1858 wurden im östlichen Hinterpommern weniger als 450 Personen ermittelt, die sich selbst noch als Kaschuben bezeichneten, während 4880 Personen die kaschubische Sprache beherrschten.[10] Da die Kaschuben in zunehmendem Maße die deutsche Sprache angenommen hatten, war es nicht mehr zwingend notwendig, zum Beispiel Konfirmandenunterricht und Gottesdienst in kaschubischer Sprache abzuhalten. Die Abschaffung wurde jedoch gelegentlich - insbesondere bei älteren Menschen - auch als Härte empfunden.[11] Von der slawischen Herkunft der Slowinzen zeugten außer zahlreichen Flurnamen auch ein paar Wörter im dortigen pommerschen Alltagsdeutsch.

Als 1945/46 die Pommern, soweit sie nicht schon vor der Roten Armee geflohen waren, aufgrund der Bierut-Dekrete vertrieben wurden, waren die Dorfbewohner, deren Muttersprache die slowinzische Sprache war, grundsätzlich davon ausgenommen. Teilweise durften auch Personen bleiben, die selber kein Slowinzisch beherrschten, aber ihre slowinzische Herkunft nachweisen konnten. So wohnten in den 1950er Jahren noch zahlreiche, in den 1980er Jahren noch ein paar der Vorkriegsbewohner in der Gegend. Die älteren wohnten bis zum Lebensende in ihren Häusern, viele der jüngeren sind irgendwann ausgewandert.

Nach dem Volk der Slowinzen ist der Slowinzische Nationalpark (Słowiński Park Narodowy) benannt. Bestandteil des Nationalparks ist das Freilichtmuseum Slowinzisches Dorf in Kluki (Klucken), in dem das Leben der Slowinzen dokumentiert ist. Eines der herausragenden Merkmale der Slowinzenhäuser ist übrigens das sichtbare Fachwerk, deutscher Bautradition näher als polnischer. Die slowinzische Sprache ist heute verschwunden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Slovinses – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Slowinze – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J. Koblischke, Der Name "Slovinzen", "Mitteilungen des Vereins für kaschubische Volkskunde" 1908; O. Knoop, Etwas von den Kaschuben, "Unsere Heimat" 1925; Z. Szultka, Studia nad rodowodem i językiem Kaszubów, 1992; M. Filip, Od Kaszubów do Niemców. Tożsamość Slowińców z perspektywy antropologii historii, 2012
  2. K. G. von Anton, Erste Linien eines Versuches über der alten Slawen Ursprung, Sitten, Gebräuche, Meinungen und Kenntnisse, 1783, s. 22
  3. s. Z. Szultka, Studia nad rodowodem i językiem Kaszubów, 1992
  4. G. L. Lorek, Zur Charakteristik der Kassuben am Leba-Strome, Treptow 1820/1821
  5. A. F. Hilferding, Die Überreste der Slaven auf der Südseite des baltischen Meeres. In: Zeitschrift für slavische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Band I, Heft 1, Bautzen 1862 ,S. 81-97 (Volltext), Band I, Heft 4, Bautzen 1864, S. 230-230 (Volltext) und Band II, Heft 2, Bautzen 1864, S. 81-111 (Volltext.)
  6. J. Koblischke, Der Name "Slovinzen", "Mitteilungen des Vereins für kaschubische Volkskunde" 1908
  7. O. Knoop, Etwas von den Kaschuben, "Unsere Heimat" 1925
  8. F. Kluge, Ein vielfach verändertes Kaschubenbild. Neuere polnische Forschungen zur Kaschubei und ihren Bewohnern, Zeitschrift für Ostforschung 43 (1994), S. 71-81, s. a. M. Filip, Od Kaszubów do Niemców. Tożsamość Słowińców z perspektywy antropologii historii, 2012
  9. J. Treder, Komu może przeszkadzać etnonim Słowińcy?, in: A. Czarnik (Hrsg.), Obrazy Ziemi Słupskiej, 2003
  10. Friedrich Wilhelm Hermann Wagener: Staats- und Gesellschafts-Lexikon. 1. Band, Berlin 1862, S. 170.
  11. B. A. Hilferding: Die Überreste der Slawen auf der Südküste des baltischen Meeres. In: Zeitschrift für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft, 1. Band, 2. Heft, Bautzen 1862, S. 81-97.