Spandauer Straße

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Spandauer Straße
Wappen
Straße in Berlin
Spandauer Straße
Blick durch die Spandauer Straße zum Roten Rathaus, rechts die Heilig-Geist-Kapelle
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte
Angelegt im 13. und 14. Jahrhundert
Neugestaltet mehrfach, zuletzt im 21. Jh. (im Nordwestbereich)
Hist. Namen siehe: Ursprung der Straße
Anschlussstraßen Stralauer Straße (Südost)
Querstraßen (von Nord nach Süd):
Anna-Louisa-Karsch-Straße,
St.-Wolfgang-Straße,
Karl-Liebknecht-Straße,
Rathausstraße,
Gustav-Böß-Staße,
Mühlendamm/Grunerstraße
Plätze Heilig-Geist-Kirchplatz, Molkenmarkt
Bauwerke Entlang der Straße
Nutzung
Nutzergruppen Straßenverkehr
Technische Daten
Straßenlänge 700 Meter

Die Spandauer Straße ist eine Straße im Berliner Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirks und gehört zu den ältesten Verkehrswegen der Hauptstadt. Ihr Name geht auf den heutigen Bezirk Spandau im Westen der Stadt zurück, nach dem auch die Spandauer Vorstadt und das ehemalige Spandauer Tor benannt sind, beide in nächster Umgebung der Straße. Entlang der Spandauer Straße befinden sich einige historische und moderne Bauten und Denkmäler.

Lage[Bearbeiten]

Übersichtskarte der Spandauer Straße

Die etwa 700 Meter lange Straße durchquert die Berliner Altstadt in Nordwest-Südost-Richtung. Sie ist in gesamter Länge vierstreifig und lässt sich anhand der Bebauung in drei etwa gleich lange Abschnitte unterteilen.

Der Westteil der Straße führt zunächst vom Garnisonkirchplatz zur Karl-Liebknecht-Straße und wird hier von mehreren Straßenbahnlinien in mittiger Trassenlage befahren. Diese entstand beim Wiederanschluss des Alexanderplatzes an das Berliner Straßenbahnnetz. Während die Nordseite wie die benachbarte Karl-Liebknecht-Straße mehrgeschossige Wohn- und Ladenzeilen prägen, befinden sich auf der Südseite Gebäude in berlintypischer Blockbebauung.

Die Karl-Liebknecht-Straße ist ein Teilbereich der Bundesstraßen 2 und 5, sodass die Spandauer Straße hier diesen wichtigen Verkehrsweg kreuzt. Die Straßenbahn zweigt nach links auf die Karl-Liebknecht-Straße ab und führt weiter zum Alexanderplatz.

Der sich anschließende mittlere Abschnitt bis zur Rathausstraße durchschneidet die begrünte Freifläche zwischen Alexanderplatz und der Spree und weist keine Randbebauung auf. Die Freifläche in Richtung Alexanderplatz entstand in den 1950er Jahren nach Räumung der Kriegsruinen und wurde in den 1960er Jahren grundlegend umgestaltet. Das zwischen der Spandauer Straße und der Spree befindliche Marx-Engels-Forum erhielt in den 1980er Jahren seine heutige Form.

Der letzte Abschnitt zwischen der Rathausstraße und dem Molkenmarkt wird vom Roten Rathaus auf der Nordseite sowie vom Nikolaiviertel auf der Südseite begrenzt. Der ursprüngliche Straßenverlauf reichte bis in die 1960er Jahre zum Molkenmarkt. Mit dessen Umbau wurde der einstige längliche Platz in eine Kreuzung umgewandelt. Hauptanliegen dieses Umbaus war, die Fernstraße 1 – die heutige Bundesstraße 1, deren alter Verlauf ab Alexanderplatz über die Rathaus- und Spandauer Straße zum Mühlendamm führte – umzulegen, um den Individualverkehr nicht mehr direkt über den Alexanderplatz zu leiten, sondern an dem Platz vorbeizuführen. Der Mühlendamm bildet seitdem eine Achse mit der nördlich angrenzenden Grunerstraße, die Spandauer Straße geht dagegen in die Stralauer Straße über.

Geschichte[Bearbeiten]

Spandauer Straße, nach einer Aquarell-Skizze von 1690
Blick durch die Spandauer Straße auf das Heilig-Geist-Spital, den Pulverturm und das dahinter liegende Spandauer Tor um 1700.
Leopold Ludwig Müller, um 1800

Ursprung der Straße[Bearbeiten]

Die Entstehungszeit der Spandauer Straße ist etwa deckungsgleich mit der Gründung Berlins im frühen 13. Jahrhundert. Sie gehörte zu den vornehmsten Straßen Berlins mit einigen der wichtigsten Institutionen wie dem Berliner Rathaus oder dem Heilig-Geist-Spital.

In mittelalterlichen Städten waren üblicherweise die Ausfallstraße und ihr Stadttor namensgleich; für Berlin waren dies unter anderem die Stralauer Straße mit dem Stralauer Tor und die Georgenstraße (heute: Rathausstraße) mit dem Georgentor. Die Spandauer Straße war zwar ein durchgehender Straßenzug, jedoch besaß jeder Abschnitt einen anderen Namen, in Höhe des Berliner Rathauses sogar jede Straßenseite. Erst mit dem Ausbau Berlins zur Festung wurden die einzelnen Straßen als Spandauer Straße zusammengefasst. Da das Tor nach Nordosten verschoben werden musste, endete die Straße am Festungsgraben. Über eine neu angelegte Verbindungsstraße wurden beide miteinander verknüpft. An der Kreuzung dieser neuen Verbindungsstraße wurde der Garnisonkirchplatz zusammen mit der gleichnamigen Kirche angelegt. Im Einzelnen bildeten die folgenden Straßen den Ursprung der heutigen Spandauer Straße:

  • Am Spandauer Thore (zwischen Spandauer Tor und Neuem Markt)
  • Am Kohlenmarkte (zwischen Neuem Markt und Rathaus)
  • Neben dem Rathaus (auf Höhe des Rathauses, Straßenseite vom Rathaus)
  • Gegen dem Rathaus (auf Höhe des Rathauses, gegenüberliegende Straßenseite vom Rathaus)
  • Middelstraße (zwischen Rathaus und Molkenmarkt)

In der darauffolgenden Zeit verlor die Straße ihre ursprüngliche Bedeutung (Weg nach Spandau) und entwickelte sich zu einer Spange zwischen dem Molkenmarkt, der Georgenstraße (ab 1701: Königsstraße) und später dem Ausläufer des Boulevards Unter den Linden.

Ursprüngliche Straßenführung und Nummerierung[Bearbeiten]

Mitte des 19. Jahrhunderts sind dem Berliner Adressbuch folgende Details der Straßenführung zu entnehmen: die Spandauerstrasse begann auf der Südseite mit der Parzelle Nummer 1 an der Spandauer Brücke, auf die offenbar auch die Neue Friedrichstraße zuführte. Danach querte sie die Heilige Geistgasse, die Brauhausgasse (zwischen Nummer 13 und 14), die Kleine Poststrasse, gefolgt vom Postgebäude (Nummer 19–22), querte die Königstrasse, die Probststrasse und erreichte bei der Nummer 44 den Molkenmarkt. Die Nummerierung war in Hufeisenform festgelegt worden. So folgten auf der Nordseite zurück die Reetzengasse, die Nagelgasse, die Königstrasse, die Bischofsgasse, die Papenstrasse und die Heidereutergasse bis zur Neuen Friedrichstrasse mit der Parzelle Nummer 81.[1]

Im 20. Jahrhundert, nach Beseitigung der im Krieg zerstörten Stadtstruktur und dem Neubau großer Bauten, wurde die Hausnummernzählung geändert. Gemäß dem Amt für Statisk Berlin-Brandenburg folgt sie nunmehr dem System der Orientierungsnummerierung. Sie zählt vom Hackeschen Markt ab der Nummer 1 bis Nummer 29 am Molkenmarkt (ungerade). In gleicher Richtung verlaufen dann die Nummern 2–24 (gerade).[2]

Zerstörung und Wiederaufbau zur Verkehrsspange[Bearbeiten]

Blick vom Molkenmarkt in die Spandauer Straße, 1902

Im ausgehenden 19. Jahrhundert entwickelte sich die Straße zu einem Nadelöhr für den aufkommenden öffentlichen Personenverkehr, allen voran die Straßenbahn. Seit 1883 existierte eine Pferdebahnstrecke auf der gesamten Länge der Straße. Dabei wurde der Ostteil zwischen Königsstraße (ab 1951: Rathausstraße) und Molkenmarkt wesentlich stärker befahren, da dieser die damals kürzeste Verbindung zwischen dem Zentrum um den Alexanderplatz und dem „Neuen Westen“ am Zoologischen Garten darstellte. 1913 verkehrten auf dem Ostabschnitt pro Stunde und Richtung 206 Wagen, auf dem Westabschnitt dagegen lediglich 58.[3]

Die dichte Bebauung inmitten von Altberlin blieb über Jahre erhalten, die Bauten wurden dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. Erst mit dem Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen änderte sich die Bebauung drastisch. Mit Ausnahme der Heilig-Geist-Kapelle und dem Roten Rathaus wurden fast alle Gebäude der Straße zerstört. Während an diesen beiden Bauten sowie später an der Ruine der Nikolaikirche die Schäden beseitigt wurden, sprengte man die übrigen Ruinen. Die so entstandene Freifläche zwischen der Liebknechtstraße (Verlängerung der Straße Unter den Linden, ab 1969: Karl-Liebknecht-Straße) und der Rathausstraße besteht bis heute und ist markant für das Zentrum Ost-Berlins. Die Straßenbahnstrecke aus dem Jahre 1883 wurde ebenfalls nicht wieder in Betrieb genommen.

Mit dem Ausbau zur „Hauptstadt der DDR“ erfolgten in dem Gebiet um den Alexanderplatz bis hin zur Spreeinsel umfangreiche Änderungen, die auch die Spandauer Straße betrafen. Ausgehend von der Littenstraße entstanden an der Ecke Karl-Liebknecht-Straße auf der Südseite das Palasthotel sowie auf der Nordseite eine kombinierte Geschäfts- und Wohnzeile, die sich bis zur Stadtbahn hinzog. An der Ecke Karl-Liebknecht-Straße eröffnete auf der Nordseite die Fischgaststätte Gastmahl des Meeres mit dem 178,55 m² großen Betonglaskunstwerk Menschen und Meer von Hans Vent, Dieter Gantz und Rolf Lindemann. Im weiteren Verlauf folgten das Marx-Engels-Forum auf der Süd- sowie der vom ehemaligen Schloßplatz versetzte Neptunbrunnen auf der Nordseite. Den Abschluss bildeten das Nikolaiviertel, dessen Wiederaufbau zum 750. Stadtjubiläum im Jahr 1987 fertiggestellt wurde, und das Rote Rathaus. Der Molkenmarkt als Endpunkt der Straße wurde ebenfalls umgestaltet, wobei die ursprüngliche Platzform verlorenging. Heute befindet sich dort eine für den Massenverkehr ausgebaute Kreuzung. Die Spandauer Straße wurde auf vier bis sechs Spuren ausgebaut.

Der westliche Abschnitt der Straße zwischen Garnisonkirchplatz und Karl-Liebknecht-Straße wurde 1998 umgebaut, um Platz für eine neue Straßenbahntrasse über den Alexanderplatz – kurz Alex I genannt – zu schaffen. Der weitere Umbau der Straße soll in den kommenden Jahren zusammen mit dem Molkenmarkt erfolgen, der dann seine ursprüngliche Form wieder erhalten soll. Hier soll zudem die Trasse für eine weitere Straßenbahnstrecke freigehalten werden.[4]

In den nachfolgenden Abschnitten genannte Hausnummern beziehen sich auf die aktuell gültige Nummerierung der Gebäude, mit Ausnahme des Blankenfelde-Hauses.

Entlang der Straße[Bearbeiten]

Vom Hackeschen Markt bis zur Karl-Liebknecht-Straße[Bearbeiten]

Heilig-Geist-Spital und Handelshochschule[Bearbeiten]

Handelshochschule mit der integrierten Heilig-Geist-Kapelle (unten links)
Hauptartikel: Handelshochschule Berlin

Das Heilig-Geist-Spital an der Spandauer Straße 1 war eines von insgesamt drei Spitälern in der Doppelstadt Berlin-Cölln. Es entstand wohl bei der ersten Erweiterung Berlins. Die Ersterwähnung erfolgte in einem Gildebrief der Bäcker im Jahr 1272. Neben dem eigentlichen Spital gehörten eine Kapelle, ein Rüsthof („Zeughaus, weil darin allerley Rüstungen, und zum Kriege gehörige Geräthschaften aufbehalten werden“),[5] ein Wursthof und ab dem Jahr 1600 ein Brauhaus zu dem Komplex. Die Säkularisierung führte zur Umnutzung als Armenhaus, 1825 wurde es abgerissen. Ein Neubau eines Spitals an dieser Stelle stand dann nur wenige Jahre. Die Kapelle, bis 1835 unter Leitung von Carl Ferdinand Langhans renoviert, wurde anschließend wiedereröffnet. Ein nördlich anschließendes Gebäude wurde 1905 als Handelshochschule eröffnet. Die Kapelle bildet seitdem quasi den Südflügel des Gebäudes, sie diente nach Eröffnung der Hochschule als Mensa. Diese Funktion wurde nach 1945 beibehalten, als der Komplex an die neu gegründete Humboldt-Universität überging. Die Kapelle wurde ab den 1990er Jahren renoviert, auch das Hochschulgebäude ist erhalten.

Pulverturm[Bearbeiten]

Im Jahr 1720 explodierte der Pulverturm am ehemaligen Spandauer Tor. Er sollte durch einen Neubau außerhalb der Befestigungsanlagen ersetzt und anschließend leer geräumt werden. Bei den Arbeiten entzündete sich das dort gelagerte Schießpulver und verursachte eine gewaltige Explosion, bei der unter anderem der Westturm der Heilig-Geist-Kapelle und die nahe gelegene Garnisonkirche zerstört wurden. Insgesamt verloren dadurch 76 Menschen ihr Leben.

CityQuartier DomAquarée[Bearbeiten]

CityQuartier DomAquarée

Die westliche Ecke an der Kreuzung Karl-Liebknecht-Straße wurde bereits um das Jahr 1140 bebaut. Die ersten Datierungen dieser Zeit dokumentieren die Trockenlegung des Geländes, um Wohnhäuser sowie das benachbarte Spital darauf anlegen zu können. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges befanden sich hier vorwiegend Wohnhäuser. Nach ihrer Zerstörung entstand auf dem Grundstück das Palasthotel. Der Bau, eines der wichtigsten Hotels Ost-Berlins zu Zeiten der DDR, wurde 1979 eröffnet. Ende der 1990er Jahre erfolgte der Abriss und kurze Zeit später begannen die Bauarbeiten für das CityQuartier DomAquarée, das am 11. Mai 2004[6] eingeweiht worden ist.

Das Areal erstreckt sich über vier Blocks der alten Vorkriegsbebauung, wobei die bereits vorher aufgehobenen Heilig-Geist- und Sankt-Wolfgang-Straße ihren alten Verläufen nachempfunden wurden, sodass der Komplex aus insgesamt vier miteinander verbundenen Gebäuden besteht.

Innerhalb des als Wohn- und Bürogebäude konzipierten Quartiers befindet sich neben einem Hotel der AquaDom, mit mehr als 2600 Fischen aus 56 Arten das größte Aquarium Europas, mit dem sich anschließenden Sea Life Berlin.

Im Komplex des DomAquarées verläuft die Spreeuferpromenade, direkt gegenüber dem Berliner Dom, in der seit 2006 das DDR-Museum mit einer Ausstellung zum Leben in der DDR eingerichtet ist.

Zwischen Karl-Liebknecht- und Rathausstraße[Bearbeiten]

Hofpostamt[Bearbeiten]

Hauptartikel: Hofpostamt (Berlin)

Zwischen der Spandauer, Königs-, Heiliggeist- und der Kleinen Poststraße befand sich bis etwa 1945 das ehemalige Hof- und Stadtpostamt. Der rund 12.000 m² große Komplex bestand zunächst aus mehreren einzelnen Gebäuden, die nacheinander von der Post aufgekauft wurden.

Die ursprünglich als Wohnraum konzipierten Gebäude eigneten sich nur bedingt für den Postbetrieb. Daher erfolgten in den Folgejahren mehrmals notdürftige Umbauten an den Gebäuden. Im Jahr 1882 ersetzte die kaiserliche Post die alten Gebäude durch einen Neubau, einige Aufgabenbereiche mussten auf andere Postämter verlegt werden. Starke Schäden am Ende des Zweiten Weltkriegs führten in den 1950er Jahren zu Teilabrissen. In den 1970er Jahren wurden die Reste zugunsten des Marx-Engels-Forums beseitigt.[7]

Marx-Engels-Forum[Bearbeiten]

Denkmal für Karl Marx und Friedrich Engels am gleichnamigen Forum
Hauptartikel: Marx-Engels-Forum

Die nach dem Denkmal benannte große Grünanlage befindet sich auf der Südseite der Spandauer Straße zwischen der Karl-Liebknecht- und Rathausstraße auf einer durch Enttrümmerung entstandenen Freifläche. Diese reichte von der Stadtbahn am Alexanderplatz bis zur Spree. Zu Beginn der 1980er Jahre ließ der Magistrat von Berlin hier ein Forum anlegen, dessen Mittelpunkt ein überlebensgroßes Denkmal der beiden Namensgeber Karl Marx und Friedrich Engels ist. Dahinter befindet sich, direkt an der Spree gelegen, ein Marmorrelief mit dem Namen „Alte Welt“. Es zeigt Arbeiter der frühkapitalistischen Welt des 19. Jahrhunderts.

Seit der Deutschen Wiedervereinigung 1990 ist die Zukunft des Forums Gegenstand städtebaulicher Kontroversen, die von seiner Erhaltung im jetzigen Zustand bis zu einer Umgestaltung oder Neubebauung unter Aufgabe der bestehenden Denkmalanlage reichen.

Neptunbrunnen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Neptunbrunnen (Berlin)

Direkt gegenüber dem Marx-Engels-Forum und etwa auf halber Strecke zwischen Spree und Fernsehturm steht der Neptunbrunnen, benannt nach der Hauptfigur des Springbrunnens, dem römischen Gott des Meeres, Neptun. Mit insgesamt etwa 18 Metern Höhe und einem Durchmesser von 10 Metern gehört er zu den größten Springbrunnen der Hauptstadt. Eingeweiht 1891 auf dem Schloßplatz, wurde er 1951 bei der Umgestaltung zum Marx-Engels-Platz 1951 abgebaut und eingelagert. Nach umfassender Restaurierung erhielt er 1969 seinen heutigen Standort.

Vom Rathaus bis zum Molkenmarkt[Bearbeiten]

Berliner Rathaus[Bearbeiten]

Rotes Rathaus um 1900, mit der Königsstraße links und der Spandauer Straße rechts vom Gebäude
Hauptartikel: Altes Rathaus (Berlin)
Hauptartikel: Rotes Rathaus

Das erste Berliner Rathaus wird nahe dem Molkenmarkt vermutet. Etwa seit dem Jahr 1370 kam das Stadt-Verwaltungsgebäude an die heutige Stelle. Der Bau war zunächst ein einfaches Eckhaus, ähnlich den Bürgerhäusern zu jener Zeit. Die Stadtbrände der Jahre 1380, 1448 und 1581 vernichteten das überwiegend hölzerne Gebäude, das jedoch auf den vorherigen Grundmauern stets neu errichtet wurde. Nur die benachbarte Gerichtslaube, also der Teil, in dem das Gericht tagte, wurde in den Neubau integriert.

Das Aufblühen von Berlin zum Beginn der Industrialisierung machte einen steinernen und repräsentativen Neubau notwendig. Dieser sollte durch seine Größe und Ausstattung den Vorrang der weltlichen gegenüber der geistlichen Macht in der Hauptstadt zum Ausdruck bringen. Der Architekt Friedrich Waesemann entwarf daraufhin den Neubau, der wegen seiner Klinkerfassade seitdem auch als Rotes Rathaus bezeichnet wird. Für den Bau mussten einige der umliegenden Häuser mit abgerissen werden, für das neue Rathaus wurde ein ganzes Karree in Anspruch genommen. Die Bauarbeiten dauerten von 1861 bis 1870. Die Gerichtslaube wurde abgetragen und später im Park Babelsberg neu errichtet. Der Rathausturm überragte mit 87 Metern die benachbarte Nikolaikirche und selbst das Stadtschloss. Der Bau war seit seiner Fertigstellung bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg Sitz des Magistrats und des Berliner Oberbürgermeisters. Nach dem etwas vereinfachten Wiederaufbau in den 1950er Jahren befand sich zunächst der Magistrat mit dem Oberbürgermeister von Ost-Berlin in dem Gebäudekomplex. Seit 1990 ist das Rote Rathaus Sitz des Senats und des Regierenden Bürgermeisters.

Blankenfelde-Haus[Bearbeiten]

Das Blankenfelde-Haus, 1871

Das Blankenfelde-Haus befand sich an der Spandauer Straße 49, also auf der nördlichen Seite zwischen Rathaus und Molkenmarkt. Es war bis zu seinem Abriss 1889 das älteste Bürgerhaus der Stadt und bis 1620 der Berliner Sitz der Adelsfamilie Blankenfelde. Nach ihr wiederum sind die Dörfer Blankenfelde auf dem Barnim und Blankenfelde auf dem Teltow benannt. Die erste Erwähnung der Familie stammt aus dem Jahr 1280, als Johannes von Blankenfelde zum Berliner Bürgermeister ernannt wurde.

Das erste Blankenfelde-Haus wird ebenfalls um diese Zeit datiert. Es bestand vermutlich aus Holz und wurde beim Stadtbrand 1380 vernichtet. Lediglich eine Büste mit einem „Neidkopf“, der das Feuer abhalten sollte, blieb erhalten. Der zweite, nun steinerne, Bau entstand daraufhin bis 1390. Zur Erinnerung an die Fertigstellung ließ der Bauherr Paul von Blankenfelde, Urenkel des ersteren, zudem eine lateinische Inschrift eingravieren. Sie lautete übersetzt:

„Die von Blankenfelde, Patrizier dieser Stadt, haben ums Jahr 1390, als Paul von Blankenfelde und Henning Strohband Bürgermeister waren, dieses Haus mit starken Mauern und Pfeilern wieder hergestellt und zwar im Backsteinbau: Sie haben seine Last einem Kellergewölbe von sieben Jochen aufgelegt.“

Im Jahr 1474 ließ der Enkel Pauls, Thomas von Blankenfelde, den Eingangsbereich neu modellieren. Hauptprunkstück waren nun vier Büsten, die ein junges Ehepaar – Thomas von Blankenfelde und seine Frau – als auch ein altes Ehepaar – Thomas’ Vater Wilke von Blankenfelde und seine Frau Katharina Wins – darstellten. Die Halle wurde von einer mittigen Säule getragen, von der eine als Kreuzgewölbe angelegte Decke ausging. Die Säule erhielt Verzierungen mit Disteln und mehreren Familienwappen. Neben der Familie Blankenfelde waren dies die angeheirateten Familien Wilmersdorf, Strohband und Wins.

Nach 1530 verließen viele Familienmitglieder Berlin und siedelten sich in der Altmark an. Der letzte bedeutendere Vertreter, Johann III. von Blankenfelde, hinterließ einen derart großen Schuldenberg, dass sich seine Nachkommen gezwungen sahen, ihre Anwesen zu verkaufen, so auch 1612 das Stammhaus in der Spandauer Straße. Es gelangte in den Besitz der Adelsfamilie von Seidel, der eine familiäre Verbindung zu den Blankenfeldes nachgesagt wurde.

Die von Seidels hielten das Haus nur knapp 100 Jahre, es ging 1722 an den Geheimen Rat Daniel Stepfani und wechselte in den kommenden 150 Jahren mehrmals den Besitzer. In den 1750er Jahren kauften die damaligen Besitzer die nach hinten herausgehenden Gebäude mit auf, ließen diese abtragen und nutzten die gewonnene Fläche als Innenhof. Äußerlich veränderte sich das Gebäude nur geringfügig, als letzte Maßnahme erhielt der Bau in den 1870er Jahren eine neue Fassade.

Das Gelände wurde 1895 an die Städtischen Elektrizitätswerke verkauft, die auch die anliegenden Grundstücke erwarben. 1899 ließ die Gesellschaft alle Gebäude abreißen und ein Kraftwerk an dieser Stelle bauen, das bis zu seiner Zerstörung zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 existierte. Nach der Enttrümmerung lag das Gelände brach und wurde bei der späteren Umgestaltung der angrenzenden Grunerstraße als Parkplatz benutzt.

Nikolaiviertel[Bearbeiten]

Hauptartikel: Nikolaiviertel

Das nach der Nikolaikirche benannte Viertel bildete als Mittelpunkt die Keimzelle Berlins. Während die Kirche auf den Zeitraum um 1220 bis 1230 datiert wird, wurde ihre Umgebung bereits vorher bebaut. Im Gegensatz zu den Ausfallstraßen aus der Stadt bewohnten vornehmlich Handwerker das verwinkelte Viertel.

Die Bebauung aus der Zeit vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert war, mit einigen Ausnahmen wie das Ephraim-Palais an der Südecke des Viertels zwischen Spree und Mühlendamm, eher unscheinbar. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Nikolaiviertel fast vollständig zerstört, die Kirche blieb dabei zunächst als Ruine erhalten. Der Wiederaufbau erfolgte in den 1980er Jahren und wurde zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987 abgeschlossen. Ein Großteil der Häuser wurde dabei in zum Teil historisierender Plattenbauweise neu errichtet.

Denkmalübersicht[Bearbeiten]

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung weist insgesamt acht Kulturdenkmale in der Berliner Landesdenkmalliste entlang der Spandauer Straße aus:

  • Nr. 1: Ensemble Burgstraße[8]
  • Nr. 1: Handelshochschule Berlin[9]
  • Zwischen Nr. 1 und 2: Mittelalterliche Fundamentreste des Pulverturms am Spandauer Tor, des Spandauer Tores selbst und eines angrenzenden Gebäudes, einschließlich verbindender und anschließender Fundamente der Stadtbefestigung[10]
  • Nr. 1–3: Fundamente der südlichen Umfassungsmauer des „Hospiz Zum heiligen Geist“[11]
  • Heiliggeistkapelle[12]
  • Nr. 24: Rotes Rathaus[13]
  • Neptunbrunnen[14]
  • Marx-Engels-Forum[15]

Prominente Anwohner[Bearbeiten]

Gedenktafel für Martin Heinrich Klaproth an der Spandauer Straße 25

Die angegebenen Hausnummern beziehen sich auf die ursprüngliche Nummernfolge in U-Form.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wolfgang Ribbe, Jürgen Schmädecke: Kleine Berlin-Geschichte. Stapp, Berlin 1988/1994, ISBN 3-87776-222-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Spandauer Straße – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spandauerstraße. In: Allgemeiner Wohnungsanzeiger für Berlin, Charlottenburg und Umgebungen, 1850, Teil 2, S. 141.
  2. Spandauer Straße. (PDF) Amt für Statistik, Stand Juni 2013, S. 22
  3. Holger Orb, Tilo Schütz: Straßenbahn für ganz Berlin. Geschichte – Konzeption – Städtebau. Jaron Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-89773-024-3, S. 17.
  4. Planwerk Innenstadt: Vertiefungsbereich Molkenmarkt. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
  5. Rüsthaus. In: Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, 1793; auf zeno.org
  6. Stadtquartier am Berliner Dom eingeweiht. Baunetz.de
  7. Deutsche Gesellschaft für Post- und Telekommunikationsgeschichte e. V. abgerufen 14. Dezember 2007
  8. Ensemble Burgstraße in der Berliner Landesdenkmalliste
  9. Handelshochschule Berlin in der Berliner Landesdenkmalliste
  10. Mittelalterliche Fundamentreste … in der Berliner Landesdenkmalliste
  11. Fundamente des „Hospiz Zum heiligen Geist“ in der Berliner Landesdenkmalliste
  12. Heilig-Geist-Spital in der Berliner Landesdenkmalliste
  13. Rotes Rathaus in der Berliner Landesdenkmalliste
  14. Neptunbrunnen in der Berliner Landesdenkmalliste
  15. Marx-Engels-Forum in der Berliner Landesdenkmalliste

52.51919722222213.405894444444Koordinaten: 52° 31′ 9″ N, 13° 24′ 21″ O